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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Würzburg; Würzburger Konferenzen; Würze; Würzeertragsteuer; Wurzel

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Würzburg (Konrad von) - Wurzel (in der Botanik)

gegründete, 1811 und 1812 organisierte erste deutsche Musikinstitut ist 1. Okt. 1875 in die Königl. Musikschule, eine alle Fächer musikalischer Unterweisung umfassende Staatsanstalt, umgewandelt worden. Ferner besitzt die Stadt zwei Gymnasien mit Lateinschulen, ein Realgymnasium, eine Kreisrealschule, einen Polytechnischen Verein mit Sonn- und Feiertags-, Handwerks- und Fortbildungsschulen, ein kath. geistliches und ein Schullehrerseminar, eine Hebammenschule; eine Augenheilanstalt (Stiftung des Professors von Welz), Taubstummen-, Blindenanstalt, Bürgerspital, mehrere Mönchs- und Nonnenklöster, Wasserleitung, Kanalisation, Gasanstalt, Schlacht- und Viehhof und Straßenbahn. Unter den Vereinen sind die Medizinisch-Physikalische, Historisch-Philologische, Chemische Gesellschaft, der Historische Verein und der Verein für öffentliche Gesundheitspflege zu nennen.

Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Maschinen für Buchdruckerei, Tabak, Cigarren und Schnupftabak, Schaumweine, Wagen, Pianofortes, Kunstwolle, Schokolade und Konserven, Essig, Liqueure und Essenzen, Maschinenöle, Seife, Kerzen, Kneippsche Heilmittel und Wachswaren; ferner bestehen Brauereien (Brauhaus W. und Bürgerliches Brauhaus Zell-Würzburg), Buchdruckereien und lithogr. Anstalten und Dampfziegeleien. W. ist Sitz der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für den Reg.-Bez. Unterfranken und der 14. Sektion der Berufsgenossenschaft der Schornsteinfegermeister des Deutschen Reichs. Sehr bedeutend ist der Handel, besonders mit Wein und Frucht. Die Pferdebahn wurde 1892 eröffnet.

An einem Abhange des Marienbergs, die Leiste genannt, wächst der Leistenwein, und auf dem nördlich von der Stadt hart am Main gelegenen Steinberge der Steinwein (s. Frankenweine). Nahe bei W. das ehemalige Cistercienserkloster Oberzell (s. Zell), jetzt Schnellpressenfabrik von König & Bauer (s. d.).

W., seit 741 Bischofssitz (s. Würzburg, Bistum, S. 874 a), wuchs bald zu einer bedeutenden Stadt heran, in der mehrere Reichstage gehalten wurden, auf deren einem 1180 Heinrich der Löwe in die Acht erklärt wurde. Während des Bauernkrieges wurde W. 1525 von den Bauern unter Götz von Berlichingen genommen, 1563 von Wilhelm von Grumbach (s. d.) überrumpelt und 1631 während des Dreißigjährigen Krieges von Gustav Adolf besetzt. Bei W. erlitt 3. Sept. 1793 der franz. General Jourdan eine Niederlage durch Erzherzog Karl. Vom 24. bis 27. Nov. 1859 berieten die Minister und Bevollmächtigten der deutschen Mittel- und Kleinstaaten in den Würzburger Konferenzen über einen engern Zusammenschluß zu gemeinsamen Angelegenheiten, doch verliefen die Verhandlungen resultatlos. Im Deutschen Kriege von 1866 endete bei W. der Feldzug der preuß. Mainarmee gegen die deutsche Bundesarmee mit der Beschießung der Feste Marienberg 27. Juli und dem Einzug der Preußen in W. unter Manteuffel 2. Aug. Am 9. Sept. 1861; verließen die preuß. Truppen W. wieder.

Vgl. Fries, Würzburger Chronik (Würzb. 1848); v. Wegele und Stahel, Histor. Album der Stadt W. (ebd. 1867); Heffner, W. und seine Umgebungen (ebd. 1871); Oegg, Entwicklungsgeschichte der Stadt W. (hg. von A. Schäffler, ebd. 1880); von Wegele, Geschichte der Universität W. (2 Tle., ebd. 1882); Cronthal, Die Stadt W. im Bauernkriege (ebd. 1888); Rebbinder, W. und Umgebung (Dresd. 1893); Stahel, Neuer illustrierter Fremdenführer durch W. (Würzb. 1895); Göbl, W. Ein kulturhistor. Städtebild (ebd. 1896).

