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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wien (Straßen, Plätze und Denkmäler. Kirchen)

(Stubenring), der zum Donaukanal führt, mehr gegen die innere Stadt zu.

Straßen, Plätze und Denkmäler. Die bedeutendsten Straßen sind die neue Ringstraße (s. oben) und der Franz-Josephs-Quai, mit Alleen besetzt; der Kohlmarkt und der Graben mit der Dreifaltigkeitssäule von Fischer von Erlach (1679); die Kärntner, Rotenturm-, Prater-, Mariahilfer Straße, Wiedener Haupt-, Alser- und Währinger Straße, meist neuerdings verbreitert. Unter den Plätzen zeichnen sich aus: der Stephansplatz mit der Stephanskirche (s. unten) und dem fürsterzbischöfl. Palais; der Hof, mit einer Mariensäule (1667), gegossen von Balthasar Herold und dem Reiterbild Radetzkys (1892) von C. Zumbusch; die Freiung mit einem Brunnen von Schwanthaler; der Äußere Burgplatz, der größte Platz, mit den ehernen Reiterbildern des Erzherzogs Karl (1860) und des Prinzen Eugen von Savoyen (1865) von Fernkorn, und dem äußern Burgthor; der Innere Burg-, jetzt Franzensplatz, mit dem in Erz gegossenen Denkmal Franz’ Ⅰ. (1846) von P. Marchesi; der Josephsplatz mit der ehernen Reiterstatue Josephs Ⅱ. (1807) von Zauner; der hohe Markt mit einem von Karl Ⅵ. 1732 errichteten Votivdenkmal aus Marmor, die Vermählung Marias mit Joseph darstellend; der Neue Markt (Mehlmarkt) mit dem Brunnendenkmal (1739) von Raphael Donner (s. Tafel: Deutsche Kunst Ⅴ, Fig. 4); der Albrechtsplatz mit dem Albrechtsbrunnen (1869) von Meixner; der Schwarzenbergplatz mit der Reiterstatue des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg (1868) von F. Hähnel und dem Hochstrahlbrunnen; der Beethovenplatz mit dem Standbild Beethovens (1880) von Zumbusch; der Schillerplatz mit dem Schillerdenkmal (1876) von Joh. Schilling und den Büsten von Lenau und Anastasius Grün; der Hofmuseenplatz mit dem Maria-Theresien-Monument (1888) von Zumbusch; der Rathausplatz mit dem Rathaus (in den Anlagen an der Westseite das Standbild des Erbauers, Friedrichs Freiherrn von Schmidt), der Universität, dem Reichsratsgebäude und Hofburgtheater; der Stadtpark mit dem Denkmal Franz Schuberts (1872) von C. Kundmann, dem Donauweibchen (1865) von H. Gasser, dem Denkmal des Malers Schindler (1895) und der Bronzebüste des verstorbenen Bürgermeisters Zelinka von Pönninger; der Volksgarten mit dem Denkmal Grillparzers (1889) von Kundmann u. a.; am Praterstern das Tegetthoffdenkmal (1886) von Kundmann; in der Mariahilfer Straße das Haydndenkmal (1887) von Natter, am Wiener Berg die got. Denksäule «Spinnerin am Kreuze» (1452), am Albrechtsplatz das Mozartstandbild (1896) von Victor Tilgner; zu beiden Seiten des neuen Hauptportals der Hofburg am Michaelerplatz zwei Kolossalgruppen (Die Macht zu Wasser von Weyr und die Macht zu Lande von Hellmer); am Deutschmeisterplatz das Denkmal des Regiments «Hoch- und Deutschmeister»; das Denkmal des Kaisers Maximilian von Mexiko (1871) in Hietzing und der Engelsbrunnen (1893) auf der Wiedener Hauptstraße. In Ausführung begriffen ist das Standbild von Goethe. Weitere Denkmäler unter Friedhöfe.

