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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budapest
zum Stadtwäldchen (s. unten) führen. Namentlich
die letztere Straße, 2,3 km lang und bis zum Ok-
togon 34 m, dann 46 m breit, bietet mit ihren groß-
artigen Monumentalbauten einen prächtigen An-
blick. Zuerst gelangt man auf ihr zum Oktogonplatz,
dann ^im Rondeau, einem von Palästen eingefaßten
runden Platz (X(>i'öncl). Am Ende der Andrässy-
straße befindet sich der 970 m tiefe Artesische Brun-
nen (Wärme des Wassers 74° 0., tägliche Menge
12000 KI), links davon der Tiergarten, rechts das
Industriepalais der Ausstellung. An Plätzen sind
zu nennen in Ofen: der Georgsplatz, der Parade-
und der Haupt- und Dreifaltigkeitsplatz; in Pest:
der Franz-Iosephs-Platz, auf den die Kettenbrücke
mündet, der Petöft-, Schwur- (L8küt6r), Gisela-,
Deak-, Rathaus-, Calvin-, Universitäts-, Elisabeth-,
Iosephsplatz, endlich der Platz vor dem großartigen
neuen Parlamentsgebüude an der Donau. Am
4. Okt. 1896 wurde die auf Grund des Gesetzartikels
14 vom I. 1893 im Sept. 1894 im Bau begonnene
Franz-Josephs-Donaubrücke, welche die am südl.
AbHange des Blocksberges gelegenen Teile Ofens
mit Pest (Zollamtsring) verbindet, durch Kaiser
Franz Joseph feierlich eröffnet.
Denkmäler. In Ofen steht am St. Georgsplatz
das Hentzy-, am Paradeplatz das Honveddenkmal
(1893) von Zala, zur Erinnerung an die Freiheits-
kämpfe 1848-49; in Pest auf dem Franz-Iosephs-
Platz erheben sich die Denkmäler von Stephan Sze-
ckenyi, von Ios. Engel und von Franz Deäk, in der
Nähe am Eötvösplatze das des Barons Joseph Eöt-
vös, am Petöfiplatze das des Dichters Petösi-San-
dor (die letzten drei von Huszär), auf dem Calvin-
platz ein schöner monumentaler Brunnen, Danubius
mit den allegorischen Figuren der Theiß, Dräu und
Save darstellend. Vordein Nationalmuseum stebtdas
Erzdenkmal des ungar. Dichters Arany, von Strobl
<1893), sowie im benachbarten Park die Büsten der
ungar. Dichter Berszenyi, Kisfaludy und Kazinczy.
Am Ende der Kerepeser Straße soll ein Denkmal
des 1892 verstorbenen Handelsministers Baroß er-
richtet werden; ebenso ist ein Reiterstandbild des
Grafen Julius Anorässy am Ende der Andrässy-
straße geplant. Am Ioscphsplatz befindet sich das
Monument des Erzherzogs Joseph, der als Palatin
von Ungarn 1796-1846 große Popularität genoß,
in Erz nach Halbigs Modell (1869). Au'f dem
großen Kerepeser Friedhof die Mausoleen des 1849
erschossenen Grafen Ludwig Batthyany, Deaks (von
Strobl) und Kossutbs, sowie das Denkmal des Bild-
hauers Izsö (von Mätrai).
Kirchen. In Ofen erhebt sich die Hauptpfarr-
oder Matthiaskirche, eil: roman. Bau, angeblich von
König Bela IV. im 13. Jahrh, erbaut, während
der Türkenherrschaft 150 Jahre Moschee, dann im
Barockstil restauriert und in dcn letzten Iabren nach
Schuleks Plänen stilgerecht (Spätgotik) ebenso wieder
hohe Turm mit dem Wappen des Königs Matthias
Corvinus erneuert und 1896 geweiht. 1867 fand
hier die Krönung Franz Josephs zum König und
seiner Gemahlin Elisabeth zur Königin von Ungarn
statt. Die Garnisonkirche auf dem Ferdinands-
platz ist ein got. Bau aus dem 13. Jahrh, und ent-
hält das Grabmal Andreas' III. In Pest ist die
prächtigste Kirche die Leopoldstädter Basilika, ein
96 m hoher Kuppelbau, der 1851 von Hild be-
gonnen und nach dessen Tode von Ml nach neuen
Plänen vollendet wurde. Die älteste Kirche ist die
Stadtpfarrkirche, deren rückwärtiger Teil gotifch
(um 1500) ist, während die barocke Facade 1726 er-
baut wurde. Die Kirche wurde 1890 restauriert.
