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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Braunschweig (Stadt) - Brefeld
licher Besitzer (seit 1893) zu Helmstedt-Marienberg.
Der Bau einer Heimstätte für Genesende bei Stiege
am Harz durch die Invaliditäts- und Altersversiche-
rungsanstalt B. ist (1896) begonnen.
Geschichte. Der 28. Jan. 1890 eröffnete ordent-
liche Landtag genehmigte den Staatsvertrag mit der
Krone Preußen über die preußischerseits zu bauende
Eisenbahn von Ilsenburg nach Harzburg und er-
mächtigte die Regierung zu Gewährung einer nicht
rückzahlbaren Beihilfe bis zu 230000 M. an die
Gernrode-Harzgeroder Eisenbahngesellschaft zum
Bau einer Schmalspurbahn von Güntersberge über
Stiege nach Hasselfelde. Aus den Verhandlungen
des 21. ordentlichen Landtags (1892) gingen hervor
eine neue Städte- und eine neue Landgemeindeord-
nung, ferner die Gesetze über das Schlafgängerwesen,
die Unterbringung von Arbeitern in Arbeiterkasernen
und über Errichtung einer Sparkasse in Verbindung
mit der Leihhausanstalt. Auf dem 22. ordentlichen
Landtage (1894) kamen Gesetze über die Aufsuchung
und Gewinnung des Steinsalzes, der Kali- und
Magnesiasalze u. s. w. und über die Verwaltungs-
recktspflege zum Abschluß. Der dem 23. Jan. 1896
eröffneten Landtage zugegangene Gesetzentwurf über
Einführung einer Einkommensteuer, die sich eng an
das preuß. Einkommensteuergesetz von 1891 an-
schließt, gelangte nach eingehenden Verhandlungen
in der Hauptsache durch vorläufige Bewilligung der
Einkommensteuer auf zwei Jahre zur Annahme, nach-
dem durch Vereinbarung mit der Negierung festgestellt
worden war, daß derselbe als ein erster Schritt zu
einer Neuordnung des gesamten staatlichen Steuer-
systems anzusehen und über eine bezügliche Neu-
ordnung sowie über eine Reform des Landtagswahl-
Zesetzes mit dem nächsten Landtage zu verhandeln
lei. Eine weitere Vereinbarung mit den Ständen
erfolgte wegen der Übernahme der Vaugewerken-
schule in Holzminden durch die dortige Stadt.
Litteratur. Beiträge zur Geologie und Paläon-
tologie des Herzogtums B., hg. von der Direktion
der Bergwerke (Vraunschw. 1894 fg.).
^ Braunschweig (hierzu ein Stadtplan nebst
Verzeichnis der Straßen und Gebäude), Stadt, hat
(1895) 115138 (56 003 männl., 59135 weidl.) E.,
darunter 7591 Katholiken und 819 Israeliten,
d. i. eine Zunahme seit 1890 um 14091 Per-
sonen oder 13,95 Proz., 0547 Wohnhäuser, 26 244
Haushaltungen und Anstalten. Die Zahl der Ge-
burten betrug 1895: 3947, der Eheschließungen 975,
der Sterbefälle (einschließlich Totgeburten) 2579. In
Garnison liegt ferner das 3. Bataillon des Infan-
terieregiments Nr. 92. Der Dom hat 1892 eine
neue Taufkapelle erhallen. Der Bau von zwei neuen
evang. Kirchen ist beschlossen. Unter den neuern Bau-
ten sind hervorzuheben das 1893-95 nach Plänen
von Wiehe errichtete Finanzbehördenhaus und das
1893-95 von Pfeifer mit einem Kostenaufwande
von 2^/2 Mill. M. aufgeführte neue Landeskranken-
haus. Ein neues Rathaus nach Plänen von Winter
(Kostenanschlag 1819500 M.) fowie eine städtifche
Markthalle (1896) sind im Bau begriffen; bei dem
städtischen Schlachthause ist der Bau einer Kühl-
hallenanlage 1896 vollendet. Für ein Denkmal des
Herzogs Wilhelm hat der Landtag 300000 M.
bewilligt. Die 1886 begonnene Kanalisation ist
größtenteils durchgeführt, wofür (bis Ende 1895)
4303000 M. aufgewendet sind. Die bei Waten-
büttel - Steinhof angelegten Rieselfelder (400 Iia
Fläche) sind seit 1895 teilweise im Betrieb. Behufs
Anlage einer neuen Trinkwasserleitung sind im Nor-
den nahe der Stadt Bohrungen ausgeführt. Die
von den beiden städtischen Gaswerken 1896/97 zu
erzeugende Gasmenge ist auf 4 750000 odm ver-
anschlagt, davon etwa 9 Proz. Heiz- und Kraftgas.
