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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wirkmaschine
den Faden zwischen den Nadeln niederdrückt und !
vor den alten Maschen a zwei nene Henkel 1, knliert. >
Die Platiue wird gegen die Nadelhaken vorgeschoben. !
Sie drängt mit ihren: Kinn die ncnen Henkel nnter !
die Haken, die gleick daranf von der herabgebenden
Presse bei p geschlossen werden (Fig. 3). Die alten
Maschen gleiten daber über die niedergepreßten
Hakenspitzen und werden bei weiterm Vorschub nnd
gleichzeitigem Steigen der Platine (Fig. 4) von den
Nadeln abgeschlagen. Sinken und Zurückziehen der
Platine nach der Ausgangsstelle ^ bewirkt erneutem
Einschließen der Ware und damit den Beginn eines
neuen Spiels (Fig. 1).
Bei dem 1589 von William Lee (s. d.) in Calver-
ton erfundenen, noch vielfach in Gebrauch stehenden
Hand kuli er stuhl erfolgen die Bewegungen der
einzelnen Werkzeuge teils unmittelbar durch die Hand
des Wirkers, teils unter Vermittelung geeigneter
Mechanismen (Platinenbarre, Platinenschwingen,
Rößchen, Walze u. a.) durch vom Arbeiter benutzte
Tretschemel. Mechanische Wirtstüble, Wirt-
maschinen (Fig. 9), die seit der Mitte dieses Jahr-
bunderts Verwendung finden, werden mit Elemen-
tarkraft betrieben und arbeiten selbstthätig.
Durch Mindern oder Mehren der Mascheuzabl in
den aufeinander folgenden Maschenreiben entstehen
Gewirke verschiedener Ilmrißgestalt; andererseits
tonnen durch gleichzeitige Verwendung verschieden-
farbiger Fäden, durch Abweichungen der Faden
läge und Maschenform von derjenigen der glatten
Ware verschiedene Musterungen hergestellt werden.
Hierzu dienen besondere Hilfswerlzeuge. Zu den
wichtigsten derselben gehören: die Mindernadel,
oer Decker sowie die Miuder - und Deck m aschin e
zum Abheben einzelner Maschen von den sie tragen-
den Nadeln und überhängen derselben auf Nack-
barnadeln, wodurch entweder die Breite der in der
Herstellung begriffenen Ware geändert wird, oder
innerhalb der Warenfläche teils Ojfnnngen, wie bei
der Petinetware, teils Erböhungen entstehen,
wie bei der Ananas wäre: Einrichtungen
des Fadenführers, um mittels derselben ver-
schiedenfarbige Fäden in regelmäßigem Wechsel oder
gleichzeitig in bestimmter gegenseitiger Lage den
maschenbildenden Werkzeugen zuzuführen, i'o daß
lang- oder quergestreifte, tarrierte und plattierte
Waren entstehen; die Nander- oder Fangma-
ickine, eine zweite Nadelreihe, deren Nadeln (Ma-
schinennadeln) etwa senkrecht zwisckcn den ^tubl-
uadeln stehen und die vermöge allseitiger Beweg-
lichkeit der Nadelbarre befähigt sind, die auf den
Stuhluadelu gearbeiteten Maschen so umzuformen,
wie sie z. B. der Ränder- oder Rechts wäre, der
Fangware, der Perlware eigentümlich sind; die
Prcßmaschine oder das Preßbleck, eine an
der gewöhnlichen glatten Presse verstellbar befestigte,
gezahnte Blechschiene, mittels deren bei dein zum
Zweck des Abscblagens der Ware vorgenommenen
Pressen nicht alle Nadelhaken gleichzeitig, sondern
nur in, der Gestaltung des Preßbleckes entsprecken-
der Auswabl gescklossen werden, so daß die auf den
nicht gepreßten Nadeln hängenden Maschen nicht
abgeschlagen werden (Preßmuster).
