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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wehrvögel - Weichflosser
haften für die Zahlung. Die W. wird in 14 Klassen
in Höhe von 1 bis 100 Fl. erboben, und von ihrem
Ertrag werden jährlich 2 Mill. Fl. einer Kasse (Mi-
litärtaxfonds) zugeführt, die zur Aufbesserung der
Pensionen von Militärinvaliden und Angehörigen
vor dem Feinde gefallener Militärpersonen dient.
Del- Rest des Ertrags der W. fließt in die Staats-
kassen der beiden Reichshälften, die dafür die Ver-
pflichtung übernommen haben, im Falle einer Mo-
bilmachung die Familien der zmn Dienste berufenen
Wehrpflichtigen zu unterstützen. In der Schweiz
ist die W. (Militärpflichtersatz) durch Gesetz
vom 28. Juni 1878 einheitlich geregelt worden, nach-
dem sie vorher in einigen Kantonen bereits seit
uahezn 40 Jahren und zuletzt fast im ganzen Bun-
desgebiet, aber nach verschiedenartigen Grundsätzen,
erhoben worden war. Als W. wird von jedem
wehrpflichtigen, in und außer Landes wohnenden
Schweizer, der nicht persönlich Militärdienst leistet,
eine Kopfsteuer von 6 Frs., eine Vermögenssteuer
von 1^/2 Promille und eine Einkommensteuer von
IV2 Proz., diese bis zum Höchstbetrag vou 3000Frs.
jährlich, bis zum ^2. Lebensjahre und die Hälfte
dieser Steuer bis zur Vollendung des 41. Lebens-
jahres erhoben. Vermögen unter 1000Frs. und die
ersten 600 Frs. des Einkommens sind jedoch steuer-
frei. Die Eltern sind für die Steuerzahlung haftbar,
und befreit von der W. sind nur Erwerbsunfähige,
öffentliche Almosenempfänger, durch Militärdienst
untauglich gewordene und im Ausland zum Militär-
dienst oder einer W. herangezogene Personen, ferner
Beamte der Polizei, Grenzwache, Eisenbahnen und
Dampfschisse. Die W. fällt zur Hälfte den Kantonen
zu, zur Hälfte einem Militärpensionsfonds, der der
Bundeskasse verbleibt. Dieser Anteil belief sich 1894
auf nahezu I//2 Mill. Frs. In Frankreich wurde
die W. zuerst, und zwar durch Gesetz vom 8. März
1800, eingeführt, verschwand jedoch mit der Er-
richtung des Kaiserreichs sehr bald wieder. Durch
das Mlitärgesetz vom 16. Juli l889 ist aber eine
W. wieder eingeführt, die aus einem festen Satz von
6 Frs. pro Jahr und einer nach dem Vermögen und
der Einnahme des Wehrpflichtigen festzusetzenden
Steuer bestebt. Mit dem vierten Wehrpflichtjahrc
beginnt die Steucrpflicht', sie erlischt erst beim Über-
tritt in die Reserve der Territorialarmee.
Vgl. Ioffres, IÄuä05 8ui-10 r^rnt^ment ä61'in--
M66 (Par. 1843); ders., ^onvell^Z etnäe" (ebd.
1845)-, Knies, Die Dienstleistung des Soldaten und
die Mängel der Konskriptionspraris (Freib. i. Br.
1860)'. Iollv, Die Militürsteuer oder das Wehrgeld
lin der "Zeitschrift des königlich preuß. Statisti-
schen Bureaus", Berl.1869); Lestgang, Das Wehr-
geld (Bd. 32 der "Jahrbücher für Nationalökonomie
und Statistik", Jena 1879); Marcinowsky, Die W.
im Deutschen Reich (Berl. 1881); Cohn, Die W.
und Ebre und Last in der Volkswirtschaft (in den
"Volkswirtschaftlichen Aufsätzen", Stuttg. 1882);
Wagner, Wehrsteuer (in Schönbergs "Handbuch
der polit. Ökonomie", Bd. 3, 3. Aufl., Tüb. 1891);
Eheberg, Webrstcuer (im "Handwörterbuch der
Staatswissenschaften", Bd. 6, Jena 1894).
