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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wringen - Wucher
"^raliio reHäin^-Iiook" (Lond. ^870), "I^emainZ
s^i-iaev (syrisch und englisch, ebd. 1858), "(^onti-i-
dntion3 to tlio Hpoci^pli^i liwratni-L ol t1i6 ^6>v
'I63tliui6iit)> (syrisch und englisch, ebd. 1865), "^P0-
c r^ilai ^ct8 ok tno ^po8ti68" (syrisch und englisch,
Bd. 1 u. 2, ebd. 1871), "'I1i6 domilios ol^^Iii'^litLL"
"syrisch, Bd. 1, ebd. 1869), "^1i6 clu-onicio ol ^"8ua,
lli6 8t^1it6)' (syrisch und englisch, Cambr. 1882),
"'IIi6 Iioolc ot' XaNIali llnd 1)imn.^i" (syrisch ^aus
dem Arabischen^, Lond. 1884). Seine engl. Bear-
beitung von P. Casparis "Arab. Grammatik"
(2. Ausg., 2 Bde., Lond. 1874) musi als ein völlig
selbständiges Werk angesehen werden. Außerdem
bearbeitete er noch den .Katalog der syr. (Bd. 1^3,
Lond. 1870 - 72) und der äthiop. (ebd. 1877)
Handschriften des Britischen Museums und nahn:
hervorrageuden Anteil an den Publikationen der
Londoner i'^Non-i'^iii^i socio^ (1875 fg.). Nach
seinein Tode erschien "^oniMi-litive Frlrnnnlir ot' td"
^6Uiitio 1aN^U3^68" (Lond. 1890) und "^ 8N01't
^I8t0i^ 0t' 8)'i'iac 1it6i-atui'6" (ebd. 1894).
Wringen, niederdeutsches Wort für ringen, win-
den, zusammendrehen, ausringeu.
Wringmaschine, s. Appretur und Wäsche.
Wrisbergsche Knorpel, s. Kehlkopf uebst
Tafel: Der Kehlkopf des Menschen, Fig. 2,5,
Fig. 3,7 und Fig. 5,2.
V/rit oksrror (engl., spr.ritt), Revifionsbefehl
wegen Formfehlers.
Wronke, Stadt im Kreis Samter des preusi.
Neg.-Vez. Poseu, links an derWarthe, an der Linie
Stargard - Posen der Prcuß. Staatsbahnen, Sitz
eines Amtsgerichts (Landgericht Posen) und Steuer-
amtes, hat'(1895) 4357 E., darunter 1486 Evan-
gelische und 528 Israeliten, Postamt zweiter Klasse,
Telegraph, Warendepot der ReiclMauk, kath. und
evang. Kirche, Centralgefängnis; Starke- und Sirup-
fabrik, Schwelleuimprägnierungsanstalt, Ziegeleiell
und Getreidehandel.
Wronski (Hoene-Wronfki), Joseph Marie,
poln. Philosoph und Mathematiker, geb. 24. Aug.
1778 in der Provinz Posen, hieß eigentlich Hoene
und änderte erst 1815 in Paris seinen Namen. Im
Kadettenkorps zu Warschau ausgebildet, war er
1794 unter Kosciuszko Artillerieoffizier in der poln.
Armee, geriet aber in der Schlacht bei Maciejowicc
in russ. Gefangenschaft. Er wurde uuumehr russ.
Offizier, nahm jedoch 1798 feinen Abschied und ging
nach Deutschland, wo er Philosophie und die Rechte,
besonders aber die Lehre Kants studierte, dereu
eifrigster Anhänger er wurde. Dann ging er nach
Frankreich und lebte bis 1810 hauptfächlich in Mar-
feille. Er starb in dürftigen Umständen 9. Aug.
1853 in Paris. Seine Philofophie, die er die ab-
solute (später Messianismus) nannte und die er als
die einzig richtige Fortbildung der Kantischen be-
trachtete, sollte die Gruudlage seines Systems sein.
W.s Werke, die zum größten Teil über Philosophie
und Mathematik handeln, sind noch zu wenig er-
forscht. Erst jetzt beginnt man, namentlich in Frank-
reich, sich mit seinen mathem. Theorien zu beschäf-
tigen. Seine Hauptwerke sind: "Inti'oäuction ü. 1^
^iloäoxliio äc;8 inlM6iuatiqu68" (Par. 1811), "116-
Lointion F<W6l-<Ti6 668 6HUHti0N8 äs t0U8 168 ä6Fr68"
(ebd. 1811), "I>1iii080i)Iiio äs 1'inüni" (ebd. 1814),
"(Ü3.Q0N ä6 i0^i-itl!ML8" (ebd. 1827), <M688iani8ni6)
Union Ünkl6 ä<31a I)liil080i>1ii6 et äo In. i-LÜFion"
(2 Bde., ebd. 1831 - 39), "rkil080i)ki6 ad80wo
ä6 1'1ii8t0ir6" (1852) u. s. w. Die Akademie zu Kra-
kau plant eine kritische Ausgabe der Werke W.s. -
Vgl. Dickstem, Hoene-Wronski (Polnisch, Warsch.
