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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geschütz
15 cm-Kanone für sehr große Schußweiten verwen-
det. Bei der Festungsartillerie findet man dieselben
G., dazu dann noch eine 3,? cm-Nevolverkanone, die
schwere 9 cm-Kanone, 12 cm-Kanonen und 15 cm-
Kanonen verschiedener Konstruktion, von Haubitzen
das 15 cm- und 21 cm-Kaliber, von Mörsern eben-
falls das 15 cm- und 21 cm-Kaliber, sowohl kurze
wie lange, die 21 cm-Mantelkanone und einige leichte
Kanonen von 8 und 9 cm-Kaliber, die meist derFeld-
artillerie angehört haben. Küstengeschütze der Fuß-
artillerie sind die schon genannten schweren 12 cm-
Kanone, der 21 cm-Mörser, die lange 15 cm-Kanone,
die 21 cm-Ningkanone und der lange 15 cm-Mörser.
Durch Kabinettsorder vom 31. Okt. 1896 ist die
24 cm-, 21 cm- und 15 cm-Schnellladekanone 1^40
sowie die 3,7 cm-Maschinenkanone in die Marine-
artillerie eingestellt worden. Diese G. sind sowohl
in der Bewaffnung der Schiffe, als in der Küsten-
verteidigung vertreten.
Belgien. Die Feldartillerie hat für reitende
Batterien 7,5 cm-, für fahrende 8,7 cm-Kanonen,
beide System N 78 von Krupp; hier sind Ncu-
einführungen nicht zu verzeichnen, wohl aber in der
Festungsartillerie, in der an Kanonen das 5,7 cm-,
das 12 cm- und das 15 cm-Kaliber, an Haubitzen
das 15 cm- und das 21 cm-Kaliber, an Mörsern das
8,7 cm- und das 15 cm-Kaliber vertreten sind.
Dänemark. Die Feldartillerie hat beringte
8,7 cm-Kanonen N 76 von Krupp; eine 12 cm-
Haubitze wird eben eingeführt. Die Festungsartillerie
hat 8,7 cm-, 12 cm- und 15 cm- (kurze und lange)
Kanonen, ferner 4,7 cm- (Hotchkiß-) Schnellfcuer-
kanonen ^owie 12 cm- und 3,7 cm-Schnellfeuer-
kanonen, beide fclbstthätig nach System Marim-
Nordenfelt, doch sind vielfach noch ältere Systeme
und Konstruktionen im Gebrauch, wie auch neuer-
dings Versuche mit Schnellfeuerkanoncn wieder auf-
genommen wurden. Für die Küstenartillcrie sind
neue G.: 30,5 cm- und 17 cm-Kanone, 12 cm-
Schnellfeuerkanone, 3,7 cm - (automatische) Schnell-
feuerkanone und 7,5 cm-Schnellfcuerkanone auf
Feldlafette als ambulantes Gcfchütz. Mit Küsten-
haubitzen werden Versuche gemacht.
Frankreich. DieFeldartilleriehatdic80mm-Ka-
none für die reitende und die 90 mm-Kanone für
fahrende Batterien, beide 0 77, und noch feit 1895
für vereinzelte Batterien die kurze 120 mm-Kanone,
die als Schnellfeuerhaubitze zu klassifizieren ist.
Das ausgerüstete 80 mm-Geschütz wiegt 1620 K3,
das 90 mm-Geschütz 2120 IcF und mit drei aufgc-
scsicnen Mannschaften 2355 1<F, ersteres ist also um
etwa 300 kF leichter als das deutsche, letzteres an-
nähernd gleich diesem; doch haben die Lafetten der
G. für fahrende Batterien keine Achssitze, so daß für
gewöhnlich nur drei Mann aufsitzen und nur im
Notfalle fünf Mann auf der Protze zu befördern sind.
Über die Einrichtungen der kurzen 120 mm-Kano-
nen (eigentlich Schnellfeucrhaubitzen) sind nur wenig
Einzelheiten bekannt geworden; erst neuerdings ver-
lautet, daß die Feuergeschwindigkeit im langsamen
Feuer einen Schuß, im mittlern drei, im schnellen aber
sechs in der Minute beträgt, daß das Gesamtgewicht
23651(F ist, daß das Rohr in einer Jacke von Bronze
ruht und in dieser beim Schuß zurückgleitet; der
Rücklauf der das Nohr tragenden Oberlafctte wird
durch eine hydropncumat. Bremse geregelt, welche
auch das Wiedervorgehen jener bewirkt; außerdem
imd als Bremsvorrichtung für die untere Lafette
Fahrbremse und Sporn vorgesehen.
