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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutschland und Deutsches Reich
Reichsversicherungsgesetz noch nicht gekommen ist.
Preußen hat die im Anfang der achtziger Jahre
eingeführte Staatsaufsicht erweitert (1892 für die
Lebensversicherung, 1893 für die Feuerversicherung)
und damit manche der ausländischen Riesenanstalten
(namentlich die amerikanifchen) zum Rückzüge ver-
anlaßt. Auch Baden, Württemberg und beson-
ders Bayern haben Vorschriften erlassen und üben
ihr Aufsichtsrecht zum Teil in ziemlich rigorofer
Weife aus. Den größten Teil der Geschäfte beforgt
die Privatversicherung, und zwar hat D. (1894) 320
große Versicherungsgesellschaften, die zum Teil meh-
rere Branchen betreiben. Sie zerfallen in folgende
neun Gruppen: 57 Lebensversicherung^ (22 Attien-,
35 Gegenfeitigkeits-) Gesellschaften; 49 Feuerver-
sicherungs- (29 Aktien-, 20 Gegenseitigkeits-)Gesell-
20 Unfallversicherung^ (17 Aktien-, 3 Gegenseitig-
keits-) Gesellschaften; 15 Glasversicherungs- (11
versicherungs- (5 Aktien-, 19 Gegenseitigkeits-)Ge-
sellschaften; 1 Aktiengesellschaft zur Versicherung
gegen Wasserleitungsschädcn; 45 Aktien-Transport-
versich erungs-, 22 Viehversicherungs- (auf Gegen-
seitigkeit) und 33
Diese Gesellschaften hatten am Schlüsse des Jahres
269^ einen Reingewinn von 88,7 Mill. M., ein Aktiv-
vermögen von 2089,9 Mill. M., vereinnahmten
(1894) 618,i Mill. M. an Prämien und zahlten
278,6 Mill. M. Entschädigungen, hiervon fielen auf
die Lebensversicherung 91,2, Feuerversicherung 91,5,
Transportversicherung 32,9 Und Rückversicherung
38,5 Mill. M. Außerdem giebt es noch eine große
Anzahl Versicherungsvereine, z. B. in Preußen allein
242 für Feuerversicherung, deren Aktiven aber zu-
sammen nur 4,2 Mill. M. betragen.
Auf Grund des Krankenversicherungs-
gesetzes bestanden 1894:8302 Gemeindekrankenkassen
(mit 1254058 Mitgliedern), 4410 Orts- (3326333),
6591 Fabrik- (1846772), 106 Bau-(31878), 507
Innungs- (100727). 1375 eingeschriebene (662697),
261 landesrechtliche (60114), zusammen 21552
Krankenkassen mit 7 282609 Mitgliedern.
Bei der Unfallverficherung der 64 gewerblichen
Berufsgenossenschaften waren 1894 (1895) in 426 335
(435137) Betrieben 5243965 (5409218) Arbeiter
beteiligt, der 48 landwirtschaftlichen in 4793256
(4813572) Betrieben 12289415 (12289415), ferner
in staatlichen Betrieben (Post, Eisenbahn, Forsten
u. s. w.) 617616, bei 252 Provinzial- und Kommu-
nalbehörden 40 751, zusammen 18191747 männliche
und weibliche Arbeiter versichert. Die anzurechnen-
den Lohnbeträge der bei den gewerblichenVerufs-
genossenschaften Versicherten beliefen sich auf 3431,7
(3577,4) Mill. M. Die Gefamtausgaben betrugen
64,i (davon Entschädigungen 44,3) Mill. M. Der
Reservefond war 1894 auf 114,i Mill. M. gestiegen.
1894 kamen an 47648 Personen 10,2 Mill. M. als
Invalidenrente und an 34132 Personen 24,5Mill.M.
als Altersrente zur Auszahlung. Die Einnahmen
der 31 Versicherungsanstalten betrugen 101,3, die
Ausgaben 32,5, die Rücklagen zum Neservefond
7,3 Mill. M. Das Vermögen derselben erreichte
1893: 304,3 Mill. M.
Verkehrswesen. Seeschiffahrt. Der Bestand
der deutschen Handelsmarine belief sich 1. Jan.
