Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Guilmant – Güter

Guilmant (spr. gilmáng), Felix Alexandre, franz. Orgelspieler und Komponist, geb. 12. März 1837 in Boulogne-sur-Mer, war Schüler seines Vaters, wurde 1853 als Organist an St. Joseph in seiner Vaterstadt angestellt, 1857 Kapellmeister an St. Nicolas und war auch als Musiklehrer und Gesangsdirigent daselbst thätig. Nachdem er seit 1861 noch längere Zeit bei Lemmens in Brüssel studiert hatte, erwarb er sich auf Konzertreisen durch Frankreich und das Ausland schnell den Ruf als einer der bedeutendsten Orgelmeister der Gegenwart. Seit 1871 ist er Organist der Kirche Ste. Trinité in Paris. Großes Aufsehen erregten während der Pariser Weltausstellung von 1878 G.s Orgelkonzerte auf dem Trocadero, die er seitdem jährlich wiederholt. Seine Kunstreisen nach England, Italien, Rußland und Nordamerika waren überall von großen Erfolgen begleitet. 1893 war er der Vertreter der franz. Musik auf der Weltausstellung von Chicago; hier und in Canada gab er während dieser Zeit 40 Konzerte. Auch als Komponist für sein Instrument wird G. sehr geschätzt; besonders neue und eigenartige Kombinationen und Klangwirkungen verdankt man ihm auf diesem Gebiete. Er schrieb fünf Orgelsonaten (D-moll 1874, D-dur 1883, C-moll 1881, D-moll 1884, C-moll 1894), von denen die erste auch als Sinfonie für Orgel und Orchester (op. 42) erschien und in dieser Form zuerst 1878 auf dem Trocadero aufgeführt wurde, Konzertstücke für Orgel (18 Hefte), Transskriptionen von Werken moderner Meister, Präludien und andere kleinere Stücke in den Sammlungen «Pièces dans différentes styles pour orgue» (18 Lieferungen bis 1896), «L'organiste pratique» (12 Hefte) und «L'organiste liturgiste» (6 Hefte); außerdem mehrere Oratorien, vier Messen für Orchester u.a. Bearbeitungen und Transskriptionen von Werken alter Meister enthält G.s «Concert historique d'orgue».

*Guimarāes, Stadt, hat (1890) 8636 E.

*Gumbert, Ferd., starb 6. April 1896 in Berlin.

*Gumbinnen, Stadt, ist Sitz eines Bezirkskommandos und hat (1895) 13545 (7434 männl., 6111 weibl.) E., darunter 249 Katholiken und 110 Israeliten, ferner 620 bewohnte Wohnhäuser, 2547 Haushaltungen und 13 Anstalten. In Garnison liegt ferner das 2. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 147 und Stab und 5. Eskadron des Dragonerregiments von Wedel Nr. 11.

Einwohnerzahl des Regierungsbezirks und seiner Kreise:

OrtsanwesendeZunahme (+)
KreiseBevölkerungAbnahme (-)
von 1890–95
18951890in Proz.
Heydekrug42 55442 143+0,94
Niederung55 84055 614+0,40
Tilsit (Stadtkreis)28 21724 545+14,96
Tilsit (Landkreis46 97247 121-0,32
Ragnit55 07754 725+0,64
Pillkallen47 74146 664+2,30
Stallupönen45 66445 329+0,73
Gumbinnen51 90448 928+6,09
Insterburg73 76071 782+2,75
Darkehmen34 74034 207+1,55
Angerburg35 82135 951-0,01
Goldap45 59045 002+1,31
Oletzko40 45740 401+0,13
Lyck56 88854 804+3,80
Lötzen42 16841 793+0,75
Sensburg49 39248 758+1,30
Johannisburg49 55548 747+1,63
Reg.-Bez. Gumbinnen802 340786 514+2,00

Günnigfeld, Bauerschaft im Landkreis Gelsenkirchen des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, hat (1895) 3767 E., Postagentur, Fernsprechverbindung, kath. Kirche; Steinkohlenzeche der Firma Krupp in Essen.

