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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wien (Verwaltung. Finanzen)

eines röm.-kath. Fürsterzbischofs, unter welchem die Bischöfe von St. Pölten und Linz stehen, eines Metropolitandomkapitels, fürsterzbischöfl. Konsistoriums, apostolischen Feldvikariats, je eines evang. Oberkirchenrates der augsburgischen und helvetischen Konfession, einer altkath. und israel. Kultusgemeinde, des 2. Korpskommandos, des Landwehroberkommandos, eines Stadt- und Platzkommandos, der Kommandos der 13. und 25. Infanterie-, einer Kavallerietruppendivision, der 25., 26., 49. und 50. Infanterie-, der 10. und 17. Kavallerie-, der 2. und 14. Artilleriebrigade, eines Landwehrkommandos, einer Landwehrdivision und -Brigade.

Verwaltung. Gleichzeitig mit dem Gesetz, betreffend die Einverleibung der S. 702 b genannten Gemeinden, wurde ein neues Statut (Landesgesetz vom 19. Dez. 1890) für die Gemeinde W. sowie eine neue Gemeindewahlordnung erlassen. Danach bildet das Gebiet eine einzige Ortsgemeinde mit 19 Bezirken (s. S. 703 a), die unmittelbar unter dem Landtag des Erzherzogtums Niederösterreich und bezüglich des ihr vom Staate übertragenen Wirkungskreises, insbesondere auch hinsichtlich ihres Wirkungskreises als polit. Behörde erster Instanz unter dem Statthalter von Niederösterreich steht. Der Gemeinderat hat insbesondere die Selbstbestimmung in Gemeindeangelegenheiten, die Oberaufsicht über die Geschäftsführung in Angelegenheiten des selbständigen Wirkungskreises der Gemeinde und die Entscheidung in gewissen, wegen ihrer besondern Wichtigkeit (über 5000 Fl. betragenden) seiner Genehmigung vorbehaltenen Verwaltungsangelegenheiten. Der Gemeinderat besteht aus 138 auf 6 Jahre in 3 Wahlkörpern (je nach dem Steuercensus) gewählten Mitgliedern (1896: 96 Antisemiten und 32 Liberale).

Der Bürgermeister und die beiden Vicebürgermeister werden aus den Gemeinderäten (ersterer auf 6 Jahre) gewählt und vom Kaiser bestätigt. Der Bürgermeister vertritt die Gemeinde und ist Vorstand des Magistrats, welcher ausführendes Organ der Gemeinde und zugleich polit. Behörde erster Instanz ist. Der Stadtrat ist das beschließende Organ in allen Angelegenheiten des selbständigen Wirkungskreises, welche in dem Statut nicht dem Gemeinderat oder dem Magistrat vorbehalten sind, und ernennt alle Gemeindebeamten und Angestellte. Er besteht aus dem Bürgermeister (Dr. Lueger; 12000 Fl. Gehalt), den beiden Vicebürgermeistern Strobach und Dr. Neumeyer; je 4000 Fl.) und 22 vom Gemeinderat gewählten Mitgliedern. Jeder Gemeindebezirk wählt für seine Angelegenheiten außerdem einen Bezirksausschuß. Die Zahl der systemisierten Gemeindebeamten und Angestellten betrug 1895: 4532 mit 4,241 Mill. Fl. Bezügen.

Für die öffentliche Sicherheit sorgt die k. k. Polizeidirektion mit 22 Polizeikommissariaten. Sie verfügt (1895) über 205 juristische, 152 Kanzleibeamte, 2869 Mann Sicherheitswache, 522 Detektives (Agenten), 58 Polizeiärzte, zusammen 3921 Bedienstete mit einem Jahresaufwand von 3349212 Fl., zu welchem die Gemeinde W. alljährlich 500000 Fl. beisteuert.

Über das Feuerlöschwesen s. d.