Der Haushaltsplan für 1896/97 schließt in Ein-
nahme und Ausgabe mit 2 750800 M. ab. An
Gemeindesteuern sind aufzubringen 1774000 M.,
d. i. 15 M. auf den Kopf der Bevölkerung. Die
Festsetzung geschieht seit 1893 größtenteils auf Grund
des Selbsteinfchätzungsverfahrens. Von der Ge-
samtausgabe, zu welcher ein Staatszuschuß von
177 700 M. erfolgt, entfallen auf Unterrichtswesen,
Kunst u. s. w. 967 000 M., auf Ortspolizei (Straßen-
beleuchtung, -Reinigung und -Besprengung, Nacht-
wachenwcsen u. dgl.) 354000 M., Straßen- und
Kanalbau 214300 M., Armenpflege 226 600 M.,
Schuldentilgung und Verzinsung 499 200 M. und
auf die Stadtverwaltung 234800 M.
Anf der Staatsbahn (Haupt- und Ostbahnhof,
letzterer nur für Güter) kamen 1895/96 an 428 7215
Fracht- und Eilgüter, 3699 Stück Groß- und 9159
Stück Kleinvieh, es gingen ab 163 559 t, 3878 Stück
Großvieh, 3855 Stück Kleinvieh, 848514 Personen
wurden abgefertigt. Die braunfchweigifche Landes-
eifenbahn beförderte 1895 nach B. 62533 Personen,
205 777 t Güter und 26670 t Vieh, von B. 62 342
Personen, 71220 t Güter und 2342 Stück Vieh.
Die Einführung des elektrischen Betriebes auf der
Pferdebahn steht bevor; der Bau einer elektrischen
Straßenbahn nach Wolfenbüttel ist geplant. 1895
gingen ein 8642738 Briefe, Postkarten, Druck-
sachen und Warenproben, 566486 P(Me ohne,
15304 mit Wertangabe, 45746 Briefe mit Wertan-
gabe. Abgesandt wurden 21523138 Briefe u. s. w.,
706 028 Pakete ohne, 11512 mit Wertangabe, 37 942
Briefe mit Wertangabe. Auf Postanweisungen wur-
den eingezahlt 23229357 M., ausgezahlt 34741787
M. Zcitungsnummern wurden abgesetzt 5 302020.
Telegramme gingen ab 134134, liefen ein 143 791.
Braunfchweigische Südharzbahn, f. Harz
babnen.
Brauns Mittel gegen Neuralgie und
Magensch wache, s. Geheimmittel.
^Bray,Otto(5amillusHugo,Grafvon,trat1896
in den Ruhestand. Sein Sohn Graf Hipp olyt Lud-
wig B. wurde im Okt. 1894 aus Lissabon, wo er den
deutschen Gesandtschaftsposten bekleidete, abberufen
und zum deutschen Gesandten in Stockholm ernannt.
Bredichin, Theod.(FcdorAlerandrowitsch), russ.
Astronom, geb. 8. Dez. 1831, studierte in Moskau
und im Auslande, war langjähriger Direktor der
Sternwarte in Moskau und zugleich Professor an
der dortigen Universität und ist seit 1890 Mitglied
der Petersburger Akademie der Wissenschaften und
bis 1895 Direktor der Nikolai-Hauptsternwarte in
Pulkowa. V.s Untersuchungen beschäftigen sich
hauptsächlich mit der Theorie der Form der Kome-
tenschweife und sind im wesentlichen in den Annalen
der Moskauer Sternwarte veröffentlicht.
Brefeld, Ludw., preuß. Minister für Handel
und Gewerbe, geb. 31. März 1837 in Telgte, stu-
dierte in Bonn, Heidelberg und Berlin die Rechte,
wurde 1857 zum Auskultator, 1859 zum Nefcrcn-
dar, 1863 zum Gerich tsassessor ernannt und war
dann nacheinander bei der Kreisgerichtsdeputation
in Recklinghausen, bei dem Landgericht in Koblenz
und beim Kreisgericht in Arnsberg beschäftigt.
Nach einem längern Aufenthalt in Frankreich trat