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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zwirnen - Zwischenurteil
Zur Fabrikation bedient man sich der Zwirnma-
schinen (s. Spinnerei).
Zwirnen, s Seide
Zwirner, Ernst Friedrich, Baumeister, geb.
28. Febr. 1802 zu Iakobswalde in Schlesien, be-
suchte die Bauschule zu Breslau und die Bauaka-
demie zu Berlin. Seit 1828 war er unter Schinkels
Leitung bei der Oberbaudeputation beschäftigt. Im
Aug. 1833 übernahm Z. als Nachsolger Ahlerts
die Leitung der Arbeiten am Kölner Dom (s. d.);
1841 legte er dem König Friedrich Wilhelm IV.
einen Plan zum Weiterbau und zur Vollendung des
Ganzen vor, welcher genehmigt wurde. Allein es
war dem Meister nicht vergönnt, das große Werk
ganz zu vollenden, da er schon 22. Sept. 1861 starb.
Von andern von Z. ausgeführten Bauwerken sind
zu nennen: die Apollinariskirche zu Nemagen (183l>
-53), das Schloß des Fürsten von Fürstenberg
in Herdringen, der Wiederaufbau des Schlosses
Argenfels am Rhein, Schloß Moyland bei Cleve,
die beiden Kirchen zu Elberfeld und Mühlheim am
Rhein. Sein letztes Werk war die Synagoge zu
Köln (1859-61). Sein Nachfolger am Kölner Dom-
bau war Voigtel (s. d.).
Iwirnmaschinen, s. Spinnerei und Tafel.-
Spinnerei II, Fig. 4.
Zwischenakt, s. Akt.
Zwischenauslandsverkehr, s. Streckenzugs
verkehr und Deklaration.
Zwischenbatterien, s. Vorgeschobene Werke.
Zwischenbescheid, soviel wie Interlokut ss. d.).
Zwischenböden, s. Wohnung nebst Tafel II,
Fig. 4 u. 5.
Zwischendeck, auf Schiffen, f. Deck.
Zwischendecke, im Bauwesen, s. Decke.
Zwischenfelder, s. Metopen und Tafel: Grie-
chische Kunst I, Fig. 1 und II, Fig. 5.
Zwischenfrüchte, Futterpflanzen, die zwischen
den das Feld in jedem Jahre einnehmenden Haupt-
fruchten fo gebaut werden, daß auch voll ihnen noch
ein Ertrag gewonnen wird (Zwischenfruchtbau).
Die hauptsächlichsten Z. sind Lupine, Serradella,
Spörgel, weißer Senf, Stoppelrüben, Rübsen, In-
karnatklee, Gelbklee, Raps, Buchweizen, Sand-
wicke, Bucharaklce. Die Z. werden entweder in die
Hauptfrucht eingefät oder nach Abcrntung der
Hauptfrncht bestellt. In unserm Klima reifen sie
nicht mehr; sie werden als Grünfutter verwendet,
als Sauer- oder Preßfutter konserviert, als Weide
benutzt, oder als Gründüngung untergepflügt. Be-
sondere Bedeutung hat der Zwischenfruchtbau noch
deshalb, namentlich anf Sandboden, weil durch ihn
bei Benutzung geeigneter Z. (Legnminosen) eine
Bereicherung des Bodens an Stickstoff stattfindet.
Zwischengeschoß, soviel wie Halbgeschoß (s. d.).
Zwischenaefpärre, s. Gebinde.
Zwischenhandel, s. Handel.
Zwischenherrschaft, staats- und völkerrechtlich
die nach Vertreibung des legitimen Herrschers eines
Landes bis zu dessen Rückkehr von einen: andern
(Zwischenherrscher) ausgeübte faktische Regie-
rung. Die Frage, ob eine Z. (nicht zu verwechseln
mit Zwischenreich, s. Interregnum) rechtmäßig sei
oder nicht, wird von dem Staatsrecht und dem
Völkerrecht je nach den besondern Verhältnissen
verschieden beantwortet. Es ist möglich, daß eine
Z. anfangs gewaltsam und durch Rechtsbruck ent-
standen ist (z. N. in Form einer Usurpation) und
dennoch durch allgemeine Anerkennung rechtmäßig
geworden ist, wie z. B. die Regierung Cromwells
in England und des Ersten Konsuls Vonaparte,
spätern Kaisers Napoleon I., in Frankreich. Auf den
Verzicht der legitimen Dynastie kommt es nicht an.
