Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

548
Waterloo (Antonj) - Watford
durchgeführt wurde, aber an dem Nahefeuer der
brit. Infanterie scheiterte. Auch ein zweiter Angriff
mit 77 Schwadronen, obwohl mehrmals wieder-
holt, glückte nicht, weil ihn Napoleon nicht mit In-
fanterie unterstützen konnte. Dagegen ging etwa
um 5^/2 Uhr nachmittags La-Haye-Sainte verloren.
Schon vorher hatten sich in der rechten Flanke
der franz. Aufstellung preuß. Abteilungen gezeigt,
die aber Napoleon für wenig bedeutend hielt. Um
4^/2 Uhr brach jedoch Bülows Korps bei Frischer-
mont aus dem Pariser Holzchen hervor, und Napo-
leon schickte zuerst nur das 6. Korps entgegen. Als
sick aber noch mehr feindliche Streitkräfte dort ent-
wickelten, ließ er auch die Junge Garde dorthin ab-
rücken. In der Front fetzte Ney die Schlacht nach
der Niederlage der Kavallerie fort. Um 7 Uhr, da
alles darauf ankam, die Briten vor Ankunft der
Preußen zu vernichten, ordnete Napoleon den Haupt-
schlag mit Aufbietung seiner letzten Streitkräfte an.
Auch die Alte Garde wurde vorgezogen- nur ihr
1. Grenadierregiment blieb auf der Höhe stehen.
Wellington, dessen Heer kaum noch 30000 Kampf-
fäbigc zählte, befand sich in der bedenklichsten Lage.
Dennoch hielten seine Truppen stand, und nun
rückte auch Blüchers rechter Flügel, das 1. Korps
( Iieten), auf dem linken der Engländer in die Schlacht-
linie ein. Die Preußen griffen sogleich die verloren
gegangenen Meierhöfe im Thalgrnndc an. Welling-
ton gab seinem Heere den Befehl zum allgemeinen
Vorrücken gegen die ziemlich aufgelöste franz. In-
fanterie, auf welche nun die brit. Kavallerie einhieb.
Wenige Minuten fpäter wurde, halb schon im Nucken
Napoleons, Planchenois von den Preußen erstürmt.
Batterien fuhren jenfeits auf und beschossen die Fran-
zosen in der Flanke. Prinz Wilhelm eilte mit der
ganzen Kavallerie zur Verfolgung vor. Alles vom
reckten franz. Flügel stürzte sich in wilder Flucht
nach Belle-Alliance. Nur vier Gardebataillonc, die
sick auf dem Plateau von Mont-St. Jean behauptet
und von da nach Belle-Alliance zurückgezogen hatten,
standen noch fest. Napoleon ritt in eins ihrer Vier-
ecke und wollte mit feiner Garde sterben; aber Mar-
sckall Soult riß ihn gewaltsam mit sich fort. Bald
wurde auch das letzte Viereck gesprengt, und die Ver-
wirrung der fliehenden Franzosen war entsetzlich.
Gegen 9 Uhr abends trafen die beiden siegenden
Feldherren auf der Höhe von Belle-Alliance zufam-
men. Gneiscnau setzte sich sofort an die Spitze der
Verfolgung und vollendete damit die Niederlage
Napoleons. Die Franzofen verloren während der
Schlacht 35000 Tote und Verwundete, 6000 Ge-
fangene und auf der Flucht alles Geschütz und Ge-
päck. Selbst der kaiserl. Wagen mit vielen schätzen
wurde zu Genappe (im Nordosten von Nivelles),
wo Napoleon vergebens dic Flücktigen zu sammeln
versucht hatte, durch schles. Schützen erbeutet. Das
brit.-niederlünd. Heer hatte 16 000, das preußische
6000 Mann, die Verbündeten überhaupt 1120 Offi-
ziere-und 20 877 Mann verloren. Zur Erinnerung
an die Schlacht wurde ein 60 ni hohes Denkmal in
Form eines Hünengrabes südwestlich bei Mont-
St. Jean errichtet, auf dem eine 19 ni hohe Säule
steht, die auf ihrer Spitze den niederländ. Löwen
trägt; zwischen La Belle-Alliance und Planchenois
stebt ein von Friedrich Wilhelm M. von Preußen
gestiftetes eisernes Denkmal. Dstlich vom Löwen-
Hügel sind noch zwei kleinere engl. Denkmäler.
