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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Wiek; Wieland

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Wiek (Dorf) - Wieland

Wiek, Dorf im Kreis Rügen des preuß. Reg.-Bez. Stralsund, am Wieker Bodden (s. Bodden) auf der Halbinsel Wittow, hat (1895) 1152 E., Post, Telegraph und evang. Kirche. (S. auch Wieck.)

Wieland, Schmied, s. Völund.

Wieland, Christoph Martin, Dichter, geb. 5. Sept. 1733 zu Oberholzheim bei Biberach, erhielt von seinem Vater, der damals Pfarrer daselbst, später in Biberach war, eine sorgfältige Erziehung. Im 12. Jahre versuchte er bereite sein poet. Talent, bald in lat., bald in deutschen Versen. Im 14. Jahre kam er auf die Schule zu Kloster-Berge bei Magdeburg. Schon hier traten seine Empfänglichkeit für die verschiedensten geistigen Gebiete, eine eigentümliche Vereinigung dichterischer und philos. Thätigkeit und Anmut der Darstellung hervor. Außer mit den alten Klassikern beschäftigte er sich mit engl. und franz. Litteratur. 1749 verließ er Kloster-Berge, brachte nun anderthalb Jahre bei einem Verwandten in Erfurt zu, der ihn zur Universität vorbereitete, und kehrte 1750 in seine Vaterstadt zurück, wo er eine schwärmerische Neigung zu Sophie von Gutermann, der nachherigen Frau von La Roche (s. d.), faßte. Auf einem Spaziergange mit ihr kam ihm die Idee zu seinem Lehrgedicht «Die Natur der Dinge» (anonym, Halle 1752). Im Herbst 1750 begab sich W. nach Tübingen, um die Rechtswissenschaft zu studieren; doch beschäftigte er sich mehr mit den humanistischen Wissenschaften und der neuern schönen Litteratur des In- und Auslandes, und dichtete außer dem erwähnten Lehrgedicht «Zwölf moralische Briefe», «Anti-Ovid», «Lobgesang auf den Frühling», «Erzählungen». In dieser Zeit wirkte besonders Klopstocks Vorbild auf ihn ein. Auf eine Einladung Bodmers, dem er schon früher fünf Gesänge eines nie vollendeten und erst in den «Deutschen Litteraturdenkmalen des 18. Jahrh.» (Heilbr. 1882) herausgegebenen Heldengedichts «Hermann» zugeschickt hatte, gab er den Plan auf, sich in Göttingen zu habilitieren, und ging nach Zürich. W. schrieb hier zunächst eine Abhandlung von den Schönheiten des Bodmerschen Gedichts «Noah», sodann «Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde» (Zür. 1753), «Der geprüfte Abraham», episches Gedicht in vier Gesängen, wozu Bodmer als Triebfeder und Muster mitgewirkt hatte, «Hymnen», «Empfindungen eines Christen» u. s. w., alles Dichtungen, in denen sich exaltierte fromme Schwärmerei bereits mit blendender Darstellung und üppiger Phantasie paart. Allmählich machte er sich aber von Bodmers Einfluß los, und seine Denk- und Dichtungsart ward schnell eine ganz andere. Der lebhafte Anteil, den er an den Thaten Friedrichs d. Gr. nahm, veranlaßte ihn, das Ideal eines Helden in einem größern Gedicht auszuführen, wozu er Cyrus wählte. Die ersten fünf Gesänge dieses Gedichts erschienen 1759; allein der Beifall war mit Recht nur mäßig, und so blieb es unvollendet. Fast zu derselben Zeit bearbeitete er die schöne Episode aus der «Kyropädie» des Xenophon, «Araspes und Panthea» (Zür. 1761), in dialogisierter Prosa. Bodmers Haus hatte er schon 1754 verlassen. Er unterrichtete nun die Söhne zweier Züricher Familien vier Jahre lang, worauf er kurze Zeit nach Bern zum Landvogt Sinner als Hauslehrer ging. In Zürich hatte er 1758 sein erstes Trauerspiel (nach Rowe), «Johanna Gray», beendet, das