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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Weihkessel - Weihwasser

und Kapellen, stiftete Altäre und andere Ausstattungsgegenstünde der Kirchen.

Weihkessel, s. Weihwasser.

Weihnachten (aus der altdeutschen Formel ze wihen nahten, "zu" oder "an den heiligen Nächten"), Christfest oder Heiliger Christ, das Gedächtnisfest der Geburt Jesu. W. wird erst seit dem 4. Jahrh. als christl. Hauptfest gefeiert. Über Jahr, Monat und Tag der Geburt Christi gab es weder schriftliche Nachrichten noch mündliche Überlieferung. Die morgenländ. Kirche feierte im 8. und 4. Jahrh. die Geburt Christi zugleich mit seiner Taufe am 6. Jan. (s. Epiphania); dagegen findet sich die Feier des 25. Dez., des Tages, der nach dem Julianischen Kalender als Wintersonnenwende galt, zuerst im Abendlande (in Rom 354) und kam von da gegen Ende des 4. Jahrh. zu den morgenländ. Christen. Die Entstehung und Ausbreitung des Festes stand im Zusammenhange mit dem Siege über die Lehre der Arianer (s. d.). Mit dem Weihnachtsfest wurden vom 5. bis zum 8. Jahrh. mehrere teils ältere, teils neu aufkommende Feste in unmittelbare Verbindung gesetzt, so daß ein Weihnachtskreis entstand. (S. Kirchenjahr.)

Die symbolische Beziehung des 25. Dez. als des Tages der Wintersonnenwende auf das der Menschheit in Christus angebrochene geistige Licht lag sehr nahe, da fast alle alten Völker die Wintersonnenwende als den Beginn des erneuten Lebens der Natur zu feiern pflegten. Die Germanen feierten in dieser Zeit ihr Julfest (s. Julklapp) und glaubten in ihr ein persönliches Umziehen und Eingreifen der Geister und der großen Götter zu verspüren, die sich auch in allerlei Gestalten den Menschen zeigten. Viel von dem Glauben und Brauche des german. und wohl auch des röm. Heidentums ist in die christl. Weihnachtssitte übergegangen und hat sich erhalten. Im Gegensatz zu dem heidn. Festbrauch entstanden die Darstellungen der Geburtsgeschichte Jesu, die sog. Krippen, und Weihnachtslieder und Weihnachtsdramen (s. Weihnachtsspiele). Seit dem 17. Jahrh. kamen auch die mit Lichtern und Gaben geschmückten Christbäume auf. Älter ist der schon bei den röm. Saturnalien (s. d.) herkömmliche und durch diese nach Deutschland gekommene Brauch des gegenseitigen Beschenkens, das Herkommen gewisser eigentümlicher Festspeisen, als Christstollen, Striezel, Huzel- oder Klözenbrot, Mohnklöhe u. dgl. So wurde W. ein allgemeines Freudenfest in dem Maße wie kein anderes christl. Fest. - Vgl. P. Cassel, W., Ursprung, Bräuche und Aberglauben (Berl. 1862); Mannhardt, Weihnachtsblüten in Sitte und Sage (ebd. 1864): Marbach, Die heilige Weihnachtszeit (2. Aufl., Frankf. a. M. 1865); Uhlhorn, Das Weihnachtsfest, seine Sitten und Bräuche (Hannov. 1869); Usener, Religionsgeschichtliche Untersuchungen, I (Bonn 1889); de Lagarde, Altes und Neues über das Weihnachtsfest (Gött. 1891); Tille Die Geschichte der deutschen Weihnacht (Lpz. 1893).

Weihnachtsinsel, Christmas-Island, eine der Fanninginseln (s. d.) im Stillen Ocean, unter 2° nördl. Br., seit 1888 von England in Besitz genommen, ist eine Laguneninsel von 607 qkm Fläche mit guten Häfen, ziemlich unfruchtbar und unbewohnt. Sie wurde 25. Dez. 1777 von Cook entdeckt.

