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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Frankreich
Budget für 1896.
Einnahmen
Frs.
Ausgaben
Frs.
Grundsteuer............. Gebäudesteuer............ Personalsteuer............ Thür- und Fenstersteucr ....... Gewerbesteuer............ Tteuerrolleutaxe........... Pferde-, Wagen- und Bedientensteuer . Einregistrierung........... Stempelsteuer............ Zölle................ Andere Taxen............ Mobiliensteuer............ Zuckcrsteucr............. Tabaksmonopol............ Zündholz- und Pulvermonopol .... Post, Telegraphen, Telephone..... Verschiedenes ............ Domänen und Wälder........ Verschiedene Einnahmen....... Laufende Einnahmen.........

118 607 919 80 042 227 90 470 476 58 425 474 125 580 402 1 054 100 47 920 585 555 689 500 188 402 500 469 270 230 588 343 000 66 220 000 196 473 000 376 301 800 39 959 300 215 014 350 10 318 862 45 019 420 57 372 575 "4 816 354
Verzinsung der öffentlichen Schuld . . . Präsident, Kammer und Senat..... Finanzministerium........... Justizministerium........... Ministerium des Äußern....... Ministerium des Innern........ Kriegsministerium, ordentliche Ausgaben Kriegsministerium, außerordentliche Alisgaben ................ Marineministerium.......... Unterricht............... Schöne Künste ............ Kultus............... Handel und Industrie, Post und Telegraphen .............. Kolonien.............. Ackerbau............... Öffentliche Arbeiten.......... Regie- und Erhebungskostcn...... Rückzahlungen u. s. w..........
1219 792 036 13 171 720 19 471260 35 320 233
15 934 800 75 786 209 609 145 480
42 029 340 272 614 893 195 018 342 8 148 985 44 125 953
198 213 197 79 018 500 30 115 090 270 639 764 204 469 771 40 842 000
Zusammen Frankreich!
Algerien j
3 395 302 074
53 015 019
Zusammen Frankreich !
Algerien >
3 373 907 578
74 010 620
Gcsamtbudget > 3 448 317 093 >
der polit. Bühne. Das vorwiegend opportunistische
Ministerium Dupuy, das seit 4. April 1893 die Ge-
schäfte führte, bekämpfte Monarchisten und Socia-
listen und unterdrückte mit Energie Straßenunruhen,
die 4. bis 6. Juli in Paris stattfanden; im Novem-
ber traten die weiter nach links neigenden Mitglieder
des Kabinetts infolge einer straff antisocialistischen
Erklärung des Ministerpräsidenten aus, das Mini-
sterium Dupuy kam zu Falle (25. Nov.) und ward
1. Dez. 1893 durch ein einheitlicheres Ministerium
Casimir-Perier erseht, dessen Tendenz ganz auf Her-
stellung einer festern Ordnung und auf scharfe Be-
kämpfung des Anarchismus gerichtet war. Ein
Bombenattentat des Anarchisten Vaillant gegen die
Kammer (9. Dez.) hatte eine Reihe von Kampfgesetzen
zur Folge. Bereits 11. Dez. wurde in der Kammer
eine Preßgesetznovelle angenommen, die die Ver-
herrlichung von Verbrechen und auch die indirekte
Aufreizung dazu unter Strafe stellte, und 15. Dez.
erhielten drei weitere Gesetzentwürfe über den Ver-
kehr mit Sprengstoffen, über Vereinigungen zu ver-
brecherischen Zwecken und über Verstärkung der Po-
lizei die Genehmigung der Kammer. Daneben hatte
ein langer Kohlenstreik im Departement Pas de
Calais (Sept. bis Nov. 1893) die Parteien erregt;
eben unter dessen Nachwirkungen stand der Eintritt
des Ministeriums Casimir-Perier. Die Hinrichtung
Vaillants (5. Febr. 1894) bewies, daß die Negierung
in energischen Händen ruhte. Bereits im Aug. und
Sept. 1893 waren die Kammerwahlen gemäßigt-
republikanisch ausgefallen und hatten 310 Gemäßigte,
122 Radikale, 49 Socialisten, 29 Ralliierte ls. Kon-
stitutionelle Rechte, Bd. 10), 64 Monarchisten er-
geben; im Jan. 1894 lieferten die Senatswahlen
ebenfalls eine erhebliche opportunistische Mehrheit.
