Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

523
Washington (Städte) - Washington (George)
Pennsylvania-Avenue verbunden, liegt Kx6cutiv6
Hlansion oder das Weiße Haus (>Viiit6 II0U86),
die Amtswohnung des Präsidenten, aus Quader-
steinen mit schönem ion. Portikus und Park. In
dessen Nähe befinden sich das Schatzamt, ein Pracht-
bau in griecb. Stil, das Gebäude des Staats-,
Kriegs- und Marinedepartements mit zwei Höfen,
das Postamt mit über 200 Zimmern, das Pen-
sionsamt, ein besondere umfangreichem Gebäude, das
Patentamt (Departement dem Innern" mit Modell-
saal, die Staatsdruckerei, das Gebäude des Land-
wirtschaftsdepartements mit Museum, das Marine-
observatorium, die Marinekaserne, das United 3ww8
^ourt II0U80 izugleich Etadtbaus) u. s. w. Ferner sind
erwähnenswert die Corcoran-Kuustgalerie mit Ge-
mälden und Vronzen, das N^ationalmuseuul ls. Tafel'.
Mufecn II, Fig. 4), ein Quadrat von 100 m, mit
meist naturwissenschaftlichen Sammlungen, die
berühmte 8mitd80iii:ni Institution (s. d.) in spät-
normann. Stil, mit seinen Sammlungen, die Fisch-
komnussion und Fiscbteicbe n. s. w. Zu Ebrel^
Washingtons wurde ein kolossaler, 15'.> in hober
Obelisk aus weißem ^)tarmor 1848 begonnen, 18^5
eingeweibt. Andere hervorragende Denkmäler sind:
die Kolossalstatue Washiugtons voll Greenougb vor
dem Kapitol, die des Oberrichters Marsball von
^tory an der Westseite der Terrasse, das Garfiel 0-
Denkmal, die Bartholdi-Fontäne, die Bronzestatue
Jacksons und das Lafayette-Denkinal am gleichnami-
gen Sauare, das Lincoln-Standbild am Iudiciarn-
Square und viele andere auf den EircleS. Von nickt
staatlichen Gebäudeu siud die Freimaurer-, die Odd-
Fellows- und die Lincoln-Halle, das Große Opern-
haus, das Nationaltheater, mehrere große Hotels
nennenswert. Von den 132 Kirchen und .Kapellen find
bemerkenswert die kath. St. Aloysius-Kathedrale,
die episkopale Ascension- und die Metropolitan-
^tetbodistenlircbe. Unter den Wobltbätigkeitsinsti-
Uttcn Md das Providence-uud das Mariuehospital,
das Washiugtou-Asvluin, das Soldatenheim, das
Government - Irrenasyl, die Columbia - Institution
für Taubstumme u. s. w. zu nennen. Höhere Unter-
richtsanstalten sind namentlich Ilmvliiälniivei^itv,
die katb. Universität und die Columbiau-Universität
mit mediz.-jurist. Vorlesungen, Kunstschule und Vor-
sebule ui^d eiuenl College. In Bezug auf Haudel
und Industrie ist W. ohue Bedeutuug. Die ^tebrzabl
der Bewohner sind Beamte. In der Nabe befindet
sich der schön angelegte Kongreßfriedbos und die
jetzt hauptsächlich als Geschützgießerei benutzte
Marinewerfte der Union am Anacostia. - Vgl.
1'Vnni(Unf5 ot'^V. (itv (Baltinlore); Porter, ^d-
ininistrntioii of tli0 ('itv c"t' ^V. sebd. 1885).
Washington lspr/wösebingt'n), Name zabl-
reicher kleinerer Orte der Union, so einer Stadt im
südwestl. Indiana anl West-Fort mit i18W) <;0i;4 E.;
W. in Peuusylvauieu, im SW. von Pittsburgb, mit
7003 E. und Petroleumhandel-, W. in Ohio,'Eisen-
bahnknotenpunkt mit 5742 E.
