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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Internationale Bergarbeiterkongresse - Internationales Bibliographisches Institut
besucht von 474 engl., 123 franz., 46 deutschen,
19 belg., 7 ital., 12 schweizer., 1 rumän., 4 bulgar.,
7 russ., 1 poln., 1 ungar., 6 amerik. Vertretern. Dem
Kongreß ging eine grofte Friedenskundgebung im
Zydepark 26. Juli vorauf, wobei eine Resolution
gefaßt wurde zu Gunsten des Weltfriedens und des
Achtstundentags. Die ersten drei Tage des Kon-
gresses waren mit Verhandlungen über die Zulassung
der Anarchisten ausgefüllt; schließlich wurden die-
selben wie in Zürich ausgeschlossen und hielten des-
halb einen eigenen anarchistischen Kongreß ab. Um
für alle Zukunft das Erscheinen der Anarchisten un-
möglich zu machen, wurde beschlossen, bei folgenden
Kongressen Einladungen nur ergehen zu lassen 1) an
Vertreter aller Gruppen, die die Umwandlung der
kapitalistischen Eigentums- und Produktionsord-
nung in die socialistische Eigentums- und Produk-
tionsordnung anstreben und die Teilnahme an der
Gesetzgebung und die parlamentarische Thätigkeit
als ein notwendiges Mittel zur Erreichung dieses
Zweckes ansehen; 2) an alle gewerkschaftlichen Or-
ganisationen, die, wenn sie sich auch als solche nicht
am polit. Kampfe beteiligen, doch die Notwendig-
keit polit. und parlamentarischer Thätigkeit anerken-
nen. Infolge des gegen die Anarchisten gerichteten
Beschlusses erklärte Domela Nieuwenhuis, daß die
Holland. Socialisten nicht mehr an den I. A. teil-
nehmen würden; die Franzosen beteiligten sich in
zwei Gruppen gespalten.
Von den Beschlüssen des Internationalen Ar-
beiterkongresses ist bemerkenswert, daß die Resolu-
tion, betreffend dieVergesellschastlichung des
Eigentums wieder angenommen wurde und zwar
in der Fassung: "Der Kongreß erklärt, daß die Ar-
beiter aller Nationen die Vergesellfchaftlichung der
Produktions-, Transport- und Verkehrsmittel und
die Organisation der Produktion unter demokra-
tischer Kontrolle der ganzen Gesellschaft anzustreben
haben, um so die Arbeiterklasse und das unterdrückte
Volk überhaupt von der Herrschaft des Kapitals
zu befreien." Auch eine Resolution zu Gunsten
der Durchführung internationalen Arbeiterfchutzes
(Achtstundentag, Beseitigung des Sweatingsystems
und Kontrolle der Hausindustrie sowie Koalitions-
recht) wurde angenommen. In Bezug auf poli-
tische Aktion wurde beschlossen, das allgemeine
Wahlrecht unabhängig von allen bürgerlichen Par-
teien zu fordern; doch fand letzterer Zufatz bei Eng-
ländern und Franzosen Widerspruch. Für die Land -
frage wurde zwar als letztes Ziel die Verstaat-
lichung des Grund und Bodens gefordert, für die
augenblicklichen, zur Hebung der landwirtschaftlichen
Mihstände zu treffenden Maßnahmen aber jedem
Lande freie Hand gelassen, da die Verhältnisse zu
verschieden in den verschiedenen Ländern seien. Auch
bei der Erziehungs- und Kriegsfrage traten die na-
tionalen Gegenfätze scharf hervor; ein von engl.
Seite gestellter Antrag auf Einführung des Tabak-
uno Branntweinmonopols wurde von den deut-
schen Socialdemokraten heftig bekämpft. Im ganzen
zeigte der Kongreß von neuem, daß eine einheitliche
Auffassung über die Ziele, Tendenzen und die Taktik
der Arbeiterbewegung in den verschiedenen Län-
dern nicht vorhanden ist; namentlich die engl. Ge-
werkvereinler und die franz. Allemannisten (eine
Abzweigung der Possibilisten ss. d.), von ihrem
Führer Allemanne so genannt) bewiesen ihre von
den deutschen Marxisten durchaus abweichende Auf-
fassung. Es wurde beschlossen, den nächsten Kongreß
1899 in Deutschland oder, wenn dies Schwierig"
keiten machen sollte, 1900 in Paris abzuhalten.