1887) und verschiedene Auffätze Dicksteins in der
"Lidliotlißca inatliLinaticw) (Stockh. 1892 -94);
ferner Vobynin, Hoene-Wronski und seine Lehre
über die Philosophie der Mathematik (russisck,
Mosk. 1894).
Wrschowitz, Markt in der österr. Bezirkshaupt-
mannschaft und dem Gerichtsbezirk Königliche Wein-
berge in Böhmen, östlich von Prag, an der Linie
Prag-Gmüno (Station Nusle-W.) der Osterr.
Staatsbahnen, hat (1890) 8024 czech. E., Pfarr-
kirche, Lustschloß; Brauerei.
Wrucke, s. Kohlrübe.
If^. ^ct?/^<^., hiutcr wissenschaftlichen Tiernamen
Abkürzung für William Wilson Saunders.
'W. 3. <3., Weinheimer^enioren-Convcnt (s.d.).
Wöetin (spr. wsche-), Stadt in der österr. Bezirks-
hauptmannschaft Walachifch-Meferitfch in Mähren,
an der obern Betfchwa, an der Linie Mährisch-Weiß-
kirchen-W. (46^m) derKaifer-Ferdinands-Nordbahn,
Sitz eines Bezirksgerichts (451,10 <i^m, 32664 E.),
hat (1890) 6057 czech. E., eine kath., zwei evang.
Kirchen, Schloß, Korbflechtschule; Tuch-, Glas-,
Möbel-, Zucker- und Zündhölzchenfabrikation.
'Vl7. L. V., Abkürzuug für Wolffs Telegraphisches
Bureau (f. d.>.
Wucher (Usui'^i-ia. pi-HvitÄ8), im engein Sinne
ZinsWucher, Kreditwucher, allgemeine Bezeich-
nung für das Nehmen übermäßiger oder gesetzlich
verbotener Zinsen (s. d.). Im weitern Sinne wird
überhaupt die Ausbcutuug der Notlage, des Leicht-
sinns u. s. w. eiues andern zur Erzielung unmäßiger
Vorteile bei der Kreditgewährung, z. B. beim Ver-
kauf auf Kredit durch eiue übertriebene Festsetzung
des Kaufpreises (Sach Wucher), ja selbst die Aus-
beutung außerhalb des Kreditverkehrs als W. (Lohn-
wucher, Land Wucher) bezeichnet. Bei geringer
Entwicklung der Geldwirtschaft findet sich nur selten
Nachfrage nach Gelddarlehen zum Zwecke einer pro-
duktiven Benutzung, sondern folche werden dann mei-
stens nur zur Aushilfe bei Verlegenheiten und Not-
lagen gefucht. Daher fchciut es dem natürlichen sitt-
lichen Gefühl nicht zu entsprechen, daß der Notlei-
dende für eiue solche Hilfe eine erhebliche Vergütung
zu zahleu habe, und fo hat fchou Aristoteles das Zins-
nehmcn für einen unnatürlichen Gewinn erklärt, da
das Geld feiner Natur nach unfruchtbar fei. Den
Juden war nur von Ausläudern Zins zu nehmen er-
laubt, Glaubensgenossen dagegen follten die Reichen
unentgeltliche Darlehen gewähren. Im Mittclalter
verbot das kanonifche Recht das Zinsnehmen gänz-
lich und fand dabei die Unterstützung der weltlichen
Gesetzgebung. Mit dein Aufstellen eines solchen ge-
fetzlichen Zinsvcrbotcs wurde der Begriff des W.
glcichbedeuteud mit Ziusuehmen überhaupt. Die
uatürliche Folge war, daß die Geldverleiher sich
durch versteckte Zinfen, Renten, Kauf von Gütern
mit Vorbehalt des Rückkaufs u. s. w. zu helfen
fuchten. Doch wurde auch damals, wo es nicht
anders anging, den Juden und an vielen Orten den
fog. Lombarden das Zinsnehmen gestattet.
Als mit dem Umschwuuge der socialen Verhält-
nisse seit dem Ende des Mittelalters der Vorteil
der Ausnutzung gelieheucr Geldkapitale immer
augenfälliger wurde, fielen zwar die unbedingten
Zinsverbote von felbst weg; aber in den meisten
Staaten wurden jetzt Zinstaxen festgesetzt und