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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannisches Heerwesen
Gefahr soll dieses stehende.veer durch die Armec-
reserve verstärkt werden, welche aus gedienten
Mannschaften besteht, die sich nach Erfüllung ihrer
meist siebenjährigen Dienstverpflichtung bei der
Fahne freiwillig zu einer weitern bestimmten Zeit
in der Reserve gegen Geldentschädignng verpflichten,
wofür sie sich bei einer Mobilmachung znr Ergänznng
der aktiven Truppen sofort zu melden, auch jährlich
bestimmte Übungen zu leisten haben.
Neben diesen beiden Bestandteilen bericht die
Wehrkraft des Landes auf denjenigen Streitkräften,
welche als hilsstruppen bezeichnet werden, der Miliz
mit ihrer Reserve und den Freiwilligen, zu denen
die Ieomanry oder berittenen Freiwilligeil gehören.
Die Miliz wird jetzt ebenfalls nach dem System der
freiwilligen Werbnng zusammengebracht, welche den
Soldaten eine jährliche Geldentschädignng und
während der Einbernfuugen Lohnung znsichert. Als
Feldtruppe darf sie bei der geringen Ansbildung,
namentlich im Schießen, kaum betrachtet werden.
Tie Milizreserve lseit 1867) setzt sich aus Miliz-
soldaten zusammen, die sich gegen eine Jahresent-
schädignng verpflichten, im Kriegsfall das stehende
Heer zu verstärken; für diese ist eine Altersgrenze
von 34 Jahren festgesetzt, bei der Feldarmee wird
sie nur sehr geringen Wert haben können. Die
Freiwilligen, welche dem Kriegsministerinm unter-
stehen, sind der Zahl nach jährlicher Festsetzung durch
das Parlament unterworfen; ihre Einberufung er-
folgt zu Übungen, sonst aber nur im Fall einer
drohenden oder wirklichen feindlichen Invasion; Ein-
tritt und Austritt sind dem Ermessen der Frei-
willigen überlassen, sie tragen eigene Bekleidung,
erhalten aber Waffen und Ausrüstuugsstücke, sowie
während der Einberufung Löhnung nach den Sätzen
des stehenden Heers durch den Staat.
Die Ueomanry können als Kavallerie der Frei-
willigen angesehen werden, wenn sie auch selbst in
England nicht als kriegsbrauchbare berittene Truppe
beurteilt werden.
An der Spitze der Heeresverwaltung steht als
Kriegsminister ein nicht militär. Parlamentarier; er
führt die Amtsbezeichnung Staatssekretär des Krieges
nnd ist der Krone wie dein Parlament für die Be-
schaffenheit der gesamten Wehrmacht zu Lande ver-
antwortlich. Unter ihm stehen zwei ganz selbstän-
dige kriegsministerielle Behörden, das Civildeparte-
ment und das Militärdepartement, jenes unter
einem parlamentarischen Finanzsekretär, dieses
unter dem von der Krone ernannten Oberbefehls-
haber der Armee, jetzt Lord Wolseley, nachdem der
Herzog von Cambridge 1895 zurückgetreten ist. Das
Civildepartement hat die Bekleidung, Ausrüstung,
Bewaffnung und Verpflegung des Heers unter sich.
Das Militärdepartement ist die eigentliche Militär-
behörde des Kriegsministeriums. Oberster Leiter ist
der Höchstkommandierende selbst, ihm ist ein Adju-
tant-General beigcgeben, welcher als Chef des Ge-
neralftabcs fungiert. Der Höchstkommandierende
trägt die Verantwortung für die Vollständigkeit und
Organisation, Ansrüstnng, Newasfnnng und den ge-
samten kriegsbrauchbarcn Zustand des Heers, sowie
die Vorbereitungen für eine Mobilmachung.
