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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Hèliand - Hendrich
H. gehört nickt zum deutschen Zollgebiet, bildet
also in zollrechtlicher Beziehung für Deutschland
Ausland; Preußen bat für die Ausgaben des Reichs
an dieses ein Aversum zu zablen. Teutschland hat
sich bei der Abtretuug gegenüber England verpflich-
tet, bis zum 1. Fan. 1910 den bei der Abtretung
geltenden Zolltarif nickt zu erhöhen. Sofern also
der deutscke Zolltarif böber ist als der damalige
delgoländische, kann bis 1. Jan. 1910 die Insel in
das deutscke Zollgebiet nickt aufgeuommen werden.
Am 25). Dez. 1894 wurde H. von einer Sturm-
flut heimgesucht, bei der der Wasserstand böher
als wübrend aller Sturmfluten seit dem ^. 1829 war,
und zwar noch 12 c'iu höher als bei den Fluten 1855
und 1881, und 8l> cm höher als bei der Sturm-
flut im Febr. 1894. Der höchste Wasserstand war
6M in um 8 Uhr 4 Minuten vormittags am
23. Dez. über dem Nullpunkt von H. oder :>,,7 in über
dem Mittelwasserstande. Schon mittags 22. Dez.
stieg das Wasser bei schwerem Südwestwinde mit
der Mondflut stärker als gewöhnlich; abends wehte
deftiger Stnrm aus Westen, der plötzlich nach Nor-
den drehte und das Wasser verhinderte, mit der Ebbe
abzulaufen, im Gegenteil stieg das Wasser fast
16 Stunden lang, und zur Zeit der tiefsten Ebbe,
morgens :l Uhr am 23., war das Unterland bis zum
Musikpavillon vor dem Konversationsbausc unter
Wasser. Nack 7 Uhr morgens brach das Wasser
vom Nordstrande des Unterlandes über die Iüt-
landsterrassc in die Victoriastrafte, floß nm das
Kurhaus herum und zerschlug die Fenster des alten
Postgebäudes; überhaupt wurde der Nordstrand
stark verwüstet. Den Südstrand schützte die neue
Mole vor starken Beschädigungen. Die Düneninscl
vonH. batte stark gelitten und mußte durch ver-
schiedene Bubnenbauteu befestigt und ausgebessert
werden. - Vgl. von Schwerin, ll. lli^toii^ic-^o-
<5i'cl,ti8k IIn(Ioi'5<)IiiiiiiA (^und 1896).
^Heliand, s. Altsächsisch.
* Helium. Im Spektrum der Sonnenchromo-
sphäre war bereits seit langem eine ^inie 1)> im
Gelb bekannt, der keine dunkle ^raunboferscke ^inie
entspricht, und die im Spektrum keines irdiscken
Elements vorkommt und daber einem der Sonne
eigentümlicken Element, demH., zugefckrieben winde.
Neuerdings ist dieses Element von Namsay (s. d.)
auch auf der Erde (zuerst im Eleve'ü von Carlshuus
in Norwegen) aufgefunden worden. Seine Ent-
deckung ftebt im engsten Zusammenbange mit der
des Argons (s. d.>. Manche Mineralien entwickeln
beim Erbitzen Gase, die hauptsächlich aus Stickstoff
bestehen. Als man diesen Stickstoff auf einen Gc-
balt an Argon prüfte, erhielt man einen Nückstand,
der nickt ans Argon, sondern einem ebenfalls voll-
ständig indifferenten Gase bestand, dessen Spektrum
die für das H. charakteristische Doppelliiüci). neben
vielen andern znm Teil ebenfalls im Sonnenspek-
trum aufgefundenen zeigte. An der Identität bei-
der Körper ist kein Zweifel mehr.
Wie das Argon ist das H. ein indifferentes Gas,
in Wasser wenig löslich. Sein specifisches Gewicht
beträgt etwa 2 (Nasserstoff ^ 1), das Verbältnis
der specifischen Wärinen 1,W. Daraus läßt sich
schließen, daß ein einatomiges elementares Gas
vom Atomgewickt 4 vorliegt, das mit dein Argon
in eine natürliche Gruppe gehört. Man gewinnt
das H. am besten aus den Gasen, die von den
Mineralien Eamarstit, Mttrotantalit, Elcve'it,
Uraninit, Bröggerit u. a. beim Erhitzen ausgegeben
werden, doch ist es auch in einigen Mineralquellen
uachgewiesen worden. Der Charakter des Spek-
trums des H. macht es wabrsckeinlich, daß ein Ge-
misch zweier verschiedenen im chem. Charakter sehr
äbnlichen Elemente etwa vom Atomgewicht 3 und 5
vorliegt. Die Heliumliuien sind auch in den Spek-
tren vieler Sterne aufgefunden worden.
