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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Waterloo (Antonj) - Watford

durchgeführt wurde, aber an dem Nahefeuer der brit. Infanterie scheiterte. Auch ein zweiter Angriff mit 77 Schwadronen, obwohl mehrmals wiederholt, glückte nicht, weil ihn Napoleon nicht mit Infanterie unterstützen konnte. Dagegen ging etwa um 5½ Uhr nachmittags La-Haye-Sainte verloren.

Schon vorher hatten sich in der rechten Flanke der franz. Aufstellung preuß. Abteilungen gezeigt, die aber Napoleon für wenig bedeutend hielt. Um 4½ Uhr brach jedoch Bülows Korps bei Frischermont aus dem Pariser Hölzchen hervor, und Napoleon schickte zuerst nur das 6. Korps entgegen. Als sich aber noch mehr feindliche Streitkräfte dort entwickelten, ließ er auch die Junge Garde dorthin abrücken. In der Front setzte Ney die Schlacht nach der Niederlage der Kavallerie fort. Um 7 Uhr, da alles darauf ankam, die Briten vor Ankunft der Preußen zu vernichten, ordnete Napoleon den Hauptschlag mit Aufbietung seiner letzten Streitkräfte an. Auch die Alte Garde wurde vorgezogen; nur ihr 1. Grenadierregiment blieb auf der Höhe stehen. Wellington, dessen Heer kaum noch 30 000 Kampffähige zählte, befand sich in der bedenklichsten Lage. Dennoch hielten seine Truppen stand, und nun rückte auch Blüchers rechter Flügel, das 1. Korps (Zieten), auf dem linken der Engländer in die Schlachtlinie ein. Die Preußen griffen sogleich die verloren gegangenen Meierhöfe im Thalgrunde an. Wellington gab seinem Heere den Befehl zum allgemeinen Vorrücken gegen die ziemlich aufgelöste franz. Infanterie, auf welche nun die brit. Kavallerie einhieb. Wenige Minuten später wurde, halb schon im Rücken Napoleons, Planchenois von den Preußen erstürmt. Batterien fuhren jenseits auf und beschossen die Franzosen in der Flanke. Prinz Wilhelm eilte mit der ganzen Kavallerie zur Verfolgung vor. Alles vom rechten franz. Flügel stürzte sich in wilder Flucht nach Belle-Alliance. Nur vier Gardebataillone, die sich auf dem Plateau von Mont-St. Jean behauptet und von da nach Belle-Alliance zurückgezogen hatten, standen noch fest. Napoleon ritt in eins ihrer Vierecke und wollte mit seiner Garde sterben; aber Marschall Soult riß ihn gewaltsam mit sich fort. Bald wurde auch das letzte Viereck gesprengt, und die Verwirrung der fliehenden Franzosen war entsetzlich. Gegen 9 Uhr abends trafen die beiden siegenden Feldherren auf der Höhe von Belle-Alliance zusammen. Gneisenau setzte sich sofort an die Spitze der Verfolgung und vollendete damit die Niederlage Napoleons. Die Franzosen verloren während der Schlacht 35 000 Tote und Verwundete, 6000 Gefangene und auf der Flucht alles Geschütz und Gepäck. Selbst der kaiserl. Wagen mit vielen Schätzen wurde zu Genappe (im Nordosten von Nivelles), wo Napoleon vergebens die Flüchtigen zu sammeln versucht hatte, durch schles. Schützen erbeutet. Das brit.-niederländ. Heer hatte 16 000, das preußische 6000 Mann, die Verbündeten überhaupt 1120 Offiziere-und 20 877 Mann verloren. Zur Erinnerung an die Schlacht wurde ein 60 m hohes Denkmal in Form eines Hünengrabes südwestlich bei Mont-St. Jean errichtet, auf dem eine 19 m hohe Säule steht, die auf ihrer Spitze den niederländ. Löwen trägt; zwischen La Belle-Alliance und Planchenois steht ein von Friedrich Wilhelm III. von Preußen gestiftetes eisernes Denkmal. Östlich vom Löwenhügel sind noch zwei kleinere engl. Denkmäler.

