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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zerda - Zersetzung

Stadtbefestigung (1430) mit Türmen und Wachthäusern,altertümliche Giebelhäuser, eine Rolandsäule (1445) und die Butterjungfer, ein messingenes Standbild auf einer Holzsäule auf dem ansehnlichen Marktplatze, vier evang. Kirchen, darunter die Nikolaikirche (15. Jahrh.) mit roman. Resten der frühern Kirche (11. oder 12. Jahrh.), Bartholomäikirche mit alleinstehendem Glockenturm (1215) und die Trinitatiskirche (1683‒96), neue kath. Kirche, Synagoge, herzogl. Schloß (1681‒1750) mit dem Haus- und Staatsarchiv von Anhalt (Urkunden von 941 an), Rathaus (12. Jahrh.), 1480 mit schönen Backsteingiebeln geziert und 16l0 erweitert, mit dem städtischen Museum, dessen wertvollstes Stück eine Prachtausgabe der von Hans Luft 1541 gedruckten und von Lukas Cranach dem Jüngern ausgemalten Lutherbibel ist (vgl. Schmidt, Das Rathaus zu Z., Zerbst 1897). Das Cisterciensernonnenkloster (1294‒1542) ist jetzt Kaserne, das Augustinerkloster (1390‒1525) Hospital und das Franziskanermönchskloster (1250‒1531) Gymnasium mit Realprogymnasium (Francisceum). Ferner hat die Stadt höhere Mädchenschule, Knaben- und Mädchenbürgerschule, Fortbildungs-, Bau-, Landwirtschaftsschule, Taubstummenanstalt, Waisenhaus, Kreiskrankenhaus, Wasserleitung und Gasanstalt; Fabriken für Gold- und Silberwaren, Schirmstöcke, Seife, Maschinen, Kartoffel- und Maisstärke, Sprit, Chemikalien und Wagen, Viehmärkte und viele Brauereien (altberühmtes Zerbster Bitterbier). Bedeutend ist der Gemüsebau im Stadtteil «der Ankuhn». – Z. ist sehr alt; 948 wird der Gau, 1007 die Stadt Z. zuerst genannt. Gegen Ende des 12. Jahrh. kam sie in Besitz der edlen Herren von Z., 1264 in den der von Barby, 1307 in den der Fürsten von Anhalt. 1603‒1793 war Z. die Hauptstadt eines besondern Fürstentums (s. Anhalt, Geschichte). 1797 kam die Stadt an Anhalt-Dessau.

Zerda, Fuchsart, s. Fennek und Tafel: Wilde Hunde und Hyänen Ⅰ, Fig. 1, beim Artikel Hunde.

Zerduscht, s. Zoroaster.

Zerfaserungsapparat, s. Holzstoff

Zerfließlich nennt man alle stark hygroskopischen Substanzen, die aus feuchter Luft so viel Wasserdampf anziehen und kondensieren, daß sie sich darin lösen.

Zerin, s. Jesreel.

Zerkā, vollständig Nahr ez-Zerka ^[heute: Zarqa], der arab. Name des Flusses Jabbok (s. d.).

Zerklaere, Thomasin von, aus dem Geschlecht der Cerchiarj in Friaul, Lehrdichter, Domherr in Aquileja, gest. vor 1238, verfaßte, außer einem verlorenen ital. Buche über höfisches Leben, in zehn Monaten von 1215 bis 1216, noch nicht 30 J. alt, in deutscher Sprache seinen «Welschen Gast» (hg. von H. Rückert, Quedlinb. 1852). Für die Sittengeschichte von Interesse ist das 1. Buch wegen der darin enthaltenen höfischen Anstandsregeln. – Vgl. Ad. von Oechelhäuser, Der Bilderkreis zum Welschen Gast des Thomasin von Z. (Heidelb. 1890).

Zerkow, Stadt im Kreis Jarotschin des preuß. Reg.-Bez. Posen, unweit der Lutinia, an der Linie Öls-Gnesen der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 1777 E., darunter 140 Evangelische und 171 Israeliten, Post, Telegraph, kath. Kirche und Synagoge.

Zerlegen, in der Jägersprache das Zerteilen des zerwirkten (s. Zerwirken) Hoch-, Schwarz- und Rebwildes in die Stücke des Brat- und Kochwildbrets.