(S. Legitim und Legitimitätsprincip.) Knochen.
Zwifchenkieferknochen, s. Intermarillar-
Zwischenknochenbänder, s. Bünder ianatom).
Zwischenknorpel, s. Gelenk.
Zwischenmaschinen, s Transmission.
Zwifchenmeifter, s. Bd. 17.
Zwischennutzungen, im Forstwesen alle Holz-
nutzungen, die nicht zur Abtriebsnutzung is. d.) ge-
hören. Man rechnet dazu insbesondere die Erträge
der Durchforstung (s. d.), derLäuterungs- und Reini-
gungshiebe in Beständen der jüngsten Altersklasse,
die der Räumungen von Überhaltern ls. d.), der
Aufforstungen (s. d.), ferner die zufälligen Nutzungen,
z. V. Räumungen von dürren Bäumen, Wind- und
Schneebruchhölzern u. dgl., wenn sie nicht in Hiebs-
orten erfolgen.
Zwischenreich, s. Interregnum.
Zwifchenscheidungen eines Gebäudes, s.
Zwischenspiel, s. Intermezzo. Mauer.
Zwischenstationen, s. Bahnhöfe und die Tert-
figuren 7 u. 8; ein Zwischenstationsgebäude s. Tafel:
Bahnhöfe lll, Fig. 3u. 4.
Zwischenftreit, nach dem System der Deutschen
Civilprozehordnung ein innerhalb eines anhängigen
Civilprozesses, sei es zwischen den Parteien selbst
oder zwischen Parteien und Dritten, entstehender
abgesonderter Streit, welcher nicht unmittelbar die
sachliche Entscheidung, sondern die Erledigung pro-
zessualer Punkte betrifft. Z. unter den Parteien
selbst kann in verschiedenen Richtungen vorkommen.
Eine gesetzliche Fixierung der Fälle ist nicht vor-
gesehen. Es bleibt daher dem Ermessen des Prozeß-
gerichts überlassen, welche prozessualen Streitpunkte
es dazu aussondern will. Im Gesetz erwähnt sind
Z. über Vorlegung und Echtheit von Urkunden, über
Zulässigkeit von Beweismitteln, über Zuschiebung
und Abnahme von Eiden. Die Hauptfälle von Z.
zwischen Parteien und Dritten bilden solche über
Zulassung eines Nebenintervenienten, über Weige-
rung von Zeugen oder Sachverständigen zur Abgabe
und Beeidigung einer Aussage oder eines Gut-
achtens, über verzögerte Rückgabe mitgeteilter Ur-
kunden an die mitteilende Partei seitens des An-
walts der Gegenpartei. Für manche Z. ist mündliche
Verhandlung vorgeschrieben, für manche nicht. Die
Entscheidungsform ist in erstern Fällen das Zwischen-
urteil, in letztern der Beschluß.
Zwischenteller, s. Klöppelmaschine.
Zwifchenurteil, das über einen Zwischenstreit
(s. d.) erlassene Urteil. Sodann kann nach der Deut-
schen Civilprozeßordnung §. 275 das Gericht über
ein einzelnes selbständiges AngrisssnnNel (einen der
verschiedenen Klaggründe) oder über ein einzelnes
selbständiges Verteidigungsmittcl (eine der ver-
schiedenen Einreden, z. B. die Einrede der Zab-
lung oder der Stundung oder des Vergleichs) ein
Z. fällen, wenn dieser Streitpunkt, aber noch nicht
der ganze Prozeß reif ist. Das soll zur Verein-
fachung dienen. Ein Z. dieser letztern Art bindet
zwar den Richter, der es erlasseil hat, aber nicht den
Richter höherer Instanz. Es ist anfechtbar nicht für
fich, sondern nur zugleich mit dem den ganzen
Rechtsstreit entscheidenden Endurteil. Endlich liegt
ein Z. dann vor, wenn ein Anspruch nach Grund
und Betrag streitig ist und der Richter zunächst nur