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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Develle - Diastase
Leutwein rückte nach Eintreffen von Verstärkungen
Anfang Mai 1694 gegen die Naukluft vor, woyin
fich Witboi zurückgezogen und wo er sich verfchanzt
hatte. Unter unsäglichen Strapazen und nach Um-
zingelung des schluchtenreichen Gebirgsstocks glückte
ihm 27. Aug. 1894 die Erstürmung der Naukluft.
Am 15. Sept. ergab sich Witboi der deutschen
Schutzherrschaft. Unter der Bedingung friedlichen
Verhaltens wurde ihm der Aufenthalt in Gibeon,
inmitten feiner Stammesgenoffen, gewährt. Er
hielt, was er versprach; ja 16. Nov. 1895 erklärte
er in einem feierlichen Vertrag, daß er "mit allen
waffenfähigen Männern unbedingt und unverzüglich
auf den Ruf Sr. Maj. des Deutschen Kaisers Heeres-
folge leisten werde". Im Früyjahr 1890 empörten
sich die Khauas-Hottentotten und ein Teil der Herero;
sie wurden am 5., 18. und 19. April besiegt; Major
Leutwein, unterstützt von Hendrik Witboi, erstürmte
6. Mai die Werft des tzererohäuptlings Kahimema,
der 14. Mai mit dem ganzen Khauastamm ge-
fangen genommen wurde, während sich der andere
Führer des Aufstandes, Nikodemus, freiwillig stellte.
Beide Häuptlinge wurden kriegsgerichtlich zum Tode
verurteilt und 11. Juni erfchossen. Hiermit war die
Empörung bewältigt, so daß die Verstärkung von
400 Mann, die 31. Mai Hamburg verlieh, nicht mehr
in Thätigkeit zu treten brauchte.
Litteratur. Zu den besten Werken über D. ist
als neuestes zu zählen: H. von Francois, Nama
und Damara (Magdeb. 1895); F. I.'von Vülow,
Deutsch-Südwestafrika (2. Aufl., Verl. 1896).
^Develle, Jules Paul, erhielt auch unter Ribot
(Dez. 1892) das Ministerimn des Ackerbaues wieder.
Bei der Rekonstruktion dieses Kabinetts übernahm
er im Jan. 1893 das Ministerium des Lluhern, be-
hielt es auch unter Dupuy (April 1893), trat aber
mit diesem 20. Nov. 1893 zurück.
^Devonshire, Spencer Cavcndish, Herzog von,
wurde 25. Juni 1895 im dritten Kabinett Salis-
bury Vorsitzender des Geheimen Rats und über-
nahm zugleich die sachlich weit wichtigere Leitung
des obern Rats der Landesverteidigung.
Dcvofa, der 337. Planetoid.
* Devrient, Otto, starb 23. Juni 1894 in Stettin.
De^trinase, s. Diastase.
Dhünn, Dorf im Kreis Lennep des preusi.
Neg.-Vez. Düsseldorf, an der Dhüne. hat (1895)
2030 E., Post, Fernsprechverbindung, evanq. Kirche;
Wollspinnerei, Weberei, Bandwirkerei, Tuchfabri-
kation und Hammerwerte.
* Diagramm, f. Graphische Darstellung.
^ Diakonissenanstalten. Von den D. in Berlin
hat das Elisabethkrankenhaus (1896) 131 Schwestern,
Bethanien 303 Schwestern, das Lazaruskrankenhaus
79, das Paul-Gerhardt-Stift 191, das Magdalenen-
stift (seit 1888) 67 Schwestern. Die Vrüdergemeine hat
ihre Diakomssenanstalt in Niesky, die separierte
evang.-luth. Kirche in Guben. Die von Kaiserswcrth
aus begründete "Generalkonferenz evangelischer D.
innerhalb der Landeskirchen" umfaßte 1894: 45
deutsche und 23 anßerdeutsche D. Dieser General-
konferenz nicht angeschlossen haben sich Schwäbisch-
Hall und Kinklernühle. Organ ist "Der Armen- und
Krankenfreund", hg. von G. Fliedner (Kaisers-
werth). - Vgl. noch Disselhoss, Das Diakonissen-
Mutterhaus zu Kaiserswerth a. Rh. und seine
Töchteryäuser (Kaisersw. 1892).