1896 auf 3592 Schiffe mit einer Ladefähigkeit von
1502044 Negistertons netto, während im I. 1894
die entsprechenden Zahlen 3729 und 1522 058, im
1.1893 aber 3728 und 1511579 betragen hatten.
In dem zwanzigjährigen Zeitraum 1876-96 hat
die Zahl der Schiffe um etwa ein Viertel abgenom-
men, ihr Raumgehalt aber sich um rund ein Drittel
vermehrt. Der Nettoraumgehalt der Seeschiffe wird
nach der Schiffsvermessungsordnung vom 1. März
1895 im allgemeinen niedriger gemessen, als nack
der früher geltenden. Bei322Dampf-und158Segel-
fchiffen, welche im 1.1895 neu vermessen worden
sind, hat sich dadurch eine Verminderung des Netto-
raumgehalts von 52029 Registertons ergeben. Le-
diglich infolgedessen zeigt der diesjährige Bestand
der deutschen Seeschiffe dem Nettoraumgehalt nach
eine Abnahme gegen das Vorjahr, nachdem er seit
1889 ununterbrochen gestiegen war. Die Vermin-
derung der Schiffszahl ist ausschließlich den Segel-
schiffen zuzuschreiben, welche in dem gedachten Zeit-
raum von 4303 auf 2524 zurückgegangen sind, wäh-
rend umgekehrt die Dampferflotte sich von 299 auf
1068 vermehrt hat. Hieraus und aus dem Umstände,
daß die abgängig werdenden Schiffe meist durch grö-
ßere Schiffe erfctzt werden, erklärt sich die starke Zu-
nahme der durchschnittlichen Ladefähigkeit, welche
allein in dem kurzen Zeitraum 1890-96 von 367
auf 418 Registertons gestiegen ist.
Für die Beurteilung des Wertes einer Handels-
flotte ist indessen nicht allein Zahl und Ladefähigkeit
ihrer Schiffe, sondern auch ihre Leistungsfähigkeit
infolge schnellerer Reisen von Belang. Diese wird
in der Weise mit veranschlagt, daß man die Trans-
portfähigkeit einer Registertonne auf Dampfern
gleich jener von drei Segelschiffen ansetzt, also die
Ladefähigkeit der Dampferflotte mit 3 multipliziert
und zur Ladefähigkeit sämtlicher Segelschisse c6ck^5.
So erhält man für die Gesamttransportfähigkeit der
deutschen Flotte folgende Ziffern:
Jahre
Raumgehalt in Registertons (netto)
Leistungsfähigkeit in Registertons (netto)
Dampfer
Segelschiffe
zusammen

1851 1861 1871 1881 1891 1896
5 512 26611 81994 215 758 723 652 879 939
518 312 783 623 900 361 965 767 709 761 622 105
523 824 810 234 982 355 1 181525 1433 413 1 502 044
534 800 863 400 1146 400 1 613 200 2 880 900 3 261922
Bei dieser Verechnungsweise ist die deutsche Handels-
flotte die zweite der Welt und der ihr zunächst kom-
menden Flotte der Vereinigten Staaten erheblich
überlegen. Bei der gebräuchlichen Abstufung nach
der Ladefähigkeit der Flotte dagegen nimmt Deutsch-
land den dritten Rang ein, wobei jedoch zu bedenken
ist, daß die Vereinigten Staaten in ihrer Statistik
die Binnenseeschisfahrt mitrechnen.
Die Frachtfähiqkeit der deutschen Handelsflotte
hat sich also seit Mitte des 19. Jahrh, versechsfacht,
während der Nettoraumgehalt nur auf das Drei-
fache gestiegen ist. Das zeigt das rapide Anwachsen
der Dampferflotte. Da die Statistik unter den Segel-
schiffen Leichterfahrzeuge, Schleppkähne und Küsten-
frachtschiffe mitzählt, wird der überfeeifche Fracht-
verkehr der deutschen Flotte schon jetzt hauptsächlich
von Dampfern ausgeführt.
Die Segelflotte nimmt feit 1881 stark ab, während
die Dampfcrflotte seit demselben Jahre viermal
größer geworden ist. Die Entwickelung verdeutschen
Handelsflotte nach den beteiligten Staaten s. die
Übersicht ^ auf S. 313. Betrachtet man die Flotten
der einzelnen deutschen Seeuferstaaten, so ist beson-