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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Evangelische Pastoralhilfsgesellschaft u. s. w. - Evangelisch-kirchlicher Hilfsverein
Bildung ihrer Mitglieder zu heben; 2) sie fördern
mit aller Kraft die Anhänglichkeit an Kaiser und
Reich, Fürst und Vaterland; 3) sie fuchen mit allen
Kräften das Familienleben zu fördern und treten
darum nachdrücklich für Schaffung ausreichender
gefunder und billiger Wohnungen ein; 4) sie neh-
men sich auch der zeitweiligen wirtschaftlichen Not-
stände an durch Einführung von Darlebns - und
Untcrstützungskassen in Krankheits - und Sterb c-
fällen, Arbeitsnachweis, Arbeitslosenversicherung
u. s. w.; 5) sie wollen eine edle Geselligkeit und
treue Kameradschaft unter ihren Mitgliedern pflegen.
In der Unterlassung der ausdrücklichen Hervor-
hebung der Pflege guten Einvernehmens zwischen
Arbeitern und Arbeitgebern sowie in manchen ver-
wandten Erscheinungen, z. V. in dem 1894 von
Mitgliedern evang. und kath. Arbeitervereine ge-
bildeten Christlichen Bergarbeiterverbande und in
der neuern Polemik mit namhaften Arbeitgebern
und kirchlich- und politisch-konservativen Parteien
^^v^ers in "Christlichsocial" und "Hilfe" von
Pfarrer Naumann in Frankfurt a. M.), giebt sich
immer deutlicher das Bestreben zu erkennen, mit der
Socialdemokratie in der Arbeiterparteibildnng zu
konkurrieren. Die ältere Richtung erblickt darin
einen bedenklichen Abweg und betont nachdrück-
licher das socialversöhncnde, religiös- und patriotisch-
konservative Moment. Von dem Ausgangc dieser
Krisis hängt die fernere Bedeutung der E. A.
ab. - Vgl. Dentelmofer, Die E. A. in Rheinland
und Westfalen (2. Aufl., Magdeb. 1890)-, Märker,
E. A. (Bd. 17, Heft 4 der "Zeitfragen des christl.
Volkslebens", Stuttg. 1892); Lorenz, Handbuch für
E. A. (Lpz. 1892); Weber, Anfprachen für E. A
(Gütersloh 1892); Evang. Arbeiterbote lseit 1885).
Evangelische Pastoralhilfsgesellfchaft für
Rheinland und Westfalen, ein 1845 im Banner
Missionshaufe zunächst für die Rheinprovinz be-
gründeter Verein, feit 1850 auch auf Westfalen aus-
gedehnt, hat nach dem Vorbild der Londoner
1^8toi-a1 ^iä 8oci6t^ und verwaudter Vereine im
östl. Preußen den Zweck, da, wo es not thut, die
kirchlichen Anstalten und die Zahl der Prediger zu
vermehren. Sitz der Gefellschaft ist Barmen. Sie
verwendet ihre Mittel, die aus Kollekten, Jahres-
beiträgen und außerordentlichen Gaben znsammen-
kommen <1895: 20 000 M.), zur Anstellung von
Hilfsprcdigern und Vikaren bei kranken oder alten
Pfarrern oder übergroßen Gemeinden, zur Bc-
fchaffung von Räumen für erbauliche Gemcinde-
zufammenkünfte u. dgl. m. Sie ist vom Staate
anerkannt und steht in enger Beziehung zu den
kirchlichen Behörden, Ämtern und Svnodcn. Bis
zu der Zeit, wo die Gefängnisgefellschaft die geistliche
Versorgung der Gefangenen übernahm, hat die E. P.
f. R. u. W. auch dahin ihre Thätigkeit erstreckt, außer-
dem durch Entsendung von Lehrern und ordinierten
Pfarrvikaren der unter kath. Bevölkerung zerstreuten
Evangelischen sich angenommen. Sie hat auf diefe
Weife 49 Diasporagemeinden (33 im Rheinland,
16 in Westfalen) ins Leben gerufen. Auch nach
Lothringen, Holland, Belgien, Österreich, Italien
und Südamerika sind auf Wunfch vielfach junge
Theologen entsendet worden. Im ganzen sind bis
jetzt 693 Kandidaten im Dienst der Gesellschast ge-
wesen. 1896 hatte sie auf 71 Arbeitsfeldern in der
Heimat und auf 10 im Ansland 82 Hilfsgeistliche
beschäftigt. - Vgl. Jahresbericht der E. P. f. R. u.
