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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bienenzucht
eintragen bestimmte, also eine gemischteMetbode
befolgte. Erst im Stocke mit beweglicher Wabe
wurde die Biene ein Haustier; denn im Dzierzon-
stock ist der Imker nicht mehr von dem Instinkt und
den Launen der Bienen abhängig, sondern ist im
stände, ihrer Thätigkeit Richtung und Ziel vorzu-
schreiben. Aber jeder Eingriff in den Haushalt des
Volks, der wider die Natur ist, bringt Schaden.
Glück mit dem Dzierzonstock hat darum nur der
Imker, der die Bienennatur gründlich erkannt hat.
Bienenjahr. Das Vienenjahr teilt man in vier
Abschnitte oder Perioden. Die e r st e P e r i o d e ist die
der Ein- und Überwinterung. Sie beginnt mit
dem Oktober und umfaßt die Wintermonate Novem-
ber bis Februar. Unter 15 Pfd. Honigvorrat sollte
man kein Volk in den Winter nehmen. Fehlt es bei
der Einwinterung an Honigwaben, so muß man
Kandis auflosen und die Völker damit füttern. Ge-
wöhnlich wintert man ein Volk auf sechs bis acht
Waben in einer Etage ein. Die Honigvorräte müssen
sich über dem Vienensitz befinden. Tritt im Novem-
ber Kälte ein, so stellt man im Vrutraum ein Brett
(Überwinterungsbrett) bis an die Waben und ver-
packt den Raum zwischen Brett und Thür mit warm-
baltendcm Material (Kissen, Moos u. s. w.); in frei
stehenden Einbeuten stopft man auch den Honigraum
aus. Klotzbeuten, Strohkörbe u. s. w., die frei im
Garten stehen, umstellt man mit Robr; Stroh ver-
wende man hierzu uicht, weil es Mäuse anlockt.
Die Stöcke in: Bienenhause schützt man durch Vret-
tertlappen gegen Kälte und gegen die Wintcrsonne.
Am besten überwintern die Bienen in vollkommen
finstern und trocknen Räumen, Kellern u. s. w. Weil
Mäuse gern dem Honig nachgehen, so verenge man
die Fluglöcher durch Nägel, so daß wobt Bienen,
aber nicht Mäuse durchdringen können. In: Januar,
spätestens im Februar nehmen die Völker den Brut-
ansatz wieder auf, und es fehlt ihnen dann bäufig
an Wasser, den fest gewordenen Honig flüssig Zu
machen: man thut darum gut, ihnen jetzt im Stocke
Wasser zu reichen, ohne sie jedoch aus der Wintcr-
ruhe aufzustören. Der zweckmäßigste Tränkapparat
ist die Ziebolzsche Träntflasche.
Die zweite Periode, März und April, reickt
von der Au s w i n t e ru n g bis z ur er st en Fr ü h -
lingstracht. Die Biene sammelt im Winter allen
Unrat im Enddarm an. Verzögert sich der Ncini-
gungsausflug, so geben die Tiere wider ihre Natur
den Unrat im Stocke von sich und beschmutzen sich
gegenseitig und ihre Waben. Man nennt diese Er-
i'cheinung die Ruhr. Sie ist sofort beseitigt, wenn
ein freundlicher Sonnentag einen Reinigungsaus-
flug gestattet. Jetzt reinigt man auch die Boden-
bretter von toten Bienen und allem Gemüll. Völker,
deren Honigvorrat zu Ende gehen will, müssen reick-
lich gefüttert werden (Notfütterung). Die Winter-
verpackung wird, damit die Völker recht warm sitzen
und reichlich Brüt ansetzen, jetzt noch nicht entfernt.
Starb im Winter eine Königin, so vereinige man
die weisellosen Bienen mit dem Nachbarstocke. Ver-
lor ein Volk im Winter drei Viertel seiner Bienen,
behielt aber die Königin, so vereinige man es mit
einem weisellosen. NeiseUose Stöcke dulde man in
dieser Periode nicht aus dem Stande, weil sie Ver-
anlassung zur Räuberei geben. Tritt Mitte April
freundliches Wetter ein, so füttere man die volk-
reichsten Stöcke reichlich: sie setzen dann reichlicher
Brüt an. Es ist dies die sog. spekulative Füt-
terung. Zur Bereitung des Vrutfutters brauchen
die Bienen aber auch viel Blumenstaub (Pollen).
