Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

477
Geßler - Gesteinsbohrmaschinen
Götterhimmels, wird er einmal wieder auf unsere
Erde gesandt, um, unter irdischen Bedingungen
geboren und ausersehen, das Böse in jeder Ge-
stalt zu bekämpfen und, durch harte Prüfungen
bewährt, Selbstherrscher von Tibet zu werden. Die
Laufbahn des Gottmenschen beginnt mit Eulen-
spiegeleien, zu denen jugendlicher, von Überlegenheit
eingegebener Übermut ihn antreibt, denen aber bald
gewaltige Kraftproben und echte Heldenstücke sich
anreihen. Seine Großthaten verschaffen ihm bald
einen Nuf nach China, dessen tollsinnig gewordenem
Herrscher er zum Heile aller Unterthanen verdrieß-
liche, mit Humor gewürzte streiche spielt. Unterdes
zaubert ihm ein zwölfköpsiger Niese auf Anstiften
eines G. C. feindlich gesinnten Oheims eine Krankheit
an, und einzige Bedingung der Genesung G. C.s soll
die Entfernung seiner von dem Oheim vergebens
umworbenen Gattin sein. Als er wieder genesen ist,
trägt ihn sein magisches Noß auf den mit Gefahren
übersäten Weg nach der Burg des Niesen, dessen
Tötung ihm gelingt. Die edle Aralgo, der Treue
ihres G. C. nicht sicher, will ihn^durch Tränke der
Vergessenheit für immer an ihre ^>eite bannen.
Bald darauf entsteht aber der blutigste Krieg;
denn drei mongol. ^tammeshäupter, durch ihre
schützenden Genien von der Schönheit einer andern
Gattin G. C.s unterrichtet, wollen diese mit unge-
heurer Heeresmacht für den Sohn des einen von
ihnen erobern, während der von Aralgos Tränken
gefesselte G. C. ohne Kunde bleibt. Die schöne Nogmo
wird durch Verräterei den Verbündeten zur Beute,
und ihre angestrebte Befreiung kostet fast allen Hel-
den G. C.s das Leben. Ein von Nogmo an G. C. ab-
geschossener magischer Pfeil befähigt ihn endlich zur
Nückkchr, und zwar erscheint er unerkannt, wie der
Homerische Odysseus, um mit List seiner Heldenstärke
den Weg zu bahnen. Mancher Zug der ^age bietet
hier mit der griechischen, wie Homer sie erzählt, die
überraschendste Ähnlichkeit; auch fehlen nicht An-
klänge an sinn. Nunen. Der endliche Triumph des
menschgewordenen Gottes über seine Feinde wird
ihm eine Zeit lang sehr verleidet, indem die zweimal
untreu gewordene Nogmo seine Verwandlung in
einen Esel vermittelt. Durch Gegcnzauber der Eis-
hülle wieder ledig, befreit er die Seele seiner vor
Gram über diesen Schimpf gestorbenen Mutter nach
siegreicher Bekämpfung des Totenrichters und ent-
rückt sie zum Himmel.
An das ind. Mutterland des Buddhismus erin-
nert in der ganzen Gcssersage nichts als die mytho-
log. Einkleidung und mancher den eigentlichen Le-
genden abgeborgte Zug. Die Menschen, mit denen
man ^u thun hat, sind, selbst wenn Götter in ihrer
Hülle sich bergen, echte Nomaden und Jäger der
Hochlande Innerasiens mit ihrer ganzen Derbheit
und Schalkhaftigkeit. Von frommer Selbstpeinigung,
von ind. Lcbcnsmüdigkeit blcibcn Mann und Weib
unberührt. Die Charaktere sind mannigfach abge-
schattet und jeder bleibt sich gleich bis ans Ende.
Den ostmongol. Text der Gessersage ließ I. I.
Schmidt in Petersburg 1830 drucken, und 1839
folgte eine deutsche Übersetzung desselben Gelehrten.
- Vgl. W. Schott, über die Sage von G. C. (in
den "Denkschriften" der Berliner Akademie der
Wissenschaften von 1851).
Geßler, Friedr. Leopold, Graf von, prcuß.
