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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Budde - Buddhismus
Statsztikai havifűzetei (Monatshefte des Budapester Kommunal-Statistischen Bureaus) von Körösi.
*Budde, Johann Friedrich, starb 7. Jan. 1894 in Rostock.
Budde, Karl Ferdinand Reinhard, prot. Theolog, geb. 13. April 1850 zu Bensberg bei Köln a. Rh., studierte 1867-73 mit Unterbrechung durch den Feldzug in Bonn, Berlin und Utrecht, habilitierte sich 1873 in Bonn für alttestamentliche Theologie, wurde 1879 außerord. Professor daselbst, 1889 in Straßburg, wo er im Herbst 1889 zum ord. Professor ernannt wurde. B. schrieb: "Beiträge zur Kritik des Buches Hiob" (Bonn 1876), "Die biblische Urgeschichte (Gen. 1-12, 5) untersucht" (Gieß. 1883), "Die Bücher Richter und Samuel, ihre Quellen und ihr Aufbau" (ebd. 1890), "The Books of Samuel, critical edition of the Hebrew text printed in colors exhibiting the composite structure of the book with notes" (Lpz., Baltimore, Lond. 1894; 8. Teil von "The sacred books of the Old Testament"), "Das Buch Hiob, übersetzt und erklärt" (im "Handkommentar zum Alten Testament", hg. von Nowack, Gött. 1896). Ferner bearbeitete B. die deutsche Ausgabe von Kuenens "Volksreligion und Weltreligion" (Berl. 1883) und von dessen "Gesammelten Abhandlungen zur biblischen Wissenschaft" (Freib. i. Br. 1894) sowie die 8. Aufl. von Hollenbergs "Hebr. Schulbuch" (Berl. 1895). Abhandlungen von ihm erschienen in der "Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft" (Gießen) und in den "Preuß. Jahrbüchern" (Berlin).
Buddhismus. Der alte B. kannte keinen Kult von Gottheiten (s. Buddha, Bd. 3). Doch kommen in den Sûtras (Jâtakas u. s. w.) eine Reihe von Gottheiten vor, welche eine hervorragende Rolle spielen, besonders der alte vedische Gewittergott Indra unter dem Namen Çakra (Pali: Sakka), die sog. Welthüter (Lokapâlâs), der im Himalaja wohnende Reichtumsgott Vaiçravaṇa (Pali: Vessavana), die Göttin des Glückes Çri (Pali: Siri und ihre dunkelfarbige Gegnerin Kâli, die Vorstufe der spätern vielverehrten Hindugöttin. Sakka besonders wacht über die Religion des Buddha (s. Indische Religionen). Ein Gegensatz zwischen den Buddhisten und den Anhängern brahmanischer Kulte besteht nicht; nur wird gegen blutige Opfer Front gemacht. Daneben erscheinen eine Menge Lokalgötter, Baum- und Hausgötter u. s. w. Sie feinden bisweilen den Buddhisten an; so erzählt eine Legende, daß die Thorgöttin des Hauses des Anathapindika, des Wohlthäters Buddhas, diesem feind wurde, als er durch unvorsichtiges Almosen bankrott wurde. Buddha machte ihr klar, sie müsse sich aussöhnen; sie befolgt den Rat, indem sie dem Verarmten einen vergrabenen Schatz zeigt. Wiederholt wird erzählt, wie Buddha in einem seiner Lebensläufe Dämonen, Blutsauger, Menschenfresser u. s. w. bändigt und ihnen bessere Wiedergeburten verheißt. In diesen Legenden der südl. Kirche liegt der Keim zur Eingliederung des ganzen brahmanischen Systems, die später ja auch erfolgte.
