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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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West (Thomas) - Westalpen

Oberaufseher seiner Bildersammlungen. W. war der erste engl. Historienmaler, wurde deshalb weit über Gebühr geschätzt. Seine Bilder sind im ganzen ausdruckslos, von ganz gewohnheitsmäßiger Auffassung und reizloser Färbung. Seine berühmtesten Gemälde sind: Der Tod auf dem fahlen Pferde (1817) und Der Tod des Generals Wolfe bei Quebec (London, Grosvenor-House; Wiederholung in der Galerie zu Hampton-Court; die Hauptgruppe zeigt Tafel: Amerikanische Kunst II, Fig. 1); sein größtes Christus vor Pilatus. Andere Gemälde von ihm sind: Der Tod Nelsons an Bord der Victory in der Seeschlacht bei Trafalgar, Christus die Kranken und Lahmen im Tempel heilend, Iphigenie und Orestes (Londoner Nationalgalerie). Seine Schlachtenbilder von La Hogue und Boyne (1780) sind von lebhafter Komposition. Weniger Beifall fand König Lear, den er für die Boydellsche Shakespeare-Galerie malte, und Paulus auf der Insel Melite, wie er die Natter von der Hand schüttelt, in der Kapelle zu Greenwich. Er starb 11. März 1820 zu London. - Vgl. Galt, Life, studies and works of Benjamin W. (2 Tle., Lond. 1816).

West, Thomas oder Karl August, Pseudonym von Joseph Schreyvogel (s. d.).

Westalpen, die Alpen westlich von der Linie: Bodensee, Rheinthal, Splügenpaß, Comer See, Luganer See, Lago Maggiore. Sie messen 72000 qkm Fläche und bestehen gleich den Ostalpen geologisch aus einer zonenförmigen Aufeinanderfolge krystallinischer Centralmassen, die nach außen zu, also im N. und W., von einer Zone sedimentärer Gesteine (vorwiegend aus Kalk bestehend) begleitet wird. Während aber die Ostalpen auch an ihrer innern Seite, im S., eine sedimentäre Zone aufweisen, fehlt eine solche an der Innenseite der W. gänzlich. Nach der Art und Weise des orographischen Auftretens der Kalkzone und der krystallinischen Massen lassen sich in den W. zwei Hälften unterscheiden, die durch die Linie: Genfer See, Rhône, Großer St. Bernhard, Col Serena, Dora Baltea voneinander getrennt werden. In den Französischen W. (westlich und südlich von der bezeichneten Linie) ist, ähnlich wie in den Ostalpen, die Kalkzone orographisch selbständig und durch Thäler und Thalzüge meist sehr deutlich von den krystallinischen Massen geschieden. Es treten solcherart hierselbst den Gneisalpen die Französischen Kalkalpen gegenüber, deren gegenseitige Grenzlinie folgenden Verlauf nimmt: Nizza, Var, Colle St. Michel, Thorame-Haute, Col de Seoune, la Javie, Col de Labouret, Seyne, Ubaye, Chorges, St. Bonnet, Drac, Isère, Arly, Col de Mégève, Arve, Sixt, Viège, Monthey. In den Schweizerischen W. dagegen ist eine orographische Unterscheidung zwischen Kalk- und Gneisalpen nicht vorhanden, da dort das Kalkgebirge nicht nur tektonisch, sondern auch orographisch auf das innigste mit den krystallinischen Massen verbunden ist. Diese letztern sind in den W. in zwei große, konzentrische Zonen geordnet, die durch folgende Tiefenlinie voneinander geschieden werden: Albenga, Penneraira, Negrone (Tanaro), Colle di Tenda, Vermenagna, Borgo, Stura, Col de Larche, Ubaye, Col de Vars, Durance, Guisane, Col du Galibier, Valloirelle, Col des Encombres, Moutiers, Isère, Kleiner St. Bernhard, Val Digne, Colle della Serena, Großer St. Bernhard, Val d’Entremont, Rhône, Furka, Urserenthal, Oberalp, Rhein. Entlang dieser Tiefenlinie verläuft zwischen den beiden krystallinischen Zonen in den Französischen W. ein Zug von Carbon- und Triasgesteinen, der eine recht beträchtliche Breitenausdehnung gewinnt, ohne jedoch orographische und tektonische Selbständigkeit zu besitzen.