Vom Febr. bis April 1894 vermehrten sich die Bom-
benattentate. Trotzdem lieh die Kammer das ener-
gische Kabinett Casimir-Periers 22. Mai, gelegentlich
einer Debatte über das Verhältnis der Eisenbahn-
gesellschaften zu ihren Arbeitern, fallen, worauf sein
Vorgänger Dupuy (30. Mai) wieder Ministerpräsi-
dent wurde. Das Äußere übernahm der vortrefflich
geschulte Diplomat Hanotaux (s. d.). Da wurde auf
einer polit. Reise der Präsident Carnot 24. Juni
1894 zu Lyon von dem ital. Anarchisten Caserio
durch einen Messerstoh auf den Tod verwundet; er
Gesamtbudget > 3 447 918 198
starb in der nachfolgenden Nacht. Die Reaktion
gegen dies Verbrechen erhob 27. Juni mit einer frei-
lich geringen Mehrheit (451 von 851 Stimmen) den
eben gestürzten Casimir-Perier als den Vertreter
einer konservativ-republikanischen Politik zum Prä-
sidenten der Republik. Ein neues Gesetz gegen die
anarchistische Propaganda gelangte darauf schon
26. Juli in der Kammer, 27. Juli im Senat zur
Annahme, aber diese konservative Strömung war
uicht stark genug, um fortwährende radikal-sociali-
stische Angriffe gegen den "Monarchisten" Perier
hintanzuhalten; überdies ging auch unter diesem
vornehm und stolz denkenden Manne das stete In-
triguenspiel der polit. Persönlichkeiten weiter, wie
denn auch der Panamaskandal seit seiner ersten Ent-
faltung und vorläufigen Lösung 1893 immer wieder
hier und dort hervorbrach oder verwandte Fortsetzun-
gen auftauchten und stets die Unreinlichkeit und
Wahllosigkeit der parlamentarischen Parteien und
Führer auf das häßlichste an das Licht kam. Im
Jan. 1895 trat unter dem Einflüsse von Kammer-
verhandlungen über die vom Staat geleistete Zins-
garantie für die Orleans- und Südbahn erst der
Arbeitsminister Barthou, dann am 14. das ganze
Kabinett Dupuy zurück, am 15. legte Casimir-Pericr
selbst sein Amt nieder. Er erklärte in einer stolzen,
tiefverstimmten Botschaft, er wolle nicht längermacht-
los, gegen Angriffe schutzlos und ohne wirklichen Ein-
fluß für die Regierungshandlungen moralisch verant-
wortlich sein; es bedürfe einer thatkräftigen Regie-
rung, die Achtung vor dem Gesetze erzwinge.
Das Aufsehen war ungeheuer; doch hatte diese
"Fahnenflucht" Casimir-Periers, wie ^eme Partei-
genossen schalten, keine tiefern polit. Folgen; weder
der Anarchismus und die gelegentlichen Triumphe
des Socialismus noch diese Demonstration ver-
mochten die Politik aus ihrer mittlern Richtung
wesentlich nach rechts oder links abzuziehen. An
Stelle Periers trat 17. Jan. 1895, nach einem
Wahlkampfe mit dem Radikalen Vrisson und nach
dem Rücktritt des opportunistischen Mitbewerbers
Waldeck-Rousscau der opportunistische Parlamenta-
rier Felix Faure, der mit 435 gegen 363 Stimmen
zum Präsidenten gewählt wurde, in jeder Hinsicht
ein Angehöriger der regierenden großbürgerlichen
Kreise, der sich besser in die persönliche Bcdeutungs-