Zerlegungstabellen, s. Logismographie.

Zermagna, s. Zrmanja.

Zermalmung, s. Quetschung.

Zermatt, frz. Praborgne, Pfarrdorf im Bezirk Visp des schweiz. Kantons Wallis, 32 km südwestlich von Visp auf dem linken Ufer der Gorner- oder Mattervisp, in 1620 m Höhe, in der obersten Stufe des Nicolai- oder Matterthals (s. Visp) gelegen, an der Schmalspurbahn Visp-Z. (35 km), hat (1888) 289, als Gemeinde 528 kath. E., Post, Telegraph, zahlreiche große Hotels, darunter die Berghotels der Riffelalp (2227 m) und des Riffelberges (2569 m), und ist Mittelpunkt eines bedeutenden Fremdenverkehrs. Während die Hochgipfel und Gletscherjoche der Umgebung meist nur geübten Bergsteigern zugänglich sind, bieten die Vorberge zahlreiche, leicht erreichbare Aussichtspunkte, unter denen der Gornergrat (s. Gornergletscher) mit großem Hotel und elektrischer Bergbahn (1898), das Schwarzsee-Hotel (2589 m), das Hörnli (2893 m), am Fuß des Matterhorns und das Mettelhorn (3410 m) die besuchtesten sind. Von den andern Dörfern des Thals, das 1888 in sechs Gemeinden 2275 deutsche kath. E. zählte, ist das wichtigste Sankt Niklaus (1164 m, 807 E.), nach welchem das Thal benannt ist. – Vgl.Yung, Z. und das Visperthal (Lausanne 1896).

Zerna-Reka, serb. Kreis, s. Crna-Reka.

Zéro (frz., spr. seroh), Null. (S. Roulette.)

Zerograph, ein auf Synchronismus beruhender Typendrucktelegraph, der mit einem Tastenwerk nach Art der Schreibmaschinen ausgerüstet und zum Gebrauche des Publikums bestimmt ist, von Leo Kamm, einem in London lebenden Deutschen, 1897 erfunden.

Zerquetschung, s. Quetschung.

Zerrbild, s. Karikatur.

Zerreiche, s. Eiche.

Zerrenner, Heinrich Gottlieb, Pädagog und Theolog, geb. 1750 zu Wernigerode, studierte in Halle Theologie, wurde 1772 Lehrer zu Klosterberge, 1775 Pfarrer in Beiendorf bei Magdeburg, 1787 Inspektor zu Derenburg im Fürstentum Halberstadt und 1810 Generalsuperintendent zu Halberstadt, als welcher er 10. Nov. 1811 starb. Auf pädagogischem Gebiete ist er durch seine Zeitschrift «Deutscher Schulfreund» (Magdeburg) bekannt, die von 1791 bis 1811 in 46 Bänden erschien.

Zerrenner, Karl Christoph Gottlieb, Sohn des vorigen, geb. 15. Mai 1780 in Beiendorf, studierte in Halle Theologie und wurde 1802 Lehrer am Pädagogium des Klosters Unserer lieben Frauen, 1805 Prediger und 1813 Seminardirektor in Magdeburg, 1816 Konsistorial- und Schulrat, 1834 Propst zum Kloster Unserer Lieben Frauen und Direktor des Klostergymnasiums; er starb 2. März 1852. Unter seinen Werken sind die «Grundsätze der Schulerziehung, der Schulkunde und Unterrichtswissenschaft» (2. Aufl., Magdeb. 1833) und das «Methodenbuch für Volksschullehrer» (5. Aufl., ebd. 1839) die bedeutendsten. Den «Deutschen Schulfreund» seines Vaters hat er bis 1823 (von Band 47 bis 60) fortgesetzt. Im Gegensatz zu Diesterweg verteidigte er die wechselseitige Schuleinrichtung, die er 1830 im Auftrage des Königs Friedrich Wilhelm Ⅲ. persönlich studiert hatte.

Zerschlagung der Grundstücke, soviel wie Dismembration (s. d.).

Zersetzung, chemische Trennung oder Scheidung, ein chem. Prozeß, durch den die zu einem gleichartigen Ganzen verbundenen ungleichartigen Bestandteile eines Körpers getrennt werden. Die Mittel, durch die eine chemische Z. hervorge- ^[folgende Seite]