Die Belagerungsgeschütze sind gleichen Systems
wie die Feldgeschütze; es giebt Kanonen von 95,
120,155, 220 mm-Kaliber, Haubitzen von 155 mm
und zwei Mörser von 220und 270mm; die Kanonen
haben Gewichte bis 5620 KZ, die Haubitze wiegt
1020 K3, die Mörser 2000 und 5750 Kg; die größten
Schußweiten gehen bei den Kanonen bis 9000 m, bei
Haubitze und Mörsern bis 6600 und 6500 m. Ein
Mörser von 170mm soll demnächst eingestellt werden.
Die Festungsartillerie hat außer den G. der
Feld- und Belagerungsartillerie noch bronzene Vor-
derlader und selbst glatte G., Mitrailleusen, Schnell-
feuer- und Ncvolverkanonen 0 79.
Großbritannien. Die Feldartillerie ist so-
eben in der Umbewasfnung begriffen, da das bisher
als Einheitsgeschütz für fahrende und reitende Ar-
tillerie befindliche 12pfündige G. 0 84 für letztere als
zu schwer befunden wurde. Dasselbe wird nur noch
für die fahrenden Batterien beibehalten, es hat das
Kaliber von 7,02 cm mit steigendem Drall, besteht
aus einem Kernrohr und einem Mantel, beide aus
Stahl; seit 1890 ist es mit einer neuen Lafette ver-
sehen, bei der eine hydraulische Bremse den sehr be-
deutenden Rücklauf beim Schuß wesentlich ermäßigt;
außerdem ist auch eine Fahrbremse in Gebrauch.
Das Gesamtgewicht dieses G. mit aller Ausrüstung
belauft sich auf 1900 K3 und mit aufgefessener Be-
dienung (vier Mann) 2210 k^. Die Versuche zur
Herstellung eines leichtern G. für die reitende Ar-
tillerie haben die Einführung eines Drahtzwölf-
pfünders zur Folge gehabt. Das stählerne Kernrohr
reicht von der vordern Fläche des Verschlusses bis
zur Mündung, auf eine Länge von 60 cm von der
hintern Fläche ab ist es mit Stahlband umwickelt;
diefer Teil ist vom Mantel umgeben, der das Nohr
nach hinten fortfetzend das Verfchlußstück bildet und
die Schildzapfen trägt. Das ausgerüstete G. wiegt
1562 kF. - Für Indien und die Kolonien sind
Vorderlader im Gebrauch, und zwar Neun- und Drci-
zehnpfünder. Außerdem sind Maxim-Maschinen-
geschütze vom Kaliber des in der engl. Armee ein-
geführten Gewehres vorhanden, welche nach Bedarf
der Infanterie oder Kavallerie beigegeben werden
sollen, und auch eine 5,7 cm-Hotchkiß-Schnellfeuer-
kanone für den Landdienst. Die Versuche zur Ein-
führung einer Haubitze zum Gebrauch bei der Feld-
armee sind noch nicht abgeschlossen.
Italien. Die Feldartillerie hat die 7 cm-
Kanone 0 74 für reitende und fahrende Batterien
und die 9 cm-Kanone 0 81 nur für fahrende; die
Gebirgsartillerie verwendet ebenfalls eine 7 cm-
Kanone, jedoch mit bcsondern Einrichtungen zum
getrennten Transport der verschiedenen Teile des
G. auf Pferden oder Maultieren. - Für Abefsimen
sind zwei Gebirgsbatterien mit Schnellfeuerkanonen
von 4,2 cm ausgerüstet worden; Gewicht des Nohres
ist 87 kx, das der Räderlafctte 218 1(3; auch 9 ciu-
Mörser waren im afrik. Feldzuge im Gebrauch; das
Nohr wiegt 103 kx, die Lafette 125 K3. - In der
Velagerungs- und Festungsartillerie sind die Kaliber
von 9,12,15,21 und 24 cm vertreten; an Haubitzen
15 und 21 cm, an Mörsern 15 und 24 cm. An
Schnellfcuerkanonen sind solche nach System Gruson,
Nordenfelt, Gardenerund Marim eingeführt; endlich
finden sich auch noch 12 und 16 cm-(gezogene) Vor-
derlader und 15 cm-(glatte) Haubitzen im Gebrauch.
Osterreich - Nngarn. Die Feldartillerie hat
9 cm-Kanonen 0 75 für fahrende und 0 75.30 für
reitende Batterien (das Kaliber beträgt genauer