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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Himmelsphotographie
runde Scheibchen von nahezu gleichmäßiger Schwärzung bis zum Rande; bei schwacher Vergrößerung zeigen sie sich völlig scharf begrenzt. Jede Stelle des Himmels soll zweimal aufgenommen werden. Die eine Aufnahme soll die Sterne bis 11. Größe, die andere bis 14. Größe enthalten. Nur die erstere Aufnahme soll ausgemessen und die aus ihr berechneten Sternpositionen sollen zu einem Kataloge vereinigt werden.
Auch für die Erweiterung unserer Kenntnisse der Struktur der Nebelflecken und Sternhaufen ist in den letzten Jahren die H. ganz wesentlich nutzbar gemacht worden. Von einer sehr erheblichen Zahl von Nebelflecken sind Photographien angefertigt worden, die in vieler Hinsicht interessante Details haben erkennen lassen. So zeigt z. B. die Photographie, was die direkte Beobachtung mit dem Auge nicht erkennen läßt, daß der große Nebelfleck in der Andromeda aus einem ganzen Systeme von Schalen besteht; ferner ist mit Hilfe der H. der spiralförmige Charakter bei einer ganzen Reihe von Nebeln nachgewiesen worden. In vielen fällen zeigt bei Nebeln die Photographie ganz auffällige Abweichungen gegenüber Zeichnungen, deren Zuverlässigkeit und Genauigkeit verbürgt ist. Partien, welche auf der Zeichnung gleich hell erscheinen, zeigen auf der Photographie starke Kontraste. Es hat dies, wie z. B. beim Großen Orionnebel durch spektroskopische Messungen direkt nachgewiesen ist, seinen Grund darin, daß einzelne Teile des nämlichen Nebels die verschiedenen chem. Bestandteile der Nebelmaterie in einem andern Mischungsverhältnis aufweisen als andere. Die von ihnen ausgesandten Strahlen wirken daher auf die photogr. Platte anders ein, während sie direkt auf das Auge den nämlichen Eindruck hervorrufen. Für die Photographie von Nebeln sind photogr. Objektive von großer Öffnung und sehr kurzer Brennweite (Porträtlinsen) sehr vorteilhaft.
Die Ausmessung von Sternhaufen mit Mikrometern, auf die man vor Erfindung der H. allein angewiesen war, ist eine sehr zeitraubende und mühevolle; in einzelnen Fällen hat es mehrerer Jahre bedurft, um das erforderliche Beobachtungsmaterial am Fernrohr zu beschaffen. Mit Hilfe der H. wird die Arbeit am Fernrohr auf wenige Stunden beschränkt, für welche man die günstigsten Zeitmomente auswählen kann, und die eigentliche Ausmessung auf der photogr. Platte wird in das Arbeitszimmer verlegt, wo es leicht möglich ist, sie unter konstanten Verhältnissen und ganz von der Witterung unabhängig durchzuführen. Für dichte Sternhaufen und besonders für solche, welche wegen der Sternfülle zu ihrer Auflösung sehr kräftiger optischer Hilfsmittel bedürfen, würden die verschiedenen Methoden der direkten Ausmessung am Himmel vermittelst eines Mikrometers völlig versagen. In diesen Fällen ermöglicht die h. nicht nur eine Ausmessung, sondern auch eine sehr beträchtliche Genauigkeit. Ein glänzendes Beispiel hierfür ist die von Professor Scheiner in Potsdam vorgenommene Aufnahme und Ausmessung des großen Sternhaufens im Hercules (Messier 13). Der eigentliche Sternhaufen liegt auf der photogr. Platte innerhalb eines Quadrates von nur 10 mm Seitenlänge (1 mm entspricht am Himmel 1'). In diesem Quadrate befinden sich mehr als 500 Objekte, teils mehr oder weniger dicht gedrängt stehende Sternchen von 12. bis 14. Größe, teils Nebelsterne und Nebelknoten. Dabei ist noch der Raum zwischen den einzelnen Sternen der mittelsten Partie bis zu etwa 2' Abstand vom Centrum mit Nebel ausgefüllt. Die Positionen aller dieser Objekte sind bis auf wenige Zehntel Bogensekunden sicher bestimmt worden.
