Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Zio; Zion; Zionīten; Zipaquirá; Zipolle; Zippammer; Zippe; Zipperlein; Zips; Zipser Unterland; Ziraï; Zirbeldrüse

991

Zio - Zirbeldrüse

Mähren gekommen und viele Jahre Älteste der ledigen Schwestern zu Herrnhut gewesen war. Z. starb 9. Mai 1760 zu Herrnhut. – Z.s «Geistliche Gedichte» sammelte Knapp (Stuttg. 1845). Vgl. außer der Litteratur beim Artikel Brüdergemeine: Spangenberg, Leben des Grafen von Z. (8 Tle., Barby 1773‒75); Varnhagen von Ense, Leben des Grafen von Z. (in seinen «Biogr. Denkmalen», 5. Tl., 3. Aufl., Lpz. 1887); Burkhardt, Z. und die Brüdergemeine (Gotha 1866); Plitt, Z.s Theologie (3 Bde., ebd. 1869‒74); Bernh. Becker, Z. im Verhältnis zu Philosophie und Kirchentum seiner Zeit (Lpz. 1886); von Natzmer, Die Jugend Z.s (Eisenach 1894).

Zio, altdeutscher Gott, s. Tyr.

Zion (Sion), ursprünglich Name des Hügels und der Bergfeste, durch deren Eroberung David die Jebusiter und ihre Stadt Jerusalem unterwarf. Der kleine, südlich vom Tempelberg gelegene Hügel war nicht durch seine Höhe, sondern durch seine steilen Wände, durch seine Abgeschlossenheit und durch die Beherrschung der an seinem Fuße entspringenden einzigen Quelle bei Jerusalem zur Zwingburg sehr geeignet. Weil David hier seine Residenz einrichtete, erhielt der Bezirk des Hügels den Namen Davidsstadt. Mit der allmählichen Ausdehnung der königl. Residenz nach Norden (Bauten Salomos) wurde der Name Z. auf den nördlicher gelegenen Tempelberg übertragen und bei der wachsenden Bedeutung des Tempels dichterisch auch für ganz Jerusalem gebraucht. Seit dein 4. Jahrh. n. Chr. bis in die neueste Zeit verstand man Z. fälschlich von dem höchsten Hügel Jerusalems, dem Südwesthügel (daher «traditioneller Z»). (S. Jerusalem nebst Plan.)

Zionīten, s. Ellerianische Sekte.

Zipaquirá (Cipaquirá, spr. sipaki-), Stadt im Departamento Cundinamarca der südamerik. Republik Columbia, 45 km im N. von Bogotá, 2630 m ü. d. M., zählt gegen 10000 E. und hat eine landwirtschaftliche Schule sowie sehr ergiebige Salzgruben.

Zipolle, s. Zwiebel.

Zippammer (Emberiza cia L.), eine 18 cm lange, 24 cm klafternde graue Ammer, die jenseit der Alpen sehr gemein ist, in Deutschland aber sich nur am Rhein von Baden abwärts bis in die Gegend von Bonn findet.

Zippe, das weibliche Schaf.

Zippe oder Singdrossel (Turdus musicus L., s. Tafel: Mitteleuropäische Singvögel Ⅱ, Fig. 5, beim Artikel Singvögel; Ei der Z. s. Tafel: Eier u. s. w., Fig. 18, Bd. 17), eine Art der Drosseln (s. d.), die in Deutschland als Zug-, in Südeuropa als Standvogel auftritt. Sie ist auf dem Rücken olivengrün gefärbt, am Bauche gelblichweiß mit schwarzbraunen Flecken. Ihre Nahrung sind Würmer und Insekten. Wegen ihres ausgezeichneten Gesangs wird sie oft in Käfigen gehalten.

Zipperlein, s. Gicht.

