Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

383
Englisches Schul- und Universitätswesen
thorpes "V^reoka^" und John Davidsons "Nari
I^v6nä6i-". Auch W. Tirebuck, Gilbert Parker,
Marion Crawford, W. E. Norris und Merriman
gehören zu den Lieblingen des engl. Lesepublikums.
Die Frauen sind besonders in der E. L. thätig.
Mrs. Humphry Ward schuf die halb religiösen, halb
nationalökonornischen Romane "Rodert I^lämere",
"Daviä ^rievL", "N^-celiH ", "L633io ^03t!'6l1".
Sarah Grand wandte sich gegen die landläufige
Moral in "1^6 lik^veni^ t>vin8"; ihrem Vorgang
folgten eine Menge Schriftstellerinnen, die das Ge-
schlechtsproblem verschiedenartig behandelten. Ge-
nannt seien Mrs. Manning Caffyn, Oliver Hobbes,
George Egerton. Mrs. Lynn Linton kämpft tapfer
gegen diese Romane, mit denen die "Neue Frau" die
alte Moral und Anschauung zu untergraben sucht.
Mrs. Oliphant und Miß Rhoda Vroughton sind
weitern Kreisen durch ihre unzähligen Romane be-
kannt. Edna Lyall und Shortland sind die Ver-
treterinnen des religiös angehauchten Romans. Eine
eigentümliche Stellung nimmt Marie Corelli durck
ihre phantastischen, überspannten Werke ein. Sie
appelliert in "11i6 Noinance ol tlio t>vo ^voi-läz",
"Lai-lü)da3", "^dsäorro^vL ofä^tan)) andenlatenten
Mysticismus ihres Lesepublikums. In ihrer Rich-
tung hervorragende Erscheinungen sind der Roman
Beatrice Harradens "LliipZ tiiat ^33 in tlio ni^Iit"
und die farbenreiche Geschichte Olive Schreiner's
"II16 3t0i'^ ol 3.N ^klican lärm".
Von herv orragenden Kritikern und Essayisten
sind zu nennen: W. Archer, Augustine Birrel, Austin
Dobfon, Fr. Harrison, H. James, N. Le Gallienne,
Vrofcssor Dowden und Professor Minto, George
Saintsbury, B. Shaw, Cl. Scott und der verstorbene
vielseitige John Addington Symonds, der witzige
Andrew Lang und der Allerweltsschreiber E. Gosse.
Dichtungen. Der größte lebende engl. Dichter,
Algernon Charles Swinburne, bedürfte nach Tenny-
sons Tode der offiziellen Anerkennung als ?c>6t
Lllui-elltL nicht, tonnte auch seiner polit. Ansichten
wegen nicht dazu erwählt werden, und so wurde diese
Würde dem unbedeutenden, aber patriotischen Alfred
Austin übertragen. William Morris, Lewis Morris,
George Meredith, Coventry Patmore und Edwin
Arnold sind längst in der Welt durch ihre poet.
Leistungen und Bestrebungen bekannt. Von Dich-
terinnen sind die kürzlich verstorbenen Ehristina Ro-
setti und Jean Ingelow zu nennen. Neuern Idealen
und einer neuern Richtung huldigen der für Recht uud
Freiheit begeisterte William Watson, der noch in der
Sturm- und Drangperiode befindliche John David-
son, der kath. Francis Thompson, W. V. Deats. Fer-
ner sind zu nennen der vor kurzem verstorbene liebens-
würdige Lord de Tabley, der BriefträgerI. D. Hosken,
der aristokratische Aubrey de Vere, der sportliebende
Norman Gale, Richard Le Gallienne und vor allem
Andrew Lang. Rudyard Kipling erlangte großen
Ruhm durch seine patriotischen imd Soldatenlieder
z. B. "LHi'rHcIi>I500iii>I^11ii(i8". - Auf dem Gebiete
des Dramas sind keine hervorragenden Erscheinun-
gen zu verzeichnen. Mangelhafte Bearbeitungen
von franz., skandinav. und deutschen Bühnenstücken
werden jahraus, Jahrein auf den engl. Theatern auf-
geführt. Einige Zeit machte sich der Einfluß Ibsens,
Vjörnsons und der jüngstdeutschcn Schule bemerk-
bar. Doch überschritten auch die engl. Dramatiker
unter diesem Einfluß oft das Maß des ästhetisch
Erlaubten. Die Folge war, daß das cngl. Publikum
die "Frau mit einer Vergangenheit" und den "Mann
nüt einer Mission" herzlich satt bekam, und daß
man wieder in den alten Schlendrian zurücksiel und
in Ermangelung von etwas Vesserm dramatisierte
Romane aufführte. Unter den lebenden dramat.