Zur Bestimmung der jährlichen Parallaxen von Fixsternen ist die H. in den letzten Jahren mehrfach mit Erfolg benutzt worden; neuerdings ist es auch mit ihrer Hilfe gelungen, die Parallaxe von Nebelflecken zu bestimmen. (S. Nebelflecke.)
Wie vorauszusehen war, hat die h. auch gute Dienste bei der Erforschung der Oberfläche des Mondes geleistet. Eine große Reihe sehr guter Mondaufnahmen ist besonders auf der Lick-Sternwarte hergestellt worden, die den verschiedenen Phasen des Mondes angehören.
Bei den letzten Sonnenfinsternissen hat man eine größere Anzahl von Photographien der Corona erhalten, indem man gleichzeitig mit mehrern Objektiven von verschiedener Öffnung und mit Variation der Belichtungszeit photographierte, und es ist zu erwarten, daß man auf diesem Wege bei Ansammlung eines größern Beobachtungsmaterials Aufschlüsse über die wahre Form der Corona und die in ihr vor sich gehenden Bewegungen erhalten wird. Die Corona auch bei nicht verfinsterter Sonne zu photographieren, ist jedoch trotz vielfacher Bemühungen, und obgleich man schon mehrfach das Ziel erreicht zu haben glaubte, thatsächlich noch nicht gelungen.
In ganz ungeahnter Weise hat die H. zur Entdeckung neuer Planetoiden geführt, besonders durch die Arbeiten von Professor Max Wolf in Heidelberg und Charlois in Nizza. Während die Fixsterne ihre gegenseitige Stellung unverrückt beibehalten (abgesehen von einer etwaigen Eigenbewegung, die aber immer klein ist und sich erst im Laufe eines längern Zeitraums bemerkbar macht), zeigen die kleinen Planeten, die in ihrem Aussehen sich sonst nicht von einem Fixsterne unterscheiden, namentlich zur Zeit ihrer Opposition, schon im Laufe weniger Stunden merkliche Veränderungen ihres Ortes gegen die benachbarten Sterne. Bei einer mehrere Stunden dauernden Aufnahme einer bestimmten Stelle des Himmels werden daher sämtliche Fixsterne auf der photogr. Platte als mehr oder weniger große kreisrunde Scheibchen erscheinen, während ein etwa zwischen ihnen befindlicher Planetoid auf der Platte sich als ein kurzer Strich markiert, entsprechend dem Wege, den er während der Dauer der Aufnahme zurückgelegt hat. Es genügt also eine genaue Durchsicht der Platte, um den Planetoiden als solchen zu erkennen. Der Anwendung dieser Methode ist es zu verdanken, daß seit Beginn von 1892 etwa 100 neue Planetoiden entdeckt worden sind.
Ganz neuerdings hat man auch begonnen, die H. planmäßig auf die Erforschung der Meteoritenbahnen anzuwenden. Zu diesem Zwecke hat man eine Anzahl photogr. Cameras mit großer Öffnung und kurzer Brennweite in der Weise gemeinsam parallaktisch montiert, daß die Gesichtsfelder derselben aneinander grenzen. Auf diese Weise wird unter Anwendung eines Uhrwerkes eine größere zusammenhängende Partie des Himmels betreffs des Erscheinens von Meteoren unter Kontrolle gehalten. Das erste derartige Instrument wurde 1894 für die Sternwarte in Newhaven gebaut; es trägt sechs Cameras von 5 bis 6 Zoll Öffnung, die zusammen ein Feld von 600 Quadratgrad am Himmel bedecken. Soweit bekannt, hat bis jetzt der Erfolg jedoch noch nicht den gehegten Erwartungen ent-^[folgende Seite]