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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blumea - Blütenbiologie
Vluiusa. DO., Pfianzengattung aus der Familie
der Kompositen (s. d., Bd. 10) mit gegen 60 über
die wärmern Gegenden Afrikas, Asiens und Austra-
liens verbreiteten Arten, einjährige Kräuter oder
mit der Basis der Stengel perennierend, mit roten
oder gelben Blüten. Sie liefern zum Teil Kampfer,
so Z. bZ^Hiu^ei'll.DO. den Ngaikampfer <s. Kampfer,
Bd. 10). Diese Art wird auch neben L. ckinenäig
DO. und V. Zi-HnäiZ I^M. als Medikament gegen
Husten und Magenkrankheiten verwandt.
Blutaberglaube, der fast über die ganze Erde
verbreitete Glaube, daß dem Blute des Menschen
höhere Kraft, besonders Heil- und Zauberkraft, inne-
wohne. Auf je niedrigerer Stufe ein Volk steht,
desto ausgeprägter ist der V. Aber auch bei den
Kulturvölkern der Gegenwart ist er im Volke, na-
mentlich bei der ländlichen Bevölkerung, durchaus
nicht geschwunden. Er findet sich bei allen Völkern
dann auf ziemlich gleiche Weise. Nach diesem Aber-
glauben hilft das Blut des Menschen gegen allerlei
Krankheiten, besonders gegen Gicht und Epilepsie.
Iauberzeichen und schirmende Amulette mit Men-
schenblut beträufelt machen besonders fest. Vorzugs-
weise heilkräftig ist das Blut Hingerichteter; bei den
Römern war es das der Gladiatoren. Solch Blut
bringt zugleich Glück ins Haus und in die Ställe.
Durch Menschenblut erlöst man verzauberte Men-
schen und vermag man die Geister dienstbar zu
machen und den Schatten vorübergehend Leben und
Sprache zu verleihen (Odysscus in der Unterwelt).
Durch Blut sucht man ferner Liebende zu verbinden
oder Leute zur Liebe zu entstammen. Bei solchem
Liebeszauber spielt bei vielen Völkern (Ägyptern, Zi-
geunern u. a.) das Mcnschenblut eine hervorragende
Rolle. Wenn man bei den nordgerman. Völkern
Blutsbrüderschaft einging, mischte man das gemein-
same Blut mit Erde und genoß diese Mischung.
Auch zum Bannen und Erkennen der Diebe bedient
man sich oft des Blutes. Ferner wird das Blut
häusig zur Weissagung verwendet; es ist der Sitz
der Seele, und aus ihm kann der Kundige die Zu-
kunft oder unentd eckte Thatsachen offenbaren. In
dieser Auffassung wurzelt u. a. das mittelalterliche
Bahrrecht oder die Blutprobe (s. Gottesurteil, Bd. 8).
Durch Blut pflegte man sich namentlich im Mittel-
alter Dämonen oder dem Teufel zu verschreiben:
man gab diesen Wesen dadurch die Anwartschaft auf
die Seele. So spielt das Blut besonders in den Hexen-
sagen eine Rolle.
Neben diesem B. zeigt sich säst bei allen heidn.
Völkern der Blutritus, der wahrscheinlich aus
jenem hervorgegangen ist. Nach diesem werden durch
Blut die Götter mit den Menschen versöhnt. Bei
fortschreitender Kultur ist an Stelle des Menschen-
blutes das Blut der Tiere getreten. Visweilen aber
war das Opfer des erstgeborenen Sohnes eine
Steigerung des alten Tieropfers (2 Kon. 3,27; 16,3).
Einen Vlutritus der Juden giebt es nicht. Nach
der Lehre der israel. Religion ist das Blut ein
i'6Zai6 vsi und daher dem Genusse des Menschen
auf das strengste entzogen (3 Mos. 17, 10-14;
7,16 fg.; 1 Mos. 9, 4). Die spätere Gesetzgebung
wurde in dieser Beziehung immer peinlicher. Von
irgendwelcher Verwendung von Christenblut zu
rituellen Zwecken findet sich in der Gesetzeslitteratur
der Juden nirgends eine Spur. Der Dominikaner-
mönch Raimund Martin, ein eifriger Judenfeind
des 13. Jahrh., hat in seinem citatenreichen Sammel-
werk "I^uZio üäei aäversuä Naui-03 et^uäaeoä"
nirgends einen derartigen Verdacht ausgesprochen.