Im Nund - oder (5 irkularkulier st uhl liegen
die Nadeln entweder auf einer Krcisscheibe in radia-
ler Nichtnng (franz. Ruudkulierstuhl) oder auf der
Umstäche eines stehenden Kreiscylinders parallel zur
Cylinderackse lengl. Nundkulierstuhl). Die Scbeibe
oder der Cylinder bilden den Nadelkranz des
Rundstuhls. Derselbe ist um seine geometr. Achse
drehbar, so daß bei der Drehung die Nadelhaken ans
einer Kreislinie fortschreiten und hierbei nach und
nach in den Bereicb des Fadenfübrers und der diesem
folgenden Platinen gelangen. Diese Platinen wer-
den durch lamellenartig gestaltete, feste oder beweg-
liche Stablblechzähne eines oberhalb der Nadeln ge-
lagerten Rades, des Knlierrad es oder der Mail-
leuse, gebildet, das um eiue gegen die Nadelrich-
tung geneigt gelagerte Achse drehbar ist und durch
! den umlaufenden Nadelkranz in Drehuug versetzt
! wird. Eine neben dem Kulierrad angeordnete me-
! tallene Kreisfckeibe, das Pr?ß rad, wirkt als Presse.
In engl. Stühlen tritt zum Kulierrad noch ein Ver-
teilungsrad hinzu zur Herstellung qleick langer Fa-
denhentel, sowie zwei weitere, dem Kulierrad ähnlich
eingerichtete Räder, die zum Auftragen der Mafchen
auf die gepreßten Nadelhaken sowie zum Abschlagen
derselben dienen. Bei großem Durchmesser des Nadel-
tranzes tonnen auch zwei oder mebr Maillons an
diesem angebracht sein, so daß gleichzeitig zwei oder
mehr Fäden zur Verarbeitung kommen. Das auf
dem Rundstubl bergestelltc Gewirk besitzt die Form
ciues Scklauches, der entweder als solcher unmittel-
dar verwendet wird sz. B. als Strumpflängen)
oder in der Längenrichtung aufgeschnitten werden
muß. Auck auf den: Nundstuhl lassen sich unter
')Ulülseualnne geeigneter Nebeneiuricktungen ge-
musterte Wirtwaren herstellen.
Der Kettenstubl, der entweder als Hand- oder
mechan. Stubl, als siacher oder Rundstuhl ausge-
führt sein und mit Haken- oder mit ^ungennadeln
arbeiten taun, ist erheblich einfacher als der Kulier-
stuhl. ^u deu Nadeln, der Presse und den Pla-
tinen idic hier nur stehende sind) tritt noch eine
Reihe Lochnadeln, die in einer Nadelbarre be-
festigt sind und unter 45> gegen den Horizont ge-
neigt vor der Stuhlnadelreihe liegen sowie gehoben
und gesenkt, seitlich verschoben und zwischen die
Stuhlnadeln eingeführt werden könucn. Die von
einem Kettenbaume kommenden und mittels einer
Spannvorrichtung in geeignetem Maße straff ge-
baltenen Kettenfäden sind, bevor sie das bereits fer-
tige Warenstück erreichen, durch die Bobrungen der
Lochnadeln gezogen. Durch die der Locknadelbarre
mitgeteilte eigentümliche Bewegung wird jeder Ket-
tenfadcn seitwärts gezogen, unter und über eiuc
Studluadel gelegt und dadurch zu einer Schleife ge-
bogen, die nun unter Vermittelung der Platiuen und
der Presse dieselbe Behandlung erfährt wie die
Henkel der Kulierware, so daß sie sich nach dein Ab-
schlagen der fertigen Ware als Masche anfchließt.
Durck Legen in verschiedener Weise unter und über
die Nadeln entstehen verschiedene Kettenwaren.
Eine besondere Art des Wirtstuhles bildet die
Strickmaschine, die ebenfalls sowobl glatte als
gemusterte Wirtwareu liefert. Die Maschenbildung
und Vollendung des Gewirkes erfolgt hier nacd
Art des Handstrickeus, indem der Strickfaden mit
Hilfe einzeln beweglicher Hakennadeln durch die
schon fertigen Maschen bindurchgezogen und hierbei
immer nur je eine neue Masche fertig gestellt wird.
Die Nadeln der Strickmaschinen werden mit Hilfe
eines Schloffes in ihrer Längenrichtung verscho-
ben. Sie gleiten hierbei in prismatischen Riemen
eines Nadelbettes, das entweder cylindrisch oder
ebenflächig gestaltet ist. Man unterscheidet danach
auch bier Rund' und Flachstrickmaschinen.