Internationale Bergarbeiterkongresfe, s.
Vergarbeiterkongresse, internationale.
Internationale Bureaus, Centralämter,
welche von Internationalen Unionen (s. d.) zur Ord-
nung der gemeinsamen Angelegenheiten (insbeson-
dere Sammlung und Veröffentlichung der auf die
gemeinsame Angelegenheit bezüglichen dienstlichen
Mitteilungen) und zur Auskunftserteilung über die-
selben unterhalten werden. Solche I. B. unter-
halten in Bern 1) der internationale Telegraphen-
verein (s. Telegraphenverkehr IV, Bd. 15); 2) der
Weltpostverein (s. Internationales Bureau des Welt-
postvereins, Bd. 9); 3) die internationale Union
zum Schutz des gewerblichen Eigentums, seit 1888
verbunden mit dem internationalen Bureau zum
Schutz der Urheberrechte an Werken der Litteratur
und Kunst (s. Verner Litterarkonvention); 4) die am
internationalen Verner übereinkommen über den
Eisenbahnfrachtverkehr vom 14. Okt. 1890 beteiligten
Staaten <sog. Centralamt für den internationalen
Transport, 's. Eisenbahnrecht II, 3, Bd. 5). Die an
der Antisklaverei-Konferenzakte vom 2.Iuli 1890 be-
teiligten Staaten unterhalten I. V. in Sansibar und
Brüssel (s. Sklaverei, Bd. 14). Das erstere ist Sam-
melstelle für alle zur Förderung der Unterdrückung
des Sklavenhandels in der in der Akte vom 2. Juli
1890 umfchriebenen Meereszone geeigneten Urkun-
den, das zweite Sammelstelle aller in Anwendung
der Akte erlassenen Gesetze und Verwaltungsverord-
nungen und der statist. Nachweise, welche sich auf
den Sklavenhandel, die angehaltenen und befreiten
Sklaven, fowie den Waffen-, Munitions- und Spiri-
tuofenhandel beziehen. In Brüssel besteht ferner ein
Internationales Bureau für die Veröffentlichung
der Zolltarife (s. d.). In Paris besteht das durch
die Internationale Meterkonvention vom 20. Mai
1875 begründete Internationale Maß- und Ge-
wichtsbureau.
* Internationale Gerichte. Nach der Samoa-
konferenz vom 14. Juni 1889 ist in Samoa ein
oberster Gerichtshof vorhanden, bestehend aus einem
Oberrichter, der von Deutschland, England und den
Vereinigten Staaten gemeinfam, event, von Schwe-
den ernannt wird. ^Gletscherforfchung.
Internationale Gletfcherkommission, f.
Internationale Konferenz zur Verein-
barung einheitlicher Prüfungsmethoden
von Bau- und Konstruktionsmaterialien,
f. Materialprüfungsmafchinen.
InternationalerGenofsenschaftskongreß,
s. Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften.
Internationaler Verband für die Mate-
rialprüfungen der Technik, s. Materialprü-
sungsmaschincn.
Internationales Bibliographisches In-
stitut in Brüssel (Olücs intei-nationai äe didNo-
^i-Npdiö), begründet im Herbst 1895 durch einen von
D. La Fontaine und P. Ottet einberufenen internatio-
nalen Kongreß für Bibliographie (2. bis 4. Sept.),
der von verhältnismäßig wenigen Personen, vor-
zugsweise aus Belgien, besucht war, will den
zahlreichen Bibliotheken aller Länder die Arbeit des
Katalogisicrens erleichtern und sie zugleich einheit-
lich gestalten, indem sie ihnen Titeldrucke für die
neu erscheinende und nach und nach auch für die
ältere Litteratur liefert, sie zugleich nach dem Deci-
malsystem des Amerikaners Melvil Dewey ordnend