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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zuckerharnruhr - Zuckerrübe

Preise. Nach den Hamburger Börsenaufzeichnungen und den Magdeburger Großhandelspreisen betrug der Preis für 100 kg Zucker in Mark:

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Jahre Rohzucker (Korn) Raffinade (Brot)

1856-60 59,10 75,54

1866-70 48,30 66,84

1876-80 52,46 61,86

1886-90 41,12 56,70

1890 34,01 56,27

1891 35,88 56,84

1892 36,68 57,68

1893 32,45 54,12

1894 24,27 49,39

1895 22,00 45,33

1896 22,60 48,60*

1897 19,44 46,94*

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* Bei 2 M. höherer Konsumsteuer.

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Anscheinend sinken die Preise angesichts der sehr starken Überproduktion noch weiter, so daß ein Rückschlag durch Verminderung der Erzeugung wahrscheinlich erscheint. - Vgl. Görz, Handel und Statistik des Zuckers, mit besonderer Berücksichtigung der Absatzgebiete für deutschen Zucker (Berl. 1884; Ergänzungsband 1885); Zimmermann, Der Zucker im Welthandel (ebd. 1895).

Zuckerharnruhr, s. Diabetes.

Zuckerhirse, soviel wie chines. Zuckerrohr (s. Sorghum).

Zuckerindustrieschulen, Fachschulen, welche die Fabrikation des Zuckers lehren. Eine solche Schule, welche mit einer Versuchsplantage verbunden ist, besteht zu Neuorleans seit 1895. Der Kursus umfaßt zwei Jahre, und der Unterricht erstreckt sich auf die verschiedenen Zweige der Chemie und der praktisch-chem. Arbeiten, über Zuckerrohrkultur, Zuckermaschinen und Zuckerfabrikation. An der Technischen Hochschule zu Braunschweig besteht ein Sonderkurs für die Interessenten der Rübenzuckerfabrikation.

Zuckerkalk, s. Melassenentzuckerung.

Zuckerkand, soviel wie Kandis (s. d.).

Zuckerkrankheit, s. Diabetes.

Zuckermilbe (Glyciphagus prunorum Her.), eine 1/3 bis ¼ mm lange, zu den Käsemilben (s. d.) gehörige Milbe, die sich in altem Zucker, an getrockneten süßen Früchten, Datteln, Pflaumen findet; andere Arten siedeln sich in Filz-Bieruntersetzern, schlecht gehaltenen Insektensammlungen u. s. w. an.

Zuckerpalme, Pflanzenart, s. Arenga.

Zuckerprobe, s. Saccharimetrie und Diabetes.