In allen Schulen ist heute etwa folgende Vorstellung von der Welt maßgebend. Eine Schöpfung ist unbekannt; es existieren unzählige Welten. Der Mittelpunkt unserer Welt ist der Berg Meru, der etwa schirmförmig 84000 Meilen über das Meer, welches seine untere Hälfte bedeckt, hervorragt. Auf unserm Erdteil (Jambudvipa) erscheinen die Buddhas. Der heilige Feigenbaum zu Buddhagayä ist der Mittelpunkt von Jambudvipa. Der Ocean, welcher die Erde umgiebt, wird durch einen ungeheuren Eisenwall ringförmig eingeschlossen, jenseit desselben ist eine neue Welt mit einer eigenen Sonne u. s. w. Unter dem Berge Meru sind die Hollen (heiße und kalte). An dem Berge sind vier Absätze; dort wohnen die niedern Gottheiten der Mythologie, die Garudas mit menschlicher Bildung, aber Vogelschnäbeln und Flügeln, die Nägas (Schlangen) meist in menschlicher Bildung mit Schlangen als Kopfputz u. s. w.; ihre Fürsten sind die erwähnten Lokapälas (s. die Figuren unten auf Tafel: Buddhismus III, Fig. 6). über der Erde folgt der unterste Himmel, wo Sakka wobnt. Im viertnächsten der noch weiter und in immer größern Zwischenräumen ansteigenden Himmel wohnen die Bodhisatvas oder die Kandidaten der Buddhawürde, bevor sie zur letzten Existenz, zur Verkündigung der Wahrheit auf die Erde herabsteigen; dort wohnt jetzt Maitreya, der Bodhisatva des Gautama Buddha, über diesen Himmeln erheben sich die der "Formen" (rûpadhâtu), welche in vier Meditationsstufen (dhyâna) eingeteilt werden: sinnlich dargestellte Grade der Beschauung, über diesen Rûpadhâtus erheben sich noch vier Terrassen von Welten ohne Form (arûpadhâtu), die wieder in vier Regionen eingeteilt werden: die Region des unbegrenzten Raumes, die des unbegrenzten Wissens, die Region, wo durchaus nichts ist, die Region, wo es weder Denken noch Nichtdenken giebt. Darstellungen des Weltsystems zeigen darüber noch das Bild einer in Gold und Juwelen strahlenden Stadt: die Stadt Nirvana. Die zahllosen Perioden der Zerstörung und Erneuerung einer Welt heißen Kalpa.
Je nach den guten oder bösen Handlungen eines Wesens ergeben sich die Wiedergeburten in Himmel oder Hölle, und wenn Lohn und Strafe dort erschöpft sind, tritt eine neue Existenz ein, indem das Facit der Handlungen das Karman (Pali: kammaṃ), die Identität mit dem neu entstehenden Wesen, vermittelt. Nur die menschliche Wiedergeburt kann zur Erlösung aus dem Kreislauf der Geburten (sansâra) führen. Der Weg dazu ist durch Buddhas Lehre vorgezeichnet, aber jeder einzelne muß seine eigene Erlösung bewirken, indem er den vorgeschriebenen Pfad betritt. Eine Vergebung der Sünden giebt es nicht; der Mensch ist allein für jede seiner Handlungen verantwortlich und muß allein die Folgen tragen.
Der Weg zur Erlösung und Heiligung, der "heilige achtgliedrige Weg", wird beschritten auf vier Stufen auf Grund der "vier Wahrheiten" (âryâni satyâni). Die erste Stufe, "das Eintreten in den Strom" (sotâpatti), beseitigt die Unreinheit der Sünde und der Feindschaft, läßt die vier Wahrheiten klar erkennen, beseitigt die Zweifel an Buddha, den Glauben an die Wirkung des brahmanischen Opfers. Die zweite Stufe läßt Lust, Haß, Selbsttäuschung reduzieren; das in dieser Stufe stehende Wesen hat nur noch einmal in der Welt zu erscheinen als Mensch oder als Gott (sakadâgâmi). Auf der dritten Stufe werden die letzten Überbleibsel von Sensualität und Übelwollen zerstört, so daß im Herzen keine Lust und keine Abneigung mehr aufsteigt (anâgâmi); der auf dieser Stufe stehende wird nur noch in Götterhimmeln wiedergeboren. Auf der vierten Stufe endlich wird der Meditierende frei von allem Verlangen nach materieller oder immaterieller Existenz, von Stolz, Selbstgerechtigkeit u. s. w., er erkennt alle Dinge in ihrem wahren Werte, birgt kein Übelwollen mehr in seinem Herzen, sondern hegt die zärtlichste Liebe zu