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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zinnherd - Zinnoxyd

Schüsseln und Kannen des François Briot, des Kaspar Harscher (gest. 1523) und Kaspar Endterlein (gest. 1633). Bekannt sind die vorzugsweise in Nürnberg und der Schweiz hergestellten verzierten Zinnteller mit den Darstellungen der Kurfürsten, der Schweizerwappen und andere. Zahlreiche Gegenstände des Haushalts und Kleinhandels werden aus Zinn gegossen: Meßgefäße für Flüssigkeiten, Wärmflaschen, Bierkrugdeckel u. s. w.; ferner Spielwaren (Zinnsoldaten, Kochgeschirre), Sargbeschläge, Schriftzeichen (s. Schriftgießerei), Maschinenteile (s. Antifriktionsmetall). Manche Gegenstände, welche in frühern Zeiten ans Zinn gegossen wurden, fertigt man jetzt aus Blechen des mit etwas Antimon legierten Zinns (Britanniametall, s. d.), weil sie bei dieser Art der Herstellung geringere Wandstärken erhalten und deshalb billiger geliefert werden können; hierher gehören z. B. Kaffee-, Thee- oder Sahnekannen, Zuckerdosen, Flaschenuntersätze u. dgl.

Zinnherd, s. Weißblechfabrikation.

Zinnĭa L., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.), mit 12 Arten in Mexiko. Die bekannteste, seit langer Zeit als Zierpflanze kultivierte Art ist Z. elegans Jacq., ursprünglich mit purpurvioletten Strahl- und gelben Scheibenblüten. Sie hat, in europ. Gärten eingeführt, eine große Zahl von Varietäten mit weißen, scharlachroten, ponceauroten, gelben, goldgelben, orangegelben u. s. w. Blumen hervorgebracht. Mit der Zeit haben sich die Scheibenblüten wie bei vielen andern Kompositen blumenblattartig entwickelt und sind gefüllte Blumen geworden; zugleich ist die Zahl der Farbenvarietäten eine noch größere geworden und Füllung wie Färbung kommen bei einem hohen Prozentsatze der Sämlinge immer wieder zum Vorschein. Der Same dieser einjährigen Pflanze wird im April in ein lauwarmes Beet gesät und die jungen Pflanzen später auf die Blumenbeete gepflanzt.

Zinnkessel, s. Weißblechfabrikation.

Zinnkomposition, s. Zinnchlorid.

Zinnkörner, Dörner, s. Zinn.

Zinnkraut, s. Equisetum.

Zinnlegierungen, s. Zinn.

Zinnlot, s. Löten.

Zinnober, Cinnabarit, das als Mineral auftretende Quecksilbersulfid (s. d.), HgS, mit 86,2 Proz. Quecksilber und 13,8 Schwefel; die diamantglänzenden Krystalle des Minerals gehören der trapezoedrisch-tetartoedrischen Abteilung des hexagonalen Systems an und bilden meist Kombinationen mehrerer Rhomboeder mit tafelartiger Geradendfläche (s. beistehende Abbildung); ^[Abb: Kristallform Zinnober] das Auftreten von Trapezoedern findet gerade wie beim Bergkrystall statt, und mit letzterm Mineral teilt auch der Z. die merkwürdige Eigenschaft der Cirkularpolarisation, die er in noch höherm Grade als jener besitzt. Sonst erscheint der Z. in derben, dichten und körnigen Massen, auch in erdigen Aggregaten. Die Farbe ist cochenillerot, ins Scharlachrote und Bleigraue verlaufend, die Härte ist 2–2,5, das spec. Gewicht 8–8,2. Fundpunkte: die (verlassenen) Gruben von Wolfsberg und Moschellandsberg in der Rheinpfalz, Hořowitz in Böhmen, Rosenau und Szlana in Ungarn, Idria in Kram, Avala bei Belgrad in Serbien, Ripa und Levigliani in Toscana, Vallalta in den Venetianischen Alpen, Almaden in ^[Spaltenwechsel] Spanien, Nikitovka im Gouvernement Jekaterinoslaw, New-Almaden bei San José in Kalifornien.