Autoren nehmen A. W. Pinero mit "'II16 Lscouä
Nr3. ^liniqu oi':))'", "'I'lie Q0tori0U3 Nr3. UddLiuitii",
Henry Arthur Iones mit "^iio N^3qu6i'aä6i'8", "^ti6
i'ogue'3 comcä)'", Sidney Grundy mit "^Iw nc^
^ouiÄn", "8mviuF tlie ^vinä", Oskar Wilde mit
"I^äv ^Vinäermere'L ^311", V. Shaw mit "^riQ3
and tiiL nl^nv den ersten Platz ein. Poetisch tief em-
pfunden sind der (dvinF ^i-tiiui-" von Comyns Carr
und "6uv vomvilie" von Henry James. Zu nennen
sind noch etwa G. N. Sims, Henry Pettitt, Haddon
Chamberstmitc<^0iin-^-äreliiii3"),NobertBuchanan,
Dr. Todhuntcr und der Humorist Ierome K. Ierome.
Hinsichtlich der Gesellschaften, die litterarisch
von Wichtigkeit sind, ist zu bemerken, daß die ^6^
31iak68p6Hi'6 Kocietx (gegründet 1873 von Furni-
vall) mit :8l)6 ihre Thätigkeit eingestellt hat. Die
deutsche Shakespeare-Gesellschaft hat vor einigen
Jahren eine billige Volksausgabe der Tieck-Schlegel-
schen Übersetzung, unillustriert und illustriert, ver-
anstaltet, wovon schon gegen 20000 Exemplare ver-
breitet wurden.
Von neu erschienenen Werken über E. L. sind zu
nennen'. Saintsbury, Hi3t0i^ ol N1i3ad6t1i5m lite-
rawi'6 iLond. 1887)', ders., ^33^3 in NnFli8ii lits-
r^tui-e ^ebd. 1890): ders., 1Ii3t0rv 0k tde 19"' cen>
Nii-v literatui-o (edd. 1896); Jusserand, IIi3t0ii'6
littei'aii'O äu ^eiiplß linFia,i8 (Tl. 1, Par. 1894);
Wülkcr, Geschichte der E. L. von den ältesten Zeiten
bis zur Gegenwart (illustriert, Lpz. 1896); Le
Gallienne, ^ litei'ai')' I03 (2 Bde., Lond. 1896).
^EnglifchesSchul-undUniversitätswesen.
Das Unterrichtswescn in Großbritannien war in der
neuesten Zeit Gegenstand lebhafter Erörterung. In
Bezug auf die Elementarschulen wurde namentlich
von kirchlicher und konservativer Seite gegen die Zu-
nahme der aus Kommunalmitteln errichteten Volks-
schulen (Zoai'ä 8cdooi3) agitiert, welche die Lebens-
fähigkeit der aus freiwilligen Beiträgen erhaltenen
sog. Vownwrv 8cli00i8, die größtenteils unter
der Aufsicht der Geistlichkeit stehen, zu bedrohen
schien. Der Sieg der Konservativen bei den Wahlen
von 1895 beförderte diese Agitation, und der Mi-
nister für Erziehungswesen, Sir John Gorst, legte
31. März 1896 einen Gesetzentwurf zu Gunsten der
Volunwi'v 8c1i0ol3 dem Hause der Gemeinen vor,
demzufolge den bereits bestehenden Unterstützungen
aus Staatsmitteln ein jährlicherBeitrag von^Shill.
für jedes Kind an sämtliche Voluiitai-^ 8c1i0oi8 hin-
zuzufügen sei; daneben sollte er allerdings auch (je-
doch nur unter gewissen besondern Voraussetzungen)
an die Loai-ä 8cdo0i8 gezahlt werden. Ferner sollte
die jetzt bestehende Maximalgrenze staatlicher Unter-
stützung (17^2 Shill. für jedes Kind) beseitigt wer-
den. Hierzu aoer traten eine Reihe höchst verwickelter
'Änderungen, welche die Deccntralisation des Unter-
richtswcscns beabsichtigten, indem ein großer Teil
der frühern Befugnisse der Centralbchörden neu zu
bildenden Ausschüssen übertragen wurde, derenmeiste
Mitglieder von den ^ount)- ^0nncii8 (s.d., Bd.4) er-
nannt werden sollten. Da über diese letztern Bestim-
mungen auch unter den Anhängern der Regierung
zahlreiche Meinungsverschiedenheiten hervortraten,
sah sich die Regierung veranlaßt, 22. Juni 1896
den Entwurf zurückzuziehen, bei welcher Gelegenheit
jedoch die baldige Einbringung einer Bill, die aus-