Kirchen. Unter den Kirchen der innern Stadt, die in neun kath. Pfarreien eingeteilt ist, neben denen noch eine Pfarre der unierten Griechen besteht, ist die merkwürdigste die Metropolitankirche zu St. Stephan (Mittelpunkt der Stadt), eins der schönsten Denkmäler deutscher Baukunst, 1147 eingeweiht, um 1300 im jetzigen Umfang begonnen und bis auf den unausgebauten zweiten großen Turm im 15. Jahrh. vollendet (s. Tafel: Deutsche Kunst Ⅱ, Fig. 5 u. 6). Von dem roman. Bau stammt die Westfaçade mit den beiden sog. Heidentürmen (64 m). Das Innere, 108 m lang, im Mittelschiff 10,6 m, in den Seitenschiffen 8,8 m breit und 27,2 m hoch, enthält 38 Altäre im Geschmack des 17. und 18. Jahrh. mit Ausnahme eines gotischen; 18 Pfeiler mit mehr als 100 Standbildern (3 m im Durchmesser); 31 Glasfenster; eine Kanzel in Steinmetzarbeit, durch Anton Pilgram 1512 gefertigt und jüngst restauriert; im Passionschor einen got. Flügelaltar (1885) und den marmornen Taufstein (1481); im Mittelschiff Chorstühle von Wilhelm Rollinger (1484); Grabmäler, darunter das Marmordenkmal Kaiser Friedrichs Ⅲ. (von Niklas Lerch begonnen und vom Meister Michel Dichter 1513 vollendet) und das des Herzog Rudolfs Ⅳ., Denkmäler des Prinzen Eugen von Savoyen und zur Erinnerung an die Befreiung W.s von den Türken (1894). Der unterirdische Teil besteht aus 30 Gewölben in 3 Stockwerken, welche Katakomben bilden, und aus der alten Fürstengruft. Der berühmte Turm, der stärkste in Europa, 1359 von Wenzla von Klosterneuburg begonnen, 1433 von Hans Brachadicz vollendet und 1860‒64 in seinem obern Teile neu erbaut, ist 136,67 m hoch, enthält eine 22626 kg schwere Glocke (1711 aus eroberten türk. Kanonen gegossen) und bildet eine reich mit Zieraten im Spitzbogenstil geschmückte Pyramide mit vergoldetem Kreuz und Adler. (Vgl. Tschischka, Der St. Stephansdom, Wien 1832; Perger, Der Dom zu St. Stephan, Triest 1854.) Seit 1853 wird an der Restauration des Doms, anfangs unter Leitung des Architekten L. Ernst, von 1862 bis 1891 unter der von Friedrich von Schmidt gearbeitet. In neuester Zeit hat sich ein Dombauverein gebildet, welcher die Restauration des Doms fördert und eine darauf bezügliche Zeitschrift («Mitteilungen») herausgiebt.

Die Augustiner- oder Hofpfarrkirche, 1330 im got. Stil erbaut, enthält das berühmte Denkmal der Erzherzogin Christine, Gemahlin des Herzogs Albrecht von Sachsen-Teschen, von Canova (1805 errichtet, mit der Inschrift «uxori optimae»), in der anstoßenden Totenkapelle die Denkmäler Kaiser Leopolds Ⅱ., des Feldmarschalls Daun und des berühmten Arztes van Swieten, und in der Lorettotapelle die Herzen der verstorbenen Mitglieder des Kaiserhauses in silbernen Urnen. An dieser Kirche war Abraham a Sancta Clara (gest. 1709) Prediger. Die 1340‒94 im got. Stil erbaute und 1820 restaurierte Kirche zu Maria am Gestade («Maria Stiegen»), jetzt böhm. Nationalkirche, mit schönen Altären und wertvollen Glasgemälden geschmückt, hat einen 58 m hohen, siebeneckigen Turm (1894 neu gebaut), der in eine durchbrochene Kuppel endigt. Die got. Kirche zu Maria-Schnee am Minoritenplatz (ital. Nationalkirche), im 14. Jahrh. vollendet, enthält seit 1846 das Mosaikbild Raffaelis, eine Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci in der Größe des Originals, im Auftrage Napoleons Ⅰ. 1806‒14 ausgeführt und 1846 hier aufgestellt, ferner das Denkmal des Dichters Metastasio (gest. 1782); die Michaelerkirche, um das J. 1221 erbaut, 1327‒40 und 1416 vergrößert, mit dreischiffigem Langhaus im Übergangsstil und got. Chor (1327), schlankem Turm, einem Hochaltar von Alabaster (1781), einem alten Ölberg (1494) und zahlreichen Grabdenkmälern aus dem 16. und 17. Jahrh.; die