W. (Barm. 1896).
Evangelischer Afrikaverein, ein 1895 be
gründeter Verein mit der Anfgabe, die Aufmerk-
samkeit des evang. Deutschlands auf die Lage der
Eingeborenen Afrikas, besonders in den Kolonien
und Schutzgebieten, zu lenken und diesen die
Segnungen christl. Kultur und Humanität zuzu-
wenden. Hierzu follen Schulen für die jungen
Afrikaner, besonders für die Söhne der Häuptlinge
begründet werden,nicht fog.Mifsionsfchulen,sondern
zur Verbreitung einer allgemeinen über das Maß
der Elementarschule hinausgehenden Bildung. Auch
ist die Entsendung junger deutfcher Arzte ins Auge
gefaßt. Endlich gedenkt der Verein Heim- und Frei-
stätten im deutschen Schutzgebiet zu errichten, ganze
Dorfanlagen, in denen die von der Regiernng den
Sklavenhändlern abgenommenen und in Freiheit
gefetzten Sklaven untergebracht, mit Ackerbau und
Viehzucht und in Handwerken beschäftigt und zu wirt-
schaftlicher Selbständigkeit geleitet werden können.
Vcreinsorgan ist die Monatsfchrift "Afrika" (hg. von
Grundcmann und Merenfky, Berlin, feit 1894).
Evangelischer Trostbund, f. ChristlicherZeit-
fchriftenverein.
Evangelisches Johannesstift, in Plötzensee
bei Berlin, eine 1858 dnrch H. Wichern begründete
Anstalt, die verwaisten und crziehungsbcdürftigen
Kindern das Elternhaus erfetzen und gleichzeitig
junge Männer für den Dienst der Innern Mifsion
ausbilden will. Das E. I. umfaßt eine Vrüdcr-
bildungsanstalt, ein Proseminar zur Vorbildung
von Kandidaten für das nordamcrik. Predigersemi-
nar in Et. Louis, eine Erziehungsanstalt mit sechs-
klassiger Volksschule nebst Selekta, ein Pädagogium
mit Gymnasialunterricht bis Seknnda, eine landwirt-
schaftliche Abteilung für Jünglinge, ein Mädchen-
Heim für konfirmierte Mädchen, ein Kinderheim für
noch nicht schulpflichtige Kinder und eiue Ferienkolo-
nie. Die Vrüderbildungsanstalt nimmt junge christ-
lich gesinnte Männer, die einen Beruf erlernt haben,
im Älter von 20 bis 30 I. auf, um sie für die ver-
fchiedenen Zweige der Innern Mifsion vorzubilden
und sie als Gehilfen bei der Kindererziehung zu
verwenden', der theoretifche und praktifche Kurfus
erstreckt sich über mehrere Jahre; danach werden
die Brüder als Hausväter in Herbergen, Rettungs-
häufern, als Gefangenenauffeher, Armen- und Kran-
kenpfleger oder auch als Stadtmissiouare entsendet.
In der Kinderanstalt wie im Pädagogium leben die
Zöglinge in Familien zu 10-15 abgeteilt unter
einem Leiter in eigenem Hauswesen; uur die Mahl-
zeiten kommen aus der Austaltsküche. Das E. I.
ist durch Liebesgabeu begründet und wird zumeist
durck solckc erhalten. Die Pensionspreise sind sehr
mäßig, überdies giebt es eine Anzahl ganzer und
halber Freistellen. Seit Bestehen der Anstalt haben
2000 Kinder Aufnahme gefunden und es sind bis
jetzt 127 Brüder hier ausgebildet worden. Das
Anstaltsarcal umfaßt 118 Morgen und 23 Gebäude.
Der Vorsteher des E. I. ist stets ein evang. Pastor,
dem ein Kuratorium und ein Stiftsrat zur Seite
stehen. - Vgl. Das E. I. in Berlin-Plötzensee.
39. Jahresbericht für 1895 (Berl. 1896).
Evangelisch-kirchlicher HilfsVerein, ein
aus der sog.Waldcrsee-Versammlung vom28.Nov.
1887 hervorgegangener, 28. Mai 1888 unter dem
Protektorat der Deutfchen Kaiserin, damaligen
Kronprinzessin des Deutschen Reichs, begründeter
Verein mit der Aufgabe, zur Bekämpfung der reli-
giös-sittlichen Notstände in Berlin und in andern