Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Weltsysteme; Weltteil; Weltuntergang; Weltverkehr

629

Weltsysteme - Weltverkehr

andern von Liptay, Eine Gemeinsprache der Kulturvölker (Lpz. 1891), haben aber wenig Erfolg gehabt.

Weltsysteme, die verschiedenen Annahmen betreffs der Anordnung und Bewegungsart der Körper unseres Sonnensystems, um ihre scheinbar sehr unregelmäßigen Bahnen am Himmel zu erklären. Von den hierüber aufgestellten Hypothesen oder Systemen sind hauptsächlich von Wichtigkeit das Ptolemäische und das Kopernikanische Weltsystem. Wie alle ältern Astronomen nahm Ptolemäus an, daß alle Bewegungen der Himmelskörper mit gleichförmiger Geschwindigkeit in kreisförmigen Bahnen stattfinden, weil die Kreislinie unter allen krummen Linien die vollkommenste sei. Alle Himmelskörper aber sollten sich um die Erde bewegen (geocentrisches Weltsystem), und zwar sollte sich um sie zunächst der Mond, dann Merkur und Venus, hierauf die Sonne, Mars, Jupiter und Saturn drehen, für die Sonne und den Mond, die sich offenbar nicht immer gleich schnell bewegen, wurde dann der excentrische Kreis ersonnen, d. h. angenommen, daß die Erde nicht genau im Mittelpunkte desjenigen Kreises stehe, in dem sich die Sonne und der Mond um die Erde bewegen, sondern in einem andern Punkte derjenigen Linie, welche die beiden entgegengesetzten Punkte der größten und kleinsten Geschwindigkeit verbindet. Für die Planeten, deren abwechselndes scheinbares Vorwärtsgehen, Rückwärtsgehen und Stillstehen der Erklärung noch weit größere Schwierigkeit darbot, wurden die Epicykeln (s. d.) ersonnen. Demnach sollte das Verhältnis der Bewegungen der Planeten in Bezug auf die Erde demjenigen ähnlich sein, in dem die Bewegung des Mondes zur Sonne wirklich steht. Allerdings lassen sich die von der Bewegung der Erde um die Sonne herrührenden Unregelmäßigkeiten des scheinbaren Planetenlaufs durch die Annahme der Epicykeln ziemlich befriedigend erklären, nicht aber diejenigen, die von der elliptischen und ungleichförmigen Bewegung der Planeten um die Sonne herrühren, ebensowenig die Ungleichheiten der Mondbewegung. Trotzdem galt dieses System jahrtausendelang für das richtige. Nach dem Kopernikanischen System, dessen Richtigkeit jetzt allgemein anerkannt ist, bildet nicht die Erde, sondern die Sonne den Mittelpunkt (heliocentrisches Weltsystem, s. Tafel: Sonnensystem); um die Sonne bewegen sich sämtliche Planeten mit Einschluß der Erde, um diese aber bewegt sich der Mond. Kopernikus glaubte noch, daß die Bewegungen der Himmelskörper in excentrischen Kreisen vor sich gehen, und erst Kepler fand die elliptischen Bahnen und die Gesetze, nach denen die Bewegungen der Planeten in ihnen erfolgen. (S. Keplersche Gesetze.) Erst etwa 100 Jahre später lieferte Newton den theoretischen Beweis für die Richtigkeit und Notwendigkeit dieser Gesetze, die Kepler nur auf empirischen Wege als richtig erkannt hatte. (S. Schwere.) Da das von Kopernikus aufgestellte System wegen des Widerspruchs, in dem es nicht nur mit eingewurzelten Vorurteilen, sondern auch mit mehrern Stellen der Bibel stand, vielfachen Anstoß erregte, so stellte der Astronom Tycho Brahe ein drittes System auf, nach dem die Erde ruht, und Mond und Sonne sich um dieselbe bewegen, während alle andern Planeten sich zunächst um die Sonne und nur mit dieser um die Erde bewegen sollen. Allein dieses System widersprach den beobachteten Erscheinungen zu sehr, um Eingang finden zu können, Über die gebräuchlichsten Anschauungen von der Entstehung des Sonnensystems s. Kant-Laplacesche Theorie.

