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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Goßler - Götzen
G. ist Hauptort und Sitz der Verwaltung der Stan-
desherrschaft, welche seit 1720 im Besitz der Grafen
von Reichenbach-Goschütz ist.
Goßler, Heinrich Wilhelm Martin von, preuß.
Generallieutenant und Kriegsminister, geb. 29. Sept.
1841 in Weißenfels, trat 1860 in das preuß. I.In-
fanterieregiment, wurde 1861 Sekondelieutenant
und machte 1866 den Krieg gegen Österreich und
1870/71 den gegen Frankreich mit, nachdem er vor-
her die Kriegsakademie besucht hatte. 1871-75
war er als Hauptmann zum Kriegsministerium kom-
mandiert, führte darauf bis 1878 eine Compagnie im
2. Grenadierregiment und wurde dann wieder in die
Kriegsministerialabteilung für Armeeangelegenhei-
ten berufen und zum Mitglied der Obereramina-
tionskommission ernannt; 1885 wurde er Abtei-
lungschef im Kriegsministerium. Nachdem er 1888
Oberst, 1889 Commandeur des 3. Garderegiments
und 1891 Generalmajor und Brigadecommandeur
geworden war, wurde er im Okt. 1891 abermals als
Direktor des Allgemeinen Kriegsdepartements ins
Kriegsministerium berufen und zugleich in Vertre-
tung des Kriegsministers zum Mitglied der Landes-
verteidigungskommission ernannt. Auch war er stell-
vertretender Bevollmächtiger zum Bundesrat, Vor-
sitzender der Reichsravonkommission und Mitglied
des Disciplinarhofs. Seit Jan. 1895 Generallieute-
nant, befehligte er die 25. Division in Darmstadt,
als er 14. Aug. 1896 nach dem Rücktritt des Gene-
rals Bronsart von Schellendorff zum preuß. Kriegs-
minister und im September auch zum preuß. Bevoll-
mächtigten zum Bundesrate ernannt wurde.
*Gotha. 1) Herzogtum, hat (1895) 154105
(74847 männl., 79 258 weibl.) E., 23 034 bewohnte
Wohnhäuser, 32 383 Familienhaushaltungen und
2578 einzeln lebende Personen. - 2) Landratsamts-
bezirk, hat (1895) 41165 (20265 männl., 20 900
wcidl.) E., 7711 bewohnte Wohnhäuser, 8520 Fa-
milienhaushaltungen, 507 einzeln lebende selbstän-
dige Personen und 31 Anstalten. - 3) Stadt, ist
Sitz eines Bezirkskommandos und hat (1895)
31670 (15 119 männl., 16 551 weibl.) E., darunter
30453 Evangelische, 829 Katholiken, 94 andere
Christen und 286 Israeliten, ferner 2540 bewohnte
Wohnbäuser, 6714 Familienhaushaltungen und
34 Anstalten. Die Zahl der Geburten betrug 1895:
888, der Eheschließungen 240, der Sterbefälle (ein-
schließlich Totgeburten) 623. An der Spitze der Ver-
waltung der Stadt stehen ein Oberbürgermeister
(6^0 M. Gehalt), ein Bürgermeister (4000 M.) und
5 Senatoren (2 besoldete). Neuere Gebäude sind die
Kaserne (1895) und das Gerichtsgebäude (1896).
(S. Tafel: Leichenverbrennung I, Fig. 1 u. 2,
und li, Fig. 4.) - Vgl. Gotha, hg. vom Touristen-
vercin G. (Gotha 1889); Schneider, Wegweiser
durch G. und seine Umgebung (ebd. 1894).
* Goethe-Archiv. 'Das Archiv wurde 28. Juni
1896 in dem dafür errichteten Gebäude eröffnet.
Von der großen kritischen Ausgabe der Werke,
Briefe und Tagebücher Goethes, die auf Grund der
reichen Archivschätze von etwa 50 Gelehrten besorgt
wird, sind bis Okt. 1896 schon 70 Bände erschienen.
Das Goethe- und Schiller-Archiv wurde bereichert
durch Goethes Briefe an Charlotte von Stein.
^Gotthardbahn. Vom zweitenGleise waren (bis
1895) 93 km fertig gestellt; die Zufahrtslinien Lu-
zern-Immensee und Zug-Goldau besinden sicb (1896)
im Bau. 1895 betrug die Zahl der beförderten
Personen 1624413 (1894: 1 567 864), die Tonnen-
zahl der Güter und des Gepäcks 825002 (811168),
die Gesamteinnahme 16 422818 (16180 065) Frs.
und die Dividende 7,4 Proz. (7,8).