Am Bakätsplatz liegt die fchöne roman. Franz-
städter Kirche von M (1867-74), mit Fresken von
Lotz und Thau. Außerdem sind noch zu erwähnen:
die Universitätskirche, die Christinenstädter Kirche,
die evang. Kirche (in Ofen), die Steinbrucher und
Herz-Jesu-Kirche (1891), die reform. Kirche, die
kleine griech. Kirche, die griech.-unierte Kirche, die
schöne Synagoge, ein Ziegelrohbau im maur. Stil
von Förster, und die orthodoxe Synagoge, von
Wagner und Kallina im byzant. Stil 1872 erbaut.
Besonders interessant ist die nahe beim Kaiserbad
in Ofen, mitten in Weinbergen befindliche kleine,
achteckige türk. Moschee, welche eine 8 in hohe, mit
Schindeln gedeckte Kuppel und mit dem Halbmond
geschmückte Türmchen besitzt. In ihr befindet sick
das Grab eines türk. Heiligen, des Scheichs Gül-
Baba (des Rosenvaters). Im Karlowitzer Frieden
1699 hat sich der Kaiser zur Erhaltung dieser Mo-
schee der Pforte gegenüber verpflichtet.
Weltliche Bauten. Zu erwähnen sind ferner in
Ofen: das Zeughaus, welches jetzt zum Bau der
neuen Hofburg (Alois von Hauhmann) hinzugenom-
men wird, das neue Palais des Honv^d-(Landesver-
teidigungs-) Ministeriums, der Palast des Minister-
präsidenten, dann das Ofener Stadthaus, das Pä-
dagogium mit dem Landeslehrmittelmuseum, das
Brück-, Naitzen-, das Kaiser- und das prachtvolle St.
Lukasbad mit Schwimmbassins, Schlammbad, Kon-
zertsälen und Hotel; in Pest: auf dem Franz-Iosephs-
Platz die Akademie der Wissenschaften, die Paläste
des Prinzen von Coburg, der Gresham und der
Oberstadthauptmannschaft, das Dianabad und das
Handclsstandgebäude des Pester Loyds, der Palast
der ungar. Ässekuranzgesellschaft; in der Sändor-
gasse, dem Museum gegenüber, das 1866 von Ml
erbaute Abgeordnetenhaus, das Polytechnikum, das
Physiologische Institut, die Paläste der Grafen
Wenckheim, Kärolyi, Festetics und des Fürsten Ester-
hazy, die im Umbau begriffene Universität, das 1875
von Fellner und Helmer erbaute Volkstheater, das
1895-96 von demselben erbaute Neue Lustspielthea-
ter und die 1892 erbaute Gewerbeschule. Das Neu-
gebäude, eine von Kaiser Joseph II. 1786 erbaute
riesige Kaserne, soll zu Stadterweiterungszwecken
niedergelegt werden. In der Nähe des großartigen
Parlamentsgebäudes, in dem 8. Juni 1896 anläß-
lich des Huldigungsfestzuges die erste (Fest-) Sitzung
stattfand, befinden sich die Neubauten der königl.
Kurie und der Oberstaatsanwaltschaft, mit einer aus
Kupfer getriebenen Triga, vom Bildhauer Karl
Sennyei, des Ackerbau- und des Justizministeriums,
der neue Iustizpalast mit schönem, freskengefchmück-
tcm Schwurgerichtssaal und großem Zcllengefäng-
nis, das österr. Delegationsgebäude, das leopold-
städtische neue Kasino, die Centralmarkthalle und die
vier Detailmartthallen, dann der Palast des Jour-
nalisten-Pensionsfonds. Am Elisabethring erbebt
sich der Palast der Versicherungsgesellschaft "Neu-
york" mit einem prächtigen Cafe'. Das Stadtwüld-
chen im Nordostcn der Stadt umfaßt 116 da und war
1896 der Schauplatz der großartigen Millmniums-
ausstellung (s.d.). An der Etephaniestraße befindet
sich der Parktlub im Barockstil. Das neue Logenge-
bäude ist im Juni 1896 eröffnet worden. Großartige
Bauten sind ferner der Ungarische Westbahnhof, ein
polychromer Ziegelrohbau von Serres, und der Un-
garische Ostbahnhof, mit großem Portal von Rochlitz.