Generalfeldmarschall, geb. 24. Juni 1688 zu Schwar-
zenau in Westpreußen, trat 1703 in preuß. Dienste,
nahm unter dem Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau
in Italien teil an dem Spanischen Erbfolgekrieg,
trat in kaiserl. Dienste, kehrte aber noch unter Fried-
rich Wilhelm I. wieder in preußische zurück. In den
Kriegen Friedrichs d. Gr. zeichnete er sich wieder-
holt aus, so bei Mollwitz und bei Kesselsdorf. Den
größten Nuhm erwarb er sich als Generallieutenant
durch eine glänzende Waffenthat in der Schlacht
von Hohenfriedberg (4. Juni 1745), in der er mit
nur 10 Schwadronen Ansbach-Vayreuther Dra-
goner 20 feindliche Bataillone überritt und 67 Fah-
nen erbeutete, wofür er von dem König in den
Grafenstand erhoben wurde. 1756 nahm G. seinen
Abschied und starb 22. Aug. 1762 in Vrieg. Kaiser
Wilhelm II. hat 1888 das rhein. Kürassierregiment
Nr. 8 mit dem Namen Graf G. ausgezeichnet.
Geßner, Teresina, Schauspielerin, geb. 3. Juni
1865 zu Vicenza als Tochter eines mit einer Ita-
lienerin verheirateten österr. Offiziers, kam 1875 mit
ihren Eltern nach Wien, lernte dort die deutsche
Sprache, besuchte 1881 die Schauspielschule des
Wiener Konservatoriums und betrat zuerst in Inns-
bruck, dann in Graz dieBühne. VonL'Arrongewurde
sie 1886 für das Deutsche Theater in Berlin gewonnen,
welchem sie bis zum Ende der Direktion L'Arronge
1894 angehörte. Seit 1894 ist sie Mitglied des Ber-
liner Theaters. 1888 hatte sie sich mit ihrem Kollegen
Otto Sommerstorff (s. d.) verheiratet. Sie ist eine
der beliebtesten Schauspielerinnen der Reichshaupt-
stadt; ein Hauch Poet. Anmut und Innigkeit be-
seelt alle ihre Gebilde, von denen in erster Linie ihre
Hero in Grillparzers Schauspiel "Des Meeres
und der Liebe Wellen" und ihre Julie in "Nomeo
und Julie" stehen. Auch Ophelia, Cordelia, Klä'r-
chen, Gretchen, Louise in "Kabale und Liebe", das
Käthchen von Heibronn und andere zarte Frauen-
gestalten hat sie erfolgreich dargestellt, ebenso Cha-
raktere von größerer tragischer Energie, wie die
Jungfrau von Orlöans und Maria Stuart.
<Te880p3.intinF lital.-engl., spr. dschessopehn-,
"Gipsmalerei"), die in jüngster Zeit von einigen
engl. Künstlern versuchte Wiederaufnahme einer im
Mittclalter schon und besonders in Italien ausge-
übten Verbindung von Malerei und Flachrelief.
Eine Mischung von Kreide oder Gips (ital. F6380)
mit einem dünnen Klebe- oder Bindemittel wird
mit dem Pinsel in starkem Impasto so oft aufge-
tragen und an der Stelle, wo erforderlich, bis die
gewünschte Form in flacher Neliefbildung erzielt ist.
Die erstarrte Masse wird sodann vergoldet oder ver-
silbert, mit Ausnahme der Fleischpartien, welche
in gewöhnlicher Maltechnik (damals Tempera) aus-
geführt werden.
^Gesteinsbohrmafchinen. Die Übertragung
der elektrischen Kraft auf G. ist besonders dort
vorteilhaft, wo man entfernt liegende natürliche
Wasserkraft ausnutzen kann. Man benutzt stoßende
und drehende G. Von den Systemen stoßender
Maschinen (Marvin, Ienkins, Morgan, van De-
poele, Siemens & Halske) haben bisher die Systeme
van Dcpoele, Marvin, Siemens & Halske prak-
tische Anwendung gefunden; es hat sich dabei her-
ausgestellt, daß die Maschinen von van Depoele und
Marvin am wenigsten reparaturbedürftig sind. Die
Einrichtung der Maschine von van Dcpoele, bei der
der Bohrer durch Induktion hin und her bewegt wird,
ist aus dem in umstehender Fig. 1 dargestellten
Längsschnitt ersichtlich. Die beiden äußern Spulen
3i bestehen aus wenigen Windungen starken Drah-
tes, die Mittelspule 82 aus vielen Windungen dün-