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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wolkenstein - Wolle
eineil Seite ein mit dem Scheibendiamanten herge-
stelltes Quadratnetz besitzt und dadnrch die Möglich-
keit einer genanen Bestimmung der Richtung bietet.
Man kann mit Hilfe der W. aucb ungefähr die Ge-
schwindigkeit der Wolken ermitteln.
Wolkenstein, Stadt in der Amtshauptmann-
schaft Marienberg der sächs. Kreishauptmannschaft
Zwickau, an der Zschopau, in 470 m Höhe auf einem
Berge, an der Linie Cbemnitz-Annaberg und der
Nebenlinie W.-Iöbftadt (23 km) der Sächs. Staats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Chem-
nitz), hat (1895) 20W (5., darunter 28 Katboliken,
Postamt erster Klasse, Telegraph, altes Schloß,
früher häusig Residenz der sächs. Herzöge, Bürger-
schule ; Baumwollspinnerei, Holzstofstchleifereien,
Fabrikation von Bnntpapier, Buntpappen, Kar-
tons und Posamenten, Klöppelei, Schuhmacherei,
Leinweberei und Strumpfwirkerei. 2 km nordöstlich
Bad W., mit warmer Quelle l29" ('.) und Bade-
anstalten (18971 1343 Kurgäste).
Wolkenstein, Burg im Grödner Tbal (s. Grö-
den) in Tirol.
Wolkenstein-Trostburg, Anton Karl Simon,
Graf von, Diplomat, s. Bd. 17.
Wolkenzug, die Bewegung der Wollen in Be-
zug auf die Nicbtnng, wober sie kommen. Zm> Be-
stimmung des W. bedient man sich des Wolken-
spiegels (s. d.). Die Feststellung der Zugrichtung ist
zwar sebr schwierig, aber namentlich für die Wetter-
prognofe von größter Wichtigkeit.
Wolkonskiwald, s. Wolchonskiwald.
Wolkowisk (richtiger Wolkowysk). 1) Kreis
inl nüttlern Teil des russ. Gouvernements Grodno,
hat 3813,9 cikm, 131391 E., vorwiegend Weiß-
russen und Litauer; Ackerbau, Viehzucht und Fa-
briken. - 2) Kreisstadt im Kreis W., an der Wolk-
wyssa (durch Roß zum Niemen) und an der Linie
Varanowitschi-Bjelostok der Poljessjebabnen, hat
(1892) 8540 E., Post, Telegraph, zwei russ., eine
kath. Kirche, eine Synagoge und einige Fabriken.
Wolkolviskijwald, s.' Wolchonstiwald.
Wolkowhfchki. 1) Kreis im westl. Teil des
russ.-poln. Gouvernements Suwalki, im N. von der
Scheschuppe und im W. von Preußen begrenzt, bat
1275,6 <ikm und 79 520 E. - 2) W., auch Wilko-
wyschki, poln. Wolkowyszki, Wylkowyszki,
Kreisstadt im Kreis W an der Linie Landwarowo-
Eydtkuhnen der Eisenbahn Petersburg-Warschau,
bat (1892) 9101 E., Post, Tclegrapb, Handel.
Wollafter, Nacktfalter, s. Birlcnspinner.
Wollaston (spr. wnllest'n), William Hyde, engl.
Chemiker und Phvsiker, geb. 6. Aug. 176<; zu East-
Dereham in Norfolk, studierte in Cambridge Medizin,
ließ sich dann als Arzt zu Bury St. Edmuud's
nieder, ging hierauf nach London, gab bier jedoch
schon 18W die Medizin auf und widmete sich mit
großem Erfolg der Cbemie und Phvsik. Er wurde
l80s> Sekretär der Königl. Gesellschaft der Wissen-
schaften zu London und starb hier 22. Dez. 1828.
Durch seine für Künste und Gewerbe wichtigen Er-
findungen, vor allem dnrch die in den "^'IliwZo-
pniclll 'IranßHctiou"" beschriebene Entdeckung, Pla-
tin hämmerbar zu machen, erwarb er sich große Ver-
dienste. Seine Arbeiten mit Platin führten ihn auf
die Entdeckung zweier nener Metalle im Platinerz,
des Palladiums und Rhodiums. Er gab auch eine
Vervollkommnung des Mikroskops an, erfand das
nach ihm benannteWollastonsche Element (s. Galva-
nisches Element), konstrnierte das Neflerionsgonio-
> meter (s. Goniometer) und machte sich um die Ver-
! besserung der Hookeschen t'^mera Incid<i u. i. w.