Ebenso wenig haben die Judengegner Eisenmenger
und Wagenseil eine solche Beschuldigung erhoben.
Daß in jüd. Litteratur sich ein Blutritus finde, ist
wesentlich eine Erfindung der Neuzeit, insonderheit
des Prager Professors A. Rohling <s.d., Bd. 13) in
seinem Buche "Der Talmudjude" (Münst. 1871;
6. Aufl. 1877; vgl. dagegen Fr.Delitzsch, Rohlings
Talmudjude, 6. Aufl., Lpz.1881; I.Kopp, Zur Iu-
denfrage, ebd. 1886; I.Vloch, Akten und Gutachten
in dem Prozesse Rohling contra Bloch, Wien 1890).
Nahrung fand dieser Wahn durch mehrereProzesse, die
der unaufgeklärte plötzliche Tod von einigen Christen-
kindern zur Folge hatte. So besonders der Prozeß
von Tisza-Eszlar 1883 (vgl. P. Nathan, Der Prozeh
von Tisza-Eszlar, Verl. 1892), sodann der Prozeh
Buschhoff 1892 (vgl. die anonyme Schrift: Der Pro-
zeh Buschhoff, Lpz. 1891). - Im allgemeinen vgl.
Oort, Der Ursprung der Blutbeschuldigung gegen die
Juden (Lpz. 1883); Strack, Der B. in der Menschheit,
Vlutmorde und Blutritus (1. Aufl., Münch. 1892);
ders., Die Juden, dürfen sie Verbrecher von Reli-
gions wegen genannt werden? (Berl. 1893); Marx,
Die Tötung Ungläubiger nach talmud.-rabbin.
Recht (Hamb. 1883). Sehr viel Material über den
B. aller Völker findet sich im 3. und 4. Bande der
Monatsschrift "Am Urquell" (Hamb. 1892-93).
Blütenbiologie, Zweig der Botanik, behandelt
die Beziehungen zwischen dem Aufbau der Blüten
und Blütenteile und der Außenwelt, also nament-
lich die mit der Bestäubung (s.d., Bd. 2) im Zusam-
menhang stehenden Erscheinungen, die Mittel zum
Blütenschutz, die Parthogenesis und verwandte Vor-
gänge. Als Begründer der modernen B. müssen
I. G. Kölreuter (1733-1806) und Konrad Sprengel
(1750-1816) angesehen werden. Der erstere er-
brachte durch eine große Reihe von Bastardierungs-
versuchen den ersten unwiderleglichen Beweis für
die Sexualität der Pflanzen und wies auch bereits
auf verschiedene zur Bestäubung dienende Mittel
hin. Letztere wurden dann von Sprengel eingehen-
der behandelt. Von ihm wurden auch bereits zahl-
reiche Beziehungen zwischen dem Vlütenbau und
den die Bestäubung bewirkenden Insekten beschrie-
ben und auf die Häufigkeit der Fremdbestäubung
aufmerksam gemacht. Die Untersuchungen von Köl-
rcuter und Sprengel wurden aber von ihren Zeit-
genossen wenig beachtet, zum Teil auch energisch
bekämpft und gerieten später immer mehr in Ver-
qessenheit, bis nach C. Darwins epochemachenden
Untersuchungen der V. allgemeines Interesse ent-
gegengebracht wurde. Außer Darwin selbst haben
sich nun in neuerer Zeit namentlich H. Müller,
Delpino, Hildebrand und F. Müller um die Erfor-
schung der die Fremd- oder Eigenbestäubung sichern-
den Einrichtungen verdient gemacht. Die verschie-
denen Schutzmittel der Blüten wurden speciell von
Kerner beschrieben. - Vgl. Kölreuter, Vorläufige
Nachricht von einigen das Geschlecht der Pflanzen be-
treffenden Versuchen und Beobachtungen (Lpz. 1761
-66); Ch. K. Sprengel, Das entdeckte Geheimnis
der Natur im Bau und in der Befruchtung der
Blumen (Berl. 1793; Faksimiledruck, ebd. 1893);
C. Darwin, Die verschiedenen Einrichtungen, durch
welche Orchideen von Insekten befruchtet werden
(2. Aufl., Stuttg. 1877); ders., Die verschiedenen
Blütenformen an Pflanzen der nämlichen Art
(ebd. 1877); H. Müller, Alpenblumen, ihre Be-
fruchtung durch Insekten und ihre Anpassungen an