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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wheatley - Wheeling

Wheatley spr. wihtlĕ), Phillis, amerik. Dichterin (mit ihrem Schriftstellernamen auch Phillis Peters), geb. um 1753 in Afrika, wurde 1761 auf einem Sklavenmarkte zu Boston von John Weatley, einem reichen Kaufmann, gekauft. Sie lernte in 18 Monaten fertig englisch lesen, schreiben und sprechen und trieb auch lateinisch. 1774 besuchte sie mit der Familie ihres Herrn England. W.s Ehe mir dem Neger Peters (seit 1778) war unglücklich, und gebrochenen Herzens und halb verhungert starb sie 5. Dez. 1784 zu Boston. Ihre Gedichte "Poems on various subjects" erschienen zuerst zu London 1773, dann zu Albany (Neuyork) 1793 (Neudruck 1801, 1802/1834). Einzeln war 1770 erschienen "An elegiac poem on the death of George Whitefield" und 1784 "Elegy sacred to the memory of Dr. Samuel Cooper". Ihre Briefe druckte Charles Deane in den "Proceedings of the Massachusetts Historical Society" (1864).

Wheaton (spr. wiht'n), Henry, amerik. Staatsmann und Rechtsgelehrter, geb. 27. Nov. 1785 zu Providence (Rhode-Island), studierte die Rechte und wirkte erst in Rhode-Island, später in Neuyork als Advokat. Er veröffentlichte eine "Digest of the law of maritime captures and prizes" (Neuyork 1815) und gab die Entscheidungen des "Supreme Court" (ebd. 1826- 27) in zwölf Bänden heraus, wodurch er auf die amerik. Rechtspflege und Rechtswissenschaft einen nachhaltigen Einfluß ausübte. 1823 wurde W. zum Abgeordneten des Staates Neuyork und 1825 in den Verfassungsausschuß gewählt. Um dieselbe Zeit nahm er teil an der Abfassung eines privatrechtlichen Gesetzbuchs für den Staat Neuyork. 1827-33 war W. Geschäftsträger der Vereinigten Staaten in Dänemark, 1835 übernahm er den Posten eines außerordentlichen Gesandten zu Berlin, 1837 wurde er zum bevollmächtigten Minister daselbst ernannt. Nachdem W. 1845 von seinem diplomat. Posten abberufen worden war, wurde ihm eine Professur des Staatsrechts an der Harvard-Universität übertragen, doch starb er schon 11. März 1848 zu Dorchester in Massachusetts. W.s Ruf gründet sich auf die "Elements of international law" (Philad. 1836 u. ö.; in franz. Bearbeitung: "Elements du droit international", 2 Bde., Lpz. 1848; 5. Aufl. 1874) und "The history of the law of nations" (Neuyork 1845; ebenfalls in franz. Bearbeitung: "Histoire des progrès du droit des gens", Lpz. 1841; 4. Aufl., 2 Bde., 1865). Diese beiden Hauptwerke erlangten in den diplomat. und polit. Kreisen ungemeines Ansehen und wurden fast in alle europ. Sprachen übersetzt. Einen ausführlichen "Commentaire" zu jenen beiden Werken W.s nebst einer Biographie desselben verfaßte W. B. Lawrence (Bd. 1-4, Lpz. 1868-80).

Wheatstone (spr. wihtst'n), Sir Charles, engl. Physiker, geb. 1802 in Gloucester, arbeitete in seiner Jugend in einer Fabrik musikalischer Instrumente, was ihn zu Forschungen über die Anwendung der Gesetze der Akustik auf die Musik anregte. 1823 gründete er in London eine Saiteninstrumentenfabrik; in diesem Jahre erschienen auch seine ersten Abhandlungen über akustische Fragen in den "Annals of Philosophy"; darauf beschrieb er 1827 in dem Quarterly Journal of Science" seine erste Erfindung, das Kaleidophon (s. d.). Eine wichtige Arbeit von ihm über Chladnis Klangfiguren erschien 1833 in den "Philosophical Transactions", 1834 sein "Account of some experiments to measure the velocity of electricity and the duration of the electric light", der ihn in weiten Kreisen berühmt machte. In demselben Jahre wurde er Professor der Experimentalphysik am King's College in London. Zum Fellow der Königlichen Gesellschaft ernannt, las W. vor derselben 1838 seine Abhandlung "Contribution to the physiology of vision", welche die Erfindung des Stereoskops zur Folge hatte. Anfang 1837 ward er mit W. F. Cooke (s. d.) bekannt, bemühte sich mit ihm um die elektrische Beförderung von Nachrichten, und erlangte zusammen mit Cooke vom 12. Dez. 1837 ab das erste engl. Patent ans einen elektrischen Nadeltelegraphen (s. Elektrische Telegraphen). Außerdem erfand W. einen elektromagnetischen Wecker, verschiedene andere Telegraphen (s. Automatische Telegraphie), ferner eine elektrische Uhr und mehrere Instrumente zur Aufzeichnung von Thermometer- und Barometerständen und von astron. und andern Beobachtungen mittels Elektromagnetismus, 1839 sein Chronoskop. Sehr vielfach verwendet wird die Wheatstonesche Brücke (s. d.). 1868 wurde er in den Ritterstand erhoben. W. starb 19. Okt. 1875 in Paris. Unter seinen wissenschaftlichen Arbeiten verdienen noch Erwähnung die "Physiology of vision" (1852), "The binocular microscope" (1853), "Powers for arithmetical progression" (1854-55) und "Automatic telegraphy" (1859).

Wheatstonesche Brücke, eine von Sir Charles Wheatstone (s. d.) und unabhängig von diesem auch von Kirchhoff angegebene Anordnung zur Bestimmung der elektrischen Leitungswiderstände (s. d.). Teilt sich der Schließungsdraht einer Batterie B bei a in zwei Zweige (s. beistehende Skizze), die sich nachher bei b wieder vereinigen, so fließt in einem Querdraht m n dann kein Strom, wenn für die Drahtstücke die Proportion a m : m b = a n : n b gilt, oder wenn für die Widerstände dieser Stücke w1:w2 = w3:w4 ist. Da beide Drähte in a gleiches Potential haben, ebenso in b und dieses in den Drähten von a gegen b gleichmäßig abnimmt, so sind auch m und n Punkte gleichen Potentials. Denkt man sich nun anstatt a m die Widerstandseinheit, anstatt m b einen zu messenden Widerstand w eingeschaltet, für a n b einen gleichmäßigen Draht beibehalten und den Brückendraht m n durch einen Galvanometer G geführt, so läßt sich der Punkt n so verschieben, daß das Galvanometer keinen Ausschlag giebt. Dann ist aber 1:w = a n : n b oder w = n b / a n. Die Messung läßt sich sehr genau ausführen und ist unabhängig von den Schwankungen der elektromotorischen Kraft der Batterie. Eine entsprechende Anordnung dient neuerdings zur Messung der Kapacität von Kondensatoren und der Induktionskoefficienten von Drahtspulen. - Auf dem Princip der W. B. beruht das Bolometer (s. d.).

Wheeling (spr. wihl-), Hauptort des County Ohio und Einfuhrhafen im nordamerik. Staate Westvirginien, auf beiden Seiten des Wheeling-Creeks und am östl. Ufer des Ohio, 147 km unterhalb Pittsburgh, mit mehrfacher Bahnverbindung,