Hellenthal, Dorf im Kreis Schleiden des preuß.
Reg.-Bez. Aachen, an der zur Urst gehenden ^^f
und der Nebenlinie Kall-H. (17,i km) der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1895) 931, als Gemeinde 3251
E., Post, Telegraph, Bürgermeisterei, kath. Kirche;
Eisengießerei, Eisenbammer, Nuftbrennerei mit
Druckfarbenfabrikation, Fabrikation von Maschinen,
Drahtstiften, Korsettsckließen, Federstalüwaren.
Helligkeit, s. Tageslicht.
^Hellmesberger, Georg. Sein SohnIosepb
H. starb 24. Olt. 18W in Wien.
* Hellriegel, Friedr. Hermann, starb 21. Sept.
1895 in Bernburg.
^Helmholtz, Herm Ludw. Ferd. von, starb
8. ^ept. 1894 in Cbarlottenburg. Von seinen
"Wissenschaftlichen AbHandlnngen" erschien Bd. 3
l^pz. 1895). - Vgl. Ansprachen und Reden, gehal-
ten bei der 2. Nov. 1891 zu Ehren von Hermann
von H. veranstalteten Feier (Berl. 1892); von Bezold,
Hermann von H. Gedächtnisrede (Lpz. 18.<)5),' Ep-
stein, H. als Mensch und Gelehrter (Stutt. 1896).
Henckell, Karl Friedrich, Schriftsteller, geb.
l7. April 1864 zu Hannover, studierte 1883-86 in
Berlin, Heidelberg und München german. Philologie,
Geschichte und Nationalökonomie, lebte 1886-87 in
^enzburg im Kanton Aargai: und setzte 1887 seine
Studien in Zürich fort. Nach längerm Aufenthalt
in Mailand, Wien und Brüssel bürgerte er sick
1890 m der Schweiz ein und lebt seitdem in Zürick.
Seit Herbst 1895 ist er Mitinhaber einer Verlags-
buckhandlung (Karl Henckell ck (5o. in Zürick und
Leipzig). H. war schon als Stndent Mitarbeiter
verschiedener Zeitschriften. Er gab 1885 die An-
regnng zu der von Arendt herausgegebenen Samm-
lung "Moderne Dichtercharaktere" und hat sich selbst
als Lyriker einen Namen gemackr. Seine polit.
Gedichte tragen einen freiheitlich-revolutionären und
socialistiscken Charakter. Er veröffentlichte: "Um-
sonst. Ein sociales Nacktstück" (Berl. 1884), "Poet.
Skizzenbuch" (Minden i. W. 1884), "Quartett" (Ge-
dichtsammlung mit O. E. Hartleben u. a., Hamb.
1886), "Strophen" sZür. 1887), "Ami'elrufe" lebd.
1888), "Diorama" lebd. 1889), "Gründeutschland"
i^pz.1890), "Trutznacktigall" iStuttg. 1891), "Aus
meinem Liederbuch" (Ätünck. 1892), "Zwischenspiel"
(Zür.1894), "^toderne Dichterabende" (ebd. 1895",
"Ada Negri" (ebd. 189ii); ferner gab er heraus:
"Buch der ^reibeit, Antbologie socialer und polit.
Freiheitsdichtungen aller Völker von Goethe bis
auf die Gegenwart" (2 Bde., Berl. 1892), "Sonnen-
blumen. Meisterwerke der^yrit" (Zürick, seit 1895).
^ Henckel von Donnersmarck, Adelsgeschleckt.
Am 27. Dez. 1895 starb auf seiner Herrschaft Gröditz-
berg in Scklesien Graf ^eo Amadcus Vtarimi-
lian H., Wirkl. Gcheimrat, Generallientenant und
l^cneraladjutaut des Großherzogs von Sachsen;
ibm folgte als Hanpt des säcks. Zweiges der Tar-
nowitz-^tendecker ^inie sein Sobn Victor (geb.
25. Okt. 1854), ^egationsrat und erster Sekretär bei
der kaiserl. deiltscken Botsckaft in Konstantinopel.
Hendrich, Hermann, Maler, geb. :>1.Ott. 1856
zu Heringen, war Schüler der Landschaftsmaler Iof.