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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wien (Musikleben. Theater. Zeitungen. Vereine. Wohlthätigkeitsanstalten. Bäder)

dem Kaiserornat Karls d. Gr., die kaiserl. Reichsinsignien, den kostbaren Familienschmuck, unschätzbare Kleinodien, wie den 133½ Karat schweren florent. Diamanten aus dem Besitz Karls des Kühnen von Burgund. Ferner sind zu nennen die berühmte Kupferstichsammlung «Albertina» im Palais des Erzherzogs Friedrich (117000 Handzeichnungen und 220000 Kupferstiche), die Gemäldesammlungen der Akademie der bildenden Künste, des Fürsten Liechtenstein (mit Bildern von Rubens, van Dyck und Teniers), die Galerien der Grafen Czernin, Harrach, Schönborn und der Stadt W., das städtische Museum mit reicher Waffen- und Trophäensammlung aus den Türkenkriegen, das Heeresmuseum, eine berühmte Waffensammlung im Arsenal, die Sammlungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie mit der Papyrussammlung des Erzherzogs Rainer, des Orientalischen Museums, des Technologischen Museums, der Universität und der Technischen Hochschule. Das Naturhistorische Hofmuseum (s. S. 706 a) enthält im Parterre die mineralog. (reich an Meteoriten), geolog., paläontol., anthropol. und ethnogr. Sammlungen, im ersten Stock die zoolog. Sammlung (besonders reich an Fischen und Vögeln) und im zweiten Stock die botan. Sammlung. Das Museum für österr. Volkskunde wurde 31. Jan. 1897 eröffnet. Unter den botan. Gärten zeichnet sich der der Universität sowie der in Schönbrunn (s. d.) aus. Ausstellungen der bildenden Künste finden statt im Wiener Künstlerhause und im Wiener Kunstverein. Die Malerschule und die Bildhauersckule zählen zu ihren Mitgliedern Ruß, Darnaut, Griepenkerl, Lichtenfels, Friedländer, Benk, Kundmann, Weyr, Zumbusch u. a.

Das Musikleben wird gefördert durch die Konzerte der Philharmoniker (Hofopernorchester), der Gesellschaft der Musikfreunde, des Singvereins, Haydnvereins, Wiener Männergesangvereins, Schubertbundes u. a. Die Aufführungen finden meist in dem Saale der Gesellschaft der Musikfreunde statt, der 2063 Personen faßt; der Bau eines großen Sängerhauses mit einem Saale für 6000 Personen im Reservegarten an der Wien ist geplant. Größere Orchester sind die von Eduard Strauß, Ziehrer und die Militärkapellen, bedeutendere Volkskapellen die «Grinzinger».

Theater. Den ersten Rang behauptet seit Joseph ⁡⁡Ⅱ. das Burgtheater (s. d. und oben S. 706a) auf dem Gebiete der Tragödie, des Schauspiels und des Lustspiels. Dieselbe Bedeutung hat für die Musik und das Ballett das Hofopernhaus (s. S. 706a), gegenwärtig (1898) von Gustav Mahler geleitet, das durch seine Kräfte und den Glanz der scenischen Ausstattung hervorragt, mit 2352 Zuschauerplätzen. Von den übrigen Theatern pflegt das Theater an der Wien und das Carl-Theater in der Leopoldstadt vorzüglich die Operette, das Deutsche Volkstheater und das Raimund-Theater, letzteres in Mariahilf, das Schauspiel und die Posse, das Theater in der Josefstadt die Lokalposse; ferner Jantsch’ (früher Fürsts) Volkstheater im Prater und das Volkstheater in Rudolfsheim. Das Stadttheater und die komische Oper (Ringtheater) verlor W. durch Brand. Ersteres ist durch Ronacher in ein Etablissement für gymnastische u. s. w. Produktionen umgewandelt worden; denselben Zwecken dient das Orpheum am Alsergrund.

Über die in W. erscheinenden Zeitungen s. Österreichisch-Ungarische Monarchie (Zeitungswesen).

