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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Weissagungen (messianische) - Weißbleierz
ter und die Gestaltung der Zukunft zu entnehmen. Die eigentliche Traum d eilt er ei scheint erst später aus dem Orient Eingang bei den Griechen gefunden zu haben (vgl. das Traumbuch des Artemidorus).
Noch viel ausgebreiteter und enger mit dem Staatsleben verknüpft war die W. bei den Römern, und zwar die mittelbare, die Divination, die auf der Auslegung gegebener oder gesuchter Zeichen beruhte. Eine Unzahl zufälliger Erscheinungen, sowohl sichtbarer (prodigium, portentum, monstrum) als hörbarer (omen im engern Sinne), galt ihnen als vorbedeutend, und die Deutung der Himmelserscheinungen, besonders der Blitze, sowie diejenige des Flugs und die Stimme der Vögel ward durch die Körperschaft der Augurn (s. d.) in eine Art von System gebracht und übte den größten Einfluß auf Staats- und Privatleben aus. Daneben war zugleich die ursprünglich etrurische, von den Haruspices (s. d.) gepflegte Kunst der Opferschau vom Staate anerkannt, und nicht minder wurden die Sibyllinischen Bücher sowie die Entscheidung des Loses (sortes) von Staats wegen zu Rate gezogen. Zuletzt drangen noch allerlei fremde, meist orient. Wahrsager- und Zauberkünste ein, darunter namentlich die Astrologie, und wußten sich auch gegen wiederholte Staatsverbote zu behaupten.
Bei den Germanen stand die W. in hohen: Ansehen und ward in öffentlichen wie in Privatangelegenheiten vielfach geübt, durch Priester, durch die Hausväter und besonders auch durch Granen. (S. Albrûna, Veleda.) Gern benutzte man dazu die Lose, Stäbchen aus hartem Holz, vorzugsweise der Buche, geschnitten und mit Zeichen versehen. (S. Los.) Ferner weissagte man aus dem Gewieher von Rossen, aus Geschrei und Flug der Vögel, aus dem Strudeln fließender Wasser u. dgl. Bei weitem nicht alle Arten der altgermanischen W. vermochte die christl. Kirche des Mittelalters auszurotten. So mußte sie 5. B. die Ordalien ls. Gottesurteil) lange Zeit dulden. Im 15. und 16. Jahrh, kamen allerlei Formen der Wahrsagung, die teils von den Römern, teils von den Arabern herstammten, Astrologie, Chiromantie, Geomantie, Rhabdomantie, Traumdeutung u. dgl., Zur Geltung und erzeugten die Litteratur der "Praktiken", eine Art von Wahrsagekalendern. Von dem Lichte der religiösen und wissenschaftlichen Aufklärung wurde auch diese Art von Aberglauben allmählich gedämpft, aber bis auf den heutigen Tag noch lange nicht ausgerottet, wie unter anderm das Kartenschlagen (s.d.), die Punktierkunst, das Bleigießen u. dgl. sowie die Gaukelei des Somnambulismus, des Tischrückens, der Geisterklopferei und des sog. Spiritismus (s. d.) beweisen. Auch von dem uralten Volksglauben in Beziehung auf Vorbedeutung (s. Angang)
hat sich noch mancherlei im Volke lebendig erhalten.
Weissagungen, messianische, s. Messias.
Weißbier, s. Bier und Bierbrauerei.
Weißbirke, s. Birke und Tafel: Laubhölzer: Waldbäume II, Fig. 2.
Weißbläßhuhn, s. Wasserhuhn.
Weißblech, s. Blech und Weißblechfabrikation.