Zuckerraffinerie oder Raffinerie schlechthin, die Umarbeitung und Reinigung des Rohzuckers (s. Zuckerfabrikation). Der zur Verarbeitung gelangende Rohzucker wird meistens der Vorreinigung (s. d.) unterworfen und dann in möglichst reinem heißem Wasser zu einer ziemlich konzentrierten Lösung "geschmolzen". Darauf wird diese Lösung heiß über Knochenkohle (s. d.) filtriert und hierdurch sowohl chemisch wie mechanisch gereinigt. Einen Knochenkohlenfilter zeigt die Tafel: Zuckerfabrikation II, Fig. 1. Die heiße Zuckerlösung läuft gewöhnlich über zwei oder drei Filter und ist dann genügend gereinigt, um als Kochkläre zur weitern Verarbeitung zu gelangen. In letzter Zeit hat man bei sehr guter Vorreinigung des Rohzuckers von der Filtration über Knochenkohle Abstand nehmen können, da eine entfärbende Wirkung wegen des zur Verwendung gelangenden gereinigten Rohmaterials nicht mehr notwendig ist. Man hat an Stelle derselben eine rein mechan. Filtration durch Filterpressen nach Patent Soxhlet angewandt, wobei die fangende Schicht aus Holzmehl und Kieselgur besteht. Durch diesen Wegfall der Knochenkohlenarbeit wird eine bedeutende Ersparnis erzielt. Die auf die eine oder andere Weise hergestellte Kochkläre wird dann im Vakuum entweder auf recht grobe Krystalle verkocht, die geschleudert werden, oder auf feinkörnige Füllmasse, die dann recht heiß in Formen (Brotformen) gefüllt wird. Der so aus der Kochkläre gewonnene Zucker heißt Raffinade. Da die Füllmasse sehr rein ist, so besitzt auch der die kleinen Krystalle umgebende Sirup eine sehr bedeutende Krystallisationsfähigkeit und verkittet beim Erkalten die ganze Masse zu einem festen harten Brot (Brotzucker, Brotraffinade, Raffinadebrot). Die in den Formen befindliche Masse wird in denselben zur Entfernung des letzten Restes von Sirup mit ganz reiner konzentrierter Zuckerlösung (Deckkläre) gedeckt, darauf aus den Formen geschlagen und in Trockenstuben getrocknet; in Papier verpackt bildet sie den bekannten Hutzucker. Die beim Decken ablaufenden Sirupe werden je nach ihrer Reinheit entweder wieder in Raffinade verkocht (Decksirup) oder die geringern Sirupe (Grünsirup) in gleicher Weise zu Melis (Melisbroten). Früher wurden aus diesen Broten die guten Würfel (s. Verbrauchszucker) durch Zersägen in Platten, Streifen und Zerkleinern der letztern hergestellt. Später wurde jedoch diese reine Raffinadefüllmasse direkt in solche Formen eingefüllt, welche bei einem nach dem Erkalten folgenden Centrifugieren und Decken in den Formen direkt Zuckerplatten geben, die dann auf Würfel verarbeitet werden (Verfahren von Langen, Adant u. s. w.). Der Grünsirup der Melisbrote wird auf Korn gekocht und giebt nach dem Schleudern einen geringern Farin (s. d.); die Abläufe davon werden wie die Sirupe der Rohzuckerfabrik verarbeitet; als Restprodukt verbleiben etwa 8 Proz. vom verarbeiteten Rohzucker an Melasse.

Zuckerrohr, s. Sachharum und Tafel: Gramineen II; chinesisches Z., s. Sorghum.

Zuckerrübe, eine Kulturvarietät der Runkelrübe (s. Beta), die sich durch großen Zuckerreichtum auszeichnet. Sie dient als Rohmaterial für die Rübenzuckerproduktion (s. Zuckerfabrikation) und wird in verschiedenen Züchtungsspielarten angebaut. Gegenwärtig sind die sog. Wanzlebener Z. und ihre Nachzuchten am meisten beliebt. Das aus dem Samen sich entwickelnde Pflänzchen wächst im ersten Jahre zur Z. heran. Wird diese im zweiten Jahre wieder ausgepflanzt (Samenrübe), so trägt sie nun Früchte und stirbt dann ab. In letzter Zeit ist zur Gewinnung von Samenrüben die ungeschlechtliche Vermehrung (das Asexualverfahren) vorgeschlagen worden, welche erlaubt, verhältnismäßig viel Samen von einer (besonders zuckerreichen) Rübe zu gewinnen, und also für die Erzielung guten Samens von Wichtigkeit werden kann. Von zweckmäßig ausgewählten Z. werden im Frühjahr die seitlichen Augen ausgeschnitten und ausgepflanzt. Im ersten Jahre wachsen dieselben zu neuen Rüben aus, und im zweiten Jahre bringen diese (wie die aus Samen gewonnenen) Früchte. Von einer guten Z. verlangt man, daß sie nicht zu klein ist (1-1-1½ kg schwer) und eine nicht zu lange, einheitliche Spitze besitzt. Die Anordnung der nicht zu zahlreichen dünnen Saugwurzeln in fortlaufende, etwas schraubenförmige Reihen und mäßig üppige, sich horizontal über den Boden ausbreitende Blätter gelten als Anzeichen von Zuckerreichtum. Die Z. enthält 10-18 Proz. Zucker, die besten Sorten kommen also hierin dem Zuckerrohr gleich. Der Zucker ist fast ausschließlich Rohrzucker (s. Zucker). Der Wert der Z. ist aber außer dem Zuckergehalt abhängig von