Washington (spr. wöschingt'n), George, der
Begründer der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika und deren erster Präsident,
wurde 22. Febr. 1732 iu der Grafscbaft Westmore-
land inVirginien alsder^ohn eines wohlbabenden
Pflanzers geboren. Als junger Mann war W. Feld-
messer, später aber widmete er sich ganz dem ^and-
bau auf feiner Besitzung Mount-Vernon. Er trat
zuerst 1755 in dein .Nolonialtrieg gegen Frankreicb
in die Öffentlichkeit, indem er als Milizen-Oberstlieu-
tenant den Zug des Generals Braddock gegen Fort
Duquesne mitmachte und in dessen Niederlage ver-
wickelt wurde. 1759 wäblte mau ihn in die Gesetz-
gebende Versammlung von Virginien. Als der Streit
mit dem Mutterlande ausbrach, erklärte er sich für
^ das Selbstbesteuerungsrecht der Kolonien und wurde
zum Deputierten auf den Kontinentalkongreß (s. d.)ge-
wäblt,der Sept. l 77-1 zu Philadelphia eröffnet wurde.
Nacbdem die Feindseligkeiten zwischen den Ameri-
kanern und den Engländern bei Lerington begonnen
! hatten, wäblte der Konvent 15. Juni 1775 einmütig
! W. zum Obcrgeneral. Er fand die etwa 14 000
Mann starke, aus den Kolonialkontingenten und
! Milizen zusammengesetzte Armee vor Boston ohne
^ Waffen und Munition, ohne irgend eine Organi-
sation. Unter den größten Anstrengungen brackte
er zwar einige Ordnung und Disciplin in die Masse,
begriff aber bald, daß er sich nur auf Verteidigung,
auf Beobachtung und Überraschung des Feindes
beschränken müsse. Durch dieses Svstem wurde er
der Befreier seines Vaterlandes. (S. Vereinigte
Staaten von Amerika, Geschichte.)
Nacboem .'!. Sept. 1783 im Frieden zu Versailles
die Unabhängigkeit der Amerikaner anerkannt wor-
den, war es der innere Feind, gegen den sich die
Aufmerksamkeit W.s richten mußte. Im Heere, für
dessen Zukunft der Kongreß nicht die verfprochene
Sorge zu tragen fchien, gab fick eine tiefe Unzu-
fneoenbeit kund, ja man machte W. den Vorschlag
zu einem Staatsstreiche zur Begründung einer Mon-
archie, den er aber energisch zurückwies. Als end-
lich die Engländer 25. Nov. 1783 Neuyork räum-
ten, entließ er die Neste seines Heers und legte sein
Amt als Oberbefehlshaber nieder.
An dem zur Befestigung des jungen Staaten-
vereins 1787 berufenen Verfasfungskonvent (s. d.)
nahm W. als Mitglied der Föderalistenpartei <s. Fö-
deralismus) teil und half die noch jetzt geltende
Bundesakte entwerfen. Als 4. März 178!) die neue
Verfassung in Wirksamkeit trat, übernahm er nach
einstimmiger Wahl das Amt des Präsidenten. In-
mitten des Parteikampfes, der die Union zu zer-
reißen drohte, ordnete er die Staatsschuld, die ^an-
desverteidiguug, den Verwaltungsorganismus und
legte den Grnnd zu dem Straften- und Kanalsystem
des innern Verkehrs. Nack außen stellte er das
Princip der Neutralität auf und begünstigte da-
ourcb die Erneuerung des Handelsverkehrs mit
England. Nachdem die Präsidentenwahl 17l)3 noch-
mals auf ihn gefallen war, steigerten fich für ihn die
Schwierigkeiten durch das Verhältnis der Union zu
dem revolutionären Frankreich. Gegen die Absichten
^ der Republikaner, welche die Unterstützung Frank-
! reicks gegen England forderten, schloß W. einen vor-
teilbaften Handelsvertrag mit England und schickte
sogar die Agenten des franz. Direktoriums aus dem
^ Lande. Der Anklagen, mit denen man ihn über-
! schüttete, müde, verzichtete er auf eine abermalige
> Wiederwahl und legte sein Amt im Mu',' ^7.97??/^-
! der. Als im folgenden Jahre der.Nrieg mit Frank-
- reich ernstlich drohte, bewog ihn der neue Präsident
Adams, die Stelle eines Oberbefehlshabers noch-
mals anzunehmen. W. starb während der Span-
nung mit Frankreich 14. Dez. 17W zu Mount-Ver-
! non. Erst nach seinem Tode fühlte man den ganzen
! Verlust dieses Mannes, der als Mensch ebenso groß
und hochherzig wie als öffentlicher Charakter makel-
los und unantastbar und dabei von tiefem religiösem
i Gefühl war. Ihm sind eine Anzahl Ehrendenkmäler