Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

448
Fundbureaus - Galeriewälder
* Fundbureaus. Infolge der Umgestaltung
der preuß. Staatseisenbahnverwaltungsbehörden
(f. Eisenbahnbehörden) haben 1. April 1895 auch die
F. Änderungen erfahren. Seit diesem Zeitpunkt
bestehen F. in Altona für den Eisenbahndirektions-
bezirk Altona, in Berlin für die Eisenbahndirck-
tionsbezirke Berlin und Stettin, in Vreslau für
die Eisenbahndirektionsbezirke Brcslau, Posen und
Kattowitz, in Brom berg für die Eiscnbahndirek-
tionsbezirke Bromberg, Königsberg i. Pr. und
Danzig, in Köln für die Eisenbahndirektionsbezirke
Köln, Elberfeld, Essen a. d. Ruhr und St. Johann-
Saarbrücken, inErfurt für die Eifenbahndirettions-
bezirke Erfurt und Halle a. d. Saale, in Frankfurt
a. M. für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt
a. M. und Cassel, in Hannover für die Eisenbahn-
direktionsbezirke Hannover und Münster i. Westf.,
in Magdeburg für den Eisenbahndirektionsbezirk
Magdeburg. Die Fundordnung vom 17. Febr. 1891
ist vom 1. April 1895 ab durch eine neue Fundord-
nung, welch letztere vom 6. März 1895 datiert, er-
setzt worden. Diese stimmt im wesentlichen mit der
frühern überein und enthält im großen und ganzen
nur die infolge der Neuordnung der Verwaltung
nötig gewordenen Änderungen.
*Funfmastschiffe. 1896 war das größte Fünf-
mastschiff das deutsche Schiff Potosi (Stapellauf
1895 auf der Werft von Tecklenborg, s. d., Bd. 15),
der Reederei C. F. Laeisz gehörend und namentlich
zum Verschiffen von Salpeter von der Westküste
Südamerikas bestimmt. Potosi hat 3955 Register-
tons Brutto- und 3780 Registertons Nettoraumge-
halt, ist über Gallion und Heck gemessen 120 in
lang, 15 m breit und von der Oberkante Kiel
bis Unterkante Hauptdeck 9,5 m hoch. Zum Bau des
Schissskörpers ist bester Siemens-Martin-Stahl ver-
wendet. Der Großmast ist vom Kiel bis zum Flag-
genknopf 64 m hoch und hat auf Deck 0,8" m
Durchmesser. Die Unterrahen sind 30,5 m lang.
Die Gesamtsegelfläche mißt 4700 hin. Potosi ver-
mag zwischen 6000 und 6500 t Schwergut zu tragen.
Unter dem Kapitän Hilgcndorf, der als Schnellsegler
berühmt ist, machte das Schiff 1896 seine zweite
Reise von Hamburg nach Iquique an der Westküste
Südamerikas in der kurzen Zeit von 73 Tagen.
*Fürftenberg, Fürstentum. Der Chef des Ge-
samthausee. F., Karl Egon, Fürst zu F., wurde im
März 1896 zum preuß. Obersthofmarschall ernannt
und starb 27. Nov. in Nizza. Sein Nachfolger ist
Fürst Maximilian Egon (geb. 13. Okt. 1863).
Fürftenberg in Westfalen, Flecken im Kreis
Buren des preuß. Reg.-Bez. Minden, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Paderborn), hat (1895>
1405 E., darunter 38 Evangelische, Post, Telegraph,
kath. und evang. Kirche; Glasfabrikation.
*Fürth in Bayern, Stadt, hat (1895) 46726
(22857 männl., 23869 weibl.) E., darunter 34093
Evangelische, 9489 Katholiken und 3025 Israeliten,
ferner 2579 Wohngebäude, 10284 Haushaltungen
und 8 Anstalten, d. i. eine Zunahme seit 1890 um
3520 Personen oder 8,8 Proz. Die Zahl der Gebur-
ten betrug 1895: 1710, der Eheschließungen 451,
der Sterbefälle (einschließlich Totgeburten) 1131.
In Garnison liegen Stab und 1. Bataillon des
21. Infanterieregiments und die 3. und 4. Abteilung
des 4. Artillerieregiments König. F. hat ein Logen-
gebäude in maur. Stil.
F-ürth imOdenwald, Flecken im Kreis Heppen-
heim der Hess. Provinz Starkenburg, im Odenwald,
an der Linie Weinheim-F. (16,3 kin) der Hess. Neben-
bahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Darm-
stadt), hat (1895) 1496 kath. E., Post, Telegraph und
eine tath. Kirche.
^Futzartillerie. Die frühere Festungsartillerie
war im deutschen Heer ursprünglich nur zur Vertei-
digung und Belagerung von Festungen bestimmt
(s. Artillerie, Bd. 1). Neuerdings ist die Zuteilung
einer Anzahl bespannter schwerer Batterien der F.
zur Feldarmee ins Auge gefaßt.
Fußklonus, ein wichtiges Zeichen für Erken-
nung bestimmter Nervenkrankheiten. Beugt man
bei entspannter Unterschenkelmuskulatur den Fuß
rasch und kurz nach dem Knie zu (dorsal), so treten
bei einzelnen Rückenmarks- und Gehirnkrankheiten
rhythmische Zusammenziehungen (klonische Zuckun-
gen) der Wadenmuskeln auf, wodurch der Fuß zu
gen im Fußgelenk gezwungen wird. Es handelt sich
bei dem F. um die Steigerung eines normalen
Sehnenreflexes <s. Kniephänomen, Bd. 10), der durch
Beklopfen der Achillessehne ausgelost wird.
*Futa-Dschalon steht als franz. Protektorat
seit März 1893 unter der Verwaltung von Fran-
zösisch - Guinea.
Oabel, enge und weite, s. Einschießen.
^Gabelentz, Hans Georg Conon von der,
starb 11. Dez. 1893 in Berlin. Nach seinem Tode
erschien: "Die Verwandtschaft des Baskischen mit
den Berbersprachen Nordafrikas" (Braunschw.1894).
Gabelverfahren, s. Einschießen.
* Gabillon, Ludw., starb 13. Febr. 1896 in Wien.
Gagauzen, die türkisch sprechenden Christen
längs der Küste des Schwarzen Meers in Bul-
garien im Kreis von Varna, in der rumän. Do-
drudscha und im südl. BeMrabien. Neuere Unter-
suchungen haben mit großer Wahrscheinlichkeit ge-
zeigt, daß es die Reste eines noch im Mittelalter
christianisierten alttürk. Volks sind, wohl der Kuma-
nen, auch Uzen oder Oguzen genannt, die im 13.
und 14. Jahrh, in Bulgarien, ebenso wie in Ungarn,
großen Einfluß gewannen und auch eine Dynastie
(die Terteriden) auf den Thron von Tirnova setzten.
Die Zahl der G. vermindert sich fortwährend durch
Bulgarisierung, Gräcisierung und Romanisierung.-
Vgl.Iirecekinden"SitzungsberichtenderKönigl.Böh-
mischen Gesellschaft der Wissenschaften" (1889); Pee;
in der "Österr. Monatsschrift für den Orient" (1894).
Galeriewälder, die an das Grundwasser ge-
bundenen tropischen Waldungen in den Savannen-
oder Steppenlandschaften. Sie stehen in ihrer Zu-
sammensetzung den weit ausgedehnten tropischen
Regenwaldungen, die durch Niederschlage während
des ganzen Jahres ihre immergrüne Fülle erhalten,
nahe, erhalten aber ihre besondern Eigenschaften