^Diakonissinnen. Man zählte 1894:73 Mutter-
häuser. Die zur Kaiserswerther Generalkonferenz
(s. Diakonissenanstalten) gehörigen 45 Mutterhäuser
batten 1895: 8128 Schwestern in 2963 Stationen.
Die jährlichen Einnahmen betrugen über 7^ Mill.
M. - Vgl. Goetz, Der Diakonissenberuf in seinen
Grundanschauungen und seiner Ausgestaltung in
den Diakonissenhäusern (Gotha1890); Wacker, Der
Diakonissenberuf (2. Aufl., Gütersloh 1891); F.
von Meyer, Von den D. und ihrem Beruf (3. Aufl.,
Münch. 1892).
* Diamant. Die früher gefundenen D. werden
alle an Größe durch einen 1893 zu Iagersfontein
im Oranje-Freistaat gefundenen D. < Excel fior)
von 971^/4 Karat übertroffen. - Die Aufgabe der
künstlichenDarstellung des krystallisierten D. ist
als gelöst zu betrachten, wenn es auch noch nicht ge-
lungen ist, so große Krystalle zu gewinnen, daß sie als
Edelsteine einen Handelswert hätten. 1893 gelang
es nämlich Moissan in Paris, nachzuweisen, daß Koh-
lenstoff, welcher in flüssigem Eisen aufgelöst ist, sich
aus diefem in der krystallisierten Form des D. aus-
zuscheiden vermag, wenn die Erstarrung unter einem
sehr hohen Drucke stattfindet. Zu diesem Zwecke
wurde das Eisen im elektrischen Ofen geschmolzen
und bei einer Temperatur von 2000 bis 3000° reiner
Kohlenstoff (Zuckerkohle) in demselben aufgelöst und
dann sehr rasch abgekühlt. Da sich Eisen, wie Wasser,
beim Erstarren ausdehnt, wird hierbei der noch flüs-
sige Kern einem ungeheuern Drucke unterworfen,
unter welchem nun feine Erstarrung erfolgt. Beim
Auflösen des Eisens in Säure bleibt alsdann neben
Graphitkohlenstoff eine geringere Menge kleiner Kry-
stalle zurück, welche sich als D. erweisen, und zwar
großenteils als schwarze (Carbon), zum Teil aber
auch als farblose und wasserhelle Exemplare. Ähn-
liche Resultate erhielt Moissan bei der Auflösung
von Kohlenstoff in geschmolzenem und im elektrischen
Ofen bis zum Sieden erhitztem Silber. - Vgl. noch
Luzi, über den D. (Berl. 1893).
vla.pVN3ia. 7^., Pflanzcngattung aus der kleinen
Familie der Diapensiaceen, rasenförmig verästelte
Halbstrüucher mit dicht gestellten immergrünen Blät-
tern und endständigen glockenförmigen Blüten. Von
den beiden Arten ist v. lapponicii ^. im nordifchen
Gebiet der Alten und Neuen Welt weit verbreitet.
I). bimaiaica //ook. et IVi0i,l3. findet sich im Hima-
laja 3000-4500 m hoch.
Diaphtherm, Oxychinaseptol, Verbindung
von einem Molekül Oxychinolin mit einem Mole-
kül phcnolsulfonsaurem Oxychinolin, bernsteingelbe,
durchsichtige, sechseckige Krystalle, die bei 85° 0.
schmelzen und gepulvert sich in gleichen Teilen Wasser
lösen. Das D. besitzt hervorragende antiseptische
Eigenschaften; es ist ein zuverlässiges und relativ
ungiftiges Antiseptikum.
Diapositiv, photogr. Glasbild, welches in der
Durchsicht positiv erscheint. Solche D. sind z. V.
die photographierten Bilder der I^atslna ina^iea.
Dieselben werden in einfachster Weise nach einem
Negativ bergestellt, welches man mit der Vildschicht
auf eine Trockenplatte deckt und aus etwa 1 in Ent-
fernung mit Gaslicht belichtet, dann entwickelt.
Man kann auch nach einem Negativ einen Pigment-
druck kopieren und diefen entwickeln, auf Glas über-
tragen und trocknen. - Vgl. Schnanß, Diapositive
(Dresd. 1896).
^Diastase. Die D. ist nach neuern Untersuchun-
gen kein chemisch einheitlicher Körper; in der ge-
wöhnlichen Gerstenmalzdiastase finden sich vielmehr,
wie sich aus dem verschiedenen Verlauf des Stärke-