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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Wölfflin; Wolffs Telegraphisches Bureau; Wolffsche Körper; Wolfgang; Wolfganger Alpen; Wolfgangsee; Wolfhagen; Wolfluchs; Wolfram

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Wölfflin - Wolfram (von Eschenbach)

mie, dann Medizin, wurde 1869 Assistenzarzt der innern Klinik in Heidelberg und ließ sich 1872 als praktischer Arzt in Neustadt a. d. Hardt nieder. Von 1873 bis 1879 arbeitete er als Assistent M. von Pettenkofers im Hygieinischen Institut zu München und trat 1879 als ordentliches Mitglied mit Rang und Titel eines kaiserl. Regierungsrats in das kaiserl. Gesundheitsamt ein; 1887 wurde er ord. Professor der Hygieine und Direktor des Instituts für mediz. Chemie und Hygieine in Göttingen. Seine zahlreichen Arbeiten über Ventilation, Heizung, Desinfektion, Wasserversorgung u. a. m. finden sich teils in der "Zeitschrift für Biologie" und in der "Deutschen Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege", teils in den "Arbeiten aus dem kaiserl. Gesundheitsamte"; seine größere Abhandlung über "Wasserversorgung" steht in von Pettenkofers und von Ziemssens "Handbuch der Hygieine und der Gewerbekrankheiten", 2. Tl., 1. Abteil. (Lpz. 1882).

Wölfflin, Eduard, Philolog, geb. 1. Jan. 1831 zu Basel, studierte hier und in Göttingen, wurde nach einer Reise nach Paris 1854 Unterbibliothekar und Gymnasiallehrer sowie 1856 Privatdocent in Basel, 1861 Gymnasialprofessor in Winterthur, 1869 außerord., 1870 ord. Professor in Zürich, 1875 ord. Professor in Erlangen, 1880 in München. W. veröffentlichte eine Ausgabe des Ampelius (Lpz. 1854), die erste der von ihm fälschlich einem Cäcilius Balbus zugeschriebenen Sprüche und Anekdoten (Bas. 1854), die kritische des Polyän (Lpz. 1860; 2. Aufl. 1886) und die des Publilius Syrus (ebd. 1869). Es folgte die Abhandlung "Antiochos von Syratus und Coelius Antipater" (Lpz. 1872), die Ausgabe von Buch 21-23 des Livius (ebd. 1873 fg., z. T. in 4. Aufl. 1891), Untersuchungen über die Sprache des Tacitus (im "Philologus", Bd. 24 fg.), und "C. Asini Polionis de bello Africo commentarius" (mit Miodoński, Lpz. 1889). Auch machte sich W. um die Erforschung der Geschichte der lat. Sprache bis zu deren Übergang in die roman. Sprachen verdient. Dahin gehören die Schriften "Über das Vulgärlatein" (im "Philologus", Bd. 34), "Lat. und roman. Komparation" (Erlangen 1879) und die Ausgabe der Regula Benedicti (Lpz. 1895). Seit 1884 giebt W. das "Archiv für lat. Lexikographie und Grammatik" (Lpz. 1884 fg.) heraus und ist Mitglied der Direktion des Thesaurus linguae latinae.

Wolffsche Körper, s. Embryo.

Wolffs Telegraphisches Bureau, abgekürzt W. T. B., Telegraphenbureau (s. d.) in Berlin, gegründet 1849 von dem damaligen Besitzer der "National-Zeitung" Dr. B. Wolff, ging 1865 an eine Kommanditgesellschaft und 1874 an eine Aktiengesellschaft, die Continental-Telegraphen-Compagnie, über. Anfangs wurden nur kommerzielle, bald aber auch polit. Meldungen verbreitet. W. T. B. ist zu einer der größten Unternehmungen dieser Art geworden. Es hat Agenten und Einzelvertreter in allen Teilen der Erde, von denen es Nachrichten empfängt, und denen es solche liefert, ferner Agenturen in allen größern Städten Deutschlands, die das Depeschenmaterial in ihrem Kreise an die Abonnenten weiter geben. Die Zahl der letztern in Deutschland beträgt über 4000, der Aufwand an Telephon- und Telegraphengebühren jährlich 800000 M., der Kassenumsatz 2,5 Mill. M. Im Hauptbureau sind über 100, in den deutschen Agenturen 150 Personen beschäftigt. Das Aktienkapital beträgt 1 Mill. M., die Dividende in den letzten Jahren durchschnittlich 11 Proz., zumeist aus dem Gewinn im Ausland stammend.