Weil sie diesen in der Natur noch nicht reichlich fin-
den, so füttere man jetzt Getreidemehl, das ein Er-
satzmittel des Vlumcnstaubes ist. Man drückt das
Mehl in Drohnenwaben und legt diese an einem
windstillen und sonnigen Orte nieder. Gar mancher
Biene erhält man das Leben, wenn man an einem
recht sonnigen Orte ein Gefäß mit Wasser aufstellt,
in das man Moos legt; die Bienen sitzen dann beim
Einsangen des Wassers gefahrlos.
Die dritte Periode umfaßt in honigarmen
Gegenden die Zeit von der Frühlingsvolltracht
bis zum Ende aller Tracht, Mai, Juni und
Juli. Weil nur volksstarke Stöcke Gewinn bringen,
so muß man darauf bedacht sein, schon Anfang
Mai schwache Völker zu verstärken. Stöcke mit be-
weglichen Waben verstärkt man durch bloße Brut-
waben, deren Nymphen der Reife ganz nahe sind.
Völker in Stöcken mit unbeweglichen Waben, Körbe,
Thorstöcke u. s. w. verstärkt man mit Volk. Sind
die Bienen vormittags im schärfsten Fluge, so nimmt
man das starke Volt von seinem Standplatze und
stellt das schwache dahin; den starken Stock aber
setzt man an die Stelle des schwachen. Der schwache
Stock erhält nun alle Flugbiencn des starken und
setzt infolgedessen stark Vrut an. Tritt im Mai
reiche Tracht ein, so verschaffe man den Völkern
Raum zum Unterbringen des Honigs. Körben giebt
man N eb en- und Aufsätz e. Aus dem Vrutraum
der Dzicrzonstöcke nimmt man die mit Honig ge-
füllten Waben und hangt sie in den Honigraum,
um die Bienen in denselben zu lockeil. An die Stelle
der entnommenen Waben stellt man Mittelwände
zum Ausbauen. In manchen Jahren entwickeln sich
die Völker so frühzeitig, daß sie schon im Mai an
das Schwärmen denken. Die ersten Vorbereitungen
dazu bestehen im Ansatz von Drohnenbrut. Alsbald
erbauen dann die Bienen Weiselzcllcn und die Kö-
nigin besetzt diese Zellen (etwa innerhalb dreier
Tage) mit Eiern. Sind die königlichen Zellen bedeckt
und verwandelt sich die Larve in eine Nymphe, so
verläßt die alte Königin in schönster Tagesstunde
mit dem größten Teile der flüggen Bienen den
Stock. Der Schwärn: mit der alten Mutter heißt
Haupt-, Vor- oder Erstschwarm. Giebt das
Volk ein ferneres Schwärmen anf, so dulden die
Arbeitsbienen das Verletzen der Weiselzellen und
vollenden das Zerstörungswerk. Wollen sie aber
nochmals schwärmen, so schützen sie die Weisel-
zellen. Eine freie junge Königin verläßt nun mit
einem Teile des Volks den Stock, und dies ist
ein Nach- oder Aftcrschwarm. Oft folgen in
Zwischenräumen noch mehr Nachschwärme. Die
schwärmenden Bienen sammeln sich endlich, am lieb-
sten an einem Zweige, von wo sie der Imker in eine
Wohnung einschlägt. In Gegenden, die Herbst-
tracht habcn, bcfolgt man dic Schwärmmethode,
weil dort die Schwärme auf der Heidetracht (August)
sich für den Winter noch reichlich mit Bau und Honig
versehen. Ja in solchen Gegenden kommt es vor, daß
ein diesjähriger Vorschwarm selbst einen Schwärm
ausstößt,dcnmandann einen Iungfernschwarm
nennt; folgen ihm Nachfchwärme, so sind dies
Jung fern nach schwärme. Stirbt im Sommer
einem Volke die Mutter, so erbrütet es sich junge
Königinnen. Nicht selten stößt ein solches Volk einen
Schwärm aus, der sich vorher durch das "Tühten"
der jungen Königin ankündigt und darum Tüht-
oder Singerschwarm genannt wird. In Gegen-