Wehrvögel (?a1uinLc!6i6a(;), eine aus zwei
Gattungen und drei Arten bestehende Familie der
Stcl^vögel, welche Südamerika vom La Plata bis
Columbien bewohnt. Die sonderbaren Tiere, die
von manchen Forschern den Entvögeln, von andern
den Hühnern zugerechnet werden, haben in einem
kurzen, zugespitzten Scbnabel, ähnlich wie die Sieb-
schnäbler, schwache, aber sebr zahlreiche seitliche
Querblätter; die Beine sind lang, die Zehen frei
ohne Schwimmhaut; am Flügelbug (Handgelenk)
finden sich zwei sehr scharfe Sporen. Die W. er-
nähren sich von Vegetabilien, besonders von den
Blüten und juugen Blättern der Sumpfpflanzen.
Die häufigste Art ist der Aniuma (i'alHMLäoii,
coi-imta. ^., s. Tafel: EtelzvögelI, Fig. 4), Ka-
m ichi, ein 80 cm langer Vogel mit einem bis 15 cm
langen, dünnen, hornartigen Hautanhang auf dem
Kopfe, in dessen sammetähnlichcm Gesieder eine
dunkle Färbung vorherrscht. Eine der zweiten Gat-
tung angcborige Art, der Hirtenvogel oder
! Tschaja (Olmui^ lüiHvaiig, //li>/.), lebt in den La
Plata-Ländern, wird ungefähr 50 cm hoch und hat
einen Schöpf langer Nackenfedern. Man sieht den-
selben in fast allen zoolog. Gärten, wo er, mit Kohl,
Brot und Fleisch gefüttert, lange aushält. Preis
200 M. das Paar.'
Wehrwolf, s. Werwolf.
Wei, lange Wei, infolge von Pilzwirkungen
fadenziehcnd gewordene Molken, werden nach Bökels
Verfahren zur Bereitung von Edamer und Gouda-
käfe mitverwendet.
Wei, chines. Name des Amu (s. 0.).....
Weib, s. Frau und Geschlecht. '
Weiberkrieg, Pflanzenart, s. OnoniL.
Weiberlehn (IV'näum t't>inininum), ein Lehn,
das auch an Weiber und die weibliche Linie (Ko-
gnaten) fallen tonnte, und zwar entweder ohne daß
überhaupt eiu Unterschied zwischen Agnaten und Ko-
gnaten stattfand (durchgehendcs W.) oder so, dah
die Kognaten nach dem Ausstcrben des Manns-
stammes berufen wurden (subsidiarisches W.).
Weibersommer, s. Altweibersommer.
Weibertreu, Echloßruine beiWcinsberg(s.d.).
Weibliche Handarbeit, s. Handarbeit.
Weibliche Stifter, s. Fräuleinstift und Stift.
Weiblicher Tüpfelfarn, s. ^plönium.
Weichbild, das Stadtgebiet oder die zur Stadt
gehörige Flur außerhalb der Mauern; das Stadtrccht
(s.d.) oder der zu eiuer Stadt gehörige Gerichtsbczirt.
Weichbleimantel, s. Mantel.
Weichbronze, s. Geschüzchronze.
Weichdeckkäfer, s. Weichhäuter. - ^ ^ ^ ' .'5
Weiche Hirnhaut, s. Gehirn. '
Weicheisenkies, s. Markasit.
Weichen, s. Eisenbahnbau, Straßenbahnen und
Transportable Eisenbahnen.
Weichensignale, s. Eisenbahnsignale.
Weichensteller, s. Eisenbahnbeamte.
Weichenstellerhaus, s. Bahnhöfe.
Weichenstratze, s. Eisenbahnbau.
Wcichenturm, s. Central-Weichen- und Signal-
Stellvorrichtungen.
Weichenzungen, s. Eisenbahnbau.
Weicher Hinterkopf, s. Englische Krankheit.
Weiches Wasser, s. Härte ldcs Wassers).
Weichflosser (^iiac^ntkini), eine Unterorv- .
nung der Knochenfische, deren unpaare Flossen
keine ungegliederten Stacheln haben. Die Bauch-
flossen sind, wenn vorhanden, an die Kehle gerückt
(Kehlflosser). Die'Schwimmblase, die auch feh-
len kann, wie bei den schollen, entbehrt des Luft-
ganges. Zu ihnen gehören die Sandaale, Schollen
! und' Schellfische. Der Flossenbeschaffenheit nach
! hätte man auch viele andere Knochenfische, zum
z mindesten die Schlundblasenfische (s. d.), die aus
^ andern Gründen abgetrennt wurden, zu den W. zu