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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zürich (Stadt)

sern; die neuen Stadtviertel dagegen breite Straßen mit palastartigen Gebäuden; der schönste Stadtteil ist die Bahnhofstraße, die vom Bahnhof zum See führt. Auf dem Bahnhofsplatz erhebt sich das 1889 errichtete Brunnendenkmal des Staatsmanns Alfred Escher (s. d.), Bronzestandbild nach Kißlings Modell auf Granitsockel; an der Wasserkirche auf Syenitsockel das von H. Natter modellierte Bronzestandbild Zwinglis, der von 1519 bis zu seinem Tode 1531 am Großmünster Pfarrer war; an der Hohen Promenade eine Büste des Liederkomponisten Hans Georg Nägeli; auf der Platzpromenade nördlich vom Bahnhof das Standbild des Minnesingers Johann Hadlaub, Denkmal des Idyllendichters Geßner und die Bronzebüste des Komponisten Baumgartner; im Botanischen Garten Marmorbüsten des Botanikers Heinr. Zollinger, des Naturforschers Oswald Heer sowie die Bronzebüste von A. P. De Candolle und Konr. Geßner. Die Errichtung eines Bronzestandbilds für Pestalozzi wird geplant.

Kirchen und weltliche Gebäude. Das Großmünster, eine roman. Pfeilerbasilika (11. bis 13. Jahrh.), mit neuen Glasfenstern, zwei got. Türmen (helmartiger Aufsatz mit vergoldeten Kreuzblumen von 1779) und einem roman., 1851 erneuerten Kreuzgang (13. Jahrh.); das Fraumünster im 12. Jahrh. im roman. Stil begonnen, im 13. und 14. gotisch ausgebaut; die St. Peterskirche, an der Lavater 23 Jahre Pfarrer war; die spätgot. Wasserkirche mit der reichen Stadtbibliothek (130000 Bände, darunter zahlreiche Inkunabeln, und über 5000 Handschriften, darunter wertvolle Briefe); die spätgot. Augustinerkirche, jetzt von den Altkatholiken benutzt, mit Bildern von Deschwanden; das Rathaus, 1694-98 im deutschen Renaissancestil erbaut, mit Marmorbüste Gottfr. Kellers von R. Kißling, das Zunfthaus zur Meise, ein reicher Barockbau von 1750, das Helmhaus (14. Jahrh.) mit dem Antiquarischen Museum (Pfahlbaufunde aus dem Kanton Z.); der Rüden im Renaissancestil, mit der schweiz. Schulausstellung und dem Pestalozzistübchen; die Linth-Escherschule, der Kappeler Hof, Centralhof, die alte Post, Kreditanstalt, Kantonalbank und Börse mit amtlichem Verkehrsbureau, sämtlich an der Bahnhofstraße; am Stadthausquai die neue Post und am Alpenquai die neue Tonhalle (von Fellner und Helmer in Wien, 1895); auf dem die Stadt überragenden Plateau über dem rechten Ufer die großartigen Gebäude des Eidgenössischen Polytechnikums, nach Gottfried Sempers Plänen 1861-64 erbaut, mit Sgraffitodekoration an der Nordseite, Büsten im Innern und den Sammlungen; das physik.-physiol. Institut, die Augenklinik, das Kantonsspital, physik. Institut, chem. Laboratorium, die forst- und landwirtschaftliche Schule; die Kantonsschule (Gymnasium und Industrieschule), das Künstlergut mit der Gemäldesammlung der Züricher Künstlergesellschaft, am rechten See- und Flußufer, an dem sich der Uto- und Seefeldquai bis zum Park Zürichhorn hinziehen, das prächtige neue Theater; im Norden der Stadt der großartige Hauptbahnhof, an der Platzpromenade das Schweizerische Landesmuseum mit der Kunstgewerbeschule, im mittelalterlichen Stil nach Gulls Plänen erbaut; in Außersihl, dem meist von Arbeitern bewohnten Stadtteil links von der Sihl, das Zeughaus mit Waffensammlung, die Kaserne und andere militär. Anstalten, südlich hiervon der Botanische Garten mit der Katz, einer ehemaligen Bastei, und durch den Schanzengraben von ihm getrennt das Gewerbemuseum mit Sammlungen und dauernder Ausstellung. Ein Monumentalbau am Alpenquai soll im ersten Stockwerk die Galerie Henneberg aufnehmen. Auf dem Platze der alten Tonhalle, neben dem neuen Theater, will die Züricher Kunstgesellschaft ein Kunstgebäude und Gesellschaftshaus nach Plänen von Bluntschli errichten.