! verdient^ Seine Untersuchungen hat er in einzelnen
! Abhandlungen teils in den "i'iiiloZopnical Irans-
! llctionß" (seit 1797), teils in Thomsons "^nnal8 ol
?1nl0"op!i>)) mitgeteilt, llnd die chemisch-pbysikali-
schen sind ziemlich vollständig in Gilberts "Annalen"
uud Poggeudorffs Fortsetzung derselben enthalten.
Wollastonlt oder Tafel spat, ein chemisch den
Augiten nabe verwandtes monoklines Mineral, das
meistens in unvollkommen gebildeten schaligen In-
dividuen, auch in radialstengligen bis faserigen
Aggregaten von rötlich-, gelblich- und grauweißer
Farbe und starkem Glasglanz erscheint. Nach den
chem. Analysen ist der W. Kalksilikat, c<i8i0,. Er
findet sich in den Auswurfsblöcken des Vesuvs, in
den Laven vom Capo di Bove bei Rom und von
Aphroessa auf Nea Kaimeni bei Santorin, ferner in
den körnigen Kalken von Auerbach an der Bergstraße,
Cziklova im Banat, Perbenicmi in Finland.
Wollastonland, f. Victorialand.
Wollastonsches Element, s. Galvanisches
Element.
Wollbaum, s. Zoiudllx und Viiocienckrou. '
Wollblnmen, die Blüten der Königskerze (s.Vsr-
1)a8cuin) und des Wnndklees ls. ^nt^vili?).
Wolldistel, s. ^ir^ium.
Wolle, nach Nathusins diejenigen tierischen
Haare, die sich stapeln, d. b. auf dem Körper des
, Tieres durch die Eigentümlichkeit ihrer Kräuselung
eine so innige Verbinduug erlaugen, daß sie auch
nach der Trennung vom Körper ibren regelmäßigen
Bau und einen mehr oder wenig festen Zusammen-
hang behalten. Am meisten gilt dies von dem Haar
des Schafes. Ranf - oder G erberwolle heißt die
in Gerbereien mittels Kalk abgelöste Wolle, die von
gefallenen Tieren Sterblingswolle. Die Quer-
schnittsflä'che des Haars bestimmt die ^einbeit.
Um die Feinheit genau zu bestimmen, wurden Woll'
messer (s. d.) konstruiert.
Die Dicke des Wollhaars beträgt 10-80 Mikro-
millimeter. Wenn man von Länge des Wollhaars
spricht, so setzt man voraus, daß sein Wachstum ein
Jahr gedauert hat. Die Tehnbarkeitist die Eigen-
schaft des Wollhaars, vermöge deren dasselbe über
seine wahre wirkliche Länge im spannungslosen, je-
doch ungekräuselten Zustande ausgedehnt werden
kann; es soll die Dehnbarkeit zwischen 11,i und
15,2 Proz. bei feinen Merinoschafen schwanken. Eine
sehr wichtige Eigentümlichkeit ist die Kräuselung',
deren Form ist verschieden: die Kräuselung ist nor
mal, wenn sie halbe Kreisbögen darstellt; die Wolle
ist hoch bogig, wenn die Kräuselungsbogen höber
sind; die Kräuselung ist flack, wenn sie den balben
^ Kreis nicht erreicht; überbogig oder gemascht,
wenn die Kräuselungsbogen sich ganz der Kreisform
nähern. Nach den Kräuselungsbogen kann man die
Feinheit bestimmen i
Femhettö- bögen auf
sortiment ! 25'^^
' ! 1 rhem. Zoll
I'rinia I ....
32 u.darüber
28-32
2<;-2K
23-24
^ . Kräuseluugs-
j^emheltS- bögen auf
sortiment 25"^^
' 1 rhein. Zoll
HkOUNtiH I .
Tertia .
(Quarta
21-23
19-20
16-19
13-16
-13
nber die mikroskopische Beschaffenheit des Woll-
haars s. Gespinstfafern und die dazugebörige Fig. 4.