^Göttingen ist Sitz eines Bezirkskommandos
und hat (1895) 25506 (12 728 männl., 12778
weibl.) E., darunter 22645 Evangelische, 2164 Ka-
tholiken, 107 andere Cbristen und 590 Israeliten,
ferner 1865 bewohnte Wohnhäuser, 5204 Haus-
haltungen und 60 Anstalten. Die Zahl der Gebur-
ten bbtrug 1895: 705, der Eheschließungen 149, der
Sterbefälle (einschließlich der Totgeburten) 559. In
Garnison liegt ferner das 3. Bataillon des Infan-
terieregiments Nr. 82. Ein Denkmal G. A. Bürgers
(Kolossalbüste von Eberlein) wurde 1895 errichtet.
Auf dem nahen Kleperberge der Bismarckturm (31 m).
Die Universität hatte Sommer 1896: 86 Professoren
und 30 Docenten, 1007 Studierende und 92 Hörer,
im Winter 1896/97: 86 Professoren und 30 D ocenten,
1017 Studierende und 99 Hörer. - Vgl. Mvchk^,
Chronol. Abriß der Geschichte G.s (Gott. 1894).
Göttinger Thesen, s. Irrenrecht.
Gottschick, Johannes Friedrich, evang.Theolog,
geb. 23. Dez. 1847 in Nochau (Altmark), studiertem
Erlangen und Halle sowie auf dem Kandidaten-
konvitt am Kloster Unserer Lieben Frauen in Magde-
burg Theologie und Philologie, wurde 1871 Gym-
nasiallehrer in Halle, 1873 in Wernigerode, 1876
Gymnasiallehrer in Torgau, 1878 Professor und
geistlicher Inspektor am Kloster Unserer Lieben
Frauen zu Magdeburg und Vorsteher des mit
diesem verbundenen Kandidatenkonvikts zur Aus-
bildung von Neligionslehrern an höhern Schulen,
1882 ord. Professor der praktischen Theologie in
Gießen, 1892 in Tübingen. G. schrieb: "Schleier-
machers Verhältnis zu Kant" (Wernigerode 1875),
"Kants Beweis für das Dasein Gottes" (Torgau
1878), "Luther als Katechet" (Gieß. 1883), "Der
evang. Religionsunterricht in den obern Klassen
höherer Schulen" (2. Aufl., Halle 1886), "Luthers
Anschauungen vom christl. Gottesdienst und seine
thatsä'cklicke Reform desselben" (Freib. i. Br. 1887),
"Die Glaubenseinheit der Evangelischen gegen-
über Rom" (Gieß. 1889), "Die Kirchlichkeit der sog.
kirchlichen Theologie, geprüft" (Freib. i. Vr. 1890),
"Die Bedeutung der histor. kritischen Schrift-
forschung für die cvang. Kirche" (ebd. 1892), "Theol.
Wissenschaft und Pfarramt" (Ludwigsb. 1895).
Götzen, Gustav Adolf, Graf von, Afnkare^ender,
geb. 12.Mai 1866 aufSchloßScharfeneckinSchlesien,
studierte zuerst Jura, trat dann in die Armee und
wurde 1887 Lieutenant. Von Rom aus, wo er bei
der Botschaft attachiert war, unternahm er einen
Iagdausflug nach dem Kilima-Ndscharo. Die ge-
glückte Ausführung desselben erweckte in ihm da.s
Verlangen, den ganzen Kontinent zu durchqueren
und bisher noch unerforschte Gegenden der geogr.
Kenntnis zu erschließen. Er verband sich mit vr.
von Prittwitz und vi-. Kersting im Herbst 1893,
brach 21. Dez. 1893 von Pangani an der deutsch-
ostafrik. Küste auf und marschierte durch die Massai-
länder, Nord-Uniamwesi und Usuwi, überschritt
2. Mai 1894 den Kagera und betrat die nur am
Ostrand von Dr. Baumann 1892 berührte, selbst
den arab. Händlern verschlossene, märchenhafte
Landschaft Ruanda. Er bestieg einen der höchsten
Gipfel der Virungaberge (Mfumbiro, f. d.), den noch
thätigen Vulkan Kirungatsha-gonHo (3350 m), ent-
deckte den 30 km breiten und mindestens 80 km
langen Kivusee und entschloß sich 29. Juni, durch