Weltteil, s. Erdteil.

Weltuntergang, die in vielen Religionen sich findende Vorstellung, daß die jetzige Welt vernichtet und eine bessere, glücklichere Welt ihr nachfolgen würde; die christl. Kirche bringt diese Katastrophe mit der Wiederkunft Christi (s. d.) und dem Jüngsten Gericht (s. d.) in Verbindung.

Weltverkehr, internationaler Verkehr, das Bestreben zweier oder mehrerer Länder, ihren Gütervorrat auszugleichen. Seine Geschichte zeigt zahlreiche Umwandlungen und Phasen, sowohl was den Schauplatz und die hauptsächlichsten handelnden Völker, als auch was die Produkte betrifft. Die Geschichte des W. ist zugleich die Entwicklungsgeschichte der Schiffahrt. Die ältesten Gebiete des W. sind die nordafrik. Küste (Ägypten), die kleinasiat. Küste (Phönizien) und das Mittelmeergebiet, weiterhin Indien und das sagenhafte Ophir (Südostafrika). Der Hauptschauplatz des W. während des Altertums und im frühen Mittelalter ist das Mittelmeer. Daneben geht ein uralter Welthandel der Serer (China) 900 v. Chr. nach dem Westen (Samarkand) und bis zu den Wolgaländern. Ein ebenso lebhafter Überlandhandelsweg geht von 800 v. Chr. ab von Italien (Etrurien) über die Alpen durch die Donauländer bis tief nach Germanien hinein, sowie am Rhein entlang nach Belgien und Britannien. Im Mittelmeer sind lange Zeit Sidon, Tyrus, Alexandria, Karthago, Puteoli, Panticapäum und Massilia die Hauptstapelplätze des W. gewesen. Mit der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien und Amerika im 15. Jahrh. treten zwei neue gewaltige Gebiete in den W. ein. An Stelle der Phönizier, Ägypter, Griechen, Italiener (Venedig, Genua) bemächtigten sich Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer des Welthandels, dessen Hauptstapelplätze nacheinander Lissabon, Sevilla, Amsterdam, Brügge, London werden. Das Ende des 18. Jahrh. macht mit dem Eintritt der Nordamerikanischen Union in die Geschichte den Atlantischen Ocean zum Hauptschauplatz des W. Seitdem ist er zu so großartigem Aufschwung gelangt, daß alle Weltteile und Oceane daran teilnehmen.

Das Hauptverkehrsmittel für den Welthandel (s. Handel) sowie auch für die internationale Personen- und Völkerbewegung (s. Auswanderung) ist in erster Linie und seit alters die Schiffahrt (s. d.). Hier ist es besonders die Dampfschiffahrt (s. d.), die die Segelschiffahrt an Bedeutung teils schon überholt, teils wenigstens erreicht hat. (S. Handelsmarine und Schnelldampfer.) In zweiter Linie die Eisenbahnen (s. d.), deren rasche Entwicklung die Karte: Entwicklung des Eisenbahnnetzes in den Hauptländern der Erde von 1830 bis 1890, beim Artikel Eisenbahnen, zeigt. Die hierher gehörige Übersichtskarte des Weltverkehrs, die auch die wichtigsten internationalen Eisenbahnen zeigt, führt die Thatsache, daß gegenwärtig noch das Gebiet des Atlantischen Oceans der Mittelpunkt des W. ist, recht klar vor Augen. Weniger bedeutend, doch in gewissen Gegenden Hauptverkehrsmittel sind Karawanen (s. d.) und menschliche Träger. Die Bedeutung der Kanäle und Straßen kommt dagegen hauptsächlich im innern Verkehr der einzelnen Länder zur Geltung. Eine Ausnahme machen nur die großen, ganze Meere miteinander verbindenden Seekanäle, wie der Sueskanal, Nordostsee-^[nächste Seite]