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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zürichbergbahn - Zurita

Die Verfassung vom 18. April 1869 stellte durch Einführung des Referendums und der Initiative die reine Demokratie an die Stelle der repräsentativen. Ein Jahrzehnt hindurch stand nun der Kanton unter dem Regiment der demokratischen (radikalen) Partei, deren Hauptvertreter Sal. Vögelin war, bis es 1878 der gemäßigt-liberalen Partei gelang, wieder einen Anteil an der Leitung der Staatsgeschäfte zu erringen. Die Abstimmungen über Revision der Bundesverfassung ergaben 1872 wie 1874 bedeutende Mehrheiten für die Annahme. Der Kanton Z. stand bei allen eidgenössischen Gesetzesabstimmungen der achtziger und neunziger Jahre unter der Fortschrittspartei voran. Reaktionäre Bemühungen des "Bauernbundes" wurden mit großer Mehrheit verworfen. Seit 1891 nimmt die Stadt Z. als "Groß-Zürich" eine Ausnahmestellung im Gemeindeleben des Kantons ein. Über dem Stadtrat (9 Mitglieder) steht der Große Stadtrat (118 Mitglieder), und dessen wichtigere Beschlüsse unterliegen wieder dem Gemeindereferendum. Verbesserungen der Kantonsverfassung (im Initiativrecht und in der Wahlart des Kantonsrates) wurden 1894 angenommen.

Litteratur. Meyer von Knonau, Der Kanton Z. (2. Aufl., 2 Bde., St. Gallen 1844-46); Bluntschli, Züricherische Staats- und Rechtsgeschichte (2 Bde., 2. Aufl., Zür. 1856); Bluntschli und Hottinger, Geschichte der Republik Z. (neue Ausg., 3 Bde., ebd. 1870); Leuthy, Geschichte des Kantons Z. von 1794 bis 1840 (2 Bde., ebd. 1843-45); Vogel, Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Z. (4 Bde., ebd. 1845 fg.); Sal. Vögelin, Das alte Z. (neue Aufl., 2 Bde., ebd. 1879-90); Urkundenbuch der Stadt und Landschaft Z. (hg. von Escher und Schweizer, ebd. 1889 fg.); Dändliker, Der Ustertag und die polit. Bewegung der dreißiger Jahre im Kanton Z. (ebd. 1881); Zeller-Werdmüller, Burgen des Kantons Z. (in den "Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft", 1894 u. 1895). Die Gesellschaft Züricher Geschichtsfreunde giebt ein "Züricher Taschenbuch" (Zür. 1878 fg.) heraus.

Zürichbergbahn, s. Schweizerische Eisenbahnen (Übersicht A).

Züricher Friede, der am 10. Nov. 1859 in Zürich auf Grund der Präliminarien von Villafranca (s. d.) abgeschlossene Friede zwischen Österreich, Frankreich und Sardinien. Österreich trat darin seine Rechte an die Lombardei, mit Ausschluß der Festungen Peschiera und Mantua, an Frankreich ab, das sie wiederum an Sardinien übertrug. Sardinien übernahm drei Fünfteile der Schuld des Lombardisch-Venetianischen Leihhauses und 40 Mill. Fl. der Nationalanleihe von 1854. Die Verträge enthielten nichts von dem Italienischen Bunde, der in den Präliminarien in Aussicht gestellt war, ebensowenig von den vertriebenen Herrschern der drei Staaten Mittelitaliens, deren Rechte in dem franz.-österr. Specialvertrage ausdrücklich vorbehalten waren.