Zips, ungar. Szepes, Komitat in Ungarn (s. d. nebst Karte), grenzt im N. an Galizien, im O. an das Komitat Sáros, im S. an Abanj-Torna und Gömör, im W. an das Komitat Liptau und an Galizien und hat mit den 16 ehemaligen Zipser Kronstädten, die bis 1876 einen selbständigen Distrikt bildeten, 3605 qkm und (1890) 163291 meist röm.-kath. slowak. E. (44958 Deutsche, 17518 Ruthenen, 4999 Magyaren), darunter 29404 Evangelische, 21397 Griechisch-Katholische und 6095 Israeliten. Das Komitat ist sehr gebirgig und rauh, aber gut bewässert durch den Poprád, Hernád, Dunajec u. s. w. Es wird von der Hohen Tatra, der Zipser Magura und der Niedrigen (Kleinen) Tatra und ihren Fortsetzungen durchzogen und liefert Getreide, Flachs, Hopfen und in den südl. Thälern auch Obst, Hornvieh, Schafe und Wild, darunter selbst Wölfe und Bären, ferner Kupfer, Eisen und andere Metalle. Haupterwerbszweige sind Ackerbau und Viehzucht, Bergbau, Verfertigung von Leinwand, Leder- und Töpferwaren. Das Komitat umfaßt 13 Städte mit geordnetem Magistrat und 6 Stuhlbezirke und heißt nach dem Zipser Schloß (s. Kirchdrauf). Hauptstadt ist die Stadt mit geordnetem Magistrat Leutschau (s. d.). Die Sechzehn Zipser Kronstädte, von denen Igló (s. d.) die bedeutendste ist, wurden im 12. Jahrh. durch eingewanderte Sachsen gegründet und von Kaiser Sigismund 1412 für 37000 Schock Prager Groschen an Polen verpfändet, nach dessen erster Teilung sie an Ungarn 1773 zurückkamen. ^[Spaltenwechsel]

Zipser Unterland, s. Gründe.

Ziraï (türk.), soviel wie Meter.

Zirbeldrüse, Gehirnepiphyse (Glandula pinealis oder conarium), ein ziemlich in der Mitte des Gehirns liegender erbsengroßer, rundlicher Körper von fester Gehirnsubstanz, der in seinem Innern zuweilen eine Höhle und in seinem Zellgewebe sandige Körnchen von derselben Zusammensetzung wie die der Knochenasche enthält (s. Gehirn nebst Tafel, Fig. 1, 9, sowie Tafel: Körper des Menschen, beim Artikel Mensch). Beim weiblichen Geschlecht ist die Z. größer als beim männlichen, und von einigen Philosophen, z. B. von Descartes, wurde sie für den Sitz der Seele angesehen. Man findet dieses Organ, dessen Funktion noch zweifelhaft ist, auch bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien, während es bei Fischen noch nicht vollständig nachgewiesen ist. Die sandigen Konkremente (Hirnsand) werden nur bei dem Menschen beobachtet. Eine Drüse ist die Z. nicht, sondern heißt nur so wegen ihrer drüsenförmigen Gestalt. In neuerer Zeit ist die Z. durch H. de Graaf und W. Baldwin Spencer einer eingehenden Untersuchung unterzogen worden, wobei sich herausgestellt hat, daß die Z. höchst wahrscheinlich ein rudimentäres Organ und zwar der funktionslose Rest eines mitten auf dem Scheitel gelegenen unpaaren Auges (Scheitel-, Parietal- oder Pinealauge) ist. Ursprünglich scheinen die Stammformen sämtlicher Wirbeltierordnungen ein solches Parietalauge besessen zu haben, das bei den verschiedenen Ordnungen in verschiedenem Umfange geschwunden ist, sich aber am besten bei einer Reihe von Reptilien gehalten hat. Eine Anzahl dieser Tiere haben oben auf dem knöchernen Scheitel zwischen den Scheitelbeinen ein rundes Loch (das foramen parietale), das besonders bei einigen fossilen Formen sehr ansehnlich ist und das Schädeldach bis in die Schädelhöhle durchsetzt. Am nicht macerierten, noch mit Haut überzogenen Schädel wird dies Loch oft von einer eigenartig beschaffenen, pigmentlosen, gelegentlich sogar durchsichtigen Schuppe überdeckt, die als ein der Hornhaut des eigentlichen Auges entsprechendes Gebilde aufgefaßt werden kann. Die Z. selbst erscheint als ein birnförmiges Gebilde mit langem Stiel, der in demselben Gehirnteile wie die eigentlichen Sehnerven, im Zwischenhirn nämlich, wurzelt. Meist ist er degeneriert und sein Zusammenhang mit der eigentlichen Z. unterbrochen. Bei andern Formen,