Bis 1873 versorgten sieben öffentliche und acht private Wasserleitungen die Stadt mit Trink- und Nutzwasser. Unter den erstern war die 1836‒41 erbaute Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung (filtriertes Wasser aus dem Donaukanal bei Heiligenstadt) die bedeutendste. Die 1873 eröffnete Kaiser-Franz-Josephs-Hochquellleitung (23 Mill. Fl.) führt der Stadt in einem 95,5 km langen Aquädukt Quellwasser aus dem Gebiet des Schneebergs (Kaiserbrunnen 362 m, Stixensteiner Quelle 304 m über der Donau) zu und liefert täglich 175000 bis 3,14 Mill. hl. Sie hat 13 Stollen (der von Vöslau ist 664 m lang) und 5 Aquädukte (der von Baden hat 43 Bogen und 23 m Höhe, der von Mödling 7 Bogen und 25 m Höhe). Das Wasser läuft 24 Stunden von der Quelle bis zu dem großartigen Reservoir am Rosenhügel (88 m über der Donau). Da aber der tägliche Wasserbedarf (1895) im Winter 630162, im Sommer 834788 hl beträgt, so erbaute man 1878 in Pottschach ein Pumpwerk, durch welches täglich durchschnittlich 166000 hl Wasser in den Aquädukt geleitet werden können. 1891‒93 wurde die Wasserleitung durch Zuziehung der Höllenthalquelle (541 m), Fuchspaßquelle (571 m), Wasseralmquelle (788 m) und Reißthalquelle (719 m), letztere beide im Naßwaldthale, um 36400 cbm täglichen Wasserzufluß erweitert. Die Kosten hierfür betrugen 1,72 Mill. Fl. Der Fassungsraum der vier jetzt (1895) bestehenden Reservoirs beträgt 1699210 hl, die Länge der Rohrleitungen 622 km. Zur Förderung der Reinlichkeit der Stadt bestehen überall unterirdische gemauerte Kanäle (1895: 3286 km), welche die Abwässer teils unmittelbar, teils durch den Ottakringer und Alserbach, teils durch Sammelkanäle in die Donau entleeren.

Im J.1895 bestanden 2132 Straßen und wurden für 656538 Fl. neue hergestellt; die Erhaltung der gepflasterten kostete 647374, der ungepflasterten 444483 Fl. Gesprengt wurden 6,39 Mill. qm Straßenfläche mit täglich durchschnittlich 84003 hl Wasser; die Kosten betrugen 336494 Fl. Die Straßenreinigung besorgt die Gemeinde (1895: 2076733 Fl.).

Die Straßenbeleuchtung ist vertragsmäßig bis 31. Okt. 1899 der Imperial Continental Gas-Association übertragen, für die Bezirke 12‒15 der Österreichischen Gasbeleuchtungs-Aktiengesellschaft. Die neuen von der Stadt zu erbauenden Gaswerke und das neue Rohrnetz sollen im Okt. 1899 in Betrieb gesetzt werden. Die elektrische Beleuchtung wird besorgt von der Allgemeinen Österreichischen, der Wiener und der Internationalen Elektricitätsgesellschaft. Von den Straßen ist nur der Kohlmarkt elektrisch beleuchtet.

Der Centralviehmarkt zu St. Marx, 1879‒84 erbaut, ist für den Verkauf von Schlachtvieh bestimmt und umfaßt einschließlich des Rinder- und Pferdeschlachthauses 31 ha. 1895 wurden eingeliefert 285737 Stück Rindvieh, davon 173176 Stück Mast-, 23883 Stück Weide- und 88678 Stück mageres (Beinl-) Vieh (138218 Stück ungar., 57563 galiz., 75587 deutsche Rasse und 14369 Büffel), ferner 177116 Kälber, 559575 Schweine, 83522 Lämmer und 245103 Schafe. In den 6 öffentlichen Schlachthäusern wurden 1895 geschlachtet 240030 Rinder, 9406 Büffel, 35920 Kälber, 10312 Schafe und 2485 Lämmer, 108 Ziegen, endlich 21095 Pferde.

Finanzen. Die Finanzen sind günstig, wenngleich die Lasten durch die Einverleibung der Vororte bedeutend höher geworden sind. Die Einnahmen betrugen 1895: 39233935, die Ausgaben 41270028, die Schulden 72422251 Fl., denen ein Vermögen von 85441399 Fl. gegenübersteht. Unter den Einnahmen befanden sich: Zinskreuzer und Zuschläge zu den direkten Staatssteuern 11972294, Zuschläge zu den Verzehrungssteuern des Staates 4853364, Einnahmen