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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wetzen - Weyden
den eigentlichen Turnübungen und sog. volkstüm-
lichen Übungen, wie Springen, Stemmen, Stein-
stoßen n. s. w. Wer hierbei eine bestimmte .höhe
von Wertungen oder Punkten erreicht, gilt als
Sieger und erhält als Preis einen Eichenkranz.
Für die deutschen Turnfeste ist eine eigene Wett-
turnordnung geschaffen. - Vgl. Goetz, .Handbuch
der deutschen Turnerschaft (5. Ausg., Hof 1895).
Wetzen, s. Balzen.
Wetzkrankheit, s. Traberkrankheit.
Wetzlar. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Koblenz,
hat 530,69 ^m und (1895) 52146 E., 2 Städte,
76 Landgemeinden und 5 Gutsbezirke. ^ 2) Kreis-
stadt im Kreis W., an der Lahn,
die hier die Dill aufnimmt, an den
Linien Gießen-Köln, Koblenz-
Gießen und der Nebenlinie W.-
Lollar (18I(in) der Preuß.Staats-
bahnen, Sitz des Landratsamtes,
eines Amtsgerichts (Landgericht
Limburg), Bezirkskommandos
und einer Neichsbauknebenstelle,
Katholiken und 173Israeliten, Postamt erster Klasse,
Telegraph, einen alten, aber unvollendeten Dom,
Ruinen der alten Burg Kalsmunt, ein Gymna-
sium, höhere Maocken-, gewerbliche und kaufmän-
nische Fortbildungsschule, Militürvorbereitungs-
anstalt, Bergvorsäulle, ein Archiv mit den auf
Preußen bezngliclx'n Akten des ehemaligen Reichs-
fammergerichts, Wasserleitung, Kanalisation; Eisen-
erzbergbau, Eisenverarbeitung, Fabrikation von
Sämischledcr, optischen Instrumenten, Handschuhen,
Haararbeiten (künstliche Scheitel n. dgl.) und künst-
lichen Düngemitteln. - W. entstand aus einer königl.
Villa und wurde im 12. Jahrh, freie Reichsstadt.
Sie hob sich durch die Eröffnung der Sitzungen des
Reichskammergerichts (f. d.; 1693), verlor 1803 ihre
Selbständigkeit und kam an den Fürsten Dalberg.
Der Wiener Kongreß überließ 1815 W. an Preußen.
Bei W. schlugen die Österreicher und Sachsen unter
dem Erzherzog Karl 15. Juni 1796 ein franz.
Korps unter Ionrdan. Zum Andenken wnrde auf
dem Schlachtfeld 1848 dem Erzherzog ein Denkmal
errichtet. An Goethe, durch dessen Erlebnisse im
Buffscken Zause und im nahen Dörfchen Garben-
deim (Wahlheim) "Werther" entstand, erinnert eine
28. Aug. 1849 aufgestellte Büste. - Vgl. Berr, W.
und seine Umgebung (Wctzl. 1882).
Wetzstein, Joh. Gottfr., Orientalist und For-
schungsreisender, geb. 19. Febr. 1815 zu Ölsnitz,
studierte seit 1836 in Leipzig Theologie, dann orient.
Sprachen, reiste 1843 zur Benutzung derVodleyani-
schen Bibliothek nach Orford, habilitierte sich 1846
an der Universität zu Berlin als Docent der arab.
Sprache und wurde 1848 preuß. Konsul in Damas-
kus. In dieser Stellung vermittelte er 1851 den
Frieden zwischen der türk. Regierung und den Drusen
ves Haurangebirges und nahn: sich 1860 der ver-
folgten Christen an. Im 1.1862 nach Europa zu-
rückgekehrt, lebt er in Berlin, mit Bearbeitung seiner
Sammlungen beschäftigt. Seine von Damaskus
aus unternommenen Reisen sowie die während der-
selben erzielten epigraphischen Sammlungen beschrieb
er in dem "Reisebericht über Hauran und die Tracho-
nen" (Berl. 1860) und den" "Griech. und lat. In-
schriften aus der Trachonitis" (ebd. 1864). Für
die Kenntnis der Spracheigentümlichkeiten der syr.
Beduinen besitzt feine Schrift "Sprachliches aus den
Zeltlagern der Syrischen Wüste" (Lpz. 1868) große
Bedeutung.