Weißblechfabrikation. Das zur Fabrikation des verzinnten Eisenbleches (Weißbleches) benutzte Rohmaterial ist teils Schweißeisen, teils Flußeisen. In jedem Fall werden die weichsten und zähesten Eisensorten ausgewählt. Früher wurden zur W. allgemein dekapierte Schwarzbleche (s. Blech) verwendet. Dieselben wurden zwischen harten polierten Walzen mehrmals kalt durchgewalzt, um ihnen große Glätte zu geben, und sodann nochmals unter Luftabschluß geglüht. Gegenwärtig wird die dem Schwarzblech anhaftende Oxydhaut durch Abbeizen mittels Salzsäure oder Schwefelsäure entfernt, indem man die Tafeln zu 60-240 Stück vereint in kupfernen Beizkörben einzeln stehend in das in einem Bleibottich befindliche Säurebad einsenkt. Nach vollendetem Beizen werden die Tafeln in kaltem oder heißem Wasser gut gespült und nach erfolgtem Trocknen, in Glühkästen liegend, während 8-12 Stunden im Glühofen geglüht. Durch nochmaliges Beizen wird jegliche Unreinigkeit entfernt und die so zur Verzinnung vorbereiteten Bleche in Wasserbottichen bis zur weitern Bearbeitung aufbewahrt. Das Verzinnen selbst erfolgt auf dem Zinnherd, der meistens aus fünf offenen, in Feuerungen eingesetzten Kesseln besteht. Der erste dieser Kessel ist mit heißem Fett, der zweite (Zinn- oder Einbrennkessel) mit geschmolzenem Zinn gefüllt; diesem folgt der Durchführ- und der Bürstkessel, beide geschmolzenes und von einer Fettschicht bedecktes Zinn enthaltend, und schließlich der Walzenfettkessel, in dem 2-5 und zuweilen noch mehr Stahlwalzen an der Oberfläche des Fettbades gelagert sind. Dieselben werden durch einen Motor in Drehung versetzt. Nachdem die aus dem Wasserbad entnommenen Blechtafeln sämtliche vorhergehenden Kessel passiert haben, werden sie in den letzten Kessel seitlich eingestellt, durch einen einfachen Hebeldruck einzeln unter die Walzen gedrückt, von diesen erfaßt und langsam aus dem Fettbad herausbefördert. Durch diese neue Verzinnungsmethode wird eine völlig gleiche Bedeckung der Blechtafel erzielt, was nach dem ältern Verfahren des Abtropfenlassens der aus dem letzten Zinnbad genommenen Bleche nicht möglich war. Die verzinnten Bleche werden durch Abreiben mit einem Gemisch von Mehl und Kleie von dem anhaftenden Fett gereinigt und dann durch Bürsten mit Wollpelzen vom Mehlstaub befreit, oder auch auf mechan. Wege geputzt. Gute Weißbleche sollen ein spiegelblankes, silberähnliches Aussehen haben (Glanz blech). Mattverzinnte Weißbleche (Mattbleche oder Ternbleche) werden wie die Glanzbleche, jedoch durch Verzinnen mit einer Legierung von Blei und Zinn, hergestellt.
Durch Beizen der verzinnten Bleche mit einer Mischung ans Salpetersäure, Salzsäure und Wasser werden die Krystalle bloßgelegt, die sich bei dem Erkalten in der Zinnschicht bilden. Die Bleche erhalten hierdurch ein geflammtes Aussehen (moirierte Weißbleche). Durch überziehen derselben mit farbigen Spirituslacken und Einsprengen anderer Farben werden täuschende Nachahmungen von Perlmutter, Schildpatt, Irismuschel u. s. w. erzielt. Moiriertes Blech wird vielfach zur Herstellung von Dosen, Tellern, Verpackungen u. s. w. verwendet. Über die Bezeichnung der verschieden starken Sorten s. Blech. - Vgl. N. Gärtner, Die W. (in den "Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes", 1888).
Weißbleierz, Cerussit oder Bleispat, ein für die Gewinnung des metallischen Bleies wichtiges Mineral. Es ist kohlensaures Blei, PbCO<sub>3</sub>, bestehend aus 83,52 Proz. Bleioxyd und 16,48 Proz. Kohlensäure, krystallisiert in rhombischen, teils pyramidalen, teils horizontal-säulenförmigen, teils tafelartigen Gestalten mit horizontal gestreiften Brachydomen und ist mit Aragonit vollkommen isomorph; auch wiederholt sich hier des letztern Zwillings-^[folgende Seite]