Vgl. Grolman, Geschichte des Feldzugs von 1815
ianonvm; hg. von Damitz, 2 Bde., Berl. 1837);
Siborne, IIi8tor^ ol lli<^ v.u^ in l815(3.Aufl.,2Bdc.,
Lond. 1848: deutsch Verl. 1846); Charras, llistoii-o
6" 1a cainpÄML ä6 1815. ^. (2 Bde., Lpz. 1867
u. ö.); von Ollech, Geschichte des Feldzugs von 1815
nach archivalischen Quellen (Berl. 1876); vonSchlei-
nitz, Vergleichende Betrachtungen über die Schlack-
ten von Belle-Alliance und Königgrätz (ebd. 1876)'
Chesney,^Vatoi-i0sj-l60wi'68 (3. Aufl., Lond. 1874:
deutsch, 2. Aufl., Berl. 1869); La Tour d'Auvergne,
>Vat6i'1s)0 (Par. 1870); von Treuenfeld, Die Tage
von Ligny und Velle-Alliance (Hannov. 1881"; ^V.
l6trei-3 (hg. von Siborne, Lond. 1892); I. (5. Nope5,
'Nic; camM^n ok ^V. (ebd. 1893).
Waterloo, Antonj, Holland. Maler, Zeichner
und Kupferätzer, geb. um 1598 zu Utrecht, lebte fast
immer in der Umgegend von Utrecht bei Maarsen
und Nrenkelen, trat 1619 in die St. Lukasgilde ein
und starb gegen 1670 im Hospital St. Hiob bei
Utrecht. Seine Landschaften sind Poet. Naturdar-
stellungen: das Licht, das er durch Bäume und
Blätter durchschimmern läßt, und der Widerschein
der Bäume in: Wasser giebt seinen Darstellungen
im Gemälde wie in Zeichnung und Radierung den
Reiz der Wahrheit. Wegen der Seltenheit seiner
Gemälde kennt man W. mehr aus seinen vortreff-
lichen Zeichnungen (meist in Kreide und Tuschc> und
aus seinen 136 schönen Radierungen.
Waterloo with Seaforth (spr. ßih-), Hafen-
stadt der engl. Grafschaft Laucafhire, unterhalb
Liverpools, dessen Vorort es bildet, an dcr Mün
düng des Mersey in die Irische See, hat (18915
17328 E., gegen 9118 im 1.1881; Seebäder.
Watermaschine, s. Spinnerei.
Waterproof (engl., spr. -prüf), wasserdicht.
Waterside (spr.-seid), Vorort vonColerainess.d.).
Watertown (spr. -taun), Orte in den Vereinig-
ten Staaten von Amerika; darunter: 1) Stadt im
(5ounty Middleser in Massachusetts, westlich von
Boston, Vorort von Newton, hat (1890) 7073 E.:
Stärke-, Kaschmir- und Kammgarnsabriken, Fär-
berei, Papiermühle, Ofengieherei. - 2) Haupt-
ort des County Iefferfon in Neuyork, auf beiden
Seiten des Black-River, der Wasserkraft liefert,
16 km oberhalb feiner Mündung in den Ontariosee-
und an der nach fünf Richtungen ausstrahlenden
Rome-W.-OgdenBahn, mit 14 725 E.; hat Papier-
mühlen und Kutfckenfabriken, Dampf- und Näh-
maschinenbau, Herstellung von Thermometern und
Nivellierinstrumenten und einen Gctreideelevator.
In der Nähe ein Armenhaus und eine Irrenanstalt.
- 3) Stadt im County Iefferfon, zum Teil auch
im County Dodge in Wisconsin, westlich von Mil-
waukce auf beiden Seiten des Roä-River, an der
Chicago-Milwaukee-St. Paul- und an der Chicago-
Northwestern-Badn, zählt 8755 (5.. darunter viele
Deutsche. W. hat mehrere Mühlen sowie Masckinen-
werkstättcn, Ziegelei, Wollmühlcn, Brauerei und cinc
luth. ^>0i'tQ>v'68tLin Ilnivei'sit^ sTheologenschule".
Watertwist, ein auf der Watermafchine ge.
fponnencs Feingespinst.
Waterville (spr. -will), Ort im County Kennebcc
im nordamerik. Staate Maine, oberhalb Augusta,
am Kennebccflllft, mit mehrfacher Bahnverbindung,
hat verschiedenartige Industrie, besonders Vaum-
wollfabrikation und ein Vaptistencollcge. Die Stadt
zählt (l890) 7107, mit Winslow 8921 E.
Watford (fpr. wottf'rd), Stadt in der engl.
Grafschaft Hertford, rechts am Colne und an der
London and Nortlnvcstcrn-Babn, bat (1891) 16^19