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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wapener - Wappenhalter
Amtsgerichts (Landgericht Htagdeburg", bat (1897)"
4005 E., darunter 5W Katholiken, Postamt zweiter
Klasse, Telegraph, evang. und kath. Kirche, die be-
deutendste königl. Domäne der Provinz; Zuckerfabrik,
Kesselschmiede und Pflugfabrik, Cichoriendarre,
Dampfziegelei und einen Kalksteinbruch.
Wapener, soviel wie Knappe (s. d.).
Wapiti oder canadischer Hirsch (^6rvu8
sHN3ä6N8i8 ^-^Fon), der nordamerik. Repräsen-
tant des Edelhirsches, der eine Länge von 2 m
und eine Höhe von 1,50 in erreicht; das Geweih ist
stärker als beim Edelhirsch, wird bisweilen 1^ in
lang, bekommt bis gegen 20 Enden und wiegt unter
Umstünden 25 k^. Er ist nicht nur in den europ.
Tiergärten ein ständiger Gast, sondern wird in
Europa aucb vielfach m freier Wildbabn gehalten
und zur Kreuzung mit dem Edelhirsch benutzt. Für
junge W. zahlt man 300-400 M., ausgewachsene
Hirsche werden bis zu 800 M. bezahlt.
Wapno, preusi. Dorf, s. Bd. 17.
Wappäus, Job. Eduard, Geograph und Sta-
tistiker, geb. 17. Mai 1812 zu Hamburg, besuchte die
landwirtschaftliche Akademie zu Möglin, hierauf die
Universitäten Göttingen und Berlin, wo K. Ritter
bestimmenden Einfluß auf seine Studien gewann.
Seine Studienzeit fandUnterbrechung durch eine Reife
nach den Kapverdischen Inseln und Brasilien (18^;
^-34). Nachdem er mit der Dissertation "I>6 Occ^ni
^uminidu8" zu Göttingen promoviert hatte, pri-
vatisierte er einige Zeit in Hamburg, Bonn und
Paris, wurde 1845 ausierord. und 1854 ord. Pro-
fessor in Göttingen, wo er 16. Dez. 1879 starb.
ltt47 übernahm er die Redaktion der neuen Be-
arbeitung von Stein-Hörschelmanns "Handbucb der
Geographie und Statistik", das er 1871 als zehn-
bändiges Werk abschloß. W. selbst schrieb in diesem
"Handbuch" den allgemeinen einleitenden Teil und
die Amerika gewidmeten drei Bände; speciell die
Südamerika behandelnden Teile bilden die Grund-
lage der südamerik. Geographie. Als Delegierter
der bannov. Regierung nahm er an den statistiscbcn
Kongressen teil; seine "Vorlesungen über allgemeine
Bevölkerungsstatistik" (2 Bde., Lpz. 1859 u. 18<;i)
waren in jeder Beziehung epochemachend. Von
seinen frühern Arbeiten sind noch hervorzuheben:
"Untersuchungen über die geogr. Entdeckungen der
Portugiesen unter Heinrich dem Seefahrer" (Bd. 1,
Gott. 1842), "Die Republiken von Südamerika"
li. Abteil.: "Venezuela", ebd. 1843) und "Deutsche
Mswanderung und Kolonisation" (Lpz. 1846;
Fortsetzung 1848). Kleinere Mitteilungen und Re-
censionen von W. enthalten die "Göttingischen Ge-
lehrten Anzeigen", deren Redaktion er 1848 - 63
und 1874-79 leitete; auch gab W. "Karl Ritters
Briefwechsel mit Hausmann" (Lpz. 1879) beraus.
Wappen, bleibende (erbliche), nach bestimmten
Regeln festgestellte Abzeichen einer Person, Familie
oder Körperschaft. Schon die Völker des Altertums
datten Kriegs- und Feldzeichen, und auch die Ger-
manen bemalten zu Tacitus' Zeiten ihre Schilde
mit Farben und Zeichen. Die Ausbildung der eigent-
lichen W., welches Wort ursprünglich mit "Waffen"
identisch ist, gehört jedoch dem Mittelalter an.