Züricher See oder Zürcher See, nächst dem Bodensee und dem Vierwaldstätter See der größte See der deutschen Schweiz (s. Karte: Die Schweiz), liegt in 409 m Höhe zwischen den Kantonen St. Gallen, Schwyz und Zürich, ist 88 qkm groß, 40 km lang, 1-4 km breit und erstreckt sich, halbmondförmig von O. nach W., NW. und N. gekrümmt, von der Einmündung des Linthkanals bei Schmerikon (Kanton St. Gallen) bis zum Ausfluß der Limmat bei Zürich (s. d. nebst Plan). Durch die Landzunge von Hurden und den 1 km langen Eisenbahndamm, der dieselbe mit der Landspitze von Rapperswil verbindet, wird der See in zwei ungleiche Hälften geteilt, den Obersee, in den auf dem rechten Ufer die Jona, auf dem linken die Wäggithaler Aa mündet, und den eigentlichen Z. S., der fast ganz dem Kanton Zürich angehört. Im Obersee ist das Wasser von hellgrüner, im Z. S., der 143 m Tiefe erreicht, von blaugrüner Färbung. Bei seiner verhältnismäßig geringen Tiefe friert der See dann und wann vollständig zu, so 1830 und 1880, während dies beim Obersee fast alljährlich der Fall ist. Von den 22 Fischarten, die er beherbergt, sind die wichtigsten: der Flußbarsch, die Trüsche (Lota vulgaris), der Karpfen, die Rot- und die Seeforelle, der Hecht und der Aal.

Die Ufer beider Seebecken sind wenig gegliedert. Inseln besitzt er nur zwei: die Ufnau (s. d.) und die Lützelau. Während der stille, teilweise schilfbewachsene Spiegel des Obersees von den Ausläufern der Schwyzer und der Thuralpen umrahmt wird, gehört das untere Seebecken dem Hügellande an. Rechts wird es von der Kette des Pfannenstiels (853 m), links von einem 5-800 m hohen Ausläufer des Etzels umschlossen, der von der Albiskette durch das Thal der Sihl getrennt wird. Von den waldgekrönten Rücken senken sich sanfte, mit Weinbergen und Obstgärten, Feldern und Wiesen bekleidete Hänge zum Ufer hinab, das von Ortschaften, Schlössern und Villen umgeben ist. Nach Süden zeigen sich bei hellem Wetter die Schneegipfel des Glärnisch, Tödi, Scheerhorn, Bristenstock u. s. w. Der Seeverkehr wird durch Dampfer, viele Lastkähne ("Lädischiffe"), Ruder- und Segelboote vermittelt. Bahnlinien begleiten beide Ufer. Am Z. S. wurden (bei Meilen) 1854 die ersten Pfahlbauten in der Schweiz aufgefunden. - Vgl. Escher, Beschreibung des Z. S. (Zür. 1692); Zürich und Umgebung. Herausgegeben vom Lehrerverein Zürich (ebd. 1883).

Zurichtmesser, s. Buchdruckerkunst und die dazugehörige Taf. III, Fig. 12.

Zurichtung, s. Appretur und Schriftgießerei.

Zurīta, Geronimo, span. Geschichtschreiber, geb. 4. Dez. 1512 zu Saragossa, erhielt in Alcala eine gründliche Bildung. Während er in öffentlichen Ämtern sich auszeichnete, durchforschte er zugleich die alten span. Chroniken sowie die ihm zugänglichen Archive und sichtete kritisch die gewonnene Ausbeute. 1543 wurde er in den Angelegenheiten des Magistrats zu Madrid zu Karl V. nach Deutschland geschickt. Später ward er in den Staatsrat Philipps II. gewählt und dessen Sekretär. Als 1547 die aragon. Stände beschlossen, einen Geschichtschreiber des Landes anzustellen, fiel auf ihn die Wahl. Nach langen Vorbereitungen erschienen seine trefflichen "Anales de la corona de Aragon" (6 Bde., Saragossa 1562-80), die fortgesetzt wurden von den Argensola und Blasco-Lanuza (2 Bde., ebd. 1622). Z. starb 3. Nov. 1580. Streng wissenschaftlicher Sinn und gründliche Durcharbeitung eines mächtigen, heute zum Teil verlorenen Materials zeichnen das schwerfällig geschriebene Werk aus. Hierzu kommen eine beträchtliche Zahl überwiegend unedierter Einzelstudien und Kommentare, die meist mit seinem Lebenswerk zusammenhängen. Briefwechsel und Biographie finden sich in Dormers "Progresos de la historia en Aragon" (Saragossa 1680). Z. schrieb ferner wichtige Nachträge und Berichtigungen zu Pedro Lopez de Ayalas Chroniken der castil. Könige (ebd. 1663).