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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ausgrabungen
""Ausgrabungen. Die im archäol. und prä- >
histor. Interesse unternommenen A., an denen sich ^
namentlich seit der Mitte dieses Jahrhunderts
verschiedene Kulturnationen zunehmend beteiligen,
haben auch in den letzten Jahren lebhafte Förderung
erfahren und interessante Ergebnisse gebracht. In
Athen sind durch das deutsche Archäologische In-
stitut zum Teil aus Privatmitteln seit dem I. 1892
A. am Westabhang der Akropolis veranstaltet wor-
den, durch die dieser wichtige Teil des alten Stadt-
bodens bekannter geworden ist. Mehrere Heilig-
tümer, Häuser, Wasserleitungen, Straßen traten zu
Tage. Andere Teile von Alt-Athen wurden durch die
Verlängerung der Peiraieusbahn (eröffnet 1895) in
dem Centrum der Stadt sreigelegt. Die A. werden
hier wie in den nördlich angrenzenden Gebieten noch
sortgesetzt. 1893 grub die gricch. Archäologische
Gesellschaft im Ilifosbett, um nach den Resten der
dort gewöhnlich angesetzten alten Stadtquelle Ennea-
keunos zu forschen. Die griech. Regierung ließ an
verschiedenen Punkten A t t i k a s, in 3U)amnus<1890),
in Marathon (1890/91) am Grabhügel der in der
Schlacht vom I. 490 gefallenen Athener, in Vari,
in Daphni (1892), an der Straße von Athen nach
Eleusis bei dem alten dort gelegenen Aphroditen-
Heiligtum Grabungen vornehmen. Auch Teile des
Peloponnes sind mit dem Spaten durchforscht
worden. Das Heiligtum der Despoina im arkad.
Lykosura hat man freigelegt (seit 1890), das des
Apollon in Amyklä angegraben; außerdem sind in
Mykenä und Epidauros die A. fortgesetzt worden.
Die engl. Archäologische Schule in Athen grub das
Theater in Megalopolis aus, die amerik.Echule (1892
-94) das altberühmte Heiligtum der Hera (Heraion)
in der Nähe von Argos, bei dem interessante Archi-
tektur- und Kleinfunde gemacht wurden. Im Posei-
donheiligtum der Insel Kalauria (beute Porös) ver-
anstalteten schwed. Gelehrte A.; Korintb, von dem
früher kleinere Stücke freigelegt waren, ist jetzt durch
die amerik. Schule in Angriff genommen worden.
In Mittelgriechenland ist als die bedeu-
tendste Ausgrabung der neuesten Zeit (seit 1893) die
der Franzosen in Delphi (s. d.) zu nennen. Von dieser
großen Ausgrabung des franz. Staates abgefchen,
hat die franz. Archäologische Schule in Athen vor-
übergehend in Thespia in Böotien gegraben. Die
amerik. Archäologische Schule ist in Anthedon und
Thisbe, dann namentlich in Platää (1890/91) und
in Erctria auf Euböa (1890 - 94) thätig gewesen.
Für die Inseln ist nur die Fortsetzung der Ar-
beiten der franz. Schule in Delos und die der Eng-
länder in Cypcrn zu erwähuen, wo mehrere große,
in den Fundamenten gut erhaltene grieck. Privat-
häufer aus dem 2. Jahrh. v. Chr. freigelegt wurden.
Dagegen sind in Kleinasien großeFundegemacht
worden. An erster Stelle verdienen hier die A. der
Generalverwaltling der königl. Museen in Berlin in
Magnesia am Mäander (1891 - 93) erwähnt zu
werden, die, von Einzelheiten abgesehen, uns das
Bild des Marktes einer großen hellenistischen Stadt
vermittelt haben. Die A. in Troja (1890/91 und
1893) führten zur Aufdeckung ganz neuer Mauer-
und Gebäudereste, die anscheinend zu der in den Ho-
merischen Gedichten gefeierten Stadt gehört haben.
Gegenwärtig (1896) wird auf Kosten der Berliner
Museumsverwaltung in Priene, durch die Österreicher
in Ephesus gegraben.