Die Grüner Zinnober (s. d.) genannte Malerfarbe hat mit dem Z. nichts zu thun; ebensowenig der sog. österreichische Z. oder Chromzinnober (s. Bleichromat).

Der in der Natur vorkommende Z. war schon zu Plinius' Zeiten unter dem Namen Minium bekannt. Eine große Menge Z. bereitet man aber künstlich, indem man seine Bestandteile, Quecksilber und (gepulverten) Schwefel, innig miteinander verbindet. Dies geschieht in kleinen Fässern, die im Innern mit vorspringenden Leisten versehen sind und um ihre Achse bewegt werden; das entstandene kaffeebraune Pulver wird in gußeisernen Sublimierkolben erhitzt, wobei sich Feuchtigkeit und überschüssiger Schwefel verflüchtigen und die chem. Vereinigung von Schwefel und Quecksilber unter Feuererscheinung vor sich geht. Dann werden die eisernen Helme durch thönerne ersetzt, Vorlagen angelegt und sublimiert. Nach dem Erkalten wird der Helm zerschlagen, das rote Sublimationsprodukt zerpocht und zermahlen (Vermillon), mit Kalilauge ausgekocht, gewaschen und getrocknet. Oder man bereitet den Z. auf nassem Wege, indem man eine Lösung von Schwefelkalium (Schwefelleber) auf das schwarze Pulver, das man durch Mischen von Quecksilber mit Schwefel erhält, einwirken läßt, wodurch es sehr bald in Z. übergeht. Auch stellt man ihn in vorzüglicher Qualität durch Digerieren von weißem Präcipitat mit Schwefelammonium, das freien Schwefel enthält, bei einer Temperatur von etwa 60 bis 70° C dar. Man verwendet den Z. als Malerfarbe, zur Bereitung von roter Druckfarbe, Siegellack u. dgl. Der Z. ist nicht selten mit wohlfeilern Substanzen von ähnlicher Farbe (Chromrot, Mennige u. s. w.) verfälscht. Auch in der Heilkunde findet der an sich wirkungslose Z., obwohl selten, Anwendung.

Zinnobergrün, soviel wie Grüner Zinnober (s. d. und Chromgrün).

Zinnowitz, Dorf und Seebad im preuß. Kreis Usedom-Wollin des preuß. Reg.-Bez. Stettin, auf der Insel Usedom, 8 km von Wolgast, ist Dampferstation und hat (1895) 916 E., Postagentur, Telegraph und schöne Villen, besonders auf dem südöstlich gelegenen, mit herrlicher Buchenwaldung umgebenen Glienberg (1897: 5018 Kurgäste). – Vgl. Heere, Die Ostseebäder Z., Coserow und Carlshagen (Berl. 1894).

Zinnoxȳd, Stannioxyd oder Zinnsäureanhydrid, SnO2 ^[SnO<sub>2</sub>], entsteht durch Glühen seiner Hydrate und beim Glühen von Zinn an der Luft; in letzterm Falle heißt es Zinnasche. Auch der natürlich vorkommende Zinnstein (s. d.) ist Z. Z. findet als Schleif- und Poliermittel für Marmor, Stahl u. s. w., zu Glasflüssen und Emaillen Verwendung. Die Hydrate des Z., deren mehrere existieren, sind die Zinnsäuren. Die sog. gewöhnliche Zinnsäure, H2SnO3 ^[H<sub>2</sub>SnO<sub>3</sub>], fällt als weißer, gallertiger, in Salzsäure löslicher Niederschlag, wenn eine salzsaure Lösung von Zinnchlorid mit Ammoniak übersättigt wird, und ebenso beim Zersetzen von zinnsaurem Natrium mit stärkern Säuren. Metazinnsäure dagegen bildet sich bei der Oxydation von Zinn mittels Salpetersäure und ist ein weißes, in Salzsäure unlösliches Pulver. Von den Salzen der Zinnsäuren, den Stannaten, ist das wichtigste das zinnsaure Natrium, SnO(ONa)2+3H2O ^[SnO(ONa)<sub>2</sub>+3H<sub>2</sub>O], das auch Präpariersalz oder Grundiersalz genannt wird.