Vgl. Grolman, Geschichte des Feldzugs von 1815 (anonym; hg. von Damitz, 2 Bde., Berl. 1837); Siborne, History of the war in 1815 (3. Aufl., 2 Bde., Lond. 1848: deutsch Berl. 1846); Charras, Histoire de la campagne de 1815. W. (2 Bde., Lpz. 1867 u. ö.); von Ollech, Geschichte des Feldzugs von 1815 nach archivalischen Quellen (Berl. 1876); von Schleinitz, Vergleichende Betrachtungen über die Schlachten von Belle-Alliance und Königgrätz (ebd. 1876); Chesney, Waterloo-lectures (3. Aufl., Lond. 1874; deutsch, 2. Aufl., Berl. 1869); La Tour d'Auvergne, Waterloo (Par. 1870); von Treuenfeld, Die Tage von Ligny und Belle-Alliance (Hannov. 1881); W. letters (hg. von Siborne, Lond. 1892); J. E. Ropes, The campaign of W. (ebd. 1893).

Waterloo, Antonj, holländ. Maler, Zeichner und Kupferätzer, geb. um 1598 zu Utrecht, lebte fast immer in der Umgegend von Utrecht bei Maarsen und Brenkelen, trat 1619 in die St. Lukasgilde ein und starb gegen 1670 im Hospital St. Hiob bei Utrecht. Seine Landschaften sind poet. Naturdarstellungen; das Licht, das er durch Bäume und Blätter durchschimmern läßt, und der Widerschein der Bäume im Wasser giebt seinen Darstellungen im Gemälde wie in Zeichnung und Radierung den Reiz der Wahrheit. Wegen der Seltenheit seiner Gemälde kennt man W. mehr aus seinen vortrefflichen Zeichnungen (meist in Kreide und Tusche) und aus seinen 136 schönen Radierungen.

Waterloo with Seaforth (spr. ßih-), Hafenstadt der engl. Grafschaft Lancashire, unterhalb Liverpools, dessen Vorort es bildet, an der Mündung des Mersey in die Irische See, hat (1891) 17 328 E., gegen 9118 im J. 1881; Seebäder.

Watermaschine, s. Spinnerei.

Waterproof (engl., spr. -pruf), wasserdicht.

Waterside (spr.-seid), Vorort von Coleraine (s. d.).

Watertown (spr. -taun), Orte in den Vereinigten Staaten von Amerika; darunter: 1) Stadt im County Middlesex in Massachusetts, westlich von Boston, Vorort von Newton, hat (1890) 7073 E.; Stärke-, Kaschmir- und Kammgarnfabriken, Färberei, Papiermühle, Ofengießerei. - 2) Hauptort des County Jefferson in Neuyork, auf beiden Seiten des Black-River, der Wasserkraft liefert, 16 km oberhalb seiner Mündung in den Ontariosee und an der nach fünf Richtungen ausstrahlenden Rome-W.-Ogden-Bahn, mit 14 725 E.; hat Papiermühlen und Kutschenfabriken, Dampf- und Nähmaschinenbau, Herstellung von Thermometern und Nivellierinstrumenten und einen Getreideelevator. In der Nähe ein Armenhaus und eine Irrenanstalt. - 3) Stadt im County Jefferson, zum Teil auch im County Dodge in Wisconsin, westlich von Milwaukee auf beiden Seiten des Rock-River, an der Chicago-Milwaukee-St. Paul- und an der Chicago-Northwestern-Bahn, zählt 8755 E., darunter viele Deutsche. W. hat mehrere Mühlen sowie Maschinenwerkstätten, Ziegelei, Wollmühlen, Brauerei und eine luth. Northwestern University (Theologenschule).

Watertwist, ein auf der Watermaschine gesponnenes Feingespinst.

Waterville (spr. -will), Ort im County Kennebec im nordamerik. Staate Maine, oberhalb Augusta, am Kennebecfluß, mit mehrfacher Bahnverbindung, hat verschiedenartige Industrie, besonders Baumwollfabrikation und ein Baptistencollege. Die Stadt zählt (1890) 7107, mit Winslow 8921 E.

Watford (spr. wottf'rd), Stadt in der engl. Grafschaft Hertford, rechts am Colne und an der London and Northwestern-Bahn, hat (1891) 16 819