die Ackermannsche Truppe an verschiedenen Orten der Schweiz zur Aufführung brachte. In Bern schrieb er sein zweites Trauerspiel, «Clementina von Poretta» nach Richardsons «Grandison». Er lernte dort Rousseaus Freundin, Julie Bondeli, kennen, mit der er in den herzlichsten Beziehungen lebte, bis er 1760 in seine Vaterstadt als Kanzleidirektor zurückkehrte. Das nahe Schloß Warthausen, wo seit 1762 der ehemalige kurmainzische Staatsminister Graf von Stadion mit seinem Schützling, dem kurmainzischen Hofrat La Roche und dessen Gattin, W.s erster Geliebten, weilte, wurde für W. eine Stätte geistiger Erhebung und feinen weltmännischen Verkehrs. Hier lernte er zuerst den Ton der vornehmen Welt und eine Geistesbildung näher kennen, die hauptsächlich aus der franz. und engl. Litteratur gewonnen war; hier fand er auch eine in beiden Litteraturen reiche Bibliothek. Daneben gewannen die griech. Philosophen und Lucian Macht über seine Seele. Unter diesen Einflüssen schrieb W. in Biberach nach dem Muster des «Don Quixote» den Roman «Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Sylvio de Rosalva» (Ulm 1764), dessen elegante Ungeniertheit den vollständigen Umschwung in W.s Geschmacksrichtung grell beleuchtete; ferner die besonders in ihrer ursprünglichen Form sehr anstößigen «Komischen Erzählungen» (ohne Ort, 1765) und das heroisch-komische unvollendete Gedicht «Idris» (Lpz. 1708), eine in Sinnlichkeit getauchte Nachahmung von Ariosts «Rasendem Roland»; aber auch die ganz vortreffliche «Geschichte des Agathons» (Frankf. 1766‒67), den ersten modernen deutschen Bildungsroman, und das durch Anmut, Leichtigkeit und Harmonie der Darstellung ausgezeichnete Lehrgedicht «Musarion oder die Philosophie der Grazien» (Lpz. 1768 u. ö.). In Biberach verfaßte er auch seine Übersetzung von 22 Stücken Shakespeares («Shakespeares theatralische Werke», 8 Bde., Zür. 1762‒66), eine bei allen Mängeln für ihre Zeit höchst verdienstliche und einflußreiche Arbeit. 1760 folgte W., der sich 1765 mit Anna Dorothea von Hillenbrand aus Augsburg vermählt hatte, einem Rufe als Professor der Philosophie an die Universität zu Erfurt, wo er bis 1772 blieb. In dieser Zeit erschienen von ihm die «Dialogen des Diogenes von Sinope» (Lpz. 1770), die durch Rousseaus Schriften hervorgerufenen «Beiträge zur geheimen Geschichte des menschlichen Verstandes und Herzens, aus den Archiven der Natur» (2 Bde., ebd. 1770), «Der goldene Spiegel oder die Könige von Scheschian» (4 Bde., ebd. 1772), worin er das Gemälde eines idealen Staates zu entwerfen suchte, das Lehrgedicht «Die Grazien» (ebd. 1770), die poet. Erzählung «Combabus» (2 Bde., ebd. 1770) und das komische Gedicht in 18 Gesängen «Der neue Amadis» (2 Bde., ebd. 1771).

Die Herzogin Anna Amalia berief ihn, durch seinen «Goldenen Spiegel» veranlaßt, 1772 als Erzieher ihrer beiden Söhne mit dem Charakter eines herzogl. Hofrats nach Weimar. Hier schrieb W. das Singspiel «Alceste» (Lpz. 1773) und gründete den «Deutschen Merkur», eine Monatsschrift, die er bis 1796 redigierte und worin nun alle seine neuen Dichtungen und eine große Anzahl prosaischer Aufsätze, die nur mit Auswahl in seine Werke aufgenommen sind, erschienen (vgl. Burkhardt, Repertorium zu W.s deutschem Merkur, Jena 1873), namentlich der prächtige komische Roman «Die Abderiten» (1774; allein, u. d. T. «Geschichte der Abderiten», 2 Bde., neue Aufl., Lpz. 1781) und die Versnovellen «Das Wintermärchen», «Gandalin