Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

158
Berlin
Beruf. Bei der Berufszählung vom 14. Juni 1895 wurde eine Gesamtbevölkerung von 1615517 ermittelt, gegen 1156945 im J. 1882. Hierunter befanden sich:
Gliederung der Bevölkerung 1882 Überhaupt In Proz. 1895 Überhaupt In Proz.
Erwerbsthätige im Hauptberufe 474953 41,05 700063 43,33
Dienende für häusliche Dienste 58003 5,01 61063 3,78
Angehörige ohne Hauptberuf 581792 50,29 789106 48,85
Berufslose Selbständige u. s. w. 42197 3,65 65285 4,04
Hiernach ist der Anteil der Erwerbsthätigen ziemlich stark gewachsen, der der Dienenden und Angehörigen zurückgegangen, die wirtschaftliche Ausnutzung der Volkskraft hat sich auch hier erweitert. Die im Hauptberufe Erwerbsthätigen (einschließlich der Berufslosen) verteilen sich auf die großen Berufsabteilungen folgendermaßen:
Berufsabteilungen 1882 Überhaupt In Proz. 1895 Überhaupt In Proz.
A. Land- und Forstwirtschaft, Gärtnerei, Tierzucht, Fischerei 3792 0,73 4306 0,56
B. Industrie, Gewerbe, Bauwesen 288292 55,75 404481 52,85
C. Handel und Verkehr, Gastwirtschaft 110544 21,38 180916 23,64
D. Lohnarbeit wechselnder Art u. s. w. 22214 4,29 37512 4,90
E. Armee, öffentlicher Dienst, freie Berufe 50111 9,69 72848 9,52
F. Rentner, Pensionäre, Berufslose u. s. w. 42197 8,16 65285 8,53
^[Additionslinie]
Zusammen 517150 44,69 765348 47,37
Diese Zahlen kennzeichnen die Reichshauptstadt als einen hervorragenden Mittelpunkt von Industrie, Handel und Verkehr, obwohl sie doch bei weitem nicht alle in diesen Gruppen der sog. materiellen Berufe Thätigen umfassen; denn abgesehen von den noch nebenberuflich in ihnen Erwerbsthätigen, die indessen bei den: äußerst intensiven Betriebe in der Großstadt nicht allzu erhebliche Bedeutung haben, arbeiten in B. im Hauptberufe noch viele Personen, die ihre Wohnung in der nächsten Umgebung haben und also (1895 übrigens mehr als 1882) nicht in B., sondern an ihrem Wohnorte gezählt sind. Die Zahl derselben läßt sich nicht genau feststellen, aber man darf einen guten Teil der Erwerbsthätigen der Berufsabteilungen 15 und 0 der Kreise Teltow und Niederbarnim sowie der Stadt Charlottenburg den in B.s Industrie, Handel und Verkehr werbenden Kräften zuzählen. Um welche Zahlen es sich hierbei bandeln kann, ersieht man daraus, daß Erwerbsthätige im Hauptberuf ermittelt wurden:
Kreise Berufsabteilungen B 1882 1895 C 1882 1895
Teltow 24693 61665 6512 20165
Niederbarnim 19460 41536 6363 15194
Stadtkreis Charlottenburg 5893 20846 2195 11355
^[Additionslinie]
Zusammen 50046 124047 15070 46714
Werden die Berufsabteilungen A, B und C in die einzelnen Berufsgruppen aufgelöst, so charakterisieren nachstehende Zahlenreihen die wirtschaftliche Thätigkeit B.s näher. Es wurden ermittelt Erwerbsthätige im Hauptberuf:
Berufsgruppen 1882 Überhaupt In Proz. 1885 Überhaupt In Proz.