*Günther, Karl, starb 14. Juli 1896 zu Wernshausen.

Gura-Humōra. 1) Bezirkshauptmannschaft (seit 1893) in der Bukowina, hat 751,17 qkm und (1890) 48607 (24365 männl., 24242 weibl.) meist rumän. E. (10669 Deutsche, 3243 Polen, 1176 Ruthenen) in 32 Gemeinden mit 52 Ortschaften und 12 Gutsgebieten und umfaßt die Gerichtsbezirke G. (früher zur Bezirkshauptmannschaft Suczawa gehörig) und Solka (früher zu Radautz). –

2) G., rumän. Gura-Humorului, Marktflecken und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (443,43 qkm, 26696 E.), am Einflusse der Humora in die Moldava und an der Linie Hatna-Kimpolung der Bukowinaer Lokalbahnen, hat (1890) 3502 meist deutsche E. In der Nähe der Bergort Eichenau (Prisaca) und daselbst an der Straße das 1716 errichtete Siegesdenkmal des Fürsten Michael Rokowitza der Moldau.

Gurāra, Oasengruppe in der Sahara, nördlich von Tuât (s. d., Bd. 15), zu dem es meist gerechnet wird, im Westen vom Wadi Saura (Susfana), dem besten Zugangsweg von Algerien, begrenzt, besteht aus mehrern um die Sebcha von G. gelagerten ungesunden Oasen von zusammen etwa 2800 qkm Ausdehnung und hat etwa 200000 E., meist Berber. Hauptort ist Timmimun im Osten der Sebcha. G. wurde 1895 von den Franzosen besetzt.

*Gurko, Ossip Wladimirowitsch, wurde im Dez. 1894 seines Amtes als Generalgouverneur von Warschau enthoben und zum Generalfeldmarschall ernannt.

*Gurlitt, Louis, starb 19. Sept. 1897 zu Naundorf bei Schmiedeberg im Erzgebirge. Sein Bruder Emanuel G. starb 14. Juli 1896 zu Husum.

Gurtschin, poln. Górczyn, Dorf im Kreis Posen Ost des preuß. Reg.-Bez. Posen, an der Linie Frankfurt-Bentschen-Posen der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 3909 E., Postagentur, Fernsprechverbindung.

*Gustav-Adolf-Verein. Die Jahreseinnahme für 1894 betrug 1704747,31 M., die Zahl der Unterstützungsgesuche 1734. Im J. 1895 zählte der G. 45 Hauptvereine (davon in Österreich-Ungarn 2, Wien und Hermannstadt), 1832 Zweig- und 526 Frauenvereine.

Gustavsburg, Wohnplatz im Kreis Großgerau der Hess. Provinz Starkenburg, auf der Landspitze zwischen Rhein und Main, Mainz schräg gegenüber, an den Linien Frankfurt a.M.-Bingerbrück und Mainz-Aschaffenburg der Hess. Ludwigsbahn (Station G.-Kostheim), hatte 1890: 121, 1895: 271 E., Postagentur, Telegraph, einen großen Rheinhafen und mehrere Fabriken, darunter eine Filiale der Maschinen- und Brückenbauanstalt Nürnberg und Reedereien der Firmen Math. Stinnes, Fr. Haniel und F. Kannengießer. Im Hafen kamen 1895 an 1322 Schiffe mit 511780 t Ladung und gingen ab 414 Schiffe mit 63909 t Ladung.

*Güter. Nach einer 1. Jan. 1896 für die Vertragsstaaten des Berner internationalen Übereinkommens über den Eisenbahnverkehr (s. Eisenbahnrecht II, 3, Bd. 5) mit Ausnahme von Österreich, Ungarn und den Niederlanden in Geltung getretenen Zusatzvereinbarung zu diesem Übereinkommen vom 16. Juli 1895 sind die früher vom internationalen

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 519.