Weihnachtsinsel, Christmas-Island, Insel im Indischen Ocean, unter 10" 30' südl. Br. und 105° 30' östl. Länge, hat wahrscheinlich einen vulkanischen Kern, neben dem sich Foraminiferen- und

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Korallenkalkstein abgesetzt hat. Sie erhebt sich aus Meerestiefen von 2000 m und ist bis 364 m hoch. Drei scharfe Terrassen springen bis zu dieser Höhe empor. Der Boden ist porös, stehendes oder fließendes Wasser fehlt. Dichter Wald bedeckt trotzdem die ganze Insel. Schildkröten fehlen, Ratten, Eidechsen, Fledermäuse kommen vor. Sie wird zu den engl. Straits Settlements gerechnet.

Weihnachtskreis, s. Kirchenjahr.

Weihnachtsrose, Pflanzenart, s. Helleborus.

Weihnachtsspiele, eine Gattung geistlicher Spiele, die seit dem 11. Jahrh. namentlich für Deutschland und Frankreich bezeugt sind und Christi Geburt, die Anbetung der Hirten und der heiligen drei Könige darstellten, zuweilen auch bis zum Bethlehemitischen Kindermord fortgeführt wurden. Die W. wurzeln in Ceremonien der Christmesse, bei der eine Krippe aufgestellt wurde und Geistliche oder Knaben den Engel und die Hirten sprachen. Zuerst lateinisch, wurden die W. allmählich mit meist komischen Episoden in der Landessprache ausgestattet und schließlich ganz in dieser verfaßt. Die frühesten W. aus Deutschland sind zwei Freisinger lat. Dramen und der "Ludus scenicus de nativitate Domini" in den "Carmina burana". Die ältesten ganz oder meist deutschen W. gab aus einer Erlauer Handschrift Kummer heraus ("Erlauer Spiele", Wien 1882), ein Hess. Weihnachtsspiel Piderit (Parchim 1869). Im Unterschiede von den Passionsspielen, die seit dem 16. Jahrh. nur noch in Süddeutschland gepflegt werden, hat das Weihnachtsspiel auch im prot. Norden, von Luther begünstigt, fortgelebt. Außer in kunstmüßigen Dichtungen des 16. Jahrh., z. B. von Pondo, Lasius, Knaust, Pach (vgl. Bolte in den "Mark. Forschungen", Bd. 18, Berl. 1884), ist es auch im Volke, namentlich in Schlesien, lebendig geblieben. Im Volksschauspiel treten zu der Anbetung der Hirten später die sog. Adventsreime hinzu; das Christkind oder Knecht Ruprecht in der Begleituug von Petrus und Nikolaus prüfen die Artigkeit der Kinder. - Vgl. Weinhold, W. und Lieder aus Süddeutschland und Schlesien (Graz 1853; 2. Ausg. 1855); Hartmann, Weihnachtslied und Weihnachtsspiel in Oberbayern (Münch. 1875); Pailler, Weihnachtslieder und Krippenspiele aus Oberösterreich und Tirol (2 Bde., Innsbr. 1881 u. 1884); Hofer, Weihnachtsspiele (Wiener-Neustadt 1892); Koppen, Beiträge zur Geschichte der deutschen W. (Paderb. 1893).

Weihrauch (Olibanum), das durch Einschnitte in den Stamm ausfließende und an der Luft erhärtete Gummiharz mehrerer Arten Boswellia (s. d.), bildet fast kugelige thränenförmige Körner verschiedener Größe, von weißlicher bis braunlichgelblicher Farbe und wachsartigem Bruch. Er ist in Alkohol größtenteils löslich und beim Erhitzen schmelzbar unter Zersetzung und Verbreitung eines eigentümlichen balsamischen Geruchs. Er dient fast nur zum Räuchern. Die Griechen und Hebräer verwandten ihn schon zu ihren Rauchopfern in den Tempeln. Die röm. und griech. Kirche wenden ihn seit Konstantins d. Gr. Zeit an. Handelsplätze für W. sind Aden, Bombay und London; die jährliche Zufuhr an letzterm Platz beträgt über 7000 Colli (à 75-100 kg). Wert im Großhandel 1 bis 1,75 M. das Kilogramm.

Weihrauchkiefer, s. Kiefer.

Weihwasser (lat. aqua aspersoria oder lustralis), in der kath. Kirche feierlich geweihtes Wasser,