Wetzsteine, Schleifsteine von prismatischer
Form, auf deren Oberfläche der zu schleifende Gegen-
stand hin und ber geführt wird. (S. Schleifen.)
Wevelinghoven, Stadt im Kreis Greven-
broich des preuß. Neg.-Bez. Düsseldorf, 11 km im
SW. von Neuß, rechts an der Erft, an der Linie
Euskirchen-Neuß (Bahnhof Capellen-W. 3 km ent-
fernt) der Preuß. Staatsbahncn, hat (1895) 3049 E.,
darunter 279 Evangelische und 44 Israeliten, Post,
Telegraph, kath. und evang. Kirche, Synagoge,
St. Iosephsanstalt für mittellofe Lente, Waisenkin-
der und Kranke; Fabriken für Zucker, Wäsche, land-
wirtschaftliche Maschinen, Tabak, Essig und Kraut,
bedeutende Mühlenwerke und .Holzhandel.
Wexford. 1) Grafschaft in der irischen Provinz
Leinster (s. Karte: Irland), die südöstlichste der
Insel, hat 2333,3 ^m und (189Y 111778 fast
durchweg kath. E., gegen 123 854 im I. 1881
und 202196 im I. 1841. Die Zahl der Aus-
wanderer betrug 1893: 335. Im ganzen ist die
Ebene vorwaltend, doch im Innern mehrfach
unterbrochen von Bcrgzügen, die mit den Ge-
birgen von Wiälow und Kiltenny in Verbindung
stehen. An der Westgrenze erheben sich der Vlack-
stairs 734 und der Leinster 795 ni hoch. Auf dem
249 in hohen Tarahill soll das in Ossians Liedern
gefeierte Tcmora gestanden baben. An der Süd-
westeckc des Landes mündet der Barrow in die Bai
von Waterford, die Mitte durchschneidet die Slaney,
welche sich in die Bai von W. ergießt. In ihrem
Thal wird Ackerban und starke Viehzucht betrieben.
Die Industrie beschränkt sich auf Wollweberei in W.,
Enniscorthy und New-Roß. Das Klima ist mild.
Die Grafschaft schickt zwei Abgeordnete ins Parla-
ment. - 2) Hauptstadt der Grafschaft W. und
Municipalborougb, an der nach ihr benannten
.Hafenbai und nahe der Mündung der Slaney, an
den Eisenbahnlinien Dublin-Wicklow-W. und Ba-
genalstown-W., hat (1891) 11541 E., kleine Ge-
oäude, eine alte normann. Burg, Reste früherer
Befestigungen, Gefängnis, Gerichtshalle, Zucht-,
Kranken-, Waisenhaus, Industrie- und kath. Latein-
schule; Wollzeugweberci, Reederei und lebbaften
Handel mit Gerste und anderm Getreide, Vieh, Rind-
fleisch und Butter, besonders nach Dublin, Bristol
und Liverpool, wohin auch regelmäßiger Dampf-
bootverkehr bcstebt. Die Hafenbai ist gegen Stürme
gesichert, aber seicht und durch eine Sandbank
schwer zngänglich.
Wexiö, Hauptstadt des Kronobergs-Län ls. d.)
in der schwed. Landschaft Smaland, unweit des
schönen Helgasees, an der Bahnlinie Kalmar-Alf-
vesta, Sitz des Landeshauptmanns und eines Bi-
schofs, hat (1891) 6673 E., alten Dom, Gymnasium,
Schullehrerseminar, Museum für smäland. Alter-
tümer; Zündholzfabriken und Eisengießerei.
Wey (spr. weh). 1) Engl. Wollgewicht, ^ Sack
oder ^24 Last, o. h. 182 engl. Handelspfund oder
82,554 KZ. 2) Auch Load (s. d.) genannt, ein engl.
Getreidemaß ^ 5 Imperial-Quarters oder 1453,90? I.
Weyden, Rogier van der, Maler der altnieder-
länd. Schule, geb. um 1400 zu Tournay, gest.
16. Juni 1464 in Brüssel, wurde 1426 in seiner
Vaterstadt Schüler des Robert Campin und erlangte
1432 als Meister Aufnahme in die dortige Maler-
zeche. W. war kein Schüler Jan van Eycks, vielmehr
ein gleichzeitiger Strebensgenosse, in dessen Werken