Unterrichts- und Bildungswesen. Die kantonale Hochschule (seit 1864 in einem Flügel der Polytechnischen Schule) wurde 1832 durch den Großen Rat des Kantons gegründet und 1833 unter dem Rektorat von Oken eröffnet. Die philos. Fakultät wurde 1859 in zwei selbständige Abteilungen (philos.-philol.-histor. und mathem.-naturwissenschaftliche Abteilung) geteilt. Die Hochschule zählt (1895) 116 Professoren und Docenten, darunter eine Frau in der jurist. Fakultät, 668 Studierende, darunter 140 weibliche, ferner 118 Zuhörer. Zur Universität geboren zahlreiche Seminare, Laboratorien, Kliniken, Sammlungen, die Kantonalbibliothek und ein botan. Garten. Die Eidgenössische Polytechnische Schule ist 15. Okt. 1855 gegründet worden, umfaßt eine Bauschule, Ingenieur-, mechan., chem. Schule, eine land- und forstwirtschaftliche Abteilung, Schule für Fachlehrer in mathem.-naturwissenschaftlicher Richtung und eine allgemeine philos. und staatswirtschaftliche Abteilung und zählt (1895) 131 Professoren und Docenten, 757 Studierende und 473 Zuhörer. Der Hochschule und dem Polytechnikum gemeinsam dient die eidgenössische Sternwarte. Ferner bestehen ein Gymnasium, eine Tierarznei-, Industrie- und landwirtschaftliche Schule, ein evang. Lehrerseminar, eine höhere Mädchenschule mit Lehrerinnenseminar und Handelsabteilung, Gewerbe-, Kunstgewerbe-, Seidenwebschule, private Handelsakademie, Fortbildungs- und Handwerkerschulen, öffentliche Lesesäle, Volksbibliotheken und Kindergärten.

Unter den Vereinen für wissenschaftliche und gemeinnützige Zwecke sind besonders zu nennen die von Keller, dem Entdecker der Pfahlbauten, 1832 gestiftete Antiquarische Gesellschaft, ferner die Naturforschende, Medizinische, Ethnographische Museums-, Landwirtschaftliche, Künstlerhaus- und die Künstlergesellschaft. Unter den Wohlthätigkeitsanstalten sind, außer dem Kantonshospital mit Frauen- und Augenklinik, besonders das städtische Waisenhaus, das Bürgerasyl St. Leonhard und das Bürgerasyl, das Kinderspital, die Irrenanstalt im Burghölzli bei Z., die Blinden- und Taubstummenanstalt und die Spitäler der Evangelischen Gesellschaft hervorzuheben.

Handel und Gewerbe. Z. hat die größte Ledermesse und den lebhaftesten Wechselverkehr der Schweiz, der durch die Kantonalbank, die Bank von Z. und eine Reihe von Privatbanken unterstützt wird, und ist der Mittelpunkt der schweiz. Seidenindustrie. Daneben bestehen bedeutende Fabriken für Baumwollwaren, Maschinen, Gußwaren, Klaviere, Papier u. s. w. Eine wichtige Erwerbsquelle für die Bewohner ist auch der Fremdenverkehr geworden, welchen die Stadt ihrer schönen Lage und ihrem geistigen und geselligen Leben verdankt.

Verkehrswesen. Z. liegt an den Linien Basel-Brugg-Z. (88,4 km), Z.-Thalwil-Zug-Luzern (56,7 km), Z.-Affoltern-Zug-Luzern (66,3 km), Schaffhausen-Bülach-Z. (47 km), Z.-Wädensweil-Glarus-Linththal (84,4 km, linksufrige Seebahn), Rorschach-Romanshorn-Z. (97,2 km), Z.-Rapperswil (35,9 km, rechtsufrige Seebahn) und Z.-Langnau-