In Syrien und Palästina hat das Orient-
konntee (s. d.) die A. in Sendschirli fortgesetzt
(1894). Sonst ist noch eine kleinere Ausgrabung in
Jerusalem zu erwähnen. Besonders eifrig ist auch
in den letzten Jahren durch verschiedene engl. Ge-
sellschaften Ägypten durchforscht worden unter
Leitung von Flinders Petrie und Naville; nament-
lich in Koptos, Dcir el-Behari und Daschur hat
man mit Erfolg gearbeitet. In Alexandria erga-
ben die A. ein Sinken des alten Stadtniveaus und
die Unmöglichkeit, wegen Grundwassers weiter vor-
zudringen.
In Italien sind die fortlaufenden A. in Rom
und Pompeji weiter betrieben worden, auf Sicilien
in Selinunt und Syrakus. Syrakus ergab vor-
züglick eine Reihe höchst interessanter (mykenischer)
Grabfunde. In Nordafrika hat die franz. Negie-
rung ebenfalls ibre A. fortgefetzt und die röm. Städte
Lambäsis und Thamugadi zum Teil freigelegt.
In Bosnien und der Herzegowina sind im
Auftrage der Direktion des Landesmuseums groß-
artiqe A. vollzogen: auf der Hochebene Glasinac
Wallburgen und Taufende von Gräbern der frühern
Eisenzeit; bei Iezerina etwa 500 Gräber der La-
Töne-Zeit, bei Vutmir eine neolithische Station
u. s. w. Ausführliche Berichte geben die "Wissen-
schastlichen Mitteilungen aus Bosnien und der
Herzegowina", hg. von dem bosn.-herzegowin.
Landesmuscum (1893-95).
InVöhme n sind neolithische Gräber und Wohn-
stätten aufgedeckt.
Deutschland. Die Arbeiten am röm. Grenz-
wall (Pfahlgraben, s. d., Bd. 13) sind weiter ge-
führt, so daß das Befestigungssystem und seine
Entstehung immer deutlicher vor Augen treten.
In Oberbayern wurden mit Unterstützung des
königl. Staatsministeriums Hunderte von Grab-
hügeln ausgegraben, die teils der ältern Bronzezeit,
teils der Hallstattperiode angehören. Auch Hochäcker
und Siedelungen wurden untersucht. Grüber aus
der Hallstattperiode wurden ferner aufgedeckt in
Ober- und Mittelfranken und in der Ober-
pfalz. In Mittclfranken außer diesen auch Gräber
der Bronzezeit und frank. Reihengräber. - In
Hessen sind ncolithische Gräber untersucht; m
Braunschwei^ neolithische Gräber und Wohn-
statten. - In Mecklenburg sind jetzt Urnenfried-
Höfe der La-Tene-Zeit zu Tage gekommen und die
lange absuchten Wen den grab er. Es sind dies
teils Skelettaräber, teils Urnen mit Leichenbrand,
die in geringer Tiefe unter der Bodenstäche liegen.
Bei einem Skelett fand man eine in Vardowiet ge-
prägte Silbermünze aus der Zeit Heinrichs des
Löwen, und in der Mundhöhle eine goldene Münze
aus der Zeit Ethelreds II. oder von Knut d. Gr.
- InSchleswig - Holstein sind die Untersuchun-
gen der Urnenfriedhöfe so weit gediehen, daß man
unter den vorrömischen auch eine Vor-La-Tene-Zeit
unterschcioet. Dic Aufdeckung zahlreicher Bronze-
alterhügel hat zu der Kenntnis geführt, daß die
meisten Gräber Vaumfä'rge enthalten, von denen sich
indessen nur geringe Überreste erhalten haben.
Eine kleine Bronzene aus einem Grabe der ältern
Periode war auf eine Unterlage von zerschnittenem
Weizenstroh niedergelegt worden, von welchem Neste
am Boden haften. Bei Neustadt i. H. ist ein "Kjök-
kenmödding" aus der ältern Steinzeit, auf der Insel
Föhr ein solcher aus der Völkerwanderungszeit auf-
gegraben worden.
Dänemark. In Iütland sind Gräber der Stein-
zeit unter Bodenniveau und Urnenfriedhöfe aus