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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Elektrische Lichterscheinungen; Elektrische Lokomotive

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Elektrische Lichterscheinungen - Elektrische Lokomotive

lich günstiger arbeiten als jene. Auch die Zuckerfabriken und Raffinerien, die nicht selten 20-40 Dampfmaschinen in Betrieb hatten, gehen zur elektrischen Kraftverteilung über, und zwar geht hier die Teilung so weit, daß jede Centrifuge ihren Motor erhält. Der große Wasserverbrauch dieser Fabriken zwingt sie häufig, Brunnen in ziemlicher Entfernung von den Gebäuden anzulegen, und da lange Saugleitungen für Pumpen meistens Schwierigkeiten im Betriebe machen, ist der Elektromotor wieder die beste Aushilfe; in Brauereien liegen die Verhältnisse ähnlich.

Häufig wird von der elektrischen Kraftverteilung auch da Gebrauch gemacht, wo die üblichen Übertragungsmittel: Transmission mit Riemen-, Seil- oder Zahnradübertragung, Schwierigkeiten bieten, oder im Verhältnis zu den Arbeitsmaschinen zuviel Kraft absorbieren. In großen Buchdruckereien, z. B. Giesecke & Devrient und J. J. Weber in Leipzig, Oldenbourg in München, sind in letzter Zeit vielfach derartige Anlagen ausgeführt worden. Die größern Buchdruck- und Steindruckpressen, Kalander u. s. w. werden einzeln durch Motoren angetrieben, und da diese jede beliebige Veränderung der Umdrehungsgeschwindigkeit ermöglichen, so fallen alle Wellenleitungsteile weg, was für die Reinlichkeit und Übersichtlichkeit der Arbeitsräume von großer Bedeutung ist; die Unabhängigkeit von jeder Transmission kommt auch der Aufstellung der Maschinen bezüglich Licht, Luft und Bedienungsraum zu gute. Die kleinern Maschinen erhalten meist Gruppenantrieb, d. h. mehrere Maschinen werden in üblicher Weise durch eine gemeinsame Transmission betrieben, die ihrerseits durch einen Elektromotor angetrieben wird. Während sich der Einzelantrieb in den Buchdruckereien, mechan. Werkstätten u. s. w. auch in wirtschaftlicher Beziehung sehr gut bewährt bat, ist man in Webereien wieder davon zurückgekommen (Neugersdorf und Mittweida), weil die vielen hundert kleinen Motoren von weniger als 1/2 Pferdestärke bei sehr hohem Anschaffungswert einen zu geringen Wirkungsgrad ergeben haben. In Geschäftshäusern, Industriewerkstätten, wo Kraft an Kleingewerbtreidende abgegeben wird, findet die elektrische Kraftverteilung ebenfalls sehr zweckmäßig Anwendung, weil man, abgesehen von den sonstigen Vorzügen, für die Bezahlung nicht mehr auf die immerhin unsichern Schätzungen, sondern auf die Angaben des Elektricitätszählers angewiesen ist; z. B. Geschäftshaus K. F. Köhler in Leipzig.

Auch in der Landwirtschaft, wo man mit kleinen und mittlern Entfernungen zu thun hat, bewährt sich die E. K. zum Betrieb verschiedener Arten von Maschinen, wie Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Rübenschneider, Schrotmühlen u. s. w. Auch für das Pflügen ist der Elektromotorantrieb mit Vorteil zu verwenden, wie verschiedene Versuche, z. B. in Diedrichshagen bei Warnemünde, ergeben haben. Dort wurde ein Kipppflug nach Art des Zweimaschinensystems der Dampfbodenkultur (s. d., Bd. 4) von zwei an den Seiten des Feldes aufgestellten fahrbaren Windwerken hin und her bewegt, die ihren Antrieb von Wechselstrommotoren erhielten. Dieses elektrische Pflügen stellte sich beinahe doppelt so billig als das Pflügen durch Pferde.

