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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zinna - Zinngußwaren
als Schnelllot zum Löten der Weißblechwaren, des
Messings u. s. w. angewendet werden, übersteigt
der Bleigehalt eine gewisse Grenze, so können die
Legierungen dadurch, daß sie von Säuren und
andern chem. Agentien leicht angegriffen werden,
der Gesundheit gefährlich werden. Nach dem Reichs-
gesetz von 1887 darf daher eine zur Herstellung, zum
Löten und Verzinnen von Eß-, Trink- und Koch-
geschirren benutzte Zinnleaierung nicht mehr als
10 Proz. Blei enthalten. Mit Kupfer und Zink zu-
sammen giebt das Z. Bronze (s. d.). In sehr dünnen
Vlättchen führt eine Legierung des Hinks mit dem
Z. den Namen Schlagsilber oder unechtes Silber.
A., mit Antimon versetzt, bildet das Britanniame-
tall (s. d.). Bemerkenswert ist die krystallinische
Struktur, die das Z. selbst in dünnen Überzügen
beim Erkalten annimmt. Sie wird beim Anbeizen
der Oberfläche in eigentümlichen Figuren sichtbar,
die den sog. Metallmohr (iuoii'6 "MaHi^us) bil-
den, der seit 1814 nach Allards Entdeckung zur Ver-
zierung von Weißblechwaren benutzt wird. - Vgl.
Reyer, Z. Eine geologisch-montanistisch-historische
Monographie (Berl. 1881).
Zinna, Marktflecken im Kreis Iüterbog-Lucken-
walde des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, 5 km im
NO. von Iüterbog, an der Nuthe, an den Linien
Berlin-Röderauund Berlin-Leipzig (Station Grüna-
Z.) der Preuß. Staatsbahnen,hat (1895) 1512 evang.
E., Postagentur, Fernsprechverbindung; Plüsch- und
Wollweberei. Friedrich d. Gr. gründete 1764-77
den Ort als Weberkolonie in der Nähe des Klosters
Z., welches 1170 gestiftet, 1547 säkularisiert und
1680 an Brandenburg gekommen war. In dein
Kloster wurde 1449 ein Hauptvergleich zwischen
Friedrich II. und Magdeburg geschlossen, welcher
die Lehnshoheit des Erzbistums über brandenb.
Besitzungen beseitigte. Auch wurde daselbst 1667
zwischen Kursachsen und Kurbrandenburg der sog.
Zinnaische Münzfuß vereinbart, der aber nur
für kurze Zeit Geltung hatte.
Zinnaischer Münzfuß, s. Zinna und Münzfuß.
Zinnasche, die nichtmetallische graue Masse,
mit der sich geschmolzenes Zinn an der Luft über-
zieht. Es ist ein Gemenge von Zinnoxyd (s. d.) mit
Zinnorydul und metallischem Zinn.
Zinnblech, s. Blech.
Zinnbrillanten, s. Faluner Brillanten.
Zinnbutter, s. Zinnchlorid.
Zinnchlorld (8M'itn8 tuiuang I^idavü), 811OI4.
Zinn verbindet sich unmittelbar mit Chlorgas zuZ.,
einer farblosen, bei 120° siedenden Flüssigkeit von
2,3 spec. Gewicht. Als wässerige Lösung führt es die
Namen: Zinnsolution, Zinnkomposition,
Scharlachkomposition, Barwoodkomposi-
tion, Blauholzkomposition, Physiksalz,
Nosiersalz, Rosasäure. Man erhält es in dieser
Form, indem man granuliertes Zinn in kleinen
Mengen in Königswasser einträgt. Zinnbutter
(Z. dcs Handels) nennt man die krystallinische Masse,
die entsteht, wenn man wasserfreies Z. mit ^ seines
Gewichts Wasser vermischt; sie findet ebenso wie Z. in
der Färberei Anwendung. DiegleicheAnwendung hat
das Ammoniumzinnchlorid, snO^.MN^I,
oder Pinksalz. Es entsteht beim Vermischen ton-
zentrierter Lösungen von Z. mit einer konzentrierten
Lösung von Salmiak und scheidet sich zum größten
Teil beim Vermischen der Lösungen als krystallini-
sches Pulver aus', der Rest krystallisiert beim Stehen
in schönen Oktaedern.