Für den vollständig geharnischten Ritter war im
Schlachtengetümmel ein Erkennungszeichen notwen-
dig, das am Schilde (s. d.) als Bild und am Helm
ls.d.) als Helmkleinod angebracht wurde. Die ältesten
Wappenbilder (Löwe, Leopard, Adler u. s. w., da-
ber aucb Wappentiere genannt) deuten auf bvzant.
oder orient. Ursprung und erscheinen in Westeuropa
zuerst um die Zeit der Kreuzzüge. Diese Merkzeichen
wurden bald Zu bleibenden und erblichen Kenn-
zeichen für ganze Familien (Geschlechts Wappen)
und dann auf deren Besitztum (Herrschaft s-
wappen) übertragen. In der Mitte zwischen beiden
standen die Amts Wappen der kaiserl. und königl.
Beamten und Vasallen (Herzöge, Grafen, Bischöfe
u. s. w.", insofern bei dem Feudalsystem das Amt
regelmäßig mit einem Landbesitze verbunden war
und mit diesem zusammen erblich zu werden pflegte.
Die Turniere (s. d.), denen eine Wappenschau
unter Leitung der Herolde (s. d.) und Wappen-
könige voranging, bildeten die eigentliche Wap-
penkunst oder Wappenkunde (s. Heraldik) aus.
Im Laufe der Zeit nahmen auch Korporationen
und Vereine, Gilden und Zünfte (s. Tafel: Zunft-
wappen I und II) Klöster und Stifte, Gemeinden
und Städte W. an (Gesellschaftswappen) und
erhielten solche von den Landesherren verliehen oder
bestätigt. Auch bei bürgerlichen Familien finden sich
W., die durch Wappenbriefe (s. d.) verliehen oder
durcb Herkommen und langjährigen Gebrauch
sanktioniert sind. Die willkürliche Annahme neuer
bürgerlicher W. ist dagegen in einigen Ländern ge-
setzlich verboten. GnadenWappen werden die als
ein Beweis besonderer landesherrlicher Gnade aus
dem W. des Verleihers dem Begnadeten bewilligte
Zeichen genannt. (S. auch Ehewappen.)
Meist teilt man die W. ein in: 1) Personal-
wappen, worunter die Geschlechts-, Gesellschafts-,
Gnaden- und Amtswappen, und 2) Landeswap-
pen. Bei letztcrn sind von den eigentlichen Herr-
schaftswappen des wirklichen Besitzers zu unterschei-
den die Erbschafts- und Anspruchswappen,
die ein Erb- oder Heimfallsrecht oder anderweitige
Ansprüche andeuten (wie z. V. das mecklenburgische
W. im königlich preuß. Schilde), und die Gedacht-
nis Wappen, die nur an einen verlorenen oder
aufgegebenen Besitz erinnern sollen (wie z. B. eben-
daselbst das W. der Burggraffchaft Nürnberg).
Mehrere Monarchen gebrauchen je nachdem ihr
"großes", "mittleres" oder "kleines" W., von denen
die beiden erstern die Wappenbilder sämtlicher oder
der wichtigsten Landestcile enthalten, während das
letzte nur das Hauptwappen (z. B. den preuft. Adler)
ausweist. Bei jedem W. ist das Hauptstück der Schild
mit den darauf abgebildeten Figuren. Deutet eine
solcke Figur auf den Namen hin, so heißt es ein
redendes W. lz. B. die Henne auf dem Berg im
W. der Grafschaft Henneberg). Auf dem Schilde
steht der Helm mit seinein Schmuck oder Zier, anstatt
dessen auch Kronen und Hüte verschiedener Art,
Bischofs- und andere Mützen gebraucht werden. Die
Wappenmäntel (s. d.) und Schildhalter (s.d.)
sowie die Beifügungen von Ordenszeichen sind erst
in späterer Zeit üblich geworden. Dagegen kommen
Wappensprüche, Devisen (s. d.), schon im Mittel-
alter vor. Das kunstgerechte Malen und Erklären
der W. heißt Blasonieren (s. d.). (Hierzu die Tafel:
Wappen der wichtigsten Kulturstaaten.)
S. die Litteratur unter Heraldik.
Wappenbriefe, die Urkunden, durch welche
das Staatsoberhaupt die Führung eines Wappens
in genau bestimmter Form gestattet. Sie kommen
schon gegen Ende des 14. Jahrh, vor und wurden
auch ohne Erhebung in den Adelstand verlieben.
Wappendichtüna, s. Heroldsdicktung.
Wappenhalter, s. Schildhalter.