Höhere taktische Verbände werden erst snr den Mo-
bilmachungsfall gefchaffen. Die Infanterie besteht
aus 148 Bataillonen und 69 Depots, die in 3 Garde-
Fußregimenter (ftr6nkäi6i' (Fnai'äs zu 3 Batail-
lonen, (!0i(l3ti'0üin 6uai'äg und 8c0t8 Onln-ää),
67 Linieninfanterie- oder Territorialregimenter und
2 Schützenrcgimenter zu 4 Bataillonen vereinigt sind.
Die Regimenter haben bis auf die angeführten Aus-
nahmen je 2 Bataillone (ein Infanterieregiment
nur 1), die Garde und die Schützen aber nnr je ein
gemeinsames Depot.
Die Kavallerie zählt 3 Garderegimcnter, 28 Linien-
regimenter und 11 Depots mit zusammen 124 Eska-
drons; an Fcldartillerie werden 88 fahrende, 21 rei-
tende, 10 Gebirgsbatterien und 2 Depots aufge-
führt, an Festungsartillerie 93 Compagnien mit
6 Depots, endlich an technischen Truppen 57 Com-
pagnien und vom Train 40 Compagnien.
Von diesem gesamten stehenden Heer befanden
sich 1895 an Infanterie im Mutterland 7 Garde-,
65 Linien-, 69 Depotbataillone, in Ägypten und
den Kolonien 23 Linienbataillone, in Indien 53 Li-
nienbataillone ; an Kavallerie im Mutterland
3 Garde-, 17 Linicnregimenter, 11 Depots (im
ganzen 80 Eskadrons), in den Kolonien 2 Linien-
regimenter (8 Eskadrons), in Indien 9 Linien-
regimentcr (36 Eskadrons); an Feldartillerie im
Mutterland 45 fahrende, 10 reitende Batterien,
2 Depots, in den Kolonien 1 fahrende Batterie, in
Indien 42 fahrende, 11 reitende Batterien; an Ge-
birgsartillerie im Mutterland 1 Gebirgsbatterie, in
den Kolonien l Gebirgsbatterie, in Indien 8 Ge-
birgsbattericn; an Festungsartillene im Mutter-
land 35 Compagnien, 6 Depots, in den Kolo-
nien 31 Compagnien, in Indien 27 Compagnien;
an technischen Truppen im Mutterland 41 Com-
pagnien, in den Kolonien 15 und in Indien 1 Com-
pagnie. Die Traintrnppen stehen im Mutterland.
Die Miliz umfaßt 128 Infanteriebataillone,
1 fahrende, 1 reitende Batterie, 163 Festungs-
compagnien, 25 Compagnien technischer Truppen;
die ^eomanry 109 Eskadrons. An Freiwilligen
bestehen 210 Infanteriebataillone mit sehr wechseln-
den: Bestand (600-2000 Mann), 1^ Eskadrons,
109 fahrende Batterien und 390 Compagnien
Festungsartillerie, welchen 31 Batterien überwiesen
sind; endlich noch 148 Compagnien technischer
Truppen.
Als Stärken wnrden 1. Jan. 1895 angegeben:
Truppengattungen
Infanterie........... 5 816
Kavallerie........
Artillerie........
Pioniere ........
Train..........
Hlßäioul 8tatk Corps . . .
Branchen ........
Stehendes Heer
Armeereferve

Offi-
Mann-
Dienst-
Offi- i
Mann-
ziere
schaften
pferde
ziere
schaften
5 816
139 029
705

59 543
899
18 775
12 625

7 290
1836
34 344
12 284

9 529
1456
6 535
390
1600
2 254
284
3 213
1286

2 519
39
2 464


1163
' 245
1 561


359
Miliz und
Milizreserve*
Offi-
ziere
Mann-
schaften
2394
391
84
14 064
1686
273
Freiwillige
Offi-
ziere
Mann-
schaften
5495 ! 164 454
16 ! 159
1536 ! 38 704
464 ! 12 257
54
1386
Fufammeil > 10 575 ! 205 921 ^ 27 290 l 1600 82 457 s 2874 ! 100 308 l 7565 ', 217 010
Hierunter befindet sich der vom stehenden Heere abkommandierte permanente Etab.
Brockhauö' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. XVII.
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