Zinnchlorür,8n^l2,Zinn salz, ^n^l.2>2lt.2O,
entsteht beim Lösen von Zinn in heißer konzentrier-
ter Salzsäure. Beim Erkalten der konzentrierten
Lösung krystallisiert das Salz. Z. findet in der Fär-
berei Verwendung.
Zinnen (altdeutsch Zingeln), die oberste, von
Zwischenräumen oder Scharten unterbrochene oder
zackenartige Umfassung auf der Mauerkrone; die Z.
dienten in den Befestigungen des Altertums und
Mittelalters nach Art der heutigen Brustwehr zur
Deckung der Verteidiger. (S. auch Burg.)
innerz, s. Zinn und Zinnstein.
innfeile, s. Feile.
innfolie, s. Blech, Folie und Zinn.
inngeschrei, s. Zinn.
^inngietzer, auch Kandel- oder Kannen-
gießer, heißen die Metallarbeiter, die sich mit der
Herstellung von Zinngußwaren (s. 0.) beschäftigen.
Im Mittelalter stand das Gewerbe der Z. in hoher
Blüte, seit derVervollkommnung der keramischen Pro-
dukte befindet es sich in starkem Rückgänge, woran
auch die neuerdings wieder in Aufnahme gekommene
Herstellung von künstlerisch ausgeführten, gravier-
ten und geätzten Zinngeschirren nicht viel zu ändern
vermocht hat. H)as Wappen der Z. zeigt Tafel:
Zunft w appenII, Fig. 16, beim Artikel Zünfte.
Zinngießerei, die Herstellung gegossener Ge-
brauchsgegenstände aus Zinn (s. Zinngußwaren).
Das Verfahren ist schon so alt als die Kenntnis
des Zinns überhaupt. Die Leichtschmelzbarkeit und
Leichtaießbarkeit, seine schöne weiße Farbe und seine
verhältnismüßig große Widerstandsfähigkeit gegen
chem. Einflüsse ließen es für die Herstellung der Guß-
waren geeignet erscheinen. Selten jedoch benutzt man
reines Zinn. In den meisten Fällen legiert man
es mit kleinern oder größern Mengen Blei. Dieses
ist nicht nur erheblich billiger, sondern verleiht auch
dem Zinn eine größere Härte. In Gegenständen
aber, welche mit Speisen oder Getränken in Berüh-
rung kommen, darf wegen der Giftigkeit des Bleies
dessen Gehalt in Deutschland 10 Proz. nicht über
steigen. Wo ein höherer Härtegrad erforderlich ist,
als durch einen Bleizusatz erzielt werden kann, fügt
man Antimon zu; so entstehen dann jene Legierun-
gen, die man als Weißguß (s. d.), Letternmetall (s.d.),
Britanniametall (s. d.) bezeichnet. Das Schmelzen
pflegt im Kessel bewirkt zu werden. Die Gußformen
bestehen in den meisten Fällen aus Metall: Guß-
eisen, Bronze oder Messing. Für Zinnsoldaten
und ähnliche feinere Gegenstände benutzt man Guß-
formen aus Schiefer; auch Formen aus gepreßtem
Papier finden für einzelne Zwecke Verwendung. Zur
Herstellung der Faluner Brillanten ss. d.) dienen
Glasstempel, deren entsprechend geschliffene Stirn-
fläche man einen Augenblick in das nur wenig über-
hitzte Metall eintaucht. Eine dünne Kruste erstarr-
ten Metalls bleibt daran haften; sie läßt sich mit
der Hand leicht abstreifen und zeigt an der Innen-
seite Hochglanz. - Vgl. Deutsche Zinngießerzeitung
(Köln-Lmdcnthal 1892 fg.).
Zinngraupen, s. Graupen (mineralogisch).
Zinngußwaren, gegossene Gegenstände aus
Zinn und dessen Legierungen mit Blei oder Anti-
mon (s. Zinngießerei). Seit dem Altertum wird
das Zinn für diesen Zweck benutzt; verschiedene noch
besitzen hohen kunstgewerblichen oder kulturgeschicht-
lichen Wert. Von besonderm künstlerischen Wert
sind die aus dem 16. und 17. Jahrh, stammenden