Würzburg, Konrad von, s. Konrad von Würzburg.

Würzburg, Zerline, Schauspielerin, s. Gabillon.

Würzburger Konferenzen, s. Würzburg, Stadt.

Würze, s. Bier und Bierbrauerei.

Würzeertragsteuer, s. Branntweinsteuer.

Wurzel, jedes Achsenorgan der Gefäßpflanzen, das weder Blätter noch Blattanlagen erzeugt. Außer durch den Mangel der Blattanlagen unterscheiden sich die Vegetationsspitzen der Wurzelachsen von denen der Stammachsen noch dadurch, daß sie von einem haubenähnlichen Zellkomplex, der sog. Wurzelhaube, bedeckt sind. Im gewöhnlichen Leben bezeichnet man außerdem jedes unterirdisch wachsende Stammorgan, das in phvsiol. Hinsicht häufig die W. ersetzt, als W., in der wissenschaftlichen Terminologie hat man dafür das Wort Rhizom (s. Stamm) eingeführt.

An jedem fertig ausgebildeten Embryo der Gefäßkryptogamen und Phanerogamen findet sich bereits eine Wurzelanlage, dieselbe besteht in den Samen den Phanerogamen meist schon aus einem deutlich entwickelten Würzelchen oder doch wenigstens aus einer Gruppe von Zellen, aus denen nachweisbar die spätere W. hervorgeht; das letztere ist auch bei den Embryonen der Gefäßkryptogamen der Fall. Diese Wurzelanlage entwickelt sich beim Auswachsen des Embryos zur Keimpflanze als Hauptwurzel oder erste W. Das weitere Schicksal dieser W. ist jedoch bei den einzelnen Pflanzengruppen verschieden. Bei den meisten Dikotyledonen zeigt sie lange Zeit hindurch lebhaftes Wachstum an ihrer Spitze und wird zur Pfahlwurzel, die gewöhnlich senkrecht nach abwärts vordringt und besonders bei baumartigen Gewächsen durch Dickenwachstum einen bedeutenden Durchmesser erreicht. Dasselbe gilt auch für die meisten Gymnospermen. Bei den Monokotyledonen und Gefäßkrvptogamen stirbt in der Regel die erste W. bald ab, oder sie unterscheidet sich in ihrer Weiterentwicklung nicht von den später entstehenden Wurzelorganen. Die Verzweigung der Hauptwurzel ist gewöhnlich eine ziemlich regelmäßige, in einiger Entfernung von der fortwachsenden Spitze werden nach verschiedenen Seiten Seitenwurzeln gebildet, welche endogen, also im Innern der W., angelegt, die Wurzelrinde durchbrechen und anfangs senkrecht zur Achse des Mutterorgans stehen. Später krümmen sie ihre Spitze nach unten und wachsen meist in einem bestimmten Winkel zur Lotrechten schief nach abwärts. Die Anlage der Seitenwurzeln erfolgt nicht immer streng akropetal, wie die der Blätter oder der normalen Zweige an den Stammachsen, sondern auch in weiterer Entfernung von der Spitze können häufig noch junge Seitenwurzeln hervorbrechen. Jede Seitenwurzel kann nun ihrerseits wieder Verzweigungen in der selben Weise bilden und die dadurch entstehenden Seitenwurzeln zweiten Grades können wieder solche dritten Grades u. s. f. erzeugen, so daß das ganze Wurzelsystem einer ältern dikotyledonischen Pflanze eine außerordentlich reiche Gliederung aufweisen kann; die feinsten Auszweigungen letzten Grades werden häufig als Wurzelfasern oder Wurzelzafern bezeichnet.

In Fällen, wo die Hauptwurzel bald abstirbt, wie bei den Monokotyledonen, unterbleibt naturgemäß