Institute, Gesellschaften und Vereine. Die bedeutendsten sind die kaiserl. Akademie der Wissenschaften (s. Akademien B, Ⅱ), Geologische Reichsanstalt, Centralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus, Universitätssternwarte, das Militärgeographische Institut, bekannt durch seine ausgezeichneten Leistungen in der Kartographie, die Statistische Centralkommission und die Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und histor. Denkmale; die Niederösterreichische Landwirtschaftsgesellschaft, Gartenbaugesellschaft, der Reichsforstverein, Niederösterreichische Gewerbeverein, die Gesellschaft der Ärzte, der Verein für niederösterr. Landeskunde, Ingenieur- und Architektenverein, Wissenschaftliche Klub, die Wiener Künstlergenossenschaft, der Österreichische Kunstverein, die Gesellschaft der Musikfreunde, der Alpenverein, Touristen-, Alpenklub, der Niederösterreichische Gebirgsverein, zahlreiche kaufmännische, polit., Bildungs- und gesellige Vereine (Gesamtzahl 1895: 5897), das Adelskasino, der Jockeyklub u. a.

Wohlthätigkeitsanstalten. Das k. k. Allgemeine Krankenhaus am Alsergrund, eins der größten Spitäler der Welt (10 ha groß), von Kaiser Joseph Ⅱ. gegründet, mit mehr als 100 Krankensälen und 2000 Betten, steht in Verbindung mit den Universitätskliniken; das k. k. Krankenhaus auf der Wieden (600 Betten), die k. k. Krankenanstalt Rudolfstiftung (860) auf der Landstraße, das 1889 errichtete Kaiser-Franz-Josephs-Spital in Favoriten (640), Kaiserin-Elisabeth-, Stephanie-, Wilhelminen-, Rochus-Spital, 4 städtische Epidemie-, 21 private, 6 Kinder- und 2 große Garnisonspitäler; die niederösterr. Landes-Irrenanstalt (22 ha) für 700 Kranke, die allgemeine Poliklinik, die Krankenhäuser im Kloster der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt, der Elisabethinerinnen auf der Landstraße, der Barmherzigen Schwestern zu Gumpendorf und in der Leopoldstadt, das Israelitenspital, Rudolfinerkrankenhaus, Sophienspital; das städtische und zwei Vereins-Asylhäuser (1895: 98233 Obdachlose), das städtische Werkhaus für Arbeitslose; 1 k. k., 8 Gemeinde- und 12 private Waisenhäuser; das Findelhaus und die niederösterr. Landes-Gebäranstalt; das k. k. Taubstummen- und das k. k. sowie das israel. Blindeninstitut, das Invalidenhaus; die sechs städtischen Versorgungsanstalten (4165 Pfründner), zahlreiche Säuglings- und Kleinkinderbewahranstalten, 117 Wohlthätigkeitsvereine mit 41973 Mitgliedern (529794 Fl. an 60702 Arme) u. s. w. Die neun Armenfonds hatten 1895: 3020377 Fl. Einnahmen, 2793265 Fl. Ausgaben und 19 Mill. Fl. Vermögen, die 1509 Armenstiftungen besitzen 12,03 Mill. Fl. Kapital mit 516158 Fl. Einnahmen. Vorübergehende Unterstützung genossen 94327 Personen (681767 Fl. aus öffentlichen Mitteln) und 61000 Personen (540538 Fl. aus Privatmitteln), dauernde 6241 Männer und 15740 Frauen (1506764 Fl.). Aus Stiftungsgeldern wurden 2131 Arme dauernd mit 202143 Fl. unterstützt.

Bäder. Die größten sind: das Städtische Bad (für nahezu 1 Mill. Fl. im regulierten Donaustrom erbaut), das Centralbad in der innern Stadt, Römische und Dianabad in der Leopoldstadt, Sophien-, Beatrix- und Josephsbad auf der Landstraße, Florabad auf der Wieden, Margarethenbad in Margarethen, Esterházybad in Mariahilf, die k. k. Militärschwimmanstalt, außerdem noch zehn städtische Volksbäder.