Wolfgang, Sankt, s. Sankt Wolfgang.

Wolfgang, Fürst zu Anhalt, geb. 1492, Sohn und mit 16 Jahren Nachfolger des Fürsten Waldemar, schloß sich seit dem Wormser Reichstag 1521 Luther an und war Mitunterzeichner der Protestation auf dem Speyerer Reichstage sowie der Augsburger Konfession und Teilnehmer am Schmalkaldischen Bund. Vom Kaiser im Jan. 1547 geächtet, fand er seine Zuflucht im Harz, bis ihn der Fürstenaufstand gegen den Kaiser und der Passauer Vertrag aus seiner gefährlichen Lage befreite. 1562 übertrug er die Regierung seinen Vettern. Er starb unvermählt 23. März 1566. In Bernburg wurde ihm ein Denkmal (von Henze) gesetzt. - Vgl. Krummacher, Fürst W. zu Anhalt (Dess. 1820).

Wolfganger Alpen, s. Ostalpen

Wolfgangsee, s. Sankt Wolfgang.

Wolfhagen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Cassel, hat 408,16 qkm und (1895) 25197 (12175 männl., 13022 weibl.) E., 4 Städte, 28 Landgemeinden und 14 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis W., an der Nebenlinie Cassel-Volkmarsen der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Cassel) und Steueramtes erster Klasse, hat (1895) 2932 E., darunter 162 Katholiken und 123 Israeliten, Post, Telegraph; Sandsteinbrüche.

Wolfluchs, s. Luchs.

Wolfram, auch Scheelium (Scheel) und Katzenzinn genannt (chem. Zeichen W, Atomgewicht 184), ein metallisches chem. Element, das als Wolframsäure an Eisen- und Manganoxydul gebunden im Scheelit (s. d.), an Bleioxyd gebunden im Wolframbleierz (s. d.) vorkommt. Das W., durch Reduktion der Wolframsäure mit Wasserstoff oder Kohle erhalten, bildet ein eisengraues, sprödes, sehr hartes Metall von 18,2 spec. Gewicht und wird in neuerer Zeit vielfach als Legierung mit Stahl unter dem Namen Wolframstahl angewendet. Auch die Oxydationsstufen des W., das Wolframoxyd, WO<sub>2</sub>, und das Wolframsäureanhydrid, WO<sub>3</sub>, haben vielfache Verwendung gefunden; das wolframsaure Natrium als Schutz gegen die Leichtentzündlichkeit der Gewebe, die Wolframsäure als Mineralgelb, wolframsaures Wolframoxyd als Mineralblau oder Mineralindig, wolframsaures Wolframoxydnatrium als Safranbronze, wolframsaures Wolframoxydkalium als rote Magentabronze und wolframsaurer Baryt als Bleiweißsurrogat, das ebenso gut wie Bleiweiß deckt und ebenso beständig ist wie Zinkweiß. Man stellt mittels W. auch rote und blaue Porzellan- und Glasfarben dar. W. wurde wegen seines hohen specifischen Gewichts als Material für Gewehrgeschosse vorgeschlagen; doch steht sein seltenes Vorkommen und hoher Preis dieser Verwendung im Wege.

W. ist auch soviel wie Wolframit (s. d.).

Wolfram von Eschenbach, neben Walther von der Vogelweide der größte mittelhochdeutsche Dichter ritterlichen Geschlechts, nennt sich selbst einen Bayern und stammte aus Eschenbach (Mittelfranken), wo noch im Anfang des 17. Jahrh. sein Grabmal zu sehen war. Seine Armut zwang ihn, herumziehend Herrengunst zu suchen; er hatte Beziehungen zu den Grafen von Wertheim und fand spätestens 1203 eine dauernde Stellung am Hofe des kunstliebenden, freigebigen Landgrafen Hermann von