Die Vielseitigkeit der Anwendung der elektrischen Kraftverteilung illustriert die beigeheftete Tafel: Elektromotorischer Antrieb, in welcher bei jedem einzelnen Beispiel der Elektromotor mit E bezeichnet ist. Bei feststehenden Arbeitsmaschinen, von denen Fig. 2, 4 und 5 der Tafel Beispiele geben, werden durch den elektromotorischen Antrieb die lästigen und für den Arbeiter gefahrvollen Treibriemen sowie die übrigen geräuschvollen, teuren und raumbeengenden Transmissionsteile vermieden. Bei Arbeitsmaschinen, die ihren Ort oft wechseln, wie die in Fig. 1, 3 und 6 dargestellten, macht eine Ortsveränderung beim elektrischen Antrieb wegen der leicht verlegbaren Zuleitungsdrähte bedeutend weniger Umstände als bei andern Kraftübertragungssystemen, wo schwere Transmissionen oder Rohrleitungen abzuändern waren.

Es werden jetzt auch vielfach Projekte bearbeitet, die den Fortfall des Kohlentransportes bezwecken; am Fundort der Kohlen sollen große Dampfanlagen errichtet und den in der Nähe liegenden Fabriken die nötige Kraft in elektrischer Form zugeführt werden. Da der Kohlentransport für minderwertige Kohle mit geringem Heizwert erheblich ins Gewicht fällt (z. B. zahlen einige große Etablissements mehrere hunderttausend Mark Fracht für Kohlen im Jahre), so erscheinen die Projekte nicht so aussichtslos, als es im ersten Augenblick erscheinen mag. (S. auch Wasserkraftanlagen.)

Elektrische Lichterscheinungen *. Von den E. L. sind insbesondere die in den Geißlerschen und Crookesschen Röhren auftretenden Gegenstand zahlreicher, zu wichtigen Entdeckungen führender Versuche gewesen. (S. Kathodenstrahlen und Röntgenstrahlen.)

Elektrische Lokomotive *. Bei der elektrisch betriebenen Meckenbeuren-Tettnanger Eisenbahn (s. d.) wird der Strom der Lokomotive oberirdisch zugeführt, wie bei dem entsprechenden System von Straßenbahnen. Die Betriebskraft für die Dynamomaschine liefert eine 2 km entfernte Turbinenanlage. Der Zug besteht aus der Lokomotive, einem Personenwagen mit Gepäckraum und zwei Güterwagen. Die Geschwindigkeitsverhältnisse für verschiedene Zuggewichte und Steigungen zeigt folgende Übersicht:

Betriebsweise Zuggewicht Fahrzeit in Geschwindigkeit

in Tonnen Minuten in km pro Stunde für Steigungen von

1:500 1:200 1:50

Motorwagen allein 14 12 29 24 19

Motorwagen mit 33 18 24 18 14

Beiwagen 46,4 21 22 15 10,5

Die Betriebsergebnisse sollen gezeigt haben, daß der elektrische Betrieb für derartige Nebenbahnen namentlich mit Hilfe von Wasserkräften und in Verbindung mit Elektricitätswerken für Beleuchtung und Kraftabgabe sehr zweckmäßig ist.

Die Heilmannsche Lokomotive soll keine günstigen Resultate ergeben baben; der Erbauer war von dem Bestreben geleitet, das Schubkurbelgetriebe der üblichen Dampflokomotiven zu vermeiden; er ordnete eine stehende Verbunddampfmaschine mit direkt gekuppelter Dynamomaschine auf der Lokomotive an, und der von diesen erzeugte Strom wurde durch vier Elektromotoren, welche direkt auf den Laufachsen befestigt waren, in mechan. Energie umgesetzt. Die Nachteile der lokomobilen Dampferzeugung waren hierbei geblieben und die Vorteile der elektrischen Kraftübertragung kamen nicht zur Geltung.

Dagegen hat man in Amerika E. L. mit oberirdischer Stromzuleitung erfolgreich angewendet, um ganze Züge durch lange Tunnels zu schleppen, in