Landwirtschaft, Gärtnerei und Tierzucht 3682 0,91 4083 0,69
Forstwirtschaft und Fischerei 110 0,03 223 0,04
Bergbau, Hütten- und Salinenwesen 271 0,07 187 0,03
Industrie der Steine u. Erden 3977 0,99 4913 0,83
Metallverarbeitung 29879 7,42 45724 7,75
Maschinen, Werkzeuge und Apparate 14230 3,53 25623 4,35
Chemische Industrie 2343 0,58 4640 0,79
Forstwirtschaftliche Nebenprodukte und Leuchtstoffe 2678 0,67 3262 0,55
Textilindustrie 16815 4,18 13784 2,34
Papierindustrie 8697 2,16 12311 2,09
Lederindustrie 9373 2,33 12157 2,06
Holz- und Schnitzstoffe 29459 7,32 36834 6,25
Nahrungs- und Genußmittel 21216 5,27 32895 5,53
Bekleidung und Reinigung 95181 23,64 135474 22,97
Baugewerbe 38228 9,49 57277 9,71
Polygraphische Gewerbe 9723 2,41 14663 2,49
Künstlerische Betriebe für gewerbliche Zwecke 4586 1,14 3815 0,65
Gewerbtreibende ohne nähere Bezeichnung 1636 0,41 922 0,16
Handelsgewerbe 68293 16,96 106645 18,08
Versicherungsgewerbe 1410 0,35 2706 0,46
Verkehrsgewerbe 22825 5,67 35295 5,98
Beherbergung und Erquickung 18016 4,47 36270 6,15
^[Additionslinie]
A, B und C zusammen 402623 100 589703 100
Abgesehen von der Verminderung der Gruppe "Gewerbtreibende ohne nähere Bezeichnung", die durch genauere Angaben über die besondere Berufsthätigkeit herbeigeführt ist und bei der geringen Anzahl dieser Erwerbsthätigen wenig bedeutet, sind von 1882 bis 1895 nur zwei Gruppen ihrer absoluten Bedeutung nach zurückgegangen: das sind die Erwerbsthätigen der Textilindustrie und der Betriebe für Kunstgewerbe u. dgl.; die relative Bedeutung im Erwerbsleben B.s hat sich aber auch in andern Gruppen zu Gunsten der übrigen vermindert, am meisten zu Gunsten des Handels und der Gewerbe für Beherbergung und Erquickung, auch der Maschinenindustrie u. s. w. Jedenfalls kennzeichnen diese Zahlen die große absolute und relative Bedeutung B.s im Wirtschaftsleben: von den Erwerbsthätigen der Berufsabteilungen A, B und C in Preußen (1882: 9254680, 1895: 10807270) entfielen 1882 etwa 1/23, 1895 etwa 1/18 auf die Reichshauptstadt.
Die 21 Aktienbrauereien hatten ein Aktienkapital von 49,635 Mill. M. Sämtliche 89 Brauereien versteuerten 1895: 1432480 Ctr. Malz, 13206 Ctr. Surrogate und lieferten 3147701 hl Bier (davon 1163633 obergäriges). 1895 betrug die Zufuhr an Getreide 447 846 t (Weizen 53149, Roggen 155938, Gerste 59062, Hafer 129697), an Mehl 118256 t. Die Mühlen in B. haben (1895) 144568 t Weizen und Roggen vermahlen. An Eiern wurden zugeführt 25914126 kg (6910434 Schock) und an Kohlen 223825 t. Der Wollmarkt 1895 war mit 8000 Ctr. Wolle befahren, wogegen die Einfuhr aus dem Auslande 52000 Ballen betrug. Die Reichsbank hatte 1895 einen Gesamtumsatz von 121,313 Milliarden M., wovon auf B. 37,018 Milliarden kommen.
Verkehrswesen. Die Entfaltung des Verkehrslebens in den letzten zwei Jahrzehnten bietet ein Bild so schnellen Wachstums, wie es kaum in der Geschichte europ. Städteentwicklungen in der Neuzeit beobachtet worden ist (vgl. die Festschrift zur Feier des 50jährigen Bestehens des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen: B. und seine Eisenbahnen 1846-96, 2 Bde., Berl. 1896). Trotz des stellen-^[folgende Seite]