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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Berlin
weise bereits aufs höchste gesteigerten Fuhrwerk- und Pferdebahnverkehrs flutet an zahlreichen Stellen der Stadt auch ein überaus starker Fußgängerverkehr. An einem Tage (März 1892 während 16 Stunden) passierten beispielsweise den Potsdamer Platz 17868 Fuhrwerke und 87266 Fußgänger, an der Ecke Friedrichstraße und Unter den Linden 1896 Fuhrwerke und 120016 Fußgänger, an der Köigstraße (unter dem Stadtbahnbogen) 10448 Fuhrwerke und 100807 Fußgänger. Es waren genehmigt zu Anfang der A 1846: 1008, 1853: 1136, 1866: 2260, 1876: 4242, 1886: 4522, 1896: 7190 Droschken. Daneben bestehen noch sog. Thorwagen, welche in der Regel nur auf Bestellung von den Fuhrwerksbesitzern gestellt werden, doch ist ihre Zahl erheblich zurückgegangen (von 108 im J. 1847 auf 225 im J. 1896). Die erste Omnibuslinie wurde in B. 1846 genehmigt mit 19 Wagen, 1866 waren 66 Omnibusse und 1896: 361 vorhanden. (Gewaltig haben sich die Straßenbahnen (Pferde-, elektrische und Dampfstraßenbahnen) entwickelt; die Länge derselben betrug 1873: 12, 1875: 74, 1880: 129, 1885: 161, 1890: 242, 1894: 272, 1896: 354 km.
Umfang und Verkehr der Großen Berliner Pferdeeisenbahn, des größten Berliner Verkehrsunternehmens:
Jahre Gleise km Pferde Anzahl Beförderte Personen Anzahl Einnahme aus dem Personenverkehr M.
1891 245,309 4979 124800000 14381738
1892 252,634 5193 128000000 14483591
1893 263,144 5294 130100000 14660990
1894 273,123 5416 131800000 14700755
1895 283,603 5748 138900000 15307284
Der Gesamtverkehr der Omnibusse, Pferdebahnen und Dampfstraßenbahnen hat 1894 rund 195 Mill. Personen, mithin auf den Tag rund 500000 Personen betragen, wozu noch 359 146 Personen kommen, die mit Dampfschiffen auf der Oberspree (486685 im J. 1895) und 194582 auf der Unterspree und den Havelseen (238379 im J. 1895) befördert worden sind. Nicht mitgerechnet ist der Verkehr durch Droschken, Thorwagen, Omnibusse von den Bahnhöfen u. s. w. Zieht man den über die Berliner Stadt- und Ringbahn sich bewegenden Verkehr (68 Mill. Fahrten) und den örtlichen Eisenbahnverkehr nach und von den Vororten (42 Mill. Fahrten) in Betracht, so erhält man im Eisenbahnverkehr 110, im Pferdebahnverkehr 155 und im Omnibusverkehr 35 Mill., zusammen 300 Mill. Fahrten für das Jahr oder rund 800000 Fahrten für den Tag. Jeder Berliner Einwohner benutzt also jeden zweiten bis dritten Tag eins der öffentlichen Verkehrsmittel. Von hervorragenden Leistungen der öffentlichen Verkehrsmittel an einzelnen Tagen giebt die Tabelle auf S. 160 über den Verkehr an den beiden Pfingstfeiertagen der letzten 5 Jahre ein übersichtliches Bild. Bei den von der Stadt- und Ringbahn beförderten Personen ist der über die Stadtbahn gehende Vorortverkehr eingerechnet.
Das Jahr 1894 hatte mithin den stärksten Verkehr aufzuweisen, und es entfielen auf jeden Pfingstfeiertag durchschnittlich 1125000 Personen.
Welche Anforderungen zuweilen an die Eisenbahnen gestellt werden, geht aus der Tabelle B auf S. 160 hervor, welche die Anzahl der an Feiertagen in den J. 1896 und 1894 auf den Stationen der Stadt- und Ringbahn sowie auf Vorortstationen verkauften Fahrkarten angiebt.
Die Entwicklung des Güterverkehrs (ohne Vieh) in den letzten 40 Jahren:
Jahre Einwohnerzahl am 1. Dez. Versand und Empfang mit den Eisenbahnen t Proz auf dem Wasserwege t Proz. zusammen t
1853 430519 492453 27 1318494 73 1810948
1868 702437 2348392 51 2118660 49 4467052
1880 1122330 5592742 61 3519440 39 9112182
1883 1232755 3334647 51 3174305 49 6508952
1884 1271697 3513606 51 3358605 49 6872211
1885 1315219 3628174 49 3757576 51 7385750
1886 1363811 4107201 51 3941482 49 8048683
1887 1414983 4491168 49 4593849 51 9085017
1890 1579244 5474223 54 4684335 46 10158563
1892 1657034 5541331 55 4640849 45 10182180
1894 1654601 5233007 51 5045666 49 10278673
1895 1677351 5600678 52 5134040 48 10734718
Hierzu ist jedoch zu bemerken, daß im Eisenbahnverkehr für die Statistik vor 1883 andere Vorschriften maßgebend waren, als nach dieser Zeit, so daß die Zahlen vor 1883 mit denen der spätern Jahre nicht unbedingt verglichen werden können.
Der Viehverkehr, welcher sich nur auf der Eisenbahn bewegte, betrug:
Vieh Jahre Eingang Versand Verbleib In Proz. des Eingangs
1883 37934 28574 9360 25
Pferde 1890 48393 38225 10168 21
1895 46527 33803 12724 27
1883 258004 68745 189259 73
Rinder 1890 338012 63276 274736 81
1895 354348 94678 259670 74
1883 671772 323637 348135 52
Schafe 1890 686458 222109 464349 68
1895 640357 192956 447401 67
1883 770255 183442 586813 76
Schweine 1890 835812 318057 517755 62
1895 1079428 416996 662432 61
1883 833417 166838 666579 80
Geflügel 1890 1996325 710025 239300 64
1895 4071789 1001950 3069839 75
^[Additionslinie]
1883 2571382 771236 1800146 70
Zusammen 1890 3905000 1351692 2553308 65
1895 6192449 1740383 4452066 72
Ein- und Ausgang von 20 verschiedenen Artikeln sowie Massengütern im J. 1895 zeigt Tabelle C auf S. 160.
Eine eigenartige Erscheinung im Berliner Verkehrsleben bietet der (Güterverkehr nach und von der Centralmarkthalle am Alexanderplatz, welche mit dem Bahnhof Alexanderplatz der Stadtbahn durch Schienenanschlüße verbunden ist. Obgleich der rege Personenverkehr auf der Stadtbahn den Tagesbetrieb für den Güterverkehr mit der Markthalle nicht gestattet und der Güterverkehr seit 1. April 1894 nur auf die Dauer von 5-6 Nachtstunden beschrankt ist, hat sich derselbe doch in den letzten Fahren bedeutend entwickelt, wie nachstehende Übersicht zeigt:
Jahre Eingang t Versand t Zusammen t
1889/90 29330 4252 33582
1890/91 33717 4906 38623
1892/93 38025 5821 43846
1893/94 52621 4233 56854
1894/95 54880 2936 57816