Man hat also in den W. zwei oder drei Gebirgszüge zu unterscheiden, nämlich den innern und den äußern Gneisalpenzug und den Zug der Französischen Kalkalpen. Von den beiden Gneisalpenzügen ist der äußere der ältere; seine Faltung war der Hauptsache nach schon vor der Triaszeit vollendet und ist eine äußerst intensive, so daß Fächerbildung und vertikale Schichtstellung vorherrschen. In der Folge wurden die Schichten unter Beibehaltung ihrer stark geneigten Stellung noch in verschiedene Niveaus verworfen, und dieser tektonischen Veranlagung verdanken die Berner Alpen, die Montblanc- und die Ecrinsgruppe ihre scharfen, steilpralligen Zackengrate und ihre kühnen, nadelförmigen Spitzen (Aiguilles). Dem entgegen begann die Faltung des innern Gneisalpenzuges erst nach der Liasperiode, so daß die ältern sedimentären Schichten konkordant den krystallinischen Schiefern aufruhen; auch ist die Faltung nicht bis zur Fächerbildung, sondern nur bis zur Gewölbebildung gediehen, weswegen man hier vielfach wenig geneigten Schichten und nicht so scharfen Graten und Nadeln wie in dem äußern Zuge, sondern mehr massigen Kämmen und kegel- oder domförmigen Gipfeln begegnet. Dagegen ist der innere Gneisalpenzug vor dem äußern durch größere Breite und unvermittelten Zusammenhang der einzelnen krystallinischen Massive ausgezeichnet. Im äußern Zuge verschwinden nämlich die krystallinischen Gesteine an zwei Stellen auf weite Entfernung hin unter einer Decke von sedimentären Gesteinen, die, von außen her eingreifend, die äußere Kalkzone mit dem innern, orographisch unselbständigen Kalkzuge verbindet. Dies ist der Fall zwischen den Massiven der Punta Argentera und der Barre des Ecrins, woselbst die Intergressionsdecke hauptsächlich dem Jura und dem Eocän angehört, sowie zwischen den Massiven des Montblanc und des Finsteraarhorns, wo die krystallinische Unterlage von Jura- und Kreidebildungen überlagert wird. Auch an den beiden Enden des äußern Gneisalpenzuges, der in den Ostalpen keine Fortsetzung findet, sinken die krystallinischen Kernmassen zwischen Nizza und Albenga einer- und mit der Annäherung an die Rheinlinie andererseits unter eine Decke von Kreide und Tertiär hinab. Schließlich ist zu bemerken, daß im äußern Gneisalpenzug die Kernmassen häufig auch seitlich, und zwar von außen her, von sedimentären Schichten überlagert werden, was in der schweiz. Hälfte Regel ist, in der französischen in größerm Maßstabe nur in den Meeralpen stattfindet. In letzterm Falle beruht also die Unterscheidung zwischen dem äußern Gneisalpenzug und den Französischen Kalkalpen nicht so sehr auf petrographischen als vielmehr lediglich auf tektonischen und orographischen Momenten. In der Schweiz ist die ganze Kalkzone tektonisch und orographisch mit den krystallinischen Massiven verwachsen, weswegen dort zwar eine geolog. Unterscheidung zwischen einer Gneis- und einer Kalkzone, nicht aber eine orographische Auseinanderhaltung von Gneis- und Kalkalpen Platz greifen kann. Da aber hier sowie in den Meeralpen die krystallinischen Massive, deren Hauptgesteine die verschiedenen Gneisvarietäten sind, das